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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CORVUS CORAX

CORVUS CORAX
ADELIGE SPIELMANSSMEUTE
Nächstes Jahr feiern die Könige der Spielmannsleute ihr fünfzehnjähriges Bestehen. Corvus Corax, mittlerweile auf dem Kaltenberger Ritterturnier offiziell geehrt und quasi geadelt, veröffentlichten vor kurzem eine Quintessenz als Live-CD und DVD „Gaudia vite“, die – bisher sensationell verkauft – mit etlichen Specials, Live-Auftritten, Eindrücken aus der illustren Vergangenheit und einem bemerkenswerten Begleitfilm mehr als eindrucksvoll begeistern kann.
Am Abend vor ihrem Konzert in der Krefelder Kulturfabrik am 10.12.2003 stand Gründungsmitglied Castus Rabensang http://www.obliveon.de offen, aufgeräumt und sehr sympathisch Rede und Antwort….

Hallo Castus!
Jetzt – nach fast fünfzehn Jahren Corvus Corax… Hast Du noch Spass daran?
>> Mein Spass an Corvus Corax –und dem was wir machen – ist nach wie vor ungebrochen und ich könnte mir zurzeit auch nichts anderes vorstellen als Spielmannsmusik zu machen und auf der Bühne zu stehen… <<
Ihr habt ja in den Jahren relativ wenig Fluktuation innerhalb der Band gehabt, verglichen mit anderen. Nach welchen Kriterien sucht Ihr die Leute aus?
>> Naja. An Schlagzeugern haben wir schon etwas Wechsel erlebt. Irgendwie halten Schlagzeuger nicht so lange wie andere. Muss wohl am Instrument liegen…
Ansonsten sind die Leute, die bei uns mitspielen absolute Profis, das verlangen wir auch.
Wir leben von der Musik und da können wir es uns nicht leisten mit Leuten zu spielen, die ihr Handwerk nicht verstehen. <<

Im Gegensatz zu Eurer anderen Band Tanzwut habt Ihr bei Corvus Corax ja den Vorteil eigentlich keine eigenen Stücke schreiben zu müssen, sondern auf das Repertoire des neunten bis fünfzehnten Jahrhunderts zurückgreifen zu können…
>> Da täuschst Du Dich aber… Es ist eine Wahnsinnsarbeit in Archiven – gerade in den Wintermonaten – herumzuwühlen und die Stücke für Corvus Corax umzuschreiben. Alleine die Auswahl der Lieder nimmt eine enorme Zeit in Anspruch. Corvus Corax sieht sich ja in der Tradition der Spielmannsleute und so nehmen wir ausschließlich „weltliche“ Musik in unser Repertoire auf.
Nimm nur mal das „Palästina Lied“, das ja eigentlich ein Aufruf zum Krieg gegen die Ungläubigen war… Wir spielen die Verspottung dieses Stücks aus der Carmina Burana… <<

Wenn für Dich Corvus Corax irgendwann nicht mehr existieren sollte - Du sagst Du willst auf jeden Fall weitermachen solange es geht - was könntest Du Dir dann vorstellen?
Für Dich ist die Band ja mit Wim (zweites Gründungsmitglied) zusammen mehr als die Hälfte Deines Lebens…
>> Das wird sich dann finden. Es ist ja nicht so, dass wir die absoluten Mittelalterfreaks sind. Wir haben ja nun mit Tanzwut gezeigt, dass wir auch anders können…
Dann haben wir alle nebenher noch Musikprojekte laufen, die zwar nicht so großartig professionell sind, dass man sich da tierisch reinkniet. Dafür haben wir gar nicht die Zeit. Wir haben eine eigene Plattenfirma, haben einen eigenen Verlag, wir managen uns selber. Und wenn wir Lust auf etwas anderes haben, dann machen wir das eben. Wenn es Corvus Corax irgendwann nicht mehr geben sollte, machen wir etwas anderes. Aber es wird wohl immer um Musik gehen, denke ich… <<

