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MAGAZIN :: Index: 'J' :: JANUS - STUDI ....

JANUS - STUDIOREPORT ZUR "AUFERSTEHUNG"
In einem kleinen Nest, irgendwo hinter Frankfurt, nah bei Darmstadt, da wo die Straßen „Tanneweg“, „Hasenpfad“ oder „Jagdweg“ heissen. Wo es nur eine einzige Ampel gibt, sich Reihenhaus an Reihenhaus schmiegt und die Wege so sauber sind, dass man nicht zu rauchen wagt, weil man ja die Asche nicht auf den Boden fallen lassen will...
Dort also, im Keller eines solch gepflegten Häuschens befindet sich das „Nachtschicht“ Studio, das immerhin schon so illustre Gestalten wie SAMSAS TRAUM oder SOPER AETERNUS gesehen hat, oder eben JANUS. Diese, genauer gesagt Studioboss Tobias Hahn und Stimmwunder Rig, hatten zum nachmittäglichen Kaffeekränzchen geladen, um einen ersten akustischen und optischen Eindruck auf das neue Album „Auferstehung“ zu gewähren. Schnell wurde klar, dass das, was uns da am 19.03. erwartet, nicht gerade ein Album ist, das man mal eben so nebenbei hört. Vier Jahre haben sie sich Zeit gelassen. Vier Jahre, insgesamt 40 Musiker, die sich gelohnt haben und die man dem Werk anhört. Das erste, was auffällt, ist, dass Janus sich durchaus weiterentwickelt haben. Neben den schweren, brettharten Gitarrenwänden und martialischen Schlagzeugattacken sind es vor allem die vielen filigranen und akribischen Kleinigkeiten, die dem Album eine musikalische Spannung verleihen, die es in sich haben. Neben Glocken, Marimbas, Streichern und Bläsern erklingen (echtes) Piano, diverse Geräusche, elektronische Sounds und experimentelle Strukturen, die auch schon mal so ungewöhnliche Sounds wie Latino-Rhythmen andeuten. Über allem thront die unvergleichliche Stimme Rigs, mal mächtig und aggressiv, mal zärtlich und gebrochen und immer wieder von Gastsängerinnen und am Ende sogar von einem Chor begleitet. Daneben erklingen bekannte Synchronsprecher im Intro und im Outro.
>> Wir wollten nach „Schlafende Hunde“ eigentlich gar kein Konzeptalbum mehr machen <<, erklärt Rig. >> Am Anfang war „Paulas Spiel“, das wir schon kurz nach „Schlafende Hunde“ geschrieben und ins Liveprogramm aufgenommen haben. Nach und nach entstanden immer mehr Stücke, die am Ende plötzlich wieder eine Geschichte erkennen ließen. <<
Auch wenn diese nicht eindeutig zu greifen ist, könnte es sich um die Geschichte einer Frau handeln, die einst missbraucht wurde und jetzt daran zerbricht. Erzählt von jemandem der sich in sie verliebt hat. Es könnte aber auch sein, dass sie einfach „nur“ schizophren ist oder einer körperlichen Krankheit erlegen ist. Die Interpretationen sind dem Hörer überlassen.
Janus bestehen darauf, dass es sich nicht um eine Geschichte im klassischen Sinne handelt, weil ihnen dies im Entstehungsprozess mehr Freiheit erlaubte. Eine Freiheit, die man dem Endprodukt anhört. Hier herrschte die Freude am Experiment, und der Wahnsinn zweier Künstler, die immer wieder auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten sind. Selbst Triangeln oder Xylophone wurden in mühevoller Kleinarbeit in irgendwelchen Konservatorien aufgenommen und stundenlang nachbearbeitet, statt sie einfach nur aus dem Sampler zu laden. Das hört am Ende ausser den Künstlern kaum jemand heraus und so fragt man sich dann fast etwas verwundert, wie sie es geschafft haben, dieses Werk dann doch „schon“ nach vier Jahren fertigzustellen. Ein Album, bei dessen Hören man trotz aller schönen und leisen Momente, trotzt aller musikalischen Spannung zwischen Härte und Gefühl und vor allem auf Grund der textlichen Wucht sehnsüchtig auf die im Titel angekündigte „Auferstehung“ wartet. Eine Erlösung, die aber nicht kommen will. Die sich zwar zum Ende hin in einem brachialen und symphonischen Werk ergießt, dabei klassische, ja schon sakrale Ausmaße annimmt, den Hörer aber durch die textliche Aussage, dass jetzt sowieso alles wieder von vorne beginnt, eher verstört zurücklässt.
