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MAGAZIN :: Index: 'B' :: BANG YOUR HEA ....

BANG YOUR HEAD DAY 1
BALINGEN

Freitag, 28.06.03
Alle Jahre wieder führt es die Obliveon Crew zum Bang Your Head nach Balingen. Warum? Ein gutes Billing und weit weniger chaotische Verhältnisse als anderswo lassen das Festival immer wieder zu einem Erlebnis werden. Das sahen dieses Jahr so um die 15000 Leute genauso und feierten zwei Tage lang sich selbst, die Bands und den Metal. Als wir am Vormittag des ersten Tages das Gelände betraten, und unsere ersten anwesenden, befreundeten Chaoten begrüßt hatten, gab es noch die Gelegenheit die drei letzten Tracks der Amis Bitch zu erhaschen. Das wir den Opener Destructor gänzlich verpasst hatten, interessierte nach gestriger anstrengender Nacht weder Sven noch mich. Betsy Bitch und ihre Jungs waren mir bis dato unbekannt, hatten aber schon eine satte Anzahl Zuschauer vor der Bühne aufrufen können. Als Betsy beim Song „Live For The Whip“ die Lederknute knallen ließ, fühlte sich manch einer zum Niederknien aufgefordert. Das nenne ich Fan sein.
Als erstes Highlight des Tages stieg hierauf Rob Rock mit seiner Band Rage Of Creation auf die Bühne, und zeigte der Schar beim mittlerweile äußerst heftiger Sonneneinstrahlung, dass es keine Rolle spielt wann eine Band auftritt um Arsch zu treten. Der Sänger mit der wohlgeprägten Stimme führte mit voller Power das Publikum durch die besten Lieder seiner beiden Alben, dem Debüt „Rage Of Creation“ und „Eyes Of Eternity“, dem aktuellen Longplayer. Das Gitarrist Rick Renstrom trotz seiner körperlichen Behinderung einer der virtuosesten Gitarristen ist, hat sich, denke ich schon bis nach Nepal rumgesprochen. Der kleine Saiten-Wizard legt eine Spielfreude an den Tag, die alle Anwesenden kräftig begeisterte. Rob weiß genau, was seine Fans von ihm erwarten und ließ mit Songs aus seinem früheren Betätigungsfeld „M.A.R.S.“ nicht lange auf sich warten. Der Sound war von Anfang an erstaunlich gut, so dass es eigentlich rein gar nichts zu meckern gibt. Im Gegenteil, Rob und seine Musiker waren einige der wenigen Stars des Festivals die sich nach dem Gig unters Volk mischten, und bereitwillig für Fotos, Autogramme und Gespräche zur Verfügung standen. Respekt!
Heftig, heftig! Anders kann man den Gig der tobenden Amon AmarthCrew um Bart- äh Frontmann Johann Hegg nicht beschreiben. Eine halbe Stunde donnerten Vikingsongs in das mittägliche Volk welches recht ordentlich mitmachte. Die Bandhymne „Victorious March“ und auch „Bleed For The Ancient Gods“ kamen live auf jeden besser und aggressiver als auf den jeweiligen Alben rüber. Dabei schafften es Amon Amarth sogar ziemlich souverän eine anständuge Bühnenshow auf die Bretter zu bringen und begeisterten so eine doch erstaunlich große Menge!
Ob man Axxis und insbesondere Sänger Bernhard Weiss liebt oder hasst, ist eine Sache. Man kann jedoch nicht bestreiten, dass sie live ein Garant für gute Stimmung und jede Menge Action sind. Der Fronter hat seine Jünger voll im Griff, ob im kleinen Club oder auf einer Festival-Bühne. Gnadenlos treibt er die Meute einen Bandhit wie „Flashback Radio“ im massigen Chor ertönen zu lassen. Das sorgt zwangsläufig für Gänsehaut pur. Verausgabendes Posing und witzige, kernige Sprüche trafen genau die Laune der abfeiernden Zuschauerschar von denen zwar etliche schlagartig die Flucht ergriffen, als ein extremer Platzregen einsetzte, dass mir schon Angst und Bange um manches der Zelte wurde, während der ansehnliche Rest der Leute stolz vor der Bühne weiter tobte. Als Dank legten Axxis noch einen Zahn zu. Davon sollten sich einige Musiker-Mimosen mal eine Scheibe abschneiden.
