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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CLOSTERKELLER

CLOSTERKELLER
Die Liebe zu dunkler Musik
Closterkeller sind das polnische Aushängeschild in Sachen düsterer, von Gothic beeinflusster Musik in unserem Nachbarland. Obwohl die Band um die charismatische Sängerin Anja Orthodox bereits seit 1988 aktiv ist und in ihrem Heimatland unangefochten die Nummer Eins in diesem Genre ist, so hat sich die Qualität der Band noch nicht wirklich bis in den Westen herumgesprochen. Dabei sind vor allem der Gesang Anjas und der stete musikalische Wandel der Band im Laufe ihrer mittlerweile sechzehnjährigen Karriere durchaus dazu angetan, auch bei uns Erfolge feiern zu können, ganz zu schweigen von der beeindruckenden Performance und der beinahe mystischen Ausstrahlung ihrer Sängerin, die das Publikum auf dem letztjährigen Wave Gotik Treffen zu begeistern wusste. Einen Eindruck davon vermittelt die im letzten Jahr auch in Deutschland veröffentlichte DVD „Act III – Live 2003“. Mit „Nero“ ist vor kurzem das nunmehr elfte Album Closterkellers erschienen, das wir zum Anlass nahmen, Sängerin Anja zu interviewen und gleich mit der Frage zu konfrontieren, ob man es im Lager der Band als Nachteil empfindet, aus Polen zu stammen.
>> Das ist doch für jede Band ein Nachteil, die nicht aus einem englischsprachigem Land kommt. Daher scheinen doch alle Bands, die nicht aus England oder den USA kommen, Exoten im Rock-Business zu sein. Aber es ist gut, dass zumindest ein paar von diesen Bands Erfolg haben. Ich habe gehört, dass Vader und Behemoth im Ausland durchaus populär sind, und dass es Leute gibt, die nicht wissen, dass diese Bands polnischer Herkunft sind. <<
Eurem Labelinfo ist zu entnehmen, dass ihr bereits an die 800,000 Alben verkauft habt, was für eine Goth-Band eine gewaltige Zahl wäre und deutlich etwas über die Popularität der Band aussagen würde. Fühlt ihr daher so etwas wie Neid aufkommen, dass ihr in einem Land geboren wurdet, wo sich der Erfolg anscheinend ausschliesslich auf eurer Heimatland bezieht und ausserhalb der Landesgrenzen kaum nach wahrgenommen wird?
>> Diese Zahl stimmt übrigens nicht. Wir haben zwar schon einige Platten verkauft, aber so viele sind es leider dann doch nicht. Es mögen ungefähr die Hälfte davon sein, aber sicher bin ich mir da nicht. Viele mögen mir das zwar nicht glauben, aber ich bin mehr daran interessiert Musik zu machen und wie man sie macht, anstatt mich dafür zu interessieren, wie gut sie sich verkauft. Was das Geld angeht, so interessiere ich mich nur dafür, wenn es auf meinem Konto ankommt. Und dann bin ich natürlich happy. <<
Ihr habt die “Castle-Party”, das bekannteste Goth-Festival in Polen, zusammen mit Clan of Xymox geheadlined und werdet als eine der wichtigsten „düsteren“ Bands Polens betrachtet. Wie schätzt ihr selbst euren Status in eurem Heimatland ein?
