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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DISILLUSION

DISILLUSION
Komplexe Illusion
Definiert man Prog Metal als die unverhältnismässig hohe Anzahl von Breaks und Tempiwechsel innerhalb eines Taktes, oder als die Adaption neuer Einflüsse, die den Songs einer Band ein neues und bis dahin nicht gekanntes musikalisches Flair geben? Im Falle Disillusions trifft beides zu, denn das offizielle Debüt der Band, das über den langen Aufnahmezeitraum von acht Monaten entstand, ist ein komplexes, aber nie kopflastiges Album geworden, das in sich Einflüsse aus Prog, Black, Death und Thrash Metal vereint und zudem grossen Wert auf Melodien und Gesangsharmonien legt. Streicher runden den positiven Gesamteindruck des als Konzept angelegten Albums ab und dominieren vor allem den fast fünfzehnminütigen Titelsong des Albums in beeindruckender Art und Weise. Was Disillusion von vielen anderen Bands des Prog Metal-Genres abhebt, ist der Kompositionsfluss. Keiner der Song wird durch unnötige Breaks zerstückelt oder strotzt vor selbstverliebter Zurschaustellung technischer Fähigkeiten durch die Musiker. Songdienlichkeit ist das Zauberwort, und in dieser Hinsicht kann manch gehypte Prog Metal-Band von dem Leipziger Trio durchaus noch was lernen.
„Back To Times Of Splendor“ ist euer erstes vollständiges Album mit einer beinahe schon rekordverdächtigen Aufnahmedauer. Ich vermute mal, Metal Blade hat nicht mehr an das Erscheinen dieses Albums geglaubt, wie auch ihr aufgrund der langen Aufnahmedauer sicher desöfteren kurz vor dem Verzweifeln ward.
>> Ich denke schon, dass Metal Blade an das Erscheinen des Albums geglaubt haben. Nicht für umsonst haben sie so viel Geduld mit uns bewiesen. Wir mussten das Album einige Male verschieben und merkten ganz schnell, dass so eine Arbeitsweise für uns tödlich ist. Ich meine, eine gewisse Art von „Druck“ beim Arbeiten hat irgendwie fast jede Band. Man macht sich Gedanken ob das neue Material besser ist oder einfach eine Weiterentwicklung darstellt. Es stimmt schon, dass während dieser Aufnahmezeit genug Spannungen in der Luft lagen, die unsere „Beziehungen“ untereinander ganz schön strapazierten. Es gab Momente, da war einfach die Luft raus und man hat sich regelrecht angenervt gefühlt von dem anderen. Aber wiederum denke ich, dass wir in dieser Zeit viel von einander gelernt haben, vor allem auf der menschlichen Ebene. Denn wenn man solch eine Zeit voll von Spannungen übersteht und mit Bravour meistert, dann denk ich, hat man menschlich und vor allem musikalisch einiges dazu gelernt. <<
„Back To Times Of Speldour“ mit wenigen Worten zu umschreiben ist aufgrund der vielfältigen Einflüsse ein hoffnungsloses Unterfangen. Daher die Frage, wie ihr selbst die Musik Disillusions beschreiben würdet? Gibt es für euch so etwas wie selbstauferlegte musikalische Grenzen, so vielseitig, wie sich eure Musik darstellt?
