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MAGAZIN :: Index: 'B' :: BALANCE OF PO ....

BALANCE OF POWER
Perfektion im Underground
Es ist immer wieder erschreckend wieviel Müll sich in der Szene tummelt, während einzigartige Bands, die einen Überhammer nach dem anderen auf den Markt werfen, ein tristes Dasein fristen. Neben großartigen Formationen wie Eidolon, Tad Morose und Kamelot sind Balance Of Power allerdings in guter Gesellschaft. Selbst wenn die Kritiker die Bands mit Lob überhäufen hält sich der Absatz der Alben in Grenzen und lässt kaum für eine Tour aufkommen. Da ist seltenst mal ein Spot als Special Guest offen. Somit scheitert das Kennenlernen auch auf diesem Weg. Bleibt nur zu hoffen, dass wir Magazine mit den Interviews eine gewisse Zahl von Interessenten erreichen. Mit ihrem nicht mehr ganz so aktuellen Longplayer „Heathen Machine“ legen Balance Of Power die Messlatte für Power-Metal mit starkem Melodic-Input in astronomische Höhen, und dass dürfte bei der Konkurrenz für lang anhaltende Atemnot sorgen. Erstaunlicherweise hat die Trennung von Ausnahme-Sänger Lance King (mehr dazu in diesem Interview) der Qualität des neuen Materials keinen Abbruch getan. Ganz im Gegenteil, Neuzugang John K. passt so perfekt in die Band, als wäre er immer da gewesen. Jetzt ist die Formation wieder „all british“. Tony Ritchie, der nach dem zweiten Album das Mikro gegen den Bass tauschte, beehrte mich für eine knappe halbe Stunde am Telefon.
Fangen wir mal gleich mit der unangenehmsten Frage an. Warum verließ Lance King, der einzige Amerikaner, eure Formation ?
>> Lance hat die Band nicht verlassen, er wurde gefeuert. Er arbeitete in Amerika für unsere Plattenfirma und da er unser Sänger war vertrauten wir ihm. Wir klärten viele Sachen ohne Vertrag, was wir im Normalfall nicht so handhaben würden. Lance missbrauchte unser Vertrauen. Ich will nicht zu viel schmutzige Wäsche waschen, aber er hat Dinge getan, die nicht so ganz richtig waren. Danach konnten wir nicht mehr mit ihm arbeiten. Er hat uns alle sehr verletzt, und das ist sehr schade, denn wir haben eine Menge toller Alben fabriziert. Doch wenn du erfährst das ein Freund dich hintergangen hat, macht es keinen Sinn mehr. Es war ein trauriger Tag als alles entschieden war und es war sehr schwer für uns alle, nachdem wir über Monate das Thema beredet hatten, doch letztendlich mussten wir uns von ihm verabschieden. <<
Ist das Gefühl jetzt anders, da alle Mitglieder aus Großbritannien stammen?
>> Yeah! Im Moment ist es ein wenig komisch, denn es ist das erste Werk mit John, aber die Songs stammen noch aus der Zeit, in der wir mit Lance in der Krise steckten. Als wir die Lieder schrieben lag eine Menge Wut und Unsicherheit in der Luft. Viele Beiträge haben somit eine sehr persönliche Bedeutung. John ist in jeder Hinsicht ein ganz anderer Charakter als Lance. Zur Zeit haben wir sehr viel Spaß zusammen. Wir können zusammen in irgendwelchen Pubs abhängen oder das tun, wonach uns gerade ist, was mit Lance, der in den USA wohnte, einfach nicht möglich war. Mit ihm trafen wir uns immer nur zu besonderen Ereignissen. Es ist wieder wie in einer richtigen Band. <<
Wie seit ihr denn mit John zusammen gekommen?
>> Es gab einige Sänger die zu einer Audition auftauchten und ich bin mir nicht sicher, ob ich jetzt Namen nennen soll, da ich keine Gefühle verletzen will. <<
Dann lass es einfach bleiben.
