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MAGAZIN :: Index: 'A' :: ANVIL

ANVIL
Rückbesinnung auf die guten alten Tage
Die Kanadier Anvil gehören in ihrem Heimatland zur Metal-Fraktion der ersten Generation. Jahrelang konnte man sich international mit großartigen Werken wie „Hard `n` Heavy“, „Metal On Metal“ und „Forged In Fire“ neben der kraftvollen Konkurrenz behaupten und zumindest einen großen Teil des Underground-Kuchens für sich abschneiden. Ab Mitte der 80er Jahre traten mit „Back Waxed“ und „Strength Of Steel“ sowie dem letzten Release mit Original Gitarrist Dave Allison (verließ die Band 1989), „Pound For Pound“ etwas schwächere Beiträge in den Vordergrund, die der Band etliche Fans kosteten. Mehr schlecht als recht schlug man sich durch die Grunge-verseuchten 90er Jahre und konnte 1996 nochmal mit „Plugged In Permanent“ punkten. Die letzten vier Veröffentlichungen zwischen 1997 und 2002 wurden kaum noch wahrgenommen und der ehemalige Ruhm verschwand in der Versenkung. Angestachelt vom Ehrgeiz und mit einer bissigen Leck-mich-am-Arsch-Attitüde wollen es Shouter Lips und Co. mit dem aktuellen Werk „Back To Basics“ noch einmal wissen. Mit einer Kehrtwendung zum alten Stil will man versuchen verlorenen Boden wieder gut zu machen. Dummerweise hat man mit dem neuen Album einen Griff tief in die Scheiße getan (siehe Review) und trotz der ewigen Versicherungen von Interviewpartner Lips, dass es ihn einen Dreck interessiert, was andere denken, konnte man während des ganzen Gesprächs eine gewisse „Angepisstheit“ bemerken, die ihm im Laufe der Jahre im Musik-Business zuteil geworden ist.
>> Gefällt dir das neue Album, Steve? <<
Nicht wirklich. Außerdem muss ich gestehen, dass es nicht dermaßen an eure alten Glanztaten heranreicht wie ihr es vielleicht beabsichtigt habt. Ich bin immerhin Fan seit der ersten Stunde und denke, dass ich mir ein kleines Urteil erlauben darf. Es ist bei weitem nicht so rau, aggressiv oder speedig wie ihr früher wart. Zudem vermisse ich einen ganzen Haufen echte Knaller die einem die Birne wegreissen, wie es früher mit „School Love“, Hot Child“, „Shadow Zone“, „Free As The Wind“ oder dem genialem „Motormount“ gab.
>> Hm, nicht so rau wie die ersten Alben? Ich weiß gar nicht wie man so etwas beurteilt oder nach welchen Kriterien man da misst? <<
Man kann durchaus Vergleiche ziehen, sonst wäre mein Job sinnlos. Egal. Ich habe euch in den letzten Jahren ein wenig aus den Augen verloren. Könntest du zumindest von den wichtigen Highlights berichten?
>> Ich weiß wirklich nicht wovon ich reden soll. Was willst du hören? <<
Ok... (Normalerweise wäre das Gespräch jetzt von meiner Warte aus beendet, aber ich wollte Lips die Sache nicht so leicht machen)...?!? Wie wäre es, wenn du über einige geile Gigs berichtest, Line-Up Wechsel, Alben die veröffentlicht wurden, die dir besonders am Herzen lagen, vielleicht irgendwelche ungewöhnlichen Ereignisse?
>> Wir lagen zwischen den beiden Alben „Worth The Weight“ (1991) und „Plugged In Permanent“ (1996) eine zeitlang brach, und das war die einzige Zeit, in der das Line-Up geändert wurde. Obwohl wir kurzzeitig einen anderen Bassisten hatten. Aber er war so schnell wieder raus, wie er reinkam. Ansonsten waren wir in der Hölle und zurück. Wir wollten so laut und furios wie möglich mit unserer Musik beim Publikum landen, nur um rauszufinden, dass immer mehr Fans uns den Rücken kehrten. Das war mit Sicherheit ein Fehlschritt von uns als auch von den Medien, die uns als Speed-Metal Band darstellten. Eigentlich wollten wir immer die Musik machen, die du auf den ersten beiden Alben vorfinden kannst. Dieses Stigma, das uns angeboten wurde, nahmen wir herzlich auf, nur um festzustellen, dass es uns unserer ganzen Melodien und unseres Wiedererkennungswertes braubte. Irgendwann hatten wir die Nase voll und wollten uns wieder auf unsere wesentlichen Wurzeln konzentrieren. <<
Ihr habt dennoch euren Erfolg einem schnellen Album wie „Forged In Fire“ mit zu verdanken. Kann es sein, dass noch andere Faktoren der Grund für den Fanverlust waren, schlechtes Songwriting zum Beispiel?
