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MAGAZIN :: Index: 'B' :: BATHORY

BATHORY
DIE FANS SIND SCHULD
Es gibt Dinge die brauchen Zeit, viel Zeit, und dann gibt es noch Bathory. So hat es Mastermind Quorthon satte fünf Jahre gekostet, endlich einen Nachfolger für „Blood On Ice“ einzusemmeln. Selbst wenn man das zweite Soloscheibchen als schuldmindernden Faktor geltend macht, nahm die Arbeit zu „Destroyer Of Worlds“ offenbar doch Def Lepard Ausmaße an, von den verschiedensten Gerüchten mal ganz abgesehen. Warum?
„Ich weiß ja, es geisterten schon diverse Releasedates und die verschiedensten Albumtitel herum, aber ich habe nicht die ganze Zeit an “Destroyer“ gearbeitet. Ganz im Gegenteil, das ganze Material und die Aufnahmen entstanden erst diesen Sommer, obwohl ich damals jedem sagte, das neue Album würde innerhalb eines Jahres erscheinen und auch anfing neues Songs zu schreiben. Um das neue Album zu verstehen´, muss man die gesamte Bathory Geschichte im Hinterkopf haben. Die 80 er waren echt cool aber das änderte sich und die 90er waren eine ziemlich merkwürdige Zeit für Bathory. Die Fans wurden erwachsen, gründeten ihre eigenen Bands und die Presse sprach von Bathory als eine Art Legende. Die Erfinder des Viking Metal, die Urväter des Black und Death und so weiter. Die Bedeutung, die man mir damals zuschrieb, hob die ersten sechs Alben auf ein göttergleiches Level. In den 90ern wurde diese Vergangenheit dann ein echtes Handicap. Es gab so hohe Erwartungen die ich erfüllen musste, weil halt alles zuvor so großartig, unschlagbar und so originär schien. Jeder um mich herum, versuchte mich in die eine oder andere musikalische Richtung zu drängen, so dass ich mich am Ende zwischen den verschiedensten Erwartungen und meine eigenen Vorstellungen hin und her gerissen sah. Die vielen verschiedenen Erwartungen hatten meine Kreativität erstickt. Also habe ich mir irgendwann gesagt.: “Zur Hölle mit euch, ich höre auf zu arbeiten und lege erst mal zwei Jahre Pause ein.“ Danach habe ich die Gitarre ewig nicht abgefasst und ich hatte keine Idee was ich tun sollte.
Epische Sachen oder rohen Black Metal? Die Fans drücken halt ihre Wünsche aus, wie Bathory ihrer Meinung nach klingen soll. Ich schere mich einen Scheiß um die Presse mit ihren Reviews, aber das was die Jungs sagen, die ihre Bathory T-Shirts mit Stolz tragen, das ist wichtig für mich. Sie sind einfach die besten. Glaubst du, irgendjemand würde noch die Backstreet Boys kennen, wenn sie eine ein Paar Jahre keine Platte gemacht hätten? Erst letztes Jahr habe ich wieder angefangen Songs zu schreiben, um den Leuten zu zeigen, dass wir er’s ins neue Jahrtausend geschafft haben. Das waren relativ progressive und vielschichtige Songs, mit klassischen und mittelalterlichen Instrumenten, die sehr viel Arrangement verlangten. Wir gingen ins Studio und verkündeten, dass bald mit dem neuen Album zu rechnen sei. Die Fans überschütteten uns wieder mit Anfragen und ich musste erkennen, dass wir uns völlig von ihnen entfernt hatten. Also habe ich mich im Juli noch einmal hingesetzt und das Material geschrieben welches die Fans von der Band hören wollen. Viele der Songs sollen an bestimmte alte Tracks, an alte Zeiten erinnern. Die Aufnahmen selbst dauerten exakt 112 Stunden, das sind fünf Tage effektiver Arbeit. Das zweitschnellste Bathory Album aller Zeiten.“
Für mich klingt „Destroyer Of Worlds“ allerdings sehr melodisch und nicht im geringsten nach Black Metal. Es gibt sogar Gothic- und Thrashelemente.
„Es existiert schon auch viel Brutalität auf „Destroyer“ aber wenn du Black Metal willst, hör es dir besser gar nicht erst an. Ich finde es immer wieder interessant, wie Menschen in stilistischen Kategorien denken. Ich sage ihnen immer, kleb kein Label auf, sondern habe einfach Spaß an der Musik selbst. Aber sogar ich muss diese Begriffe benutzen , wenn ich erklären will worum es geht, damit die Menschen wissen welche Unterschiede und Entwicklungen es gegeben hat. Mir ist völlig klar, dass Bathory viel Black-, Viking-, Death- und sogar Hardcorefans hat. Ich liebe sie und mache die Musik für sie, für jeden etwas und das habe ich versucht handwerklich umzusetzen , auch in den Lyrics. Sie sollten neutral sein und nicht zu dämonisch oder satanistisch. Im Endeffekt sind aber immer fünfzig Prozent mit einem Teil unzufrieden , während die andere Hälfte damit glücklich ist.“
Die Lyrics sind in der Tat ziemlich seltsam. Wie kommst du dazu Songs über ein deutsches Jagdflugzeug (Me 109), über Eishockey und Harley Davidson zu schreiben?