Hast Du einen Beruf erlernt?
>> Ich wollte mal Architekt werden, aber hab´ dann zum Drama meiner Eltern das alles hingeschmissen und bin dann Musiker geworden. Ich habe erst gar nicht mit dem Studium angefangen... Kurz bevor das losgehen sollte – meine Eltern haben sich da sehr drum gekümmert, weil ich auch in der Organisation nicht so perfekt war – war ich auf der Straße und Musiker. <<
Vor Corvus Corax hast Du ja noch in anderen Projekten gespielt. Gibt es da noch Kontakte?
>> Jaja. Wir haben vor im nächsten Jahr ´ne Party zu machen.
Es gibt eine Idee, das in Potsdam zu machen. Wir stammen ja ursprünglich daher.
Und daher kommt ja auch „Tippelklimper“, die Gruppe, in der wir vorher gespielt haben – als wir dann in den Westen abgehauen sind. Die hat sich dann neu formiert.
Zwei Gründungsmitglieder sind noch dabei. Und dann wollen wir fünfzehn Jahre Corvus Corax und zwanzig Jahre Tippelklimper feiern. Wir besuchen uns regelmäßig und sind so auch in ständigem Kontakt. Die machen ein bisschen andere Musik, aber sind total verrückt.. <<

War es für Dich positiv gewesen in den Westen abzuhauen – abgesehen davon, dass Du nicht zur Armee musstest?
>> Viele haben mich gewarnt – gleich nachdem wir da aufgeschlagen sind. In Österreich haben sie uns gewarnt: Hier sei alles ganz anders, hier ticken die Uhren anders, da müsst Ihr auch anders Musik machen – so wir Ihr das gewöhnt seit mit rumbrüllen und rumschreien, das würde hier nicht funktionieren. War aber ganz einfach. Am ersten Tag haben wir schon in Österreich auf der Straße gestanden, ich hatte ´ne Frau im Arm und wir hatten ganz viel Geld in der Tasche. War wunderbar, da hat sich nichts geändert bei uns…<<
Wie stehst Du zu dieser irrsinnigen „Ostalgie-Welle“, die zurzeit abläuft?
>> Ich finde das schon ganz amüsant. So Filme, wie z. B. „Sonnenallee“ finde ich auch cool.
Aber ich hänge da nicht dran. Wenn ich mal in eine Kneipe komme, die dann „ostalgisch“ aufgemacht ist, finde ich es ganz witzig.
Aber es waren da ja auch ganz viel schlimme Sachen. Ich bin jetzt gerade dabei meine Stasi-Akte mal ein bisschen durchzuarbeiten… aber das ist ja vorbei. Ich könnte ja auch jetzt tierisch jammern. Da war so ´ne Braut, mit der ich ein Jahr zusammen war und die war dann „IM Waldmeister“, oder so…
So was ist schon Scheiße, aber das gehörte ja auch ein bisschen zu diesem System…
Leute, die damit umgehen können, sollten mal ein bisschen mehr in diesen ganzen „Ostalgie-Shows“ zu sehen sein. Da würde der Witz wohl etwas im Halse stecken bleiben. Das fände ich da dann auch wichtig.
Ich muss aber sagen, ich habe so was noch nie gesehen. Vielleicht werde ich mir das mal angucken, wenn ich da zufällig mal reinschalte, ansonsten habe ich damit nichts zu tun. Ich habe im Osten schon mit dem ganzen System nichts zu tun gehabt.
Wir waren eben Mittelalterpunks. Wir haben ´ne Narrenkappe aufgehabt, Mittelalterklamotten an und haben auf der Strasse gespielt. Wenn die uns eingesperrt haben, dann mussten die uns auch irgendwann wieder ´rauslassen, weil wir ja nischt gemacht haben – ausser Musik.
Und – ich habe ´ne fette Akte, aber sonst habe ich mit dem Ganzen nichts zu tun gehabt.
Als mir dann zu bunt wurde bin ich abgehauen. <<

Bist Du heute geschockt, wenn Du in Deiner Akte liest, mit wem Du damals zu tun hattest, die dann doch auf der anderen Seite standen?
>> Eigentlich wollte ich es nicht wissen, ja.
Schon Kacke.
Gerade wenn man mit ´ner Frau total geilen Sex hatte und sich dann fragt: Hat die Dir das alles bloß vorgemacht?<<

