Obliveon - Metal und Gothic Webzine
 :: Suchen 

 :: Obliveon.de
· Home
· MySpace
· Links

  Info...
· FAQ
· Kontakt
· Impressum
 

 :: Magazin
· GESAMT
· News
· Interviews
· Konzert/Festivals
· Specials
· Foto Galerie

 :: Reviews
· GESAMT
· CD Reviews
· CD Import
· Eigenpressungen
· White Metal
· DVD/Video
· Bücher/Magazine

MAGAZIN :: Index: 'A' :: ARCH VISCERAL ....

ARCH VISCERAL PARLOR
Musikalische Leidenschaft
Rhea´s Obsession oder Claire Voyant sind Vertreter einer musikalischen Stilrichtung, Ethereal Rock genannt, die in den letzten Jahren immer öfter auf sich aufmerksam machen konnten. Sphärische Gitarren in der Tradition der Gothic-Szene verschmelzen hier mit einem entrückt wirkenden weiblichen Gesang auf der Grundlage ethnischer Rhythmen zu einem leicht düster eingefärbten und dennoch sehr stimmungsvollen Soundgemisch. In die gleiche musikalische Richtung gehen die aus Chicago stammenden Arch Visceral Parlor um Abigail Aileen Ferraris und Nathaniel Fremont, die mit dem bereits 2000 veröffentlichten "Lascia" eine kleine Perle des musikalischen Undergroundes dieser Szene eingespielt haben. Da diese 6-Track EP jedoch in Eigenregie eingespielt und veröffentlicht wurde, ist der Bekanntheitsgrad der Band, vor allem hier in Europa, leider noch sehr gering, und auch der Versuch der Band, sich dieses Jahr durch einen Auftritt beim Wave Gotik Treffen in Leipzig einen Namen zu machen, schlug leider fehl.
Dies hindert uns jedoch nicht daran, Arch Visceral Parlor hier nun näher vorzustellen und im gemeinsamen Gespräch mit der überaus liebreizenden und nicht ganz unattraktiven Sängerin Abigail die Hintergründe zu erhellen, die zur Gründung der Band im Jahre 1999 geführt haben.
>> Nathaniel und ich haben immer schon zusammen Musik gemacht und es war an der Zeit, das Ganze auf eine vernünftige Basis zu stellen. Wir durchliefen beide sehr schwierige Phasen unseres Lebens und so war dies wirklich die Möglichkeit unsere übereinstimmen Gefühle durch das Ventil der Band freien Lauf zu lassen. Wir mussten beide feststellen, dass unsere damaligen Partner sich heimlich miteinander verabredeten. Als ich das herausfand, habe ich die nächsten Tage nur geschrieen oder wollte nur schreien. Das war der Moment, wo ich mich dazu entschieden habe, mit dem Singen anzufangen. Ich bin sehr froh, dass die Leute meinen Gesang anscheinend mögen, denn ich wusste anfangs nicht, ob das funktionieren würde. Mein musikalischer Hintergrund war bis dahin rein instrumentaler Natur. Wir liessen also unsere Beziehungen hinter uns und dachten, dass die Gründung einer Band der beste Weg wäre, uns selbst zu verwirklichen. Die ursprüngliche Idee war also leidenschaftlich, boshaft und beruhigend zugleich. Heute sind wir gut mit dem Pärchen befreundet und mir gefällt es, dass Arch Visceral Parlor unter solch einem dramatischen Ursprung entstanden. <<
Haben du oder Nathaniel bereits vorher in anderen Bands gespielt?
>> Ich habe in einer Sleaze Rock Band mit dem Namen Gutterstar gespielt und war dort für die Keyboads zuständig. Die Band brauch auseinander, kurz nachdem wir Arch Visceral Parlor gegründet hatten. Nate hat in einer Band mit dem Namen Stelch gespielt und war gerade dabei, seinen Abschluss in Malerei zu erlangen. Daher hatte er zu wenig Zeit um auch noch in Musik zu graduieren. <<
Wie seid ihr auf diesen ungewöhnlichen Band namen gekommen?