„In der Vergangenheit habe ich sicher über okkulte und satanistische Dinge geschrieben, danach ging es eher um Sagen, um Wikinger, um Philosophie, Opern oder den Tod. Also hat es immer schon ein sehr breites Spektrum an verschiedenen Einflüssen und Inspirationen gegeben, das ich auf „Destroyer“ weitgehend ausschöpfe. Zwei Dinge, die das Leben lebenswert machen sind Eishockeygames und Harley fahren und beides hatte ich noch nie für einen Song benutzt, also dachte ich als mich mal jemand darauf ansprach: Klar warum nicht. Außerdem sind das Themen mit denen ich mich besser identifizieren kann, als Satans Schwanz zu lutschen. Seit ich zehn Jahre alt war interessiert mich die Luftfahrt und seit den 70 Jahren sammle ich Dinge über den zweiten Weltkrieg. Ich besitze inzwischen ungefähr tausend Bücher und Videofilme, die sich mit Flugzeugen und der Luftkriegsführung beschäftigen. Dabei ist mir irgendwann aufgefallen, dass es unglaubliche Mengen an Mustang Büchern, Hurricane Videos und Flying Fortress Filmen (alliierte Kampfflugzeugtypen) gibt. Gut, die Sieger schreiben nun mal die Geschichte aber ich dachte mir die Me 109 wäre einen Track wert. Es ist ja richtig, dass sie vom Aggressor und letztendlichen Verlierer geflogen wurde, aber ich will mit „109“ kein politisches Statement abgeben oder mich auf die Seite der Deutschen stellen. Es ist so ähnlich wie bei IRON MAIDENs „Aces High“, nur dass sie ohne Kritik davonkommen. Na ja, sie sind Briten und benutzen die Spitfire. Ein weiterer Grund für dieses Weltkriegsthema existiert schon seit zehn Jahren. Als wir „Hammerheart“ veröffentlichten, zeigte das Cover ein umgedrehtes Sonnenrad . Das Album basierte auf meiner Vorstellung des vorchristlichen Schwedens und das Symbol stellte nichts anderes als seine alte nordische Bedeutung dar, nämlich ein ewiges Rad, die Revolution der Sonne und damit das Leben selbst. In Deutschland haben viele es als politisches Statement interpretiert, weil das Sonnenrad eines der Symbole war welches auch von Neonazis benutzt wird. Um der Sache die Krone aufzusetzen, hat damals ein Journalist beobachtet, wie ich ganz happy in einem Modell- und Hobbyladen einkaufte, und anschließend geschrieben. wie widerlich er es gefunden hätte, mich zwischen all den Naziwerkzeugen zu sehen. Seit dem Zeitpunkt passierten in Deutschland noch weitere Merkwürdigkeiten dieser Art, ganz gleich was ich den Medien sagte oder wie sehr ich versuchte mich von den Nazis zu distanzieren. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen auf jedem Album, einen Song zu schreiben, der die Deutschen anpisst. Sie sind halt sehr empfindlich was den Krieg angeht. Bei Titeln wie „Blood And Iron“und „Under The Runes“ drehen sie einfach durch, dabei müssten sie nur einmal die Texte lesen, um zu verstehen das Bathory bestimmt kein Pro-Nazi Aussagen abgeben. Eine solche Ideologie würde zu einem Typen wir mir echt nicht passen, mein Gott ich habe ewig lange Haare und spiele laute Metal Musik. Ich wäre bestimmt unter den ersten, die in die Gaskammer wandern müssten. Weißt Du, ein Track wie „Death From Above“ beschreibt einfach eine Stimmung. Als ich vor ein Paar Jahren in Berlin war, gab es ein furchtbares Gewitter und der Klang des Donners hallte durch die Häuserschluchten. Zusätzlich war da dieser typische Braunkohlegeruch den man in Deutschland immer riecht. (Wo warst Du denn??? Anm. d Verf.) So konnte ich mir plötzlich vorstellen, wie es in Berlin während der letzten Kriegsjahre gewesen sein muss. Also noch mal: Ich gebe mit meiner Musik keine politischen Statements ab und stelle mich auf keine Seite und bestimmt fehlt mir auch nicht der Respekt vor den Opfern, denn Krieg ist die Hölle. Wenn die Leute also immer noch glauben, ich ginge mit „Mein Kampf“ ins Bett, dann sagt das mehr über ihre Probleme aus, als über meine.“
Gut gesprochen. Das Albumcover mit seiner Flammenfigur sieht allerdings wieder typisch Death oder Black Metal mäßig aus. Wie passt das zusammen?