>> Selbst für uns ist es nicht einfach, unsere Musik zu umschreiben. Zumindest nicht in einem Wort. Wir machen uns ständig darüber Gedanken, wie man unsere Musik beschreiben könnte, denn irgendwie ist sie doch ein Output davon, was wir persönlich gern hören. Und jeder von uns hört zu Hause ganz andere Sachen, die sich weitab vom Metal wiederfinden, zum Beispiel normale Rock/Pop Sachen, Jazz oder Klassik, Folklore Musik oder Film Musik. Ich denk schon, dass jeder von uns da sehr „open minded“ ist und immer wieder offen für neue Sachen. Und genau das hört man auch auf dem Album. Wir versuchen diese verschiedenen musikalischen Inputs miteinander verschmelzen zu lassen. Natürlich ist es ja schon noch Metal, was gerade die Intensität und die Dichte des Albums ausmacht. Ich glaube nicht, dass wir uns selber da musikalische Grenzen auferlegen. Jeder von uns hat da sicherlich jetzt schon einige Ideen und Gedanken, die wir dann für das Songwriting der neue Platte verwenden können. <<
So viele musikalische Einflüsse wir ihr verwendet, so vielseitig werden auch eure persönlichen Hörgewohnheiten sein. Benennt doch bitte mal ein paar eurer musikalischen Einflüsse. Bands wie Anacrusis, Sanctuary oder deren Nachfolger Nevermore meine ich in jedem Fall heraus zu hören.
>> Der Einfluss von Nevermore lässt sich natürlich nicht von der Hand weisen, wobei wir Anacrusis dann doch gar nicht kennen bzw. nur vom Namen. Ich hab zwar mal ein paar Sachen gehört, aber jetzt nicht weiter verfolgt, wobei das keine Wertung dieser Band darstellen soll. Viele unserer Einflüsse stammen von skandinavischen Bands wie Opeth, Soilwork, Meshuggah oder Emperor, um mal einige zu nennen. Auch Dream Theater oder Gorefest zählen mit zu unseren Faves. Wobei wir, wie schon oben, genannt auch Rock/Pop Musik hören wie z.B. Dave Matthews Band oder Jazz wie Allen Holdsworth. Sogar avantgardisitische Sachen wir John Zorn oder Arvo Pärt. <<
Besteht bei soviel Komplexität der Songs zuweilen nicht auch die Gefahr, dass Ihr eure Zuhörer mit der Vielzahl an Einflüssen und Breaks überfordert, auch wenn ich Disillusion bei weitem nicht als Progressiv Metal-Band im Stile DreamTheaters, also ohne jeden songschreiberischen Fluß, bezeichnen würde. Eher das Gegenteil ist der Fall.
>> Unsere Musik ist auf jedenfall sehr komlpex und dicht. Obwohl wir beim Songwriting für „Back To Times Of Splendour“ darauf geachtet haben, dass die Songs, speziell die beiden längeren, einen songschreiberischen Fluß erhalten und wir einfach nicht mehr soviel frickeln wollten wie auf den ersten beiden CDs. Dies schaffte dann mehr Raum für andere Instrumente, die diese Dichte erzeugen und dem Album einfach mehr an Weite gewinnen lassen. Natürlich kann ich mir vorstellen das einige Hörer beim ersten Mal hören ganz schön überrannt werden. Aber man sollte da nicht vorschnell urteilen und sich das Album auf jeden Fall mehrmals anhören. Man endeckt immer wieder neue Sachen und kann sich immer weiter in diese Stimmung vertiefen. <<
Wie wichtig ist für euch Spontanität innerhalb eurer Musik? Für spontane Sessions scheint im musikalischen Kontext der Band kein Platz zu sein, zumindest sicher nicht während der Liveshows.
>> Spontanität ist schon ein wichtiger Faktor innerhalb unserer Musik. Es kommt vielleicht darauf an, wie du diese Spontanität betrachtest. Es mag sein, wenn man das Album hört und feststellt, dass durch diese Komplexität und Dichte etwas an besagter Spontanität verloren geht, gerade wenn wir die Songs live spielen. Das liegt aber daran, das wir immer nur zu Dritt sind und live ohne Bassisten und Keyborder auskommen müssen. Diese Sachen kommen dann vom Band. Dies lässt sich momentan auch nicht anders lösen. Von daher ist unser Handlungsfreiraum live, was spontane Session betrifft, so gut wie eingeschränkt. Natürlich, wenn ein neuer Song im Proberaum entsteht, dann wird schon gejammt. Wir probieren da schon die verschiedensten Sachen aus. Selbst im Studio beim Aufnehmen sind viele spontane Sachen entstanden, die dann mit auf’s Album kamen. <<
Euch eilt einiges an Verschusslorbeeren ob der vorangegangenen EPs voraus. War der Erwartungsdruck, der während der Aufnahmen auf euch lastete, nicht zu gross und die lange Aufnahmedauer daher vielleicht auch das Ergebnis dieses Druckes?