>> Eigentlich hatten wir nie eine gute Promotionarbeit im Rücken seitens der Label. Ein zweiter wichtiger Punkt ist, dass die Zeiten sich änderten. Dagegen kann sich niemand wehren. Meiner Meinung nach stieg die Integrität der Band, aber niemand nahm Notiz von uns, da man nicht wusste, dass wir noch dabei sind. Das gilt besonders für Nordamerika. Was kann ich sonst noch sagen. Wir sind eine obskure Band mit dreizehn Alben. Warum existieren wir überhaupt, da wir nie sehr berühmt waren? Es ist ja nicht so, als wenn wir von dem Geld leben würden, das wir in der Vergangenheit verdient hätten. Wir haben nie Geld verdient, nur überlebt. <<
Was treibt euch dann voran?
>> Eine große Portion Dedikation. Aber ich bin mir nicht sicher. Eigentlich kann ich diese Frage nicht beantworten. Ich weiß es nicht. Manchmal wundert mich das schon. Irgendwann habe ich einfach vergessen warum ich noch Songs schreibe. <<
Wie wichtig war es für euch zu euren Wurzeln zurückzufinden?
>> Ultrawichtig. Am Ende des Tages merkst du, dass es keinen Ort wie zu Hause gibt. Neue Dinge auszuprobieren, die nicht passen, macht keinen Sinn. Wir hätten natürlich bis zum Ende der Band eine Thrash-Platte nach der anderen produzieren können, aber letztendlich kamen wir an den Punkt an dem wir fühlten, dass wir einfach das machen wollten, wonach uns gerade war. Musik pur aus dem Bauch heraus. Glücklicherweise haben uns alle Alben immer so weit gebracht das wir weitermachen konnten. Um ehrlich zu sein denke ich, dass wir zumindest eine der beharrlichsten Bands der Geschichte sind. Wir hatten niemals einen großen Hit, veröffentlichten nie ein richtig schlechtes Album, denn jedes Werk ist sehr heavy und zu keinem Zeitpunkt kommerziell, aber wir bekamen nie die teuren Produktionen, die anderen Formationen zuteil wurden, und an der Promotionarbeit haperte es ständig. <<
Dass man euch so selten live zu sehen bekommt ist sicherlich mit ein Aspekt der schlechten Arbeit der Labels?
>> Darauf kannst du wetten. Wenn du im Underground steckst und relativ verschroben bist, wie viel Zuschauer willst du ziehen? So ist das Leben. Für mich ist das Geschäft, kein Pferderennen oder irgendein Wettbewerb. Ich scher mich einen Scheissdreck um die Businessaspekte. Ich hasse es. Es ist ein großer Haufen „fuckin`“ Müll. Einfach alles. Selbst Kritiken in Musikmagazinen finde ich kacke. Ich schreibe einfach Musik und ob es Leuten gefällt oder ob sie es zerreißen interessiert mich nicht die Bohne. Ich mache einfach weiter. Wenn du das aktuelle Album nicht magst, dann vielleicht da nächste. "What the Fuck". Wenn du dich davon jemals ergreifen lässt, kommst du nie wieder los. Der ganze Markt wird in so viele Fragmente aufgeteilt, dass nichts mehr übrig bleibt um irgendjemanden zu beeindrucken. Ich bin ein Teil der Szene und mich hat in den letzten zwanzig Jahren gar nichts bewegt was auf dem Musikmarkt erschienen ist. <<
Das kann ich nicht so ganz nachvollziehen, da ich Alben aus der ganzen Welt erhalte und somit auf dem neuesten Stand bin. Und es gibt durchaus eine Menge guter Alben aus den letzten beiden Dekaden.
>> Es wiederholt sich einfach alles. Die Sachen, die ich gerne höre, sind seit langem verschwunden. Die jungen Bands haben nicht die gleichen Einflüsse wie ich und somit können sie meine Art von Musik nicht schreiben. <<
Auch das sehe ich anders, denn es gibt viele junge Combos mit Roots aus den 70er und 80er Jahren.
>> Egal. Der neue Metal ist einfach nur absoluter "Fuck as Fuck can be!" Zudem werde ich mich gewiss nicht ändern um so zu klingen. <<
Das ist sicherlich der Grund warum man euch Old-School nennt. Kannst du diesen Begriff nachvollziehen?
>> Yeah. Das geht voll in Ordnung wenn man bedenkt, dass ich 1965 angefangen habe Gitarre zu spielen. <<
Abgesehen davon, dass mir euer neues Album nicht so am Herzen liegt, ist die Auswahl der Songs doch vielfältiger als auf euren letzten Werken. Was hat sich sonst noch geändert?
