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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CARVED IN STO ....

CARVED IN STONE
Die Natur respektieren
Mystische Lieder und Texte, basierend auf alt überlieferten heidnischen Bräuchen, Carved in Stone verzaubern mit ihrem ersten vollständigen Album „Hear The Voice“ wie selten eine Veröffentlichung dieses, sehr mit der Natur verbundenen Genres zuvor. Die melancholischen Melodien wie auch die schwermütigen und zum Teil traditionellen Texte sind dabei der Ausdruck eines wirklich tief empfundenen Lebensgefühls, das sich in jeder Note und jeder Textzeile widerspiegelt und sich seinen Weg in die Herzen der Zuhörer bahnt. Dabei betrauert der Zuhörer den Verlust eines geliebten Menschen ebenso, wie er durch die Gärten der Feen wandelt oder den Boten Asgards willkommen heisst. Dass dieses offene Bekenntnis zum Heidentum dabei aus den Wurzeln des Black Metal erwuchs, macht das Projekt Swawas, der Protagonisten Carfed in Stones, nur um so reizvoller, verbindet man doch gerade mit Black Metal ein misanthropisches Lebensgefühl, verbunden mit der Schroffheit und der kargen Natur Norwegens. Um so überraschender diese tiefe Ergriffenheit, die Swawa mit ihren bewegenden Liedern zu kreieren im Stande ist.
>> Erst mal vielen Dank für das Lob! Es freut mich sehr, solche Worte über Carved in Stone zu hören. Allerdings kann ich dir kein stimmungserzeugendes Patentrezept für die Musik geben. Ein Faktor könnte aber tatsächlich ziemlich wichtig sein: Ich stehe wahrhaftig hinter jedem Wort, daß in den Liedern gesungen wird. Diese enge Beziehung zu den Songs beeinflußt viele Dinge, z.B. die Art, wie ich sie singe, wie lange ich gewisse Pausen in den Liedern mache, etc. Ich schätze, das sind Aspekte, welche die Musik von Carved in Stone auf ihre Art und Weise „ehrlich“ klingen lassen. <<
Wo man, wie eingangs bereits erwähnt, Bands wie Hagalaz Runedance oder Neofolk-Bands wie Dies Natalis als Quelle der Inspiration erwarten würde, finden sich ausschliesslich Metal-Bands als musikalische Referenzen. Wie kam es daher zu dieser Form der, wie du es nennst, mystischen Folk Music?
>> Metal beeinflußt mich seit nun fast vierzehn Jahren. Mit zehn begann ich Englisch zu lernen und erkannte recht bald, daß die meisten Sachen, die im Radio liefen, beschissene Texte ohne Aussage hatten und seelenlos und konstruiert wirkten. Ich begann dann, Hardrock zu hören, weil diese Musik das hatte, was das Radio nie hergab : Rohe, ungeschliffene Lieder, die Aussage hatten und mich berührten. Das Ganze setzte sich über die Jahre im Metal immer weiter fort, und so ist es bis heute geblieben. Die Aggression und der Bombast des Black Metal, die Brutalität des Death Metal, der Humor des Glamrock, usw. Das ist die eine Seite der zwei Welten, in denen ich lebe. Die andere Seite ist die stille Seite, die in der Vergangenheit lebt und ihr Zuhause in tiefen Wäldern hat. Das ist der feste Glaube an Feen und Elfen, die Melancholie der Träumerei und die Sehnsucht nach Stille. Dieser Welt entspringt Carved in Stone. <<
Vor Carved in Stone hast du neben Taunusheim in einigen (Black) Metal-Bands mitgewirkt. Wie kam diese Konstallation zustande und denjst du, dass es Gemeinsamkeiten zwischen der Black Metal-Szene und dem Heidentum gibt, bezogen auf ihre spirituelle Grundlage?