>> Wir hatten sogar bereits zweimal das Vergnügen mit Clan of Xymox zu spielen. Letztes Jahr waren wir zusammen mit Diary of Dreams Co-Headliner beim Castle Party-Festival und ein paar Jahre zuvor mit Inkubus Sukkubus. Wir hatten das Vergnügen unser Land neben solchen Weltstars zu präsentieren. Was die polnische Gothicszene angeht, so muss ich nicht ohne Stolz zugeben, dass wir wohl die populärste Band sind. Diese Position haben wir uns in den letzten sechzehn Jahren hart erarbeitet. Die Fans respektieren uns für das, was wir tun, wir lassen uns nicht von irgendwelchen Modeerscheinungen beeinflussen und halten und entwickeln nun bereits seit einigen Jahren den hohen Standard unserer Musik weiter. Viele Fans stehen schon seit Jahren zu uns, während wir auf der anderen Seite immer neue hinzugewinnen. Das ist aufregend und schön zugleich. Ich bin einer der zufriedensten und erfülltesten Künstler, die ich kenne. Künstlerisch wie auch finanziell hätte manches vielleicht besser laufen können, aber ich kann meinen Lebensunterhalt davon bestreiten. Als reich würde ich mich allerdings nicht bezeichnen. Das frustriert mich, wie auch die anderen Bands, die ich kenne, allerdings nicht. Es grenzt sie von der Gesellschaft ab und verhindert, dass sie nicht wie Robbie Williams verehrt werden. Ich denke, es ist offensichtlich, dass härtere und künstlerisch anspruchsvollere Musik wie Gothic, Dark oder Mystic Metal nicht so viele Menschen interessiert. Die Wahl zwischen „schöner“ Musik oder dem schnellen Geld fällt mir nicht schwer, und die sechzehn Jahre meiner Karriere bestätigen das, was ich sage. <<
Welche Bands haben Closterkeller musikalisch beeinflusst? Ihr habt mit vielen Bands unterschiedlicher Couleur gespielt, angefangen bei den Cocteau Twins, über die bereits erwähnten Clan of Xymox und Diary of Dreams bis hin zu Jethro Tull. Ihr habt ausserdem auf dem Wave Gotik Treffen in Deutschland gespielt und somit immer wieder andere ein unterschiedliches Publikum erreicht. Wir würdest du demnach den Stil Closterkellers beschreiben?
>> Wir haben verschiedene Gesichter. Wir können sowohl dunkle und gespenstische Konzerte spielen, wie auch mit wirklich harten Bands mithalten. Wir haben auch schon ein akkustisches und sehr sanft und warm klingendes Album gemacht. Wenn ich unserer Musik einen Namen geben müsste, würde ich es sicher nicht Gothic nennen. Um auf der sicheren Seite zu sein, fasse ich es meist als Dark Rock mit einem Gothic-Erbe zusammen, allerdings nicht frei von Einflüssen wie Metal oder Pop bis hin zu elektronischer Musik. Wir schöpfen halt aus vielen unterschiedlichen Quellen. Das liegt vor allem daran, dass wir nicht versuchen, uns innerhalb bestimmter Grenzen selbst zu beschränken und wir zudem alle sehr unterschiedliche Menschen sind, die sowohl ihre guten wie auch ihre schlechten Tage haben. Unsere Musik ist immer davon abhängig, wie wir uns an dem entsprechenden Tag, an dem wir spielen, gerade fühlen. Als wir anfingen waren wir blutige Anfänger, die absolut auf die damalige Post Punk-Bewegung abfuhren. Wir haben The Cure, X-Mal Deutschland, Dead Can Dance oder die frühen Nine Inch Nails gehört. Zudem alles vom 4AD-Label und Bands wie Killing Joke. So klangen wir damals dann auch ganz anders als heute. Das Line Up war ein anderes und ich bin die Einzige, die von damals übrig geblieben ist. Bereits damals war ich es aber, die für das künstlerische Klima in der Band verantwortlich war. So wie ein künstlerischer Direktor und Produzent. Ausserdem schreibe ich die Texte, was ein sehr wichtiger Bestandteil Closterkellers war und ist. Die Musiker, die später zu Closterkeller gestossen sind, standen mehr auf harte Musik und Heavy Metal. Die Zeiten haben sich verändert, und auch die Musik und das, was uns beschäftigt. Nicht zuletzt auch die Fans, die uns die ganez Jahre begleitet haben. <<
Was war der ursprüngliche Grundgedanke, eine Band wie Closterkeller zu gründen? Gab es ein festes Konzept oder „nur“ die Absicht, dunkle, gothicmässige Musik mit entsprechenden Texten zu spielen?
>> Einzig der Gedanke, dunkle und von Gothic geprägte Musik mit ansprechenden Texten zu spielen. Mehr nicht. Wir wurden von einer grossen Liebe zur Musik und dem Gefühl geprägt, uns durch die Musik und die Texte zu artikulieren. Mehr habe ich mir am Anfang gar nicht zu erhoffen und erträumen gewagt. Und sicherlich am allerwenigsten, dass ich irgendwann als Ikone der polnischen Gothicszene bezeichnet und für das verehrt werden würde, was wir erschaffen haben. Das ist unglaublich und vielleicht der schönste Traum, den man haben kann. <<
Wo siehst du, verglichen mit “Graphite”, dem Vorgängeralbum, die Hauptunterschiede zwischen den beiden Alben? Wie würdest du die musikalische Veränderung, die Closterkeller im Laufe ihrer Karriere durchlaufen haben, beschreiben?