Zurück zu Corvus Corax…
Hat Euer Leben denn noch was mit der Spielmanns-Mentalität zu tun?
Durchorganisierter Tourplan, PA und sonstige Technik?
>> Wir haben uns natürlich hochgearbeitet. Wir sind jetzt Königliche Spielleute. Wir haben früher auf der Strasse gestanden – das rate ich einem Jeden. Wer auf der Strasse überlebt, der kann auch auf die Bühne gehen. Man muss sich mal auf dem Weihnachtsmarkt ein Auto zusammenspielen können. Das ham´ wir nämlich gemacht. War ´ne alte Schüssel, aber mit dem Wagen haben wir uns erstmal Europa angeguckt.
Wir sind ja nun auch nicht mehr mit ´nem Eselskarren unterwegs wie früher. Das haben wir auch alles schon durch. Heute sind wir mit einem Nightliner auf der Piste. Es kommen mehr Leute zu unseren Konzerten, dadurch können wir uns das auch leisten. Wir sind schneller von A nach B. Das war im Mittelalter eben auch üblich, dass die Spielleute ausgetauscht wurden von den Fürsten und Königen. Darüber habe ich gerade erst in einem Buch gelesen, wie die Spielleute vom spanischen und deutschen Hof ausgetauscht wurden. Als solche können wir uns dann ja auch betrachten. Wir sind ganz gut geworden und haben das uns auch verdient. <<

Ist dann dieser Kontakt überhaupt noch da? Im Gegensatz zu dem recht ursprünglichen Kontakt auf der Strasse ist doch jetzt in den Konzerthallen eine Bühne dazwischen mit allem was dazu gehört…
>> Doch, der Kontakt ist immer noch da. Wir gehen nach den Auftritten immer noch raus und sprechen mit den Leuten, machen ganz oft Party. In der Woche ist eher kompliziert, die Leute müssen arbeiten, dann sind die schon weg. Aber am Wochenende, wenn dann irgendwo ´ne Feier ist, verabreden wir uns mit denen. Wir haben auch regen Kontakt mit unseren Fans. Wir haben einen Fanclub. Wir haben alle E-Mail-Adressen, man kann uns schreiben. Und wenn wir die Zeit finden, dann antworten wir eigentlich auch immer. Und so berühmt sind wir dann auch noch nicht, dass wir das nicht schaffen würden. <<
Merkst Du etwas von diesem „Mittelalter-Musik-Wahn“, der zurzeit grassiert? Ich nenne jetzt mal Bands, wie z. B. „In Extremo“, die ja auf den Zug aufgesprungen sind, den Ihr ja angeschoben habt und jetzt ja auch Videotechnisch im TV unterwegs sind…
>> Wir merken das schon. Aber wir haben unser Publikum und dann kommen immer mal welche aus dieser Ecke und die sagen dann: Kennt Ihr die und die? Ihr klingt ja wie die!
Und dann sagen wir: Nene, die klingen wie wir!
Bei In Extremo ist es halt deren Rockschiene und ich finde das o.k...
Ist aber natürlich auch Geschmackssache. Ich finde das schon cool, dass es ein bisschen bunter wird. Und das da auch ein bisschen Handwerk mehr dabei ist. <<

Hast Du Kontakt mit In Extremo?
>> Es wird ja uns immer nachgesagt, dass wir uns hassen würden. Aber das ist totaler Blödsinn.
Wir haben uns mal ganz kurz – so wie bei den Rappern – gedisst. Aber wenn wir uns treffen, dann trinken wir ein Bierchen in der Kneipe zusammen und gut ist – ohne das wir ein Problem miteinander haben. <<

Ich habe noch eine Frage zu dem HipHop-Projekt, wo Ihr mitbeteiligt seid und was auch auf Eurer DVD kurz angeschnitten wird… Läuft das noch?
>> Dieser DJ war in Mexiko und hat zwei Titel von uns, die er remixed hat, vorgestellt. Und die fanden das alle total abgefahren…
Es ist so: Er hat wenig Zeit und wir haben wenig Zeit und sobald wir alle mehr Zeit haben setzen wir uns hin und machen ein Konzept. Es wird wahrscheinlich keine große Tour geben, werden da wohl ein paar einzelne Events machen. So das den Hip-Hoppern da mal der Mund offen bleibt. Darum geht´s eigentlich, um die mal zu schocken… <<

Zum Schluss vom Interview noch ein paar warme Worte an´s http://www.obliveon.de Publikum?
>> Tja, die Leute sollen vorbei kommen und Party machen.
Darum jeht et ja eigentlich auch… <<


http://www.corvuscorax.de
Markus Poschmann


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