Obliveon - Metal und Gothic Webzine
 :: Suchen 

 :: Obliveon.de
· Home
· MySpace
· Links

  Info...
· FAQ
· Kontakt
· Impressum
 

 :: Magazin
· GESAMT
· News
· Interviews
· Konzert/Festivals
· Specials
· Foto Galerie

 :: Reviews
· GESAMT
· CD Reviews
· CD Import
· Eigenpressungen
· White Metal
· DVD/Video
· Bücher/Magazine

MAGAZIN :: Index: 'A' :: ATROCITY - ST ....

ATROCITY - STUDIOREPORT ZU "ATLANTIS"
"We are the Gods of Nations".
Wahrlich, der deutsche Metal-Zeus, welcher nach den Gesetzen herrscht und solches wohl zu erkennen vermag, beschloss, als er ein treffliches Geschlecht schmählich herunterkommen sah, ihnen Strafe dafür aufzuerlegen, damit sie, durch dieselbe zur Besinnung gebracht, zu einer edleren Lebensweise zurückkehrten. Er berief daher alle Götter in ihren ehrwürdigsten Wohnsitzen zusammen, welcher in der Mitte des Weltalls liegt und eine Überschau aller Dinge gewährt, welche je des Werdens teilhaftig wurden, und nachdem er sie zusammengerufen hatte, growlte er sein Urteil über Atlantis & die Verschiebung der Pole brach hörbar über sie herein!
So trug es sich, frei nach Plato, an einem Freitag den 13ten unweit der schwäbischen Metropole zu. Schreiberlinge aller namenhaften Magazine zogen gen Fellbach ins "Mastersound Studio" um den letzten Wehen des nunmehr elften Silberlings der Grausamkeit beizuwohnen. Die Hausherren präsentierten an den Wänden, der stylish eingerichteten 400qm, ihre bisherigen Greueltaten & die all ihrer Schützlinge. Bei der Begrüßung äußerte Alex Krull auch gleich sein Wohlgefallen über die Platzierungen seiner Liechtensteiner Vasallen Elis in den Gothicworld-Charts, die mit ihm gerade hier an einem neuen Album werkeln. Ein ruhiger, gemütlicher und nicht mehr ganz schlanker Mittdreißiger, der nur zu froh über den ganzen Rummel in seinem Regieraum ist. Im normalen Leben mehr ein viel beschäftigter Producer und frischgebackener Papa, der viel lieber auf Familie macht, statt auf exzessiven Metal-Star.
In einer Zeit wo Metallica dem Nu-Metal hinterherschrammelt und Sepultura ewig die gleiche Klampfe schlagen wagte man sich wieder an ein Konzeptalbum mit dem sagenumwobenen Thema "Atlantis". Herzstück dessen ist aber "not just the blabla stuff" sondern die philosophische Aufarbeitung des Untergangs und seiner Parallelen im jetzt und hier… damit das Mysterium nicht zu arg narkotisiert, wird es nicht nur erstmals in der Musikgeschichte so umfassend sondern auch gleich im Nackenbrecher-Takt abgehandelt! Was treibt eine Band zu solchem Konzept-Aufwand? Ist hierfür ein Urlaub in der Ägäis verantwortlich… adäquat zur Transsilvanienreise fürs ‚Blut´-Album? Die Quelle der Inspiration lag viel näher.
Gattin Liv Kristin ist Wassermann, Basser Matze Röderer studiert Geschichte, Chris Lukhaup schrieb, neben seinen Parts für Atrocity und Leaves’ Eyes, das weltweit erste Buch über nahezu alle bekannten Flusskrebsarten und im Studio steht ein Piranha-Becken… das Webproject atlantia.de sorgte für die Basis der Lyrics, wurde in Anbetracht der kommenden CD tatkräftig bei der Übersetzung ins Englische unterstützt und sorgte für den profunden Background der Listening-Handouts.
