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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DECENCE

DECENCE
Ein erster Schritt
Die Presse-Reaktionen auf Decence sind geteilt. Für die einen nur eine gesichtslose Kopie solcher Acts wie Diorama, Diary of Dreams oder Wolfsheim, überschlagen sich die anderen in wahren Lobeshymnen darüber, dass das Debüt der Band. "The First Step", die bislang vielleicht perfekteste Kombination aus Dark Wave und Future Pop in sich vereint. Dieser Meinung schliesse ich mich gerne an, denn bedenkt man, dass dieses Album sprichwörtlich den ersten Schritt ins Rampenlicht der Öffentlichkeit darstellt, dann ist die Qualität des Songwritings und der künstlerische Ausdruck des Bonner Oliver Mietzners, der zudem mit einer sehr angenehmen und warmen Stimme gesegnet ist, über jeden Zweifel erhaben. Es gibt nur wenige Künstler, die es schaffen, ein über die volle Spielzeit eines Albums so homogenes und atmosphärisch dichtes wie emotionelles Album zu veröffentlichen, die Grossen der Zunft mit eingeschlossen.
Dabei ist der Name der Band, der übersetzt etwa so viel wie annehmbar oder anständig bedeutet, wohl eher als Understatement zu verstehen, denn solch ein formidables Debüt wie "The First Step" bekommt man nicht häufig zu hören. Grund genug also Oliver Mietzner mal auf den Zahn zu fühlen und zu hinterfragen, aus welcher Intention heraus Decence geboren wurde.
>> Decence ist entstanden aus der Idee, das durch die Musik etwas transportiert werden soll und dass ein gewisser Anspruch an Text und Musik da ist. Dies sollte bereits aus dem Namen heraus deurlich werden. Das trifft vielleicht auch etwas auf meine Person zu, da ich mich nicht als exzentrischen Musiker alter Rock´n Roll Manier beschreiben würde. Der Hörer soll halt durch Qualität überzeugt werden. <<
Seit wann bist du musikalisch aktiv?
>> Professionell war ich vorher überhaupt nicht aktiv. Ich war früh in der Musikschule, habe Klavier gelernt und bereits im frühen Alter von zwölf Jahren begonnen Lieder und Texte zu schreiben. Die Umsetzung kam halt erst später. Vor drei Jahren habe ich angefangen mir Equipment zuzulegen und seit gut einem Jahr bin ich nun bei Excentric Records unter Vertrag und mache das richtig. <<
Musikalische Ähnlichkeiten zu Diorama, Diary of Dreams oder Wolfsheim lassen sich auf "The First Step" nicht verleugnen, doch sind die songschreiberischen Fähigkeiten Decences weit mehr als nur ein müder Abklatsch dieser richtungsweisen Bands. Belasten dich diese Vergleiche oder sind sie für dich eher Ansporn, dein eigenes Ding konsequent durchzuziehen?
>> Belastung auf keinen Fall. Ich muss sagen, dass ich die genannten Bands sehr gut finde und durchaus auch höre. Ich versuche aber schon mein eigenes Ding zu machen. Ich denke, Einflüsse findet man in jeder Art von Musik. Wenn man lange genug sucht findet man alle möglichen Einflüsse in den Bands wieder. Wenn man "The First Step" hört, dann fällt ja sicher auch auf, dass die musikalischen Stilrichtungen oft gewechselt werden. Jedes Lied ist anders und es fiel auch schon das Wort vom "Querschnitt durch die gesamte Electroszene". Es ist mir schon sehr wichtig, dass Decence einen eigenen Sound haben und nicht festgefahren sein soll. Es soll auch schon Raum für Veränderungen bieten. <<
Dennoch, die Gefahr nur als Kopie der genannten Bands und ohne eine eigene musikalische Identität abgestempelt zu werden besteht natürlich, wie nicht zuletzt die ersten Pressereaktionen ja auch zeigen.
>> Der bin ich mir bewusst, aber ich denke schon, dass Decence durchaus seine eigenen Elemente hat, die auch deutlich werden. Wenn man jetzt ein ganzes Album nur im gleichen Stil macht, dann wird es spätestens nach dem fünften oder sechsten Lied langweilig. <<
Daher auch die wundervollen und atmosphärisch sehr stimmigen Balladen, bei denen nur deine Stimme und das Klavier zu hören sind?
>> Das wird sich auf den nächsten Alben auch nicht ändern. Es wird immer ein oder zwei Stücke geben, die sehr puristisch und pures Songwriting sind. <<
Wann entstanden die Songs, die nun auf "The Last Step" stehen?