>> Der Gebrauch der Melodien hat sich erhöht. Wir benutzen keine sexistischen Lyrics mehr. „Back To Basics“ ist frisch, hat aber einen bekannten Unterton, der typisch Anvil ist. Ich bin sehr glücklich mit dem neuen Release. Es ist genau das, was unsere Intention war. Ich wollte die 80er Jahre wieder einfangen. Es gibt einige Tracks die richtig alt sind, die wir seit den 80er Jahren mitschleppten und nie fertig geschrieben haben. Die Sachen wurden einfach überarbeitet. Damals wusste ich bei manchen Songs nicht wie ich sie richtig angehen sollte. Es war ein Lernprozess, der jetzt abgeschlossen wurde. Die letzten vier Alben gaben mir die Möglichkeit mir viele Sachen, die ich in der Vergangenheit versäumt habe, anzueignen. <<
Eure DVD liegt mir leider nicht vor. Wird sie nur als Bonus erscheinen oder gibt es sie regulär zu allen Alben?
>> Nein, sie bleibt lediglich ein limitierter Bonus. Die Aufnahmen stammen von einem Gig aus Wacken (1998, Anm.d.Verf.), aber sie wurden nicht im Studio nachgearbeitet. Einfach pur Anvil. Raw Footage. Ich kann dir ansonsten keine Dinge erzählen, da ich es selber nicht gesehen habe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es gut ist, da kein Geld in die Arbeit gesteckt wurde. Vielleicht besser als ein Bootleg. <<
Ihr habt immer den Amboss als Markenzeichen für eure Cover benutzt. Schränkt das nicht im Laufe der Jahre ein? War euch nie nach einem anderen Covermotiv?
>> Ich glaube nicht, dass dieses Thema öde wurde. Ich frage mich nur, wenn du mir solche Fragen stellst, ob du sie auch Lemmy stellen würdest? <<
Ich habe noch nie ein Motörhead Interview gemacht, stelle aber öfter fragen zu den Covers, wenn ich Bands ausquetsche.
>> Motörhead hat auch immer dasselbe Monster in ihrem Artwork. Und, warum nicht? Ich denke, es benötigt eine große Menge Fantasie um mit so viele verschiedenen Versionen des Amboss-Themas aufzuwarten. Es muss zur Musik passen und das ist der schwierige Aspekt. Viele Leute gucken sich kurz ein Albumcover an und entscheiden in zwei Sekunden, ob sie es mögen oder nicht und ignorieren die Gedankenwelt mit der man beschäftigt war, um ein passendes Bild zur Musik zu finden. Die Wahrheit ist, dass man sich laufend mit dem Thema befasst und sich den Schädel spaltet. Ich finde die fundamentalen Basics unserer Musik werden im Bild widergespiegelt. Und das gilt auch für die Musik an sich, selbst wenn du das nicht erkennst. Es gibt Songs die direkt zum ersten Album führen. Aus technischer und emotionaler Sicht kann ich dir etliche Beispiele nennen, wieso dieses Album zurück zu unseren Wurzeln führt. Ein Stück wie „Song Of Pain“ weist einige der Riffs auf, die du ebenfalls auf „Oh Jane Can You Wait “ (der Song heißt zwar nur „Oh Jane“ Mr. Lips, aber macht ja nix. Anm.d.Verf.) von unserem ersten Album findest. „Can`t Catch Me“ ist „Bondage“ rückwärts gespielt. Der durchschnittliche Hörer muss das nicht verstehen. Meinungen von außerhalb sind für uns nicht ausschlaggebend. Die Band ist wichtig. Dazu passend meine Aussage im Track „Go Away“: „Die einzige Meinung, die von Bedeutung ist, ist meine“. Leute von außerhalb sind nicht involviert und können zwangsläufig nicht urteilen. <<
Da die Sexlieder Geschichte sind, welche Themen greifst du auf?
>> Ich bediene mich aus dem Fundus der Realität. Das alltägliche Leben. Trauer, Angst oder Glück. Wir wollten uns von der Speed-Metal Band, die als Witz mit ihren Texten dastand, lösen. Viele Texte wurden einfach nicht verstanden. Der Humor blieb den fast männlichen Zuhörern verborgen. Du würdest nicht glauben wie homophobisch Männer sein können. Da kamen Fragen auf ob man schwul ist nur weil man ein bestimmtes Thema aufgreift oder Lyrics witzig interpretierte. Ich glaube auch nicht, dass jemand unsere alten Texte wirklich vermisst. <<
Wann können wir mit euch auf unseren Bühnen rechnen?
>> Es gibt Gespräche über dieses Thema, aber Konkretes kann ich dir nicht sagen. <<
Also eher nicht.

http://www.anvilmetal.tk
Steve Burdelak


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