>> Der grösste Unterschied zwischen “Graphite” und „Nero“, unserem letzten Album, ist der Ausstieg von unserem alten Gitarristen und dem Bassisten, die massgeblichen Anteil an den Kompositionen hatten. Dementsprechend ist „Nero“ das Album, bei dem ich den grössten Anteil an der Musik hatte. Naja, vielleicht nicht wirklich auf die Musik, da wir die Songs ohnehin zusammen komponieren, sondern auf die generelle Atmosphäre des Albums. Ich hatte dieses Mal auch zum ersten Mal eine klare Vision von dem Album, bevor wir überhaupt begonnen haben, daran zu arbeiten. Dies ist, um es kurz zu machen, wahrscheinlich das Album, das am meisten durch mich geprägt wurde, auch wenn ich immer schon für die dunklen, mystischen und melancholischen Elemente bei Closterkeller zuständig gewesen bin. Auf „Graphite“ und den Alben zuvor klangen die Gitarren noch weniger hart, abgesehen von „Purple“, unserem ersten Album, von dem ich denke, dass es gut ist, dass du das nie gehört hast. Ich sollte wohl hier auch gleich die Gelegenheit ergreifen und den Leuten verbieten, sich dieses Album anzuhören. Es ist einfach fürchterlich (lacht). Die nachfolgenden Alben waren dann zum Glück deutlich besser. Unsere Musik hat sich im Laufe der Jahre immer weiter entwickelt, aber ich glaube, sie hat ihre unverkennbare Qualität und den atmosphärischen Charakter nie verloren. Von Cold Wave- und Post Punk-Elementen über traurigen Dark Rock mit Metal-Einflüssen bis hin zu elektronischen Elementen. Und Gothic? Das war sicher immer da, mehr oder weniger sichtbar, aber doch stets vorhanden. <<
Würdest du mir zustimmen wenn ich behaupte, dass sich auf “Nero” musikalische Elemente befinden, die folkloristischen Ursprungs sind?
>> Vielleicht bin ich nicht in der Lage das richtig einschätzen zu können und meine slawische Seele überlagert diese Einflüsse, aber um ehrlich zu sein finde ich nicht, dass sich solche Einflüsse in unserer Musik widerspiegeln. Ich stehe auch gar nicht auf Folk. Manchmal gibt es hier in Polen Bands, deren Musik auf Folk-Einflüssen beruht, aber ich finde das fürchterlich und ekelerregend und sicherlich gänzlich ungeeignet für Closterkeller. Die einzige Ausnahme sind die orientalisch klingenden Melodien und Sounds, aber das ist etwas anderes und passt sehr gut zu Gothic Musik, wie früher bereits bei Sisters of Mercy und Dead Can Dance. <<
Was hat euch dazu bewogen, dass Album “Nero” zu nennen? Viele der Texte erwecken bei mir den Eindruck, dass sie sich mit den Themen der unglücklichen Liebe oder der verratenen Beziehungen beschäftigen.
>> Nun, es ist nicht so, dass wir den Titel aus einem italienischen Wörterbuch oder so hätten. Alle unsere Studioalben sind nach Farben benannt. Die Idee, ein „schwarzes Album“ zu veröffentlichen trage ich schon sehr lange mit mir herum. Jede Farbe reflektiert meinen Gemütszustand zum Zeitpunkt der Aufnahmen. Wie du erkennen kannst, wurde dieser Zustand ab einem bestimmten Zeitpunkt immer düsterer: das giftige Cyan, dann das überwältigende Graphit und nun der direkte Weg in die Dunkelheit. Mein ganze persönliches Leben brach in sich zusammen, ich versank in Depressionen und dann brach eine weitere, für mich sehr wichtige Beziehung zusammen. Das alles geschah durch eine dritte Person, deren einziges Ziel es war, ihr Selbstbewusstsein dadurch zu stärken, indem sie etwas zerstörte, was ich besass. Manche Leute erreichen ihr Ziel nur indem sie Dinge zerstören. Ich versank dadurch in Dunkelheit, in bösartiger, gnadenloser Dunkelheit, und das ist das Leitmotiv für „Nero“. Wenn die Verzweiflung dich in Abgründe hinabreisst, in die du nie blicken wolltest. Die Abgründe einer dunklen, bösartigen Kraft. Diese Dunkelheit, die ich in mir trug, ergoss sich über das gesamte Album. Manchmal war die Band richtiggehend paralysisert von dem, was ich da erschaffen hatte. Seinen Höhepunkt erreichte dies während der Aufnahmen im Studio, wo ich noch nie zuvor solch einen grossen Einfluss ausgeübt hatte. Als wir die Aufnahmen hinter uns gebracht hatten, fühlten wir alle uns psychisch krank und ich brauchte alleine einen Monat, um mich halbwegs besser zu fühlen. Das war keine angenehme Erfahrung, die ich nicht nochmal erleben möchte. Vieles davon findet sich in „Nero“ wieder. Das ist das einzige Album von dem ich abrate, dass meine Fans es ihren Kindern vorspielen. Ich versuche auch meinen Sohn davon abzuhalten, vornehmlich der Texte wegen. <<
Woher stammen deine Texte im allgemeinen? Schreibst du lieber auf einer rein fiktionellen Ebene, oder greifst du dir Themen aus deiner Umgebung und deinem Leben, um sie entsprechend zu verarbeiten?