Man kann dem Wahnsinn hinter der Geschichte also nicht entrinnen, wird man aber gerne wieder auf „Replay“ drücken, denn musikalisch gibt es viel Neues zu entdecken.
Dass Tobias und Rig zwei Verrückte sind, die ohne Rücksicht auf Konventionen ihr Ding durchziehen, wird nicht nur bei den Erzählungen über den langen Entstehungsprozess von „Auferstehung“ klar. Das Album erscheint in einer limitierten Edition, was wahrscheinlich der beste Weg ist, um den CD-Brennern zu entkommen.
Ausgehend von einer Idee des Verlags „Feder & Schwert“ vertonten JANUS die Rollenspielserie „Kleine Ängste“. Eine Geschichte irgendwo zwischen „Alice im Wunderland“ und „Es“ von Stephen King, in der sich kleine Kinder in einer Art „Welt hinter den Spiegeln“ ihren Kindheitsängsten stellen müssen. Das ist sehr makaber und düster in Szene gesetzt, denn all die Monster, die uns unter dem Bett auflauern, sind uns allen nur zu gut bekannt. Und um dieser Erinnerung an unsere eigene Kindheit noch einen drauf zu setzen, schrieb Rig eine Geschichte, die von einem bekanten Hörspielsprecher zu einem Hörbuch gemacht wurde. Ein Sprecher, den wir alle schon vor zwanzig Jahren auf all den „Benjamin Blümchen“- und „Bibbi Blockberg“-Kassetten unserer Kindheit gehört haben. Gänsehaut pur also. Und irgendwie hat man dabei das Gefühl, dass kaum jemand diese Geschichten je besser vertont hätte, als eben JANUS, zwei wahnsinnige Künstler, die seit Jahren konsequent an ihrem Traum arbeiten, selbstkritisch auf der Suche nach der absoluten Perfektion sind und dieser mit der „Auferstehung“ verdächtig nahe gekommen sind, obwohl sie natürlich jetzt schon den einen oder anderen Kritikpunkt und Verbesserungsvorschlag an ihrem Werk hätten. Dieses Album der Welt noch länger vorzuenthalten wäre allerdings fast schon ein Verbrechen.
Etwas Sorge hatten sie schon, erzählen sie, ob die Welt sich überhaupt noch an JANUS erinnern würde. >> Man hat uns ja immer erzählt, dass das Musikbusiness ein sehr schnelllebiges Geschäft sei <<, meint Rig dazu. >> Wir haben ja nicht nur vier Jahre für das Album gebraucht, wir waren in der Zeit ja auch nicht großartig live vertreten, oder mit irgendwelchen Singles präsent. Also streckten wir erst mal über unser Homepage und ein befreundetes Internetmagazin die Fühler aus. Wir waren überrascht über die zahlreichen Reaktionen. Unsere Fans waren ja doch noch nicht ausgewandert oder gar ausgestorben. <<
Vielleicht war dies auch der Punkt, der die Beiden dazu gebracht hat, das Album dann doch endlich mal zu beenden. JANUS machen Kunst, mit der man sich auseinandersetzen muss und die genügend Ecken und Kanten bietet, um sich daran zu stossen. Die hin und wieder eingängige Parallelen zu bekannten Acts aufweist, insgesamt aber extrem eigenständig ist. Das Artwork, auf das wir dann auch noch einen Blick werfen konnten, setzt dem Album dann die Krone auf. Hier erscheint ein Gesamtkunstwerk, das fast alle Sinne anspricht und genug Beschäftigung für viele Tage und verschiedene Stimmungen bietet. Ein Werk, das man immer wieder hören kann, ja fast muss. Dessen zwei umfangreiche Booklets man immer wieder in die Hand nehmen und anschauen, ja lesen möchte.
Ein optischer und akustischer (Alp)traum. Dunkel, schwer, faszinierend, komplex, verwirrend, wunderschön, berührend und wahrscheinlich süchtig machend.
Das neue Album von JANUS wird ein Machwerk im positiven Sinne. Und vor allem eines, auf das es sich gelohnt hat zu warten.
Willkommen in der Welt hinter den Spiegeln.
http://www.knochenhaus.de
Thomas Sabottka (The-Gothicworld) Fotos: Michael Kuhlen


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