„Zunächst mal gibt es kein Konzept für „Destroyer Of Worlds“. Die Idee für den Titeltrack habe ich aus einer Oppenheimer-Biographie. Oppneheimer war maßgeblich daran beteiligt die erste funktionstüchtige Atombombe zu bauen. Dabnn gab es diesen Moment, als er die Explosion der ersten Bombe, in der Wüste von New Mexico betrachtete und ihm ein Teil eines alten hinduistischen Transkripts einfiel. Darin ging es um Shiva. Als der Gott Shiva die Welt betrat, stellte er sich einem alten Mann als der Tod, als der Zerstörer der Welten vor. In diesem Augenblick, als alle seine Mitarbeiter glücklich waren, begriff er welche unglaublich zerstörerischen Kräfte er der Menschheit gegeben hatte. Nach über vier Jahren oder 200 0000 Stunden harter Arbeit und zirka sechs Milliarden Dollar wurde ihm urplötzlich klar, was er getan hatte. Ich mag diesen Kontrast von der einen glückseeligen Sekunde zur tiefsten Ernüchterung. Am Ende des Songs hörst du wie die Bombe nach Hiroshima gebracht wird, wenn die japanischen Instrumente einsetzen.“
Du hast vorhin gesagt, du würdest Bathory nicht als Black Metal Act bezeichnen. Dennoch giltst du als Einfluss für fast alle Bands dieses Genres.
„Ich selbst habe ein sehr ambivalentes Verhältnis zu diesem Begriff. Die Benutzung dieses Themas auf den ersten zwei Alben und zum Teil noch bei den darauf folgenden qualifiziert uns nicht als BM Band. Ich erinnere mich als ich achtzehn Jahre alt war und mein aller erstes Interview gab, fragte mich der Journalist: „Ihr Jungs spielt Black Metal, seid ihr Satanisten ?“ My Antwort war, dass ich keine Ahnung vom Satanismus hätte und selbst Death Metal spielte. Heute betrachtet man Death Metal als etwas anderes und auch der moderne Black Metal klingt wesentlich mehr nach dem Bathory Viking-Metal. Man kann uns nicht Black nenne weil wir immer neue stilistische Wege gegangen und nie einfach statisch an einem musikalischen Ort geblieben sind. Aber ich bin natürlich unglaublich stolz darauf wenn Tausende von Bands Bathory als eine ihrer Hauptinspirationen angeben. Das ist etwas, was du niemals kaufen kannst. Es beweist mir, dass ich in über neunzehn Jahren etwas interessantes geschaffen habe. Weißt du, ich sehe die zweite Generation von Extrembands als meine Babys und bin verdammt stolz auf sie. Ich selbst bin schon lange kein Fan mehr. Seit den Anfangstagen habe ich mir keine Metal Alben mehr gekauft und höre mir das auch nicht an. Es ist zu dicht an dem was ich tue. Die einzige CD, die ich mir dieses Jahr gekauft habe war George Harrisons „All Things Must Pass“ von 1970.“
Gibt es irgend etwas in deiner Karriere auf das du nicht stolz bist?
„Ich glaube jeder hat viele Dinge die er ändern würde, falls er die Zeit zurückdrehen könnte. Was Bathory betrifft wären bestimmt viele Fans enttäuscht, wenn ich die alten Alben ändern würde, weil sie den alten Sound genau so wollen.“
Was bedeuten dir die ersten, sogenannten legendären Veröffentlichungen heute?
„Diese Legendengeschichte kann einen behindern und es kann dich stolz machen. Die Menschen betrachten dich anders, wenn sie in dir eine lebende Legende sehen. In den 80ern ist uns das nie passiert, da waren wir nur ein Act unter vielen auch wenn wir sehr experimentell und direkt waren. Aber ich selbst höre mir die alten Alben fast nie an, sie erinnern mich zu sehr an die Arbeit. Bis letzten Winter hatte ich sie nicht einmal zu Hause. Ich musste allen ernstes meine Plattenfirma anrufen, damit sie mir zugeschickt wurden, denn ich konnte mich kaum noch daran erinnern, wie die frühen Bathory klangen, was wir auf diesen Scheiben wirklich gemacht haben.“
Du redest von Bathory im Plural. Wie kommt´s?
„Ja, denn ich bin auch heute nicht allein. Es waren immer außer mir noch andere Musiker an Bathory beteiligt. Zwischen 1983 und 1989 war Bathory eine echte drei Mann Band, seitdem ein reines Studioprojekt. Ich fühle mich halt wohl dabei für die Gitarren ,den Bass und die Vocals verantwortlich zu sein aber ich brauche im Studio immer jemanden für die Drums oder meinetwegen die Drum Maschine.“
Die letzte obligatorische Frage nach der etwaigen Liveshow?
„Nein, niemals! Man hat uns schon enorme Mengen Geld geboten, um eine einzige Show zu spielen aber das wird definitiv nicht passieren.“
....ist ja gut, war ja nur ne Frage.
http://www.blackmark.net
Sven Bernhardt


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