>> Da gibt es eigentlich keine Regeln. Ich schreibe häufig über mich, meine Erfahrungen und was ich darüber denke. Manchmal kann mich aber auch eine Schlagzeile in einer Zeitung oder ein Satz, den ich auf der Strasse irgendwo aufschnappe, inspirieren. Ich unterhalte mich viel mit meinen Freunden, auch über die unterschiedlichsten Themen. Ich versuche in jeder Situation Dinge zu entdecken, die es auf den ersten Blick nicht zu entdecken gilt, und betrachte die Dinge daher aus verschiedenen Blickwinkeln. Marcel Proust ist zu einem spirituellen Führer in der Betrachtung der Welt für mich geworden, nachdem ich sein Buch „Rememberances Of Things Past“ gelesen habe. Er hat mich gelehrt die wechselnden Farben der menschlichen Gefühle, bezogen auf die jeweilige Situation, wahrzunehmen. Meine Texte sind ein wichtiges Element Closterkellers. Ich lege mein ganzes Herzblut in sie und viele unserer Fans lieben uns gerade dieser Texte wegen. Für mich ist das sehr wichtig, denn so, wie ich mich als Musiker empfinde, so empfinde ich mich auch als Poet. <<
Betrachtest du das Verfassen deiner Texte als eine Art Therapie, sich seine Probleme von der Seele zu schreiben?
>> Hauptsächlich schreibe ich aus der künstlerischen Erfahrung heraus, ganz so, als ob ich vor einer Leinwand sitzen und ein Bild malen würde, das mir im Kopf herumschwirrt. Ich male mit Worten, aber vielleicht suche ich manchmal auch nach Erlösung. Nur dies tut manchmal nur noch um so mehr weh. Fast so, als ob man Salz in eine Wunde streut. <<
Wie viele andere polnische Bands, Artrosis zum Beispiel, veröffentlicht ihr eure Alben zumeist in zwei Versionen. Der polnischen Version mit dem Gesang eurer Heimatsprache, aber eben auch in einer englischen Version. Ich persönlich finde es schade, dass ihr nicht den Mut aufbringt, auch international in eurer Muttersprache zu singen, besitzt die polnische doch nicht nur eine sehr eigene Phonetik, sondern auch eine gewisse Poesie und Melancholie, die, vergleicht man beide Versionen, in der englischen Übersetzung leider verloren zu gehen scheint. Denkst du, dass diese Übersetzungen den Originalversionen Rechnung tragen?
>> Wirklich? Und ich dachte immer, dass Ausländer unsere harte und rasselnde Aussprache abstossend finden würden (lacht). Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass sich meine Freunde vor Lachen auf dem Boden gewälzt haben als wir in Belgien waren und ich meine Familie in Polen anrief. Natürlich ist meine Muttersprache für mich die beste Möglichkeit mich auszudrücken. Ausserdem muss ich mich während des Singens nicht ständig auf die korrekte Aussprache konzentrieren. Ich fühle mich also schon sehr wohl, wenn ich in Polnisch singe, bin mir aber der Tatsache bewusst, dass dies nur in Polen so funktionieren kann. Wenn wir weiterkommen und auch ausserhalb Polens bekannt werden wollen, muss ich in Englisch singen um zu vermeiden, dass wir als ethnische Kuriosität wahrgenommen werden. Gott sei Dank bin ich in der glücklichen Lage, dass meine Texte wundervolle und tolle Übersetzungen ins Englische erfahren. Das ist nicht einfach, vor allem bei meinen Texten, die vor Metaphern und literarischen Bezügen nur so überquellen und sehr bildreich geschrieben sind. Zum Glück trafen wir Unicornis, einen sehr erfahrenen Englisch-Spezialisten und Poeten. Seine Übersetzungen sind brilliant: sie sind sehr exakt und sehr poetisch. Manchmal sind sie sogar besser als die Originaltexte. Ich habe daher überhaupt keine Befürchtungen, dass die englischen Tetxe Closterkellers wie ein geschorenes Schaf aussehen (lacht). <<
Eure Live DVD ist und die Show sind aufgrund all der theatralischen Momente sehr beeindruckend, was mich zu der Frage führt, ob ihr stets versucht einen Weg zu finden, eure Texte durch Schauspieler und die dazugehörige atmosphärische Show zu verdeutlichen?
