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MAGAZIN :: Index: 'A' :: ANATHEMA, 03. ....

ANATHEMA, 03.02.2004, Aschaffenburg "Colos"-Saal
Anathema
Opalessence,


Aschaffenburg, "Colos"-Saal

03.02.2004
Dienstag Abend, halb Neun in Deutschland: Während in gutbürgerlichen Wohnzimmern Bier und Chips für die erste Fußball-Live-Konferenz im Öffentlich-rechtlichen bereit gestellt werden, pilgern inmitten der Fußgängerzone des malerischen Aschaffenburg die Konzertfreunde zum Vorzeige-Club „Colos-Saal“, der sich so langsam zur ersten Adresse im Großraum Frankfurt entwickelt, wenn es um Live-Mucke mit Niveau geht. Opalessence starten bereits eine halbe Stunde früher als offiziell ausgegeben ihren Set vor vielleicht 150 Besuchern und wirken dabei auf dem vorm Equipment der Hauptband verbleibenden Platz einigermaßen zusammen gepfercht. Sie erscheinen zwar nicht ganz so enthusiastisch wie beim CD-Release vor einigen Monaten, bringen aber ihren anspruchsvollen Gothic Metal mit amtlichem Sound erneut professionell rüber. Alle Songs vom starken "Future Memorabilia"-Werk erlangen Gehör, wobei "Ballad For The Drowned One" für mich den Höhepunkt markiert. Die Band präsentiert sich ausgenommen sympathisch, allen voran Sängerin Ruth , die nicht nur mit ausdrucksstarkem Gesang zu überzeugen weiß, sondern auch einen ganz eigenen Stil vorweisen kann. Sehr natürlich, trotzdem anmutig, dabei aber alle Klischees der Trällerfee-Kaste spielend außen vor lassend hat sie das Publikum jederzeit im Griff. Gitarrist Marko ist das zweite Aushängeschild; er bringt mit gelegentlichen Growl-Einlagen Farbe ins Spiel, hält sich dabei aber angenehm zurück, so dass nicht das übliche Wechselspielchen entsteht, das mittlerweile schon reichlich ausgelutscht ist. Einen Special Effect unfreiwilliger Art bietet Keyboarder Felix beim ersten Song, als ihm das obere Klimperbrett abschmiert und nur mit Mühe vorm Sturz bewahrt werden kann. Der Ärmste kann es kaum fassen, dabei hätte er daraus mit ein bisschen Fantasie eine coole Einlage Marke "Ryo Okumoto" machen können. Tipp fürs nächste Mal: Einfach zu Boden gehen und den wilden Tastenmann mimen! Neben dem älteren "Morning Dew" kommen wir zum Schluss noch in den Genuss eines brandneuen Songs, der mich zumindest auf Anhieb allerdings noch nicht so ganz begeistern kann. Trotzdem ein klasse Auftritt einer sehr talentierten Formation, der hoffentlich eine größere Zukunft bevorsteht. Das Zeug dazu haben sie auf jeden Fall.
Ich schaue mich um und wundere mich etwas, dass kaum mehr als 250 Nasen den Saal bevölkern. Für eine Band wie Anathema, die im Lauf der Jahre etliche Klassiker veröffentlicht hat, regelmäßig Top-Kritiken erhält und gerade mit "A Natural Disaster" ein weiteres Hammeralbum im Gepäck hat, eigentlich ziemlich wenig, zumal der Obolus mit 17 € an der Abendkasse voll okay ist. Soviele Zeugen waren es 2002 beim skandalösen Progpower-Auftritt ja nicht, als dass die Gemeinde deswegen in Scharen fernbleiben müsste... Nach einer Dreiviertelstunde Berieselung mit elegischem Konservensound (coole Vorbereitung auf den Gig übrigens!), kommen die fünf Briten flockigen Schrittes auf die Bühne und ich bin schonmal erleichtert, dass sie offensichtlich kein permanentes Drogenproblem haben. "Childhood Dream" kommt als Intro vom Band, dann steigt die Band mit dem Doppelpack "Balance" / "Closer" fulminant ein. Ich bin überwältigt - da ist sie wieder, die Gänsehaut, diesich nur bei ganz speziellen Konzerten einstellt. Und das schon beim ersten Song! Es folgen ca. 90 Minuten feinsten Emo-Rocks der Familie Cavanagh plus Verstärkung, der sich durch zahlreiche ruhige, träumerische Passagen auszeichnet, bei dem aber auch Kontraste in Form von einigen Uptemponummern gesetzt werden. Zurzeit würde ich das Anathema-Repertoire folgendermaßen aufteilen: Dominant sind die balladesken, zu Herzen gehenden Stücke; daneben gibt es treibende Songs mittleren Tempos wie eben "Balance" und ganz flotte Sachen des Kalibers "Pulled Under At 2000 Metres A Second".
So lässt sich wie an diesem Abend ein saustarker Set stricken, der fast ausschließlich aus Beiträgen der letzten drei Alben besteht. Das Publikum geht gut mit, oftmals sehe ich Freaks mit geschlossenen Augen im Akustikrausch schwelgen, während Andere ihre Zustimmung durch lauten Applaus zum Ausdruck bringen. Auch die Musikanten haben offensichtlich ´ne gute Zeit, sogar regelrechte Danksagungen in Richtung Fans lassen sich vernehmen. Als Schmankerl wird uns zur Mitte der Show Lee Douglas präsentiert, die zwar eine recht biedere Bühnenpräsenz offeriert, aber den Titelsong der letzten Langrille mit Inbrunst zum Besten gibt. Auch der für mich gewaltigste Tränentreiber "One Last Goodbye" kommt zu Ehren und ich taste bereits nach meinem nicht mehr ganz so frischen Tatü, brauche es dann aber doch nicht, da ich emotional gerade so ausgeglichen bin, dass ich den Song ohne größere Gefühlsausbrüche einfach so genießen kann. Auch schön! Viel zu schnell kommt dann der Moment für die Zugabe, bei der mit "Angelica" doch noch ein etwas älteres Stück zelebriert wird. Die Zeiten von Uralt-Hits wie "Sleepless" scheinen allerdings endgültig vorbei zu sein. (Oder auch doch noch nicht, zumindest berichten gewöhnlich gut informierte Quellen von eben diesem Song als Zugabe am Tag darauf in Karlsruhe.) Dafür sind die Jungs aber inzwischen für ganz große Momente atmosphärischen Liedguts präpariert, so dass sie überraschend "Albatross" von Fleetwood Mac zocken, was für einige offene Münder sorgt. Nur geil! Die restliche Meute sieht´s ähnlich und will auch nach dem eigentlichen Schluss noch nicht gehen, applaudiert einfach weiter. Danny hat schließlich ein Einsehen und spielt uns eine beeindruckende Akustik-Version von "Wish You Were Here" - ein glänzender Schlusspunkt eines großartigen Konzertabends. Ana are back! ...kurz vor Zwei in der Nacht zu Mittwoch bin ich wieder im trauten Heim, die letzten Rückkopplungen klingen in den hintersten Hirnwindungen aus, als der Trip mit einem knallenden Lichtblitz abrupt endet: Nicht das Jenseits hat mich viel zu früh empfangen, es war nur ein altersschwaches Leuchtmittel, das mir als Schlaflied einen krachenden Kurzschluss zwitschert...
Carsten Buchhold - Pics: Michael Kuhlen (Archiv)


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