>> Definitiv. Lieder, wie sie auf Alben wie „Vittra“ von Naglfar oder „Hammerheart“ von Bathory zu finden sind, obwohl Bathory zu der Zeit schon keine wirkliche Black Metal Band mehr war, beinhalten sowohl Elemente der Natur als auch Elemente des Heidentums. Es besteht für mich auch kein Widerspruch darin, denn die Natur ist in vielerlei Hinsicht grausam und kann auf einen Schlag tausende von Leben zerstören. Es gibt im extremen Metal Bereich unzählige Bands, die man in diesem Zusammenhang nennen könnte. Die größte Gemeinsamkeit zwischen der Black– und der Pagan Metal Szene liegt aber eindeutig darin, daß beide den gleichen Feind haben: das Christentum. <<
Der Bezug zum Heidentum ist in allen Liedern offensichtlich und sicher auch deine Lebensmaxime. Was verbindest du mit dem Heidentum und dem Ausleben dieser ursprünglichen Werte? Ist dies in unserer, von Technologie geprägten Gesellschaft überhaupt in angemessener Form möglich?
>> Es ist alles möglich, wenn es einem wichtig ist. Ich lebe in einer Gegend, die es mir erlaubt, innerhalb einer halben Stunde mitten in einem reich bewaldeten Gebirge zu stehen, dem Taunus. Wenn man sich im Klaren ist, daß es die Natur ist, die über die Menschen entscheidet, und nicht andersrum, lernt man automatisch, sie zu respektieren. Mein Glaube entwickelte sich langsam, aber stetig, aus Dingen, die ich erlebt habe. Schon als Kind bin ich mitten in der Nacht ans Fenster gegangen, um mir die Blitze des Sommergewitters anzusehen. Ich nehme oft Sachen wahr, die keinen zu interessieren scheinen, irgendwelche Blumen am Wegesrand oder die heimkehrenden Schneegänse am Himmel im Frühling ... ich scheine die Welt um mich herum ganz anders zu sehen, als es viele Leute tun, die ich kenne. Man trägt seinen Glauben immer im Herzen, und wenn er dort verankert ist, braucht man weder irgendwelche Regeln noch irgendwelche religiösen Gruppen, um ihn auszuleben. <<
„The Forgotten Belief“ als Albumtitel scheint bereits auf die Stimme einer längst vergessen Religion zu verweisen, so dass die „Hear The Voice“ als Albumtitel beinahe zwangsläufig scheint. Ist der Eindruck richtig, dass die Zuhörerschaft mit dem Titel des Albums auf diese alte Naturreligion vorbereitet und gleichzeitig auch verwiesen werden soll?
>> Auf der Rückseite des Booklets steht ein Spruch von William Blake. Er bedeutet soviel wie: „Hört die Worte des Barden, der die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft sieht und dessen Ohren die heiligen Worte vernahmen, die die alten Bäume säuseln.“ Ich würde schon sagen, daß ich damit auf die Mächte der Natur hinweisen will. Ich spreche die Leute mit diesem Titel an, nach dem Motto: “Hört mir zu, ich will Euch von den Dingen erzählen, die die Menschen vergessen haben. Ich will Euch von Dingen erzählen, wie sie einst waren, voller Schönheit und Magie.“ <<
Wie entstehen deine Lieder, die ja Themen längst vergangener Zeiten aufgreifen und immer wieder in die Natur oder auch auf das von Gott gegebene Schicksal verweisen? Lassen sich Texte wie „Last Words“ oder „Heldentod“ auch auf unsere moderne Zeit übertragen?
>> Sicherlich existieren die Grundzüge gewisser Lieder auch in der heutigen Zeit. Heldentum, Mut und Ehrgefühl sind immer existent, weil es immer mutige und ehrenhafte Leute gab und geben wird. Auch ist die Natur heute nicht weniger mächtig, als sie es vor zweitausend Jahren war. Nur sind die Menschen damals respektvoller mit ihr umgegangen. Irgendwann wird sie sich dafür rächen, was wir ihr heute antun, und dann werden die Menschen wieder wissen, wo ihr Platz ist. Allerdings spielt der Glaube für viele Leute heute keine Rolle mehr und das Ganze ist ziemlich entschärft. Heute werden keine Heiden oder Hexen mehr von Christen getötet, deswegen ist die Gegenwehr der Antichristen nicht mehr so rabiat wie z.B. in „Heldentod“, wo ein Heide für seinen Glauben stirbt. Heute wendet sich das Ganze vielmehr gegen ein System, gegen die Verbohrtheit der Kirche und ihre völlig verdrehten Vorstellungen von Macht und Glaube. <<
Egal welches der Lieder von Carved in Stone man hört, stets entsteht dabei das Bild einer weitläufigen und friedfertigen Natur, beinahe so, als ob die Lieder auch inmitten der Natur entstehen. In welcher Stimmung und wo entstehen deine Lieder?