>> Die schnelle Antwort ist die, dass ich es liebe mit Worten zu spielen. Ich habe damals sehr viel gelesen und und Nate gefiel es auch. Basieren tut der Bandnamen allerdings auf der der Beschreibung, die der Arbeit Jeanette Wintersons entgegengebracht wurde, die ich damals sehr viel gelesen habe. Dort war immer von "Visceral" die Rede, was im übertragenen Sinne so etwas wie intuitiv bedeutet. Das impliziert einen Einfluss sowohl auf unsere Emotionen als auch auf unsere Psyche und passt zu unserer menschlichen Tendenz sich intensiv Dingen und gegensätzlichen Spannungen zu widmen. Als ich nachschaute, welche Bedeutung "Visceral" hat, war ich zufälligerweise in der biologischen Abteilung der Bibliothek und fand heraus, dass "Arch Viscera" das griechische Wort für Kiemen war. Nate arbeitete an der Radierung eines prähistorischen Fisches, die wir für das Cover verwendeten wollen, und so beliessen wir es dabei. Zufälligerweise bedeutet "Arch" auch schädlich oder schurkisch, was sehr gut passte. Als "Parlor" bezeichnet man den Raum, in dem sich all die grossen Künstler versammeln und miteinander kollaborieren. Dies geht zurück auf Gertrude Steins Definition dieses Raumes. <<
Was waren eure musikalischen Einflüsse, als ihr die Band gegründet habt? Haben sich diese im Laufe der Jahre veränderz?
>> Bands wie Cocteau Twins, Seefeel und Skinny Puppy zählen auf jeden Fall dazu. Ich glaube schon, dass ich mich mehr an älteren musikalischen Quellen orientiere. Derzeit studiere ich Jazzgesang und so fliessen all diese Gesangstechniken und das Repertoire in meinem Gehirn zusammen, wie auch Blues, Blue Grass und eine Reihe von neueren Indie-Bands, die ich in mich aufnehme. Electro und Irish Punk zählen auch dazu. Mal sehen, was letzten Endes davon übrig bleiben wird. Nate hat sehr viel Independent und experimentelle Musik gehört, während Tre und Andy sich sehr mit afrikanischen und lateinischen Rhythmen beschäftigen. Mal sehen, was dabei rauskommt. <<
Bislang gibt es nur eine CD von euch, "Lascia", die ihr selbst eingespielt und veröffentlicht habt. Wie seid ihr auf den Titel des Albums gekommen?
>> Ich war gerade dabei einen Song von Händel zu lernen, "Lascia Ch´io Pianga" und gleich das erste Word klang und sah wunderschön aus. Ich war überglücklich als ich herausfand, das "Lascia" übersetzt "schmachten" heisst. <<
Gibt es zwischen dem Titel und dem Cover des Albums, das eine Motte auf einem blauen, lamellenartigen Hintergrund zeigt, eine Verbindung?
>> Nein, eigentlich nicht. Ich mochte dieses Wort, wir liebten das Stück, das Nate gemacht hatte. Vielleicht besitzt beides eine ähnliche Stimmung. <<
Wie alt waren die Songs, als ihr mit den Aufnahmen begonnen habt und wie entstehen sie?
>> Ungefähr ein Jahr sind die Stücke alt. Für gewöhnlich jammen wir sehr lange. Dabei sind die ersten sechs Stunden fast so etwas wie eine Reinigung von allem ist. Es dauert meist sieben Stunden, bis wir auf den Punkt kommen. Dann hören wir die Tapes ab und hören, was uns davon gefällt. Ich schneide die Sachen dann zuhause zusammen und wir beginnen, das Ganze vernünftig auszuarbeiten. Ein anderes Mal kommt jemand mit einem Skelett von einem Song an und wir weiden es genüsslich aus. Der Prozess des Jammens ist Nate eigentlicher Grund in einer Band zu spielen. <<
Welche Songs sind deine Lieblingslieder auf "Lascia"?
>> Ich hasse es dies sagen zu müssen, aber ich habe keine Favoriten. Ich liebe jeden einzelnen Song denn jeder erfüllt eine bestimmte Aufgabe. Live liebe ich es "The Cleaving" zu spielen, denn das ist unser Publikumsfavorit und obwohl wir ihn schon so oft gespielt haben, bin ich immer wieder davon überwältigt. <<
Da "Lascia" ursprünglich bereits im Jahr 2000 veröffentlicht wurde, wäre es