>> Der Erwartungsdruck war schon gross und hat sich natürlich während der Aufnahmen bemerkbar gemacht. Aber die eigentlichen Verzögerungen resultieren daraus, dass die Songs nicht wirklich fertig waren, als wir mit den Aufnahmen begannen. Es gab zwar schon Voraufnahmen, aber es zeigte sich dann einfach, dass wir nicht so richtig zufrieden waren mit dem Ergebnis. Also wurden die Songs teilweise komplett umgeschrieben und geändert, um auch diesen Fluss in die Songs einzubinden, gerade bei „Back To Times Of Splendor“ und „The Sleep Of Restless Hours“, da diese die „Brocken“ des Albums darstellen. <<
Was war die ursächliche Idee, das Album „Back To Times Of Splendour“ zu nennen? War früher, auch wenn dies wie eine rhetorische Frage anmutenmag, wirklich alles schöner und besser?
>> Ursprünglich sollte das Album „Alone I Stand In Fires“ heißen. Doch irgendwie passte er nicht so richtig zu dieser Aufbruchstimmung, die wir so empfanden, und als der Song „Back To Times Of Splendor“ fertig geschrieben war, stand für uns fest, dass dieser Song automatisch alle Facetten und Gefühle dieses Albums widerspiegelt und einfach dafür geschaffen war, es so zu nennen. Früher war nicht unbedingt alles besser, sicherlich gab es Dinge musikalischer als auch privater Natur, die vielleicht sehr schön waren und sich heute einiges geändert hat, doch wir schauen auf jedenfall nach vorne, was Disillusion angeht. Schließlich ist es unsere erste Platte und wir wollen noch einige gute Alben an den Start bringen und uns selber weiterentwickeln. <<
Welchen lyrischen Hintergrund besitzen eure Texte? Mir scheint, ihr seht euch eher als Geschichtenerzähler denn als Selbstdarsteller, die in ihren Songs die eigenen persönlichen Probleme zu verarbeiten suchen.
>> Sowohl als auch. Die Geschichte des Albums basiert auf wahren Begebenheiten und fiktiven Erzählungen. Ich denk schon, dass wir uns bzw. Vurtox, der die Texte schreibt, sich auch persönlichen Problemen stellt und so von seinen tatsächlich erlebten Dingen berichtet in Verbindung mit einer Geschichte, die drum herum passend eingebunden wird. <<
Welche Geschichte erzählt „Back To Times Of Splendour“? Denkt ihr, dass sich eure Zuhörer ganz bewusst mit dem textlichen Konzept des Albums auseinandersetzen werden?