>> Es sind Songs dabei, die sind ungefähr zwei Jahre alt, wie auch Songs dabei sind, die erst zwei oder drei Monate entstanden sind bevor das Album ins Presswerk gegangen ist. Wenn ich eine gute Idee habe, dann zieh ich die auch recht schnell durch. Bei anderen Songs war es so, dass sie bereits fertig oder halbfertig waren, als ich mich beim Label vorgestellt habe. Insgesamt würde ich sagen, dass das Album in gut einem Jahr fertig war. <<
Wie entstehen die Songs?
>> Das ist auch sehr unterschiedlich. Manchmal habe ich erst den Text geschrieben und dann fällt mir eine Melodie ein, die genau zu dem Text passt, oder halt umgekehrt. Dabei kann ich gar nicht sagen, was einfacher wäre. Das ergibt sich halt einfach so wenn man im Workflow drin ist. Häufig habe ich Ideen zu den unmöglichsten Zeiten, wo ich dann gar keine Möglichkeit habe, das irgendwie festzuhalten. Ich schaffe es dann häufig nur mit Müh und Not nach Hause und habe noch die Idee im Kopf, damit sie unterwegs nicht verloren geht. Kann aber auch sein, dass ich mich ein paar Stunden in meinem Studio zu Hause hinter die Geräte klemme und mir dann meist auch irgendwas einfällt. Das können am Anfang nur ein paar Töne sein, die sich immer weiter aufbauen. Dann wird das Arrangement gemacht und die Texte dazu gestellt, bis der Song halt fertig ist. <<
Bist du demnach einer der seltenen Künstler, die sich zur Kreativität zwingen können oder bedarf es schon einer gewissen Atmosphäre um deiner Kreativität freien Lauf zu lassen?
>> Zwingen muss ich mich da nie zu, da Musik bei mir allgegenwärtig ist. Ich denke ständig an Musik und habe so viele Ideen im Kopf, dass das zweite Album bereits auch so gut wie fertig ist. <<
Ausgehend vom Album und der ihm innewohnenden Harmonie gehe ich mal davon aus, dass du ein sehr harmoniebedürftiger Mensch bist.
>> Ja, kann man sagen. Ich sehe mich schon als sehr feinfühligen und melancholischen Menschen, das aber in Maßen. Ich laufe jetzt nicht permanent in schwarzen Klamotten rum, aber so eine gewisse Harmoniebedürftigkeit kann das Ganze nur fördern. Ich würde solche Songs sicherlich nicht schreiben, wenn ich der total harte Knochen wäre. Da würde da was ganz anderes bei rumkommen. <<
Du bist in der glücklichen Lage keine musikalischen Kompromisse eingehen zu müssen und kannst deiner Kreativität vollkommen freien Lauf lassen. Wann aber kommst du an den Punkt, wo du mit einem Song wirklich hundertprozentig zufrieden bist?
>> Zufrieden muss man irgendwann sein und ist man ja auch, aber im Prinzip könnte man bis zwei Minuten vor Abgabefrist immer noch an den Reglern rumdrehen. Man ist ja dann so perfektionistisch, dass man glaubt, dass man immer noch mehr rausholen könnte. Ein Song ist für mich dann vollendet oder gelungen, wenn ich das, was ich damit ausdrücken wollte, beim Abhören auch raushöre. Wenn die ganzen Emotionen, die ich in Text und Lied gelegt habe, wirklich rüberbringt. <<
Was ist es, was du mit deinen Liedern erreichen möchtest? Als durchgängiger Tenor lässt sich fraglos festhalten, dass Liebe, Beziehungen und der Verlust dieser Liebe in deinen Texten sicherlich den grössten Stellenwert einnehmen, während soziale oder politische Themen eher zweitrangig zu sein scheinen.
>> Die meisten Themen handeln in der Tat von Themen, die jeder kennt. Liebekummer, Herzschmerz, Sehnsucht … Hoffnung ist auch ein grosses Thema in den Texten. Es gibt aber auch Lieder wie "Changes" oder "Empires In Defeat", die zu Zeiten des Irak-Krieges entstanden und auch einen gesellschaftskritischen Unterton haben. Das Thema ist jetzt vielleicht nur nicht klar benannt worden. In "Painful Illusions" geht es beispielsweise nicht nur um persönliche Veränderungen, sondern um Veränderungen in der Welt, die halt einen negativen Einfluss haben. <<
Woher nimmst du somit die Inspiration für deine Texte? Ein grosser Erfahrungsschatz an gescheiterten Beziehungen?