Doch nun ging´s ans Eingemachte, gleich Track 1, „Reich of Phenomena“ macht unerbittlich klar, die Begeisterung fürs Thema schlägt sich in feinstem technischen Death-Metal nieder. Der kommt wie ein fetter Asteroideneinschlag daher und macht deutlich, dass nach den vergangenen drei Jahren kein Platz mehr für den ‚Sound of Silence´ ist. „Superior Race“ bestätigt im Anschluss ebenso brachial den Abgesang an ‚Neue Deutsche Werke´. Atrocity waren schon immer eine Erscheinung, die sich jeder Berechenbarkeit entzog und sich in keine Ecke drängen liessen. Die Suche nach "Atlantis" hat unser aller Verständnis antiker Kulturen revolutioniert und brachte auf jeden Fall etwas Verschwundenes zum Vorschein, Leistungen und Wissen längst verschwundener Völker und eine Ausnahme-Band zurück zu ihren Wurzeln! Die hier besungenen Übermenschen wurden auf Gottes Geheiß ausgelöscht… Dank dieser göttlichen Fügung wird man wohl nicht neuerlich ein riesiges Hakenkreuz auf offener Bühne zertrümmern müssen, um gelegentliche Missverständnisse auszuräumen.
Mit dem dritten Akt beweisen Atrocity, dass sie nie in einer kreativen Sackgasse parken würden. „Gods of Nations“ klingt vielschichtig arrangiert, sehr melodisch und aufgrund des Chorus gerade zu hymnisch. Ein Mitgröhlhit par excellence! Bei „Ichior“ wird das Ohr zuerst mit der fast fühlbaren Imposanz der prachtvollen Städte und Häfen, der goldverbrämten Paläste und dem unendlichem Reichtum der Insel verwöhnt, um dann mit Drums in Rammlermanier und Death-Grunts an die Opfersäule geführt zu werden!
Spätestens hier bin ich der Meinung, dies ist eine gekonnt überholte Version der zweiten „Non-Plus-Ultra“ Scheibe. Doch kein „Fatal Step“ und keine „Hallucinations“. Alles knackiger und klarer, auch Alex zeigt erneut, wie variabel seine Stimme ist. In der Vergangenheit gab´s gelegentlich Schelte fürs Organ, hier klingt es wohltuend clean oder growlt, was die alten Bänder so hergeben. Der nächste Streich bringt uns das Geheimnis der Insel mit einem balladesken Intro ´rüber, dann weibliche Vocalparts (Frau oder Schwester?) und ein satter Refrain mit euphorisch gehauchtem „Enigma“. Kurze Pause für Zwischenfragen aus dem Auditorium und Zeit für jede Menge Bourbon um ein sichtbar geschocktes schwedisches Hirn zu kühlen ;) Treffend dazu Track 6. „Morbid Mind“ wartet mit Drumstakkato und wahrhaft morbiden Vocals auf. Das Urteil der Götter wird verkündet, hier endet Platos Niederschrift abrupt und auch die bisherige Linie des Albums. „Omen“ wirkt als Break nachhaltig, sehr getragen und mit mehrstimmigem Vocalintro. Höre ich hier gar Streicher? Ein guter Übergang zur ersten (und garantiert nicht letzten!) Single-Auskopplung „Cold Black Days“. Was für eine kraftvolle clubtaugliche Hymne mit prägendem Klavierintro und durchweg klaren Vocals. Kindliche Abzählreime mit Gitarren unterlegt sind ab jetzt Charts-Historie! Hinterher der Single-Bonustrack „Antediluvian World“, der neben einem Das Ich-Remix ab 15.03.04 die geneigten Hörer ergötzen wird. Der für die Single versprochene Multimedia-Part war bereits als Screensaver überall zu bestaunen.
“Atlantean Empire“ gab´s noch im Roughmix zu hören, schlicht, um die Wartezeit auf’s Album unter Hochspannung zu halten.