>> Sehr schön. Vince Brotheridge, der Promoter vom Bloodstock-Festival, das hier in England abgehalten wird managt eine Band namens Biomechanical. Diese Band ist eigentlich John`s Baby und Vince meinte, John wäre an einer Zusammenarbeit interessiert. Wir kannten uns ein wenig, denn wir hatten letztes Jahr zusammen auf dem eben genannten Festival gespielt. Wir wussten also, dass sie eine gute Band sind und das John ein echtes Gesangs-Juwel ist. Wir unterhielten uns öfter und probierten einige Stücke im Studio, was uns sehr gefiel. Jeder war hinterher der gleichen Meinung, dass es fantastisch wäre, sollte diese Konstellation funktionieren. Danach arbeiteten wir uns Stück für Stück voran. Nachdem wir das Album fertig hatten wurde er Teil der Band und es macht ihm riesigen Spaß, denn er bringt sich zwar ein, muss aber nicht alles selber in die Hand nehmen, wie in seiner eigenen Band. Hier kann er sich damit Vergnügen ein Teil des Ganzen zu sein. Bei Balance Of Power schreiben Pete Southern und ich die meisten Tracks. Aber bei „Just Before You Leave“, der schon einige Zeit auf dem Buckel hat, da ich ihn schrieb, als mein Vater letztes Jahr im Krankenhaus an Krebs starb, brachte John sich beim Umschreiben voll ein. Ich hatte ihn so persönlich getextet, als eine Art von Therapie, dass John ihn unmöglich so singen konnte. <<
Stand es jemals zur Debatte, dass du wieder die Vocals übernemen würdest?
>> Nein, auf gar keinen Fall. Balance Of Power hat sich im Laufe der Jahre, als ich mit dem Singen aufhörte, dermassen weiter entwickelt, dass ich mir das nicht mehr zutrauen würde. Ich kümmere mich nur noch um die Backing-Vocals und singe allerhöchstens mal ein Demo ein, um den anderen eine Idee zu geben. <<
Im Info wird behauptet, dass ihr in den Fußstapfen einer berühmten Band aus Seattle wandert. Ich gehe mal davon aus, dass Queensryche damit gemeint ist. Jetzt hat die Stimme von John K. eine gewisse Ähnlichkeit mit Geoff Tate, aber die Musik ist doch weiterhin typisch Balance Of Power.
>> Der Vergleich mit Queensryche verfolgt uns schon seit dem Zeitpunkt, als Lance in die Band einstieg. Als Pete auf „Book Of Secrets“ kompositorisch in die Yngwie Malmsteen-Klassik-Schiene schielte, gab wohl die Kombination zwischen Pete und Lance den Ausschlag bei den Kritikern, dass wir in die Queensryche-Ecke gedrückt wurden, zumal das Werk als Konzept-Album gedacht war und einige meinten, den Vergleich zu „Operation: Mindcrime“ ziehen zu müssen. Diesen Vergleich wurden wir nie los. John, der eine enorme stimmliche Bandbreite hat, sollte erst mal die Vocals einbringen mit denen er sich wohl fühlte. Bei Biomechanical singt er teilweise sehr aggressiv und wütend, aber das ist nicht Balance Of Power. Er kann aber auch süß wie ein Engel klingen. Das Ergebnis hast du gehört. Vielleicht hat er einige Queensryche-Elemente in seiner Stimme mit eingebracht, aber so singt er eben. Manche haben schon Rob Halford oder Phil Anselmo bei ihm rausgehört. Aber er hat so viele Nuancen in seiner Stimme, dass es zwangsläufig zu Vergleichen kommt. <<
Obwohl eure Alben absolut perfekt klingen und ihr mit jedem neuen Werk einen Bonus ergattert, scheint es so, als wenn ihr anderen Bands im gleichen Genre erfolgsmäßig hinterherhinkt. Woran liegt das?