>> Wir geben unser Bestes, aber normalerweise bringt uns die harte Realität schnell wieder auf den Boden zurück. Solche Shows sind nur bei grösseren Konzerten möglich, wo die ganzen technischen Voraussetzungen gegeben sind. In den meisten Fällen können wir nur eine gewisse Szenerie bieten und unsere Musik spielen, um unserer Musik zu unterstützen. Meist ist es alleine mein Job, zumal als Sängerin und einzige Frau in der Band. Im Grossen und Ganzen kriege ich das aber meist irgendwie hin. Wir sollten kürzlich in Deutschland auftreten, was leider nicht stattfinden konnte. Für diesen Auftritt hatten wir mit Feuerspuckern gerechnet, was in der Vergangenheit beinahe aber schon mal in die Hose gegangen wäre, nachdem einer der Feuerspucker beinahe die halbe Lichtanlage in Brand gesetzt hätte und ich Glück hatte, mich noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. <<
Die deutsch-polnische Geschichte ist in ihrer Vergangenheit immer schwer belastet gewesen und der Ruf vieler deiner polnischen Landsleute ist bei uns nicht immer der beste. Hast du in dieser Beziehung je schlechte Erfahrungen mit uns Deutschen, denen man ja immer wieder und gerne einen latenten Fremdenhass nachsagt, machen müssen?
>> Ich bin froh sagen zu können, dass mir so etwas noch nicht widerfahren ist. Ich beurteile Menschen anhand ihrer Handlungen, nicht anhand ihrer Vorfahren. Man sollte die Vergangenheit ruhen lassen. Fürchterliche Dinge sind passiert, aus denen jeder für sich seine Schlüsse für die Zukunft ziehen sollte. Aus diesem Grunde sollte man die Vergangenheit nicht vergessen. Es macht doch keine Sinn immer wieder zurückzuschauen und daraus neue und dumme Konflikte erwachsen zu lassen. Ich habe deutsche Freunde und wir haben uns oft über diese Themen unterhalten. Ich bin mir auch mehr oder weniger bewusst, welchen Stellenwert diese Dinge in den Köpfen jüngerer Menschen besitzen. Ich selbst bin voller Bewunderung für das deutsche Volk, seine Systematik und seine Präzision, die uns Polen manchmal leider fehlt. Ich finde, Deutschland ist ein sehr elegantes und sehr gebildetes Land und ich hoffe, dass wir nach der europäischen Einheit noch sehr viel von euch lernen können. Ich hoffe auch, dass wir dann in der Lage sein werden, euch die wahren polnischen Werte beweisen zu können, denn ich schäme mich für vieles, für das meine polnischen Landsleute bei euch verantwortlich sind. Wir wissen davon und schämen uns wirklich. <<
Was bedeutet es dir ganz persönlich ein Goth zu sein? Ist das ein besonderer Lebensstil, eine besondere Kultur innnerhalb unserer modernen Gesellschaft oder „nur“ eine nette Möglichkeit, dem täglichen Einerlei mit all seinen Problemen zu entfliehen?