>> Die Lieder entstehen meist über einen längeren Zeitraum, Stück für Stück. Oft fallen mir spontan irgendwelche Textpassagen ein, die ich dann sofort notiere. Das passiert zugegebenermaßen oft in der Natur. Die Natur ist sehr vielschichtig, vereint gut und böse in sich. Dadurch bietet sie viel Material, über das man schreiben kann. Manchmal beeinflussen mich aber auch Songs oder Bilder, die eine gewisse Stimmung in mir bewirken. Mit den Melodien verhält es sich ähnlich, aber bei neunzig Prozent meiner Lieder entstand der Text zuerst, und die Musik wurde darauf aufgebaut. <<
Und wie entstehen die Texte? Beruhen sie auf eigenen Emotionen und Gefühlszuständen oder beziehen sie ihre lyrische Inspiration aus alt überlieferten Schriften?
>> Wie gesagt, die Texte kommen meist sehr spontan. Allerdings passiert es auch öfter mal, daß ich alte Gedichte komplett übernehme und nur die Musik dazu komponiere. Der Text zu „Das Lied“ stammt zum Beispiel nicht von mir. Ich habe ihn in einem Balladenbuch entdeckt und fand ihn halt so klasse, daß ich ihn unbedingt vertonen mußte. <<
„The Forgotten Belief“ beinhielt noch mehr Lieder in englischer Sprache, während der Anteil deutscher Texte auf „Hear The Voice“ deutlich zugenommen hat. Warum diese Abkehr von der englischen Sprache?
>> Das ist mir gar nicht aufgefallen ... hmm ... Einen gewissen Grund gibt es dafür nicht. Es kann gut sein, daß auf dem nächsten Album wieder mehr englische Texte sein werden, es kommt immer darauf an, welche Lieder ich unbedingt dabeihaben will. Zuhause warten noch etwa fünfundsechzig fertige Lieder darauf, auf die Menschheit losgelassen zu werden. (lacht) <<.
Das Heidentum wird leider häufig politisch in eine tendenziell rechte Ecke geschoben, nicht zuletzt auch durch solche Wirrköpfe wir Rob Darken von den Polen Graveland. Was denkst du über diese Verbindung zwischen Heidentum und Nationalsozialismus?
>> Ich denke, daß es keine Verbindung gibt. Der heidnische Glaube wurde von den Nazis verwendet, obwohl Hitler katholisch war. Das Ganze ergibt für mich keinen Sinn. Die Tatsache, daß die Faschos damals diesen Glauben angepriesen haben, ist für mich keine Rechtfertigung dafür, heute irgendwelche Runen zu verbieten, denn der Glaube und die Aussagen der alten Zeichen haben nie etwas mit dem 3. Reich zu tun gehabt, zumal sie über tausend Jahre vor dem ganzen Shit entstanden. Die Odal Rune z.B. steht für Heimat und Erbe, was ist an dieser Bedeutung so schlimm, daß man sie verbieten muß ? Das Ganze ist eine Sache der Aufklärung. Die Leute kennen heute doch kaum noch die wahre Bedeutung der Zeichen, weil im Geschichtsunterricht alles, aber kein Heimatkunde gelehrt wird. Die Menschen haben keine Ahnung, wer Hermann der Cherusker war oder wer Donar und Wotan sind. Im Geschichtsunterricht beginnt die deutsche Geschichte irgendwie immer erst kurz vor dem ersten Weltkrieg, zumindest war es bei mir so. Und Rob Darken ... mein Gott, der ist sooo doof. Jaja, „der arische Kampfgeist muß wieder erwachen!“, klar Robbie, und jetzt paß mal auf: Polen wurde von den Deutschen niedergerannt und die Arier sind in Wirklichkeit auch kein Volk von großen Nordmännern, sondern vielmehr genau das Gegenteil. Das ist das Absurd-Syndrom (Absurd, faschistische Black Metal-Band deren Sänger sich mit dem Tode an einem Klassenkameraden rühmte, Anm.d.Verf.): Schlechte Musik machen, aber dafür gaaanz evil. Wenn man´s mit seinem Können nicht schafft, bringt man eben irgendwelche Leute um oder wird Fascho, schließlich muß man ja schocken. <<
Schwarzdorn Productions, dein Label, als auch du bezeichnen die Musik Carved in Stones ganz bewusst als Mystic Folk, auch wenn eine musikalische Nähe zum Neofolk ohne Frage gegeben ist. Ist dies eine bewusste Abgrenzung?