>> Falls das wirklich der Fall sein sollte, kann ich wenig dazu sagen. Als Songwriter und Komponist interessiere ich mich wenig für andere Bands und mag auch vieles nicht von dem, was sie einspielen. Ich bin da wirklich nicht auf dem neusten Stand was die Konkurrenz betrifft. Wir wollen auch auf keinen Zug aufspringen, nur um erfolgreich zu sein. Was die Plattenverkäufe und die Live-Präsenz betrifft haben wir nicht so viel erreicht wie wir es gerne gehabt hätten, dafür sind wir uns treu geblieben und produzieren die Sounds, die uns am Herzen liegen. Wir haben zwar fünf Alben gemacht, sind aber immer eine kleine Band geblieben, die noch wachsen muss. Es ist hart ein großer Fisch im kleinen Teich zu sein. Wir haben einige Sachen geplant, über die ich noch nichts konkretes sagen kann, falls sie aus irgendwelchen Gründen doch nicht stattfinden. Da will ich niemanden enttäuschen. Es soll nicht nachher heissen das wir Bullshit reden. Dennoch gibt es Pläne, dass wir Europa beackern und sogar in den USA auf Tour gehen. Hier in England stehen einige Festivals an. Wir versuchen ständig unser Bestes zu geben und hoffen, dass es Anklang findet. <<
Was ist die „Heathen Machine“?
>> Die „Heathen Machine“ steht als Synonym für das, was aus uns werden kann. Ein jeder findet seinen Lebensweg auf eine andere Art und Weise und entwickelt im späteren Verlauf seines Lebens eine gewisse Routine die er verfolgt. Ob sie jetzt religiöser, beruflicher oder künstlerischer Natur ist, spielt dabei keine Rolle. Es gibt bestimmte Abläufe im Dasein, die den Menschen ausmachen. Dazu gesellen sich aufgrund verschiedener Geschehnisse Veränderungen die beeinflussen wie wir werden. Es ist mehr ein Image als ein Statement. (Die restliche Erklärung war so komplex und ausufernd, dass selbst mir als Ersatz-Kanadier der ausgeprägte Wortschatz fehlt um eine adäquate Übersetzung zu liefern, falls ich überhaupt alles richtig verstanden habe, Anm.d.Verf.) <<
Wie wichtig sind für euch die Lyrics und in welchem emotionalen Zustand müsst ihr euch befinden, um in richtiger Schreiberlaune zu sein?
<< Für mich bedeuten die Texte alles. Sie sind mein Hauptarbeitsbereich. Ich bin ein fanatischer Sammler von Texten, Statements oder Phrasen, die mich berühren oder das aussagen, was ich denke oder fühle. Manchmal verarbeite ich Dinge, die ich auf Reklametafeln sichte. Ich habe im Studio eine große Pinwand, wo ich alle Sprüche aufbewahre und nach Belieben nutze. Während ich mir dann die Musik wieder und wieder anhöre gucke ich mir meine Pinwand an und manche Sätze bleiben einfach bei einer bestimmten Melodie hängen. Ich sauge mir selten etwas aus den Fingern. Der Rest fliesst dann von alleine. Wenn ein Song dann fertig ist habe ich dem eigentlichen Satz eine tiefe Bedeutung verpasst und das kann sehr befriedigend sein. Oftmals lege ich Sachen beiseite und krame sie zu einem anderen Zeitpunkt wieder hervor. Ich quäle mich nicht rum, wenn etwas nicht auf Anhieb funktioniert. Ich muss mich aber nicht in einer bestimmten Laune befinden um zu texten. Den einzigen Text, den ich aus meinem tiefsten Herzen verfasst habe, war der für meinen Vater. Es war das erste Mal das jemand, der mir so nah stand, starb und es musste einfach raus. <<
Diesmal habt ihr euch für ein sehr untypisches Cover entschieden. Wie kam es dazu?
>> Mit den ersten Covern wusste man direkt was man uns erwarten durfte. Davon wollten wir Abstand nehmen. Wir befinden uns in einer neuen Phase der Bandgeschichte und wollten, dass das ganze Drumherum auch neue Züge annimmt. Wir wollten uns einen neuen Zugang gönnen, vielleicht künstlerischer Natur. Du hast leider nur die Promo-CD und dir entgeht das volle Artwork, das sich durch das ganze Booklet zieht und eine komplette Sequenz darstellt. Gleichzeitig sollte es zeitgemäßer sein. <<
Wie definiert ihr euren heimischen Status im Vergleich zum restlichen Europa?
