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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CASUAL

CASUAL
Identität bewahren
Casual sind keine Spanier, sondern Katalanen, worauf man im Lager der Band grössten Wert legt. So sind die Texte auch in katalanischer Sprache verfasst, was dem Death Rock Casuals eine zusätzliche und ganz eigene Note verleiht. Doch wer sind Casual eigentlich? In Deutschland ist die Band um den exzellent Deutsch sprechenden Sänger Mon/a la/Cova bislang noch ein Geheimtip, was sich durch den unlängst geschlossenen Vertriebsdeal mit SX-Distribution jedoch recht schnell ändern könnte. Ihre musikalischen Vorbilder finden die Katalanen dabei in der Hauptsache in Bands der Postpunk-Ära, nachzuhören auf den beiden bislang veröffentlichten CDs „Fora“ und „Figura 11“, wobei sich „Figura 11“, das neuere der beiden Alben, musikalisch deutlicher an das Erbe Christian Deaths anlehnt und die Stilmittel des Deathrock konsequenter umsetzt als noch der Vorgänger „Fora“. Doch wann und mit welcher Prämisse wurden Casual gegründet?
>> Casual wurden erst 1999 gegründet, mit dem Ziel ehrliche Musik zu schaffen und neue Ausdrucks- und Gefühlsufer im Rock Bereich zu erobern << eröffnet Mon unser per E-Mail geführtes Interview.
Casual zählen zu den wenigen Bands, die sich auch heute noch ihrer Postpunkwurzeln bewusst sind und diese musikalisch auch bewahren, ohne dabei altbacken zu klingen. Betrachtet ihr Casual demnach als Bewahrer dieser musikalischen Ära, die mit u.a. Bauhaus, Christian Death, Virgin Prunes etc. zeitlose Musik und Bands hervorgebracht hat?
>> Eigentlich mögen wir alle diese Gruppen, Bauhaus, Christian Death, Killing Joke, The Cult, Joy Division, Red Lorry Yellow Lorry, The Cure, The Sound, The Lords of the New Church, Sex Gang Children usw., obwohl es uns nicht bewusst ist, dass wir diese Eïnflüsse in unserer Musik reflektieren. Eigentlich haben wir sehr unterschiedliche Einflüsse, obwohl wir an dem Ziel arbeiten, unsere eigene Musik zu erschaffen. In der Band mögen wir auch unterschiedlich entfernte musikalische Gruppen wie Ramones, Tom Waits, INXS, Slayer, Paradise Lost, Dead Can Dance, Iggy Pop, Nick Drake, Led Zeppelin, Julian Cope, Goldfrapp, Satyricon, King Crimson, Dead Boys oder Ministry. Wir mögen Musik überhaupt und sind überhaupt nicht wählerisch. Aber natürlich wollen wir unseren eiegene Weg finden. <<
Wie unterscheidet sich diese Szene von einer, wie ich finde, heute in weiten Teilen gesellschaftlich doch sehr angepassten und mainstreamigen Szene, der ein kommerzielles Denken leider mittlerweile auch vor dem künstlerischen Anspruch der Musiker geht?
>> Ich kann nur sagen, dass wir Musik machen, um unsere Leben zu erweitern, und nicht um unser Konto zu vergrössern, obwohl auch sehr schön wäre. Wir sind eigentlich pleite und haben viele ökonomische Probleme um weiter zu machen, aber wir sind nur in unserer Musik und engagiert, und nicht in der Industrie. Das bedeutet nicht, dass wir immer die selbe Musik machen. Vielleicht machen wir jetzt etwas Melodischeres und danach vielleicht etwas Agressiveres. Man kann nicht alle Sachen planen. Und wir machen es sicher nicht so. <<
Ist diese Erschaffung zeitloser und dennoch einzigartiger Musik auch ein Anspruch, den Casual an sich selbst haben? Wie verwirklicht ihr mit Casual diesen Anspruch in eurer Arbeit?
>> Eigentlich haben wir den Anspruch ehrliche Musik zu schaffen. Also nicht für andere zu arbeiten, sondern für uns und die Leute, die sich für uns engagiert haben. Wir arbeiten viel im Proberraum, proben unterschiedliche „Arrangements“ für die Lieder und sind ziemlich anspruchsvoll und streng miteinander und der Band. Manchmal zu viel, um unserer geistiger Gesundheit willen. (lacht) <<
Wie beurteilst du die musikalische Entwicklung Casuals von „Fora“, dem Vorgängeralbum, hin zu „Figura 11“? Würdest du mir zustimmen, dass die Deathrock-Einflüsse auf „Figura 11“ etwas deutlicher zutage treten?
>> Ich bin nicht sicher, was du mit Deathrock-Einflüssen meinst. Ich würde einfach sagen, dass wir mit „Figura11“ reifer geworden sind und unsere unterschiedlichen Tendenzen besser miteinander verschmolzen sind. Wir haben auch diesmal bei „Figura11“ im Studio viel mehr am Sound gearbeitet und haben mitproduziert. <<
Woher stammen die Ideen für deine Texte? Der deutsche Text auf „Figura 11“ lässt darauf schliessen, dass du deine Texte sehr metaphorisch und sehr lyrisch schreibst. Da ich leider der katalnischen Sprache nicht mächtig bin, wäre es nett, wenn du ein paar Erläuterungen zu den Texten geben würdest?