>> Darüber macht man sich in Deutschland also immer noch so seine Gedanken (lacht)? Bei uns unterscheidet man immer noch zwischen der Definition der Goth-Musik und dem allgemeinen Konzept von Gothic. Die Meinungen diesbezüglich sind hier immer noch sehr geteilt. Für mich ist Gothic mehr als nur die Farbe Schwarz und die Musik. Für mich ist es das Innere eines Menschen, die Seele und die Art und Weise, wie er die Welt sieht. Irgendjemand hat Gothic treffenderweise mal als die „Dichte der menschlichen Seele“ bezeichnet und damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Goths sind Menschen, die Poesie in Dingen finden, wo andere nur die nackte Realität sehen. Sie nehmen die Schönheit der Dinge um sie herum wahr, wie auch all die unterschiedlichen Schattierungen, die die Farbe Schwarz mit sich bringt. Sie leben den Schmerz, den die Fröhlichkeit manchmal mit sich bringt. Dabei ist es nicht wichtig ob man der Schwarzen Gemeinde angehört. Es ist die Seele, die zählt. Das sind für mich die wahren Goths, zu denen auch ich mich zähle. <<
Nachdem ihr mit Closterkeller auch bereits im Ausland Erfahrungen sammeln konntet, gibt es da Unterschiede in der Art und Weise, wie sich die Menschen mit der Band auseinandersetzen?
>> Wir sind immer sehr gut aufgenommen wurden. Natürlich anders als hier in Polen, wo wir überall bekannt sind. Wir haben noch nicht viel im Ausland gespielt, was ich sehr bedauere. Wir waren schon in der Tschechei, Ungarn, Österreich, Weissrussland und natürlich auch in Deutschland. Jedes Land ist anders, aber um ehrlich zu sein, war die Zeit, uns einzugewöhnen, immer viel zu kurz, da wir meist immer nur zwei oder drei Tage dort waren. Beeindruckt hat mich das Publikum in Ungarn, weil ich dort den Eindruck hatte, Polen überhaupt nicht verlassen zu haben. Das war absolut unglaublich. Sie sahen aus und benahmen sie wie das Publikum in Polen und manchmal habe ich dabei wirklich vergessen, wo wir uns gerade befanden. Aber ich war schnell wieder zurück auf dem Boden der Tatsachen, als sie anfingen zu reden. Was für eine Sprache … (lacht). Deutschland werde ich aufgrund unseres Konzertes auf dem Wave Gotik Treffen letztes Jahr noch lange im Gedächtnis behalten. Ich habe es sehr gemocht. Unglaublich. Leider hatte ich kaum Gelegenheit Kontakte zu knüpfen. Ich kannte niemanden und kann mich nur an eine anregende Unterhaltung mit der Sängerin von Xandria und eine Gruppe von jungen Leuten erinnern, die uns nach dem Auftritt gratuliert haben. Ich wünschte, sie würden uns noch ein weiteres Mal einladen dort zu spielen. <<
Immer mehr Bands aus dem ehemaligen Ostblock gewinnen im Westen an Aufmerksamkeit, ohne dass wir eigentlich wüssten, wie sich die Szene in unseren östlichen Nachbarländern eigentlich darstellt. Gibt es eine grosse Szene mit jungen Bands, Magazinen, Fanzines oder Radioshows?
>> Die polnsiche Szene ist, wie überall, sehr unterschiedlich. Der Eiserne Vorhang ist schon so lange gefallen, dass es praktisch kaum noch Unterschiede gibt. Es gibt viele Bands, die mehr oder weniger interessant sind, aber über die der Zuhörer entscheidet. Ich kann mir da sicher kein endgültiges Urteil erlauben, finde aber, dass sich die Metalszene in Polen am schnellsten entwickelt, dicht gefolgt von der dunklen Subkultur unserer Szene. Es gibt eine Reihe von Clubs und immer mehr Leute fühlen sich zu diese Szene hingezogen. Die Szene vertraut auf das Internet und die Kommunikation über das Internet. Was Magazine angeht, so haben die Leute einfach nicht das Geld, sich all die Dinge leisten zu können, vor allem im Hinblick auf nicht kommerzielle und elitäre Unternehmungen. Was das Radio angeht, so hätte es schlimmer nicht mehr kommen können. Ich kann mir kaum vorstellen, dass TV und Radio noch kommerzieller werden können. Es gibt für Gothic keine Chance sich auf dem offiziellen und populären Markt zu behaupten. Es gibt ein paar Radiostationen, die Rock und manchmal auch Metal spielen, bei denen Gothic oder ähnliche Musik aber keine Chance hat. Zum Glück gibt es das Internet und Internet-Radios. Ich selbst höre viele dieser Internet-Radiosendungen. <<
Können wir in Zukunft mit weiteren Shows von euch in Deutschland rechnen?
>> Nein, nicht wirklich, auch wenn wir liebend gerne bei euch spielen würden. Unsere Hoffnung liegt momentan bei Sureshot, die mit unserem Label kooperieren. Wir geben die Hoffnung aber noch nicht auf und warten auf unsere Zeit. <<
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Michael Kuhlen


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