>> Überraschenderweise hat man uns im letzten Jahr zu einigen Festivals auf der Insel eingeladen. Es gibt schon einige Leute, die wissen, wer wir sind, gerade bei Rock- oder Metal-Festivals. Sie kommen dann auf uns zu und sprechen uns an. Das finde ich grossartig. Das befindet sich jedoch bei weitem nicht auf dem gleichen Level wie der Erfolg, den wir in anderen Ländern erreicht haben. Das wird wahrscheinlich immer so bleiben, es sei den, alles in England würde sich komplett ändern. <<
Das glaube ich eher nicht, haha.
>> Es gibt ja kaum Möglichkeiten wo man auftreten kann. Früher, in der guten alten Zeit der 80er Jahre, die wir mitgemacht haben spielten, Pete und ich in allen wichtigen Clubs die es damals gab, bis wir sie verschwinden sahen und so gut wie nichts davon übrig blieb. Das ist sehr traurig. <<
Wie erfolgreich war die Tour mit Pink Cream 69 und Axxis für euch, die 2000 stattfand?
>> Das war der Hammer. Selbst unser Label Massacre war beeindruckt und bestätigte uns, dass dies wohl eine der erfolgreichsten Aktionen seit einer verdammt langen Zeit gewesen sei. Für uns war es schon sonderbar, denn wir traten als erste von drei Bands auf und dachten, dass wir jeden Abend vor sechs Leuten spielen würden. Wir waren sehr überrascht das sich schon fünfzig bis siebzig Prozent der Zuschauer im Saal befanden, als wir auf die Bühne kamen, anstatt, wie oft üblich, später einzutrudeln. Deswegen ist es besonders schade, dass es so lange dauert, bis wir ähnliches wiederholen können. Massacre und unsere Publishing Firma Brainstorm versuchen eine Tour für 2004 zu organisieren. <<
Wie würde das Billing aussehen wenn ihr die Headliner sein könntet?
>> Wir sind gar nicht würdig als Headliner zu fungieren. <<
Oh ,oh, fishing for Compliments, haha.
>> Black Sabbath mit Ronnie James Dio als Sänger wäre wunderbar. Von den aktuellen Bands wäre Audioslave recht. <<
Sehr bescheiden. Wie stehen die Aktien zu einer eigenen DVD?
>> Wir haben auf der letzten Tour einiges aufgezeichnet, sind aber aufgrund der Umstände mit Lance nicht dazu gekommen das Material auszuwerten. Es liegt allerdings nur kurzzeitig auf Eis. Es wird jedenfalls eine umfangreichere DVD mit vielen Extras und nicht nur eine Aufzeichnung von Live-Shows werden. Material ist genug vorhanden. <<
Was geschah mit deinem anderen Projekt, „United States Of Mind“ (das Debüt-Album „Silver Step Child“ erschien 2000 bei Massacre Records, mit den drei Balance Of Power Musikern Tony Ritchie an Mikro und Bass, Pete Southern an den Klampfen und Lionel Hicks hinter den Kesseln)?
>> Eigentlich hatte ich meine Karriere als Sänger an den Nagel gehängt, aber die japanische Plattenfirma überzeugte mich ein Album mit einigen der Jungs zu machen, das musikalisch in eine etwas andere Richtung ging. Für mich war es nur eine Gelegenheit aus dem Vertrag raus zu kommen. Eine Art den Stinkefinger zu zeigen. <<
Dafür war das Material aber ziemlich eindrucksvoll. Ergo gibt es kein weiteres Album in dieser Konstellation?
>> Ich denke nicht, denn meine restliche Arbeit beansprucht mich enorm. Vielleicht, wenn wir die Zeit dazu haben, greifen wir das Thema nochmal auf. Dann werden sicherlich einige andere Freunde mitwirken, was die eigentliche Idee war. <<
Ich warte gierig.
http://www.balance-of-power.com
Steve Burdelak


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