Der Hauptanlass der mich neben Twisted „Motherfuckin`“ Sister nach Balingen trieb und gleichzeitig die wohl enttäuschendste Performance auf die Bretter legte, waren die Götter TNT. Ich weiß wirklich nicht was in den Köpfen der Formation abging, aber nicht einen Song vom wichtigsten Album „Intuition“ zu spielen, grenzt an Schwachsinn. Mit dieser Meinung vertrete ich wahrscheinlich achtzig Prozent der Anhängerschaft. Eine Reunion in diesem Sinne wird man mit Sicherheit nicht unterstützen. Es ist doch kein Wunder, dass die neuen Songs kaum jemand kannte und dass deshalb die Stimmung völlig absackte. Zumal die aktuellen Tracks echt scheiße sind. Die sonst in hohen Stimmlagen angesetzte Röhre von Tony Harnell, kommt im unteren Bereich gar nicht zur Geltung. Die dümmste und peinlichste Idee war es dann auch noch die
anspruchsvollen hohen Vocals vom Band abzuspielen. Einen besseren Beweis den Leuten zu zeigen, dass man nicht mehr so viel auf dem Kasten hat gibt es kaum. Warum die Band, bei einer derart kurzen Spielzeit, lieber auf ein ausschweifendes Gitarrensolo von Ronnie LeTekro zurückgriff, anstatt dem hungrigen Haufen „10.000 Lovers“ ins Hirn zu jagen bleibt für mich genauso unerklärlich wie die ewige Frage „was Frauen wollen“. Zumindest konnte Tony das kleine dunkelhaarige Chick in der ersten Reihe mit einem Backstagepass beglücken. Dieser Umstand sorgte zumindest für einen glücklichen Fan. Bevor der nächste Umbau ins Rollen kam, gab es zumindest den berühmten Tropfen auf den heißen Stein und die Skandinavier trauten sich an „Seven Seas“ ran. Zwar wollte man auf „Teufel komm raus“ eine Zugabe spielen und hätte so vielleicht verlorenen Boden wieder gut gemacht, aber man drehte den Musikern gnadenlos den Strom ab. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Manche Bands sollten besser in Würde abtreten
Dokken sind in neuerer Zeit eine sehr zwiespältige Angelegenheit. Je nach Laune des Kopfes der Truppe, Don Dokken, kann ein Gig völlig geil sein oder total in die Hose gehen. Aber heuer ließ der Mainman nichts anbrennen und präsentierte sein breites Lächeln als mit John Devin und Greg Smith auch eine teilweise neue Bandbesetzung. Die Musiker überließen Don das freie Feld und er nutzte die Gelegenheit um zu zeigen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Schlauerweise packte er im Gegensatz zu TNT die guten, alten Hits aus der Box und versetzte uns Poser in die goldenen 80er Jahre zurück. Überall vor der Bühne konnte man die unglaublichsten Poserübungen erblicken, die uns Anhänger der Hairspray-Bands den von lustlosen Ignoranten peinlichen Ruf einbrachte. Spätestens beim Überhammer „In My Dreams“ machten fast alle mit, sangen lauthals mit und streckten die Fäuste in die Höhe.
Als die Kanadier Annihilator die Bühne enterten, trat schlagartig das Lächeln in die Gesichter der anwesenden Banger zurück. Jeff Waters, der König der Grimassen, brauchte nur Sekunden bis seine enorme Begeisterung auf die Leute übergriff. Dass der ehemalige Shouter Joe Comeau (ex-Overkill) nach nur einem Album das Feld räumte ist seit langen kein Geheimnis mehr, jedoch war kaum einer mit dem neuen Fronter Dave Padden vertraut. Ich muss gestehen, dass ich angenehm überrascht war wie souverän der neue Mann am Mikro agierte. Mit einer soliden und kraftvollen Stimme die keinerlei Schwächen aufwies preschte er durch das anspruchsvolle Songmaterial. „Set The World On Fire“ und „Alison Hell“ waren die absoluten Feger des Sets die etliche Matten kreisen ließen. Die Band setzte ihre große Energie völlig frei, und allen voran Bandleader Jeff der es sich nicht nehmen seinem Publikum sein Extreme-Posing zu bieten, gespickt mit Gesichtszügen die ihresgleichen suchen. Der Mann ist der reinste Wahnsinn. Bassist Russ Bergquist war ebenfalls kaum zu halten und sorgte zudem für reichlich fette Backing-Vocals. Übrigens hatte er genau das T-Shirt an, welches ich schon seit Jahren suche, was ihn nur noch sympathischer machte. Annihilator sind genau die Dosis Metal die jedes Festival zum Erfolg verhelfen. Wobei man ohne Wenn und Aber sagen darf, dass diesmal wirklich fast alle Bands ihr Bestes gaben. An dieser Stelle noch mal ein riesiges Danke schön! Wir kamen kaum zum Verschnaufen.