>> Im Ernst, dies ist eine ziemlich schwierige Frage für mich. Ich nehme das Material, Gefühle und Konflikte aus dem Leben selbst, denn das steht mir am nächsten. Danach verarbeite ich dieses Material. Ich versuche diese Ideen, Träume, Lüste und Gedanken irgendwie in einem Text zu inszenieren. So kann ich über etwas singen, womit ich persönlich viel zu tun habe und was mir sehr nah ist, obwohl es vielleicht nicht mehr absolut biographisch ist. Durch diesen Prozess gewinnen die Lieder eine vielfältige und reiche Bedeutung gewinnen. Was du über unseren Song auf Deutsch („Lied11“) sagst, finde ich richtig. Obwohl ich versuche meine eigenen Texte nicht so sehr zu interpretieren. Zum Glück bin ich selbst kein Psychoanalist... (lacht). Obwohl, man lernt ziemlich viel durch die eigenen Texte, sowohl Gutes als auch Schlechtes, und mit der Zeit, in der man ein Lied singt, kommen immer neue Nuancen, Deutungen und Gefühle zurück. Über konkrete Lieder könnte ich zum Beispiel sagen, dass „Tard“ („Spät“), „zu spät zu kommen“, bedeutet, um etwas Erwünschtes nochmal geniessen zu können. Es geht also um das schlechte Ende einer Beziehung und all die unerfüllten Wünsche und die erfüllten Alpträume, die dieses hinterlässt. „El joc de l’ombra“ („Das Spiel des Schattens“) ist so etwas wie das Versprechen oder der Fluch des Schattens von einem anderen zu sein. Also eher eine liebevolle, unerträgliche Verfluchtung. „Lupus 666“ ist eine Parabal über schlechte, geheime Wünschen, die dann noch Schlimmeres hervorrufen. Wer also den Wolf anruft, muss wohl auch mit seinem Besuch rechnen. In „Llum nocturna“ („Nächtliches Licht“) geht es um die Erfahrung Grenzen, egal welche, zu überschreiten. In „En nom del peix“ („In Namen des Fisches“) geht es um jemanden, der seinen Partner verlässt und danach in Zweifeln darüber ist und sich schrecklich fühlt. Eine typische unlösbare grausame Situation, in der sich viele Menschen ab und zu befinden. „Temps part IV“ („Zeit Teil IV“) ist ein episches Lied über das Vergehen der Zeit, ziemlich kryptisch diesmal. Eigentlich ist es eine kleine traurige Oper. Übrigens, alle unsere Texte gibt es in einer englischen Übersetzung auf dem Multimedia-Teil unserer CD als auch auf unserer Homepage http://www.casual-barcelona.com). <<
Wie wichtig ist euch eure Identität als katalanische, und nicht als spanische Band? Gibt es Rivalität und Konkurrenzdenken zwischen katalanischen und spanischen Bands? Was bedeutet es für euch, Katalanen zu sein, und nicht als Spanier zu gelten?
>> Ich denke nicht, dass eine solche Rivalität existiert, da wenige Gruppen auf Katalanisch singen, und in der Dark-Szene noch viel weniger. Auf der anderen Seite ist es für uns wichtig als katalanische Gruppe bezeichnet zu werden, so sehr wie für dich als deutscher Journalist bezeichnet zu werden. Nicht mehr, aber auch nicht nicht weniger. Ich spreche Katalanisch als Hauptsprache und meine Kultur und Nation sind katalanisch. Dass sich meine Nation in Spanien befindet, macht mich nicht gleich zu einem Spanier. Auch von der Stimmung und dem Charakter sind die Katalanen anders als die Spanier. Wir sind nicht so super offen und eigentlich sind die Spanier überhaupt freundlicher und gesprächiger als wir. Unser Charakter ist mediterran, aber für den Süden sind wir ein bisschen mehr zurückhaltender. Ich fühle mich überhaupt nicht Spanisch, sowohl in Bezug auf Kultur, Stimmung, Sprache usw. bin ich anders. Auch der heutige spanische Präsident ist ein bedauernswerter, schrecklich faschistischer Typ, der keine Ahnung darüber hat, was Europa ist und wie viele von uns eher als Europäer denn als Spanier bezeichnet werden wollen. Er regiert Spanien wie ein Diktator unter einer demokratischen Fassade, die ihm viel geholfen hat. Scheisse, wenn ich den Typ höre, schäme ich mich unmittelbar einen spanischen Pass zu haben. Also ja, wir sind eine katalanische Band aus Barcelona. <<
Ist die Verwendung der katalanischen Sprache in euren Texten nicht ein Hinderungsgrund, auch international anerkannt zu werden und erfolgreich zu sein?
>> Es kann sein. <<
Du sprichst exzellent Deutsch und daher vermute ich mal, dass du eine Zeit lang in Deutschland gelebt hast.