>> Es gibt eine Rahmengeschichte. Die Scheibe ist aber dennoch kein Konzeptalbum, was sagt: „OK, das wollen wir jetzt vertonen und haben eine massive Geschichte dafür“. Die Geschichte selber steht nicht im Vordergrund! Das prinzipielle Setting der Platte ist folgendes: Die Scheibe spielt in einem Bergdorf, wahlweise in den Alpen. Die Geschichte ist um 1820 herum angesiedelt. Darin geht es um einen jungen Mann, der in dem Dorf mit seinem Vater alleine lebt, die Mutter ist tot. Der Jüngling hat gleichzeitig in der Ortschaft eine Geliebte, die aber aus gewissen Umständen mit ihrer Familie nach Norden ziehen muss. Er steht nun vor der Qual der Wahl: Verlässt er seine Heimat und seinen ihn tyrannisierenden Vater, oder geht er mit ihr? Zunächst entscheidet er sich für seine Heimat, bis zu dem Moment, an dem er es nicht mehr ertragen kann und die Sehnsucht zu groß wird. So macht er sich auf den Weg und läuft seiner Liebe hinterher, folgt ihr nach Norden. Die Texte selber beschäftigen sich nun mit einzelnen Stationen seiner Reise: Punkte, an denen er sich aufhält; Stimmungen, die er spürt; Panik die er schiebt; Sehnsucht die er fühlt. Es sind also eher Episoden seines Weges, nachdem er aufgebrochen ist. Am Ende ist es dann so, wie am Anfang des Interviews schon gesagt: Die Platte bleibt letztendlich offen. Es gibt kein Ende, sondern nur einen Aufbruch ohne Ankommen, der Weg ist das Entscheidende. Der junge Mann kommt zwar an. Er kommt aber auch nicht an und entscheidet sich wieder zurück zu gehen, weil er sich bewusst wird dass, egal wie sehr ihn sein Vater unterdrückt, er nicht einfach aufbrechen und alles stehen und liegen lassen kann. Wir wollen aber wirklich Wert darauf legen, dass „Back To The Times Of Splendor“ kein Konzeptalbum ist. Es geht nicht um die Geschichte, auch wenn das Setting so scheint. Vielmehr geht es um die einzelnen Stationen und um die einzelnen Erlebnisse. Diese funktionieren wiederum auch ziemlich losgelöst von der Geschichte selber. Das war so die Triebfeder. Ich denke, dass es einige Leute gibt, die sich ganz intensiv mit dem textlichen Konzept der Platte befassen werden. Zumal, wenn man das Cover in seiner vollen Schönheit sieht, will man einfach nur wissen, welchem textlichen Ursprung es zugrunde liegt. <<
Als Trio seid ihr unmöglich in der Lage, die ganze soundtechnische Komplexität des Albums auf der Bühne umzusetzen. Ihr werdet also wahrscheinlich in starkem Maße auf Samples oder Gastmusiker zurückgreifen müssen, oder?
>> Das ist wohl wahr und wir sind gerade dabei die Songs für die Live–Shows vorzubereiten. Dies ist natürlich nicht ganz einfach, da man hier und da Veränderungen vornehmen muss, um die Songs live als Trio rüberzubringen. Bei den Shows kommt momentan dann der Bass und die Keys vom Band. Das lässt sich leider nicht vermeiden. Es wird schon ein wenig anders klingen, aber uns liegt es schon am Herzen, die Songs so weit wie möglich authentisch zu spielen und die Stimmung, so wie sie auf dem Album ist, zu verwirklichen. <<
Gibt es Pläne, die Songs von „Three Neuron Kings“, das seinerzeit ja in Eigenregie entstand, erneut zu veröffentlichen?
>> Wir hatten schon die Idee, irgendwann mal die „Three Neuron Kings“ mit neuem Sound wieder zu veröffentlichen. Aber momentan ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Wir werden jetzt erst mal schauen, was mit der Veröffentlichung des Platte alles passiert, dann werden wir sicherlich viel live spielen und uns an das Songwriting der nächsten Platte wagen. <<
Habt ihr bereits konkrete Pläne für eine Tour? Mit würdet Ihr am liebsten auf Tour gehen?
> Momentan gibt es noch keine konkreten Pläne für eine Tour. Metal Blade halten sich da noch bedeckt. Ich denke mal, dass Sie noch abwarten, wie das Album anläuft und dann entscheiden, ob eine Tour stattfinden wird oder nicht. Ich denke mal, wenn ich im Namen der Band spreche, dann wäre Opeth die Band mit der wir gerne mal eine Tour spielen würden. <<
http://www.disillusion.de
Michael Kuhlen


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