>> (Lacht) Ich bin jetzt fünfundzwanzig und habe natürlich schon die eine oder andere Beziehung hinter mir. Die eine glücklich, die andere halt weniger. Dann gibt es natürlich Freunde, die sich schon mal bei einem ausheulen. Das Gefühl, das dabei rüberkommt, versuche ich dann schon durch die Musik weiter zu transportieren. <<
Was macht für dich einen guten Text aus?
>> Das er die Leute zum Nachdenken und Mitfühlen animiert. <<
DU schreibst deine Texte sowohl in Englisch, das überwiegend, wie auch in Deutsch. In welcher Sprache fällt es dir leichter, deine Emotionen zu Papier zu bringen?
>> Auf dem Album ist ein deutscher Text, was ich zukünftig sicher auch öfter noch machen werde, aber insgesamt fallen mir englische Texte doch leichter. Ich kann dabei gar nicht einmal sagen, woran es genau liegt. Wahrscheinlich habe ich im Hinterkopf, dass es sich bei deutschen Texten zu sehr nach Wolfsheim klingen würde. Das ist halt so das Schubladendenken, was sowohl die Hörer als auch man selbst hat. Es ist in Deusch auch schwieirg die Sachen auf den Punkt zu bringen ohne kitschig zu wirken. Das geht im Englischen einfacher. <<
Im Booklet zu "The First Step" findet sich folgendes Zitat: "Auf unserem Weg gehen wir tausende von Schritten. Aber ist der Weg der gleiche wenn Du erkennst, dass jeder Schritt nach dem letzten der erste ist?" Dreht man diese Zitat, so könnte jeder Schritt nach dem ersten allerdings auch schon wieder der letzte sein. Würdest du dich als positiv denkenden Menschen bezeichnen?
>> Das ist jetzt halt wieder die Frage ob das Glas halb leer oder halb voll ist. Das Zitat stammt von mir und ich habe mir überlegt, da das Album ja auch "The First Step" heisst, in diesem Kontext den ersten Schritt darstellt. Das Album soll aber auch einen anderen Hintergrund haben, denn das Konzept, das über allem steht, sofern man da überhaupt von einem Konzept sprechen kann, ist die ständige Veränderung auf dem Album. Wie im Leben, so gibt es halt auch hier permanent Veränderungen, und das wollte ich auch mit diesem Spruch zum Ausdruck bringen. Man muss halt im Leben nicht immer nur den einen Weg gehen, sondern kann sich auch umdrehen und entscheiden einen anderen Weg und in eine andere Richtung zu gehen, wenn man sich dessen bewusst ist. <<
Zu solch einer Aussage wie der des Zitates muss man erst einmal gelangen. Bist du generell jemand, der viel hinterfragt und die oberflächliche Welt, in der wir leben, immer wieder auf´s neue in Frage stellt?
>> Ich gehe schon mit offenen Augen durch die Welt. Oberflächlichkeit war immer schon ein Feind von mir. In meinem Bekanntenkreis gibt es sicherlich auch Leute, die vollkommen unbetrübt durch´s Leben marschieren und bei denen man das Gefühl hat, dass die nichts aus der Facon hauen kann. Das ist bei mir halt anders. Ich nehme Dinge schon ernst, die um mich herum passieren, und versuche mich damit auseinanderzusetzen und sie zu verarbeiten. Das spiegelt sich zum Teil dann auch in den Texten wider. <<
Das zweite Album, du hast es angedeutet, ist bereits ebenfalls fast fertig. Auch wenn du gerade noch mitten in der Promotion zum ersten Album steckst, was können wir von diesem zweiten Album erwarten?
>> Vom Stil bei Decence wird sich nicht viel ändern. Eim zweiten Album wird vielleicht die Clubtauglichkeit noch etwas stärker zum Vorschein kommen, aber vom Gesamtkonzept her wird sich nichts ändern. Man entwickelt sich ständig weiter und wenn man Musik macht, dann macht man fünf Jahre später etwas anderes als noch im ersten Jahr. Es ist aber auch interessant solch eine Entwicklung dann zu sehen. <<
Denkst du, dass Decence zukünftig auch liev auftreten werden? Immerhin machst du von den Kompositionen bis hin zu den Texten bislang alles alleine und da wird eine Umsetzung auf der Bühne sicher nicht ganz einfach.
>> Ich werde live zwei Keyboarder haben, die mich unterstützen, damit halt nicht alles vom Band kommt. Ich persönlich werde mich auf´s Singen konzentrieren und hier und da vielleicht mal eine Klavierpassage spielen. Bisher hatte ich noch nicht viele Auftritte, aber die wenigen, die ich hatte, haben mir immer saumässig Spass gemacht. Momentan verhandeln wir und da wird es in Zukunft sicher einige Shows geben. <<
http://www.decence.net
Michael Kuhlen


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