Mächtig und kriegerisch reihte sich „Clash Of The Titans“ in die Perlenkette. Fanfaren, Schalmeien, Gongschläge und spannungsgeladene Drums bringen das Ganze wieder in die Richtung der ersten drei Tracks. Aggressivität in Musik und Kriegsgeschrei zeichnen diesen Track aus. Man ist hier schließlich bei den "Kings of the Darkness" zu Gast! Die wissen nur zu gut, wie man „Apocalypse“ spielt, bevor man über das „Lost Eden“ lamentiert. Doch dies ist nur ein sphärischer kurzer Übergang zu „The Sunken Paradise“, meinem definitiven Favoriten dieses Albums! Akustikgitarre, Geplätscher und ein hitverdächtiger, andachtsvoller Refrain. Der Track vereint alle Stärken dieser Band! Freitag der 13. Aberglaube war gestern! Inzwischen bei Track 14 angelangt, sollte nun noch der Refrain für „Aeon“ produziert werden. Mit niemand anders als den Pre-Listening Gästen, was für eine hinterhältig gelungene Überraschung! Wer noch kurz an Marketing und Schiedsrichterbestechung glaubte, wurde von Alex kurz inhaltlich eingewiesen. Es sind die letzten echten Helden der Historie, die ihr vermeintliches Wissen in die Welt als Boten der Götter einbrachten und sie wurden überall in der Welt verstreut. Grund genug, um in Gruppen von jeweils drei Leuten in den Recording-Raum zu gehen und den Refrain in verschieden colourierten Dialekten unter Angstschweiß einzugröhlen! Was für ein Gemetzel und Blanko-Rezept für den HNO-Arzt. Angesichts der Kommentare aus der Regiekanzel fiel schon mal der böse Name "Herr Bohlen". Und richtig, ausser Donovan hatten sich ja auch „Mord und Totschlag“ mal per SOS mit dem Thema Atlantis ins moderne Gespräch gebracht ;) Richtig clever wäre natürlich eine neuerliche auf 666 Exemplare limitierte Version mit den Sessionpics der Chorknaben von „Sonic Seducer“, „Orkus“, „Legacy“, „Rock Hard“, „Zillo“ und und und… „Ein Volk“ bereitete dem Treiben ein fulminantes Ende und es wurde zur Uraufführung des frisch abgedrehten Videos für „Cold Black Days“ gebeten.
Wer jetzt nach den allseits beliebten Fetish-Girls in knappem Lack und Stahl lechzte wurde eines Besseren belehrt, Nippelgate-Auswirkungen im Schwabenland! War ja auch nicht notwendig, angesichts der liebreizenden Promoterinnen Iris und Eva, dem Rohdiamanten aus der Eisenerz-Grube. Auf dem Bildschirm lief ein MTV/VIVA tauglicher Phantasie-Clip, dessen Schauplätze ein Schloss, ein Gewölbe sowie ein Wasserturm sind. Immer wieder hat das junge Mädchen eine Karte von Atlantis zur Hand und begibt sich auf die Suche. Gedreht wurde mit einem dreissig Mann starkem Team in und um Mönchengladbach.
Wer so früh am Valentinstag nicht das Bad von schwedischen Ergüssen reinigen musste und auch sonst noch nicht genug hatte, ging zur Aftershow in die Ludwigsburger Rockfabrik, dem Stammlokal der inzwischen arg gebeutelten Entdeckungsreisenden. Nach einem unwiederbringlich geilem Tag durfte ich noch am frühen Morgen lernen, dass echte Vampire nur bei Elvis entspannen können und mit Putzfrauen verheiratet sind, Frühlingserwachen hier von Laserpointern belichtet wird, Stuttgarter Bordsteinschwalben ihr morgendliches Chill-Out beim Kaffee in der Kneipe gegenüber betreiben, tja, und nur energiereiche Valentinstaggeschenke werden von Geschöpfen des Garten Eden ohne Widerrede entgegengenommen!
Ivo Klassmann (The-Gothicworld.de) für Obliveon.de


[ Zurück zum Index: 'A' ]
 

[ Unsere Webseite weiterempfehlen ] [ Impressum ] [ Seitenanfang ]

© Oblivion 1998-2002 Alle Rechte vorbehalten

Haftungsausschluss/Disclaimer

technisches Konzept, Programmierung & Webdesign by M. Koschinski / C. Fessler