>> Patrick von Schwarzdorn Production und ich wählten die Bezeichnung „Mystic Folk“, weil sie die Musik am besten beschreibt. Die Texte handeln oft von mystischen Sachen und die Musik kommt halt dem Folk am nächsten. Eine bewußte Abgrenzung vom Neofolk war allerdings nicht beabsichtigt, wir wollten das Ganze mit der Bezeichnung einfach ein bisschen näher beschreiben und vielleicht dadurch auch interessanter machen. <<
Fühlst du dich mit den oben genannten Bands wie Hagalaz Runedance, Dies Natalis oder auch Bands wie Sixth Comm auf spiritueller und vielleicht auch persönlicher Ebene verbunden?
>> Von den oben genannten kenne ich nur Hagalaz Runedance, und ich denke, daß es hier tatsächlich Parallelen gibt. Andrea Haugen besitzt natürlich viel mehr Wissen über die alte Religion als ich, und ich habe das Gefühl, daß ihre Musik auch oft in die meditative Ecke geht. Aber ich denke, daß uns die gleichen Dinge vorantreiben und wir auch beide den Leuten die alte Religion näher bringen wollen. Ein Gespräch mit ihr wäre bestimmt interessant, obwohl ich mir dann wahrscheinlich wie ein dummer, unwissender Depp vorkäme. <<
Werden Carved in Stine auch live auftreten und wenn ja, welchen angemessenen Rahmen kannst du dir selbst für diese Konzerte vorstellen und wünschen?
>> Im September findet im Odenwald ein Liverollenspiel statt. Ich habe eine Rolle als Teil der Dorfbevölkerung, und wenn abends in der Taverne die Stimmung gut ist, werde ich wohl auch als Bardin fungieren. Ich finde, daß das ein sehr passender Rahmen für ein Carved in Stone-Konzert ist, zumal ich mir vorstellen könnte, daß die Zuhörer mit der Musik auch was anfangen können. Aber richtig abendfüllende Konzerte kann ich mir im Moment nicht vorstellen. Ich alleine mit Gitarre wäre wohl nicht so aufregend und passende Musiker hab ich noch nicht gefunden, deswegen wird daraus in nächster Zeit noch nicht wirklich was ... kann sich aber noch ändern ... (zwinkert). <<
Welche weiteren Pläne stehen mit Carved in Stone nun an?
>> Carved in Stone macht jetzt erst mal Pause. Im Moment konzentriere ich mich auf meine andere Band, Taunusheim. Wir werden demnächst ins Studio gehen und dafür brauchen wir unsere ganze Energie. Aber ich denke, wenn mich die Leute weiter so lieb haben wie bisher, sieht es mit einem neuen Album von Carved in Stone Anfang 2005 gar nicht so übel aus ... auf diesem Weg auch vielen, vielen Dank an alle Mags und alle fleißigen Käufer für die Unterstützung!!! You rule! <<
Heil sei den Hohen !
Swawa
http://www.schwarzdorn.de
Michael Kuhlen


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