So nervös wie schon lange nicht mehr, waren die Ruhrpöttler-Jungs von Sodom vor diesem Gig. Stand doch zu befürchten, dass viele Fans die Thrashattacken des Trios nicht gerade mit Begeisterung aufnehmen würden. Denn einerseits ist das Bang Your Head nicht unbedingt als Spielwiese für altgediente Lärmmeister bekannt; andererseits kommt erschwerend hinzu, dass man sich noch dazu in Süddeutschland befand, wo die Sodomisten immer schon einen etwas schwereren Stand hatten. Egal, denn es kam, was kommen musste und so drosch das Trio völlig kompromisslos alte und neue Tracks wie „Sodomy And Lust“ „I Am The One” oder “Der Wachturm” in das durchaus angetane Publikum. So bangten man sich unter anderem durch den Kultsong “Bombenhagel” und genoss oder wunderte sich mehr oder minder über den Anblick von über die Bühne robbenden Soldaten. Spätestens beim absoluten Uralthit: “Outbreak Of Evil”, der wegen eines technischen Defekts zeitweise ohne Toms Basstöne auskommen musste hatten die infernalischen Drei gewonnen. Ich wette sie kommen wieder
Hammerfall kamen, sahen und siegten. Im gnadenlosen Metal-Outfit, mit Ultra-Stage-Acting und jeder Menge Schunkel-Refrains. Diese Band lebt ihren Klischee-Metal voll aus. Und die rasende Masse gibt ihnen recht. Ich weiß auch nicht was das ewige Gemecker soll. Wer es nicht mag soll einfach wegsehen und weghören. Kein Quadratmeter der Bühne blieb unberührt. Die Band riss etliche Kilometer ab und schmetterte ihre melodiösen und powervollen Hits wie „Let The Hammer Fall“ und „Hammerfall“ über das sonnige Festival-Gelände. Die fetten Refrains wurden aus jeder Ecke weitgehend mitgeträllert und ließen die Erde erbeben. Basser Magnus scheint zudem äußerst sexy auf die meisten weiblichen Besucher zu wirken, denn einige Schweißattacken stammten eindeutig nicht von der sengenden Sonne.
Der erste Headliner des Festivals war Altmeister Ronnie James Dio. Der kleine Meister singt zwar immer noch so gut wie eh und je, aber es gab leider eine Menge Unmut über die Auswahl der Songs im Publikum. Die Band konzentrierte sich, abgesehen von einigen obligatorischen Klassikern wie Holy Diver“ und „I Speed At Night“, sowie Tracks von Ronnies Rainbow-Zeiten „Long Live Rock `n` Roll“ und „Man On The Silver Mountain“ und Black Sabbath-Kultsongs „Mob Rules“ und „Heaven And Hell“ zu sehr auf die schleppenden Titel der neueren Releases. Das zog die Show in ein etwas langatmiges Erlebnis. Wieder mit an Bord ist Gitarrist Craig Goldie, der sich aber im Gegensatz zu früheren Konzerten mit seinem Posing stark zurückhielt. Zum ersten Mal im Laufe des Tages kam man in den kompletten Genuss der kreativen Bühnenbeleuchtung, die auf einem Festival im Freien immer etwas Magisches an sich hat. In Verbindung mit den ausgeprägten Gesten von Ronnie, der es, im Gegensatz zu Ozzy, immer noch schafft ohne Sauerstoffzelt einen Gig zu bestreiten, gab es etliche Momente die für Gänsehaut sorgten. DIO war die erste Band des Tages die mit einer Zugabe zurück auf die Bühne durfte. Das war aufgrund des engen und konsequenten Zeitplans, damit das Konzert pünktlich um 23:00 Uhr beendet wird, für die anderen Acts nicht möglich. Welch ein spektakulärer erster Tag.
Sven Bernhardt / Steve Burdelak - Pics: Sven Bernhardt / Steve Burdelak


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