>> Ich bin dreimal in Deutschland gewesen, aber jedes Mal nur für kurze Zeit, so zwischen einem und zwei Monaten. Zudem habe ich in Barcelona Deutsch studiert, da Deutsch eine wichtige Sprache für mein Philosophie Studium war. <<
Kannst du Unterschiede zwischen der deutschen „Schwarzen Szene“ und der Szene in Barcelona oder dem Rest Spaniens feststellen? Wenn ja, welche sind dies? Dominiert dort auch vorwiegend elektronische Musik?
>> In Deutschland ist die Schwarze Szene viel grösser als hier oder in Spanien. Eigentlich gibt es hier nur eine Minderheit, die daran interessiert ist. Hier dominiert auch die elektronische Musik, aber ich denke, dass viele von den „Goths“ hier einfach ein bisschen tanzen, trinken, labern und mit ein bisschen Glück auch ficken wollen, aber sie haben kein grösseres Interesse an der Musik. Deswegen gehen sie in die Clubs, nicht aber zu Konzerten. Vor zwei zwei Monaten waren beispielsweise leider nicht mehr als 60 Leute beim Sex Gang Children Konzert. Ich war da und habe Andi Sex Gang eine Casual-CD gegeben. <<
Wie stellt sich diese Szene überhaupt dar? Ausser Bands wie Allied Vision und Gothic Sex sind leider kaum Informationen über die Szene in Spanien bekannt. Gibt es viele Clubs, viele Bands, viele Fans?
>> Es gibt schon einige Clubs in den grossen Städten, aber es ist nicht so krass wie in Deutschland. Gruppen gibt es auch. In Barcelona gibt es Quidam, Iberian Spleen, Remembrance, The Sin, Extremaunción (obwohl sie eigentlich nicht mehr existieren), Entartete Kunst und Kitsch. In Madrid gibt es Plastic Circus, die gerade mit William Faith neue Songs aufgenommen haben, Silesia, Stereoskop und andere. Es gibt Leute, die gute Musik schaffen, aber die Unterstützung ist pathetisch, soll heissen, es gibt kaum welche. Es gibt aber interessante „Schwarze“ Magazine und Webzines, aber alles sehr im Underground. Zum Beispiel: http://www.laletracapital.com, http://www.laylah.net, http://www.sonidobscuro.com <<
Ihr habt mit einer Coverversion von “Deathwish” am Rozz Williams-Tribut „The Tongue Achieves The Dialect“ mitgewirkt. Wie kam diese Mitarbeit zustande?
>> Ich bin darauf im Internet aufmerksam geworden, habe die Leute von Rozznet kontaktiert, wir haben „Deathwish“ aufgenommen und ihnen geschickt und sie haben es gemocht und ausgewählt. So war es. <<
Auf “Figura 11” findet sich ein Videoclip. Plant ihr weitere Arbeiten in diese Richtung? Gibt es weitere künstlerische Ausdrucksformen (Literatur, Malerei, Graphische Arbeiten etc.) mit denen ihr euch beschäftigt?
>> Wir planen jetzt einen Videoclip für „Tard“ zu drehen. Hoffentlich bald. Ich kollaboriere mit Schreiben bei einem Fanzine namens „Malalletra“, das kein Goth Fanzine, sondern thematisch ausgerichtet ist. Jetzt ist Blut das Thema, dann Schule, dann Feuer usw. Die anderen aus der Band sind mehr oder weniger Filmemacher. Ausserdem kümmern sich Eric und Xax um unsere Plakate und um graphische Dinge. <<
„Figura 11“ wird nun endlich auch in Deutschland erhältlich sein, und nicht nur als Import. Heisst das auch, dass wir in Kürze mit ersten Konzerten von Casual in Deutschland rechnen können? Vielleicht auch nächstes Jahr auf dem Wave Gotik Treffen in Leipzig?
>> Wir planen in Mai mit Sepulcrum Mentis eine kleine Tournee durch Deutschland zu machen. Ich hoffe es klappt.Beim Wave Gotik Treffen spielen zu können würden wir lieben, aber ich weiss nicht, ob sie uns haben wollen. Mal sehen. <<
Wie ist euer Status und euer ekanntheitsgrad in Spanien?
>> Sicher nicht gross genug. Es fehlen noch Leute, aber wir haben es nicht leicht hier. Unsere Musik ist nicht die kommerzielle Scheisse, die die Medien nun mal unterstützen. <<
Was sind eure weiteren Zukunftspläne mit Casual?
>> Einen kollektiven Selbstmord zu organisieren oder den verdammten spanischen, profaschistischen Präsidenten sterben sehen zu können, um danach eine konzeptionelle Doppel CD mit dem Titel: „Tod eines Arschloches“ zu veröffentlichen. Im Ernst, wir schreiben gerade an neuen Liedern, haben seit Juni einen neuen Schlagzeuger und wollen in den folgenden sechs Monaten vier neue Lieder aufnehmen, vielleicht als Demo für Plattenfirmen. Wir leiden an Geldmangel und können leider nicht so viel machen, wie wir eigentlich wollen. <<
http://www.casual-barcelona.com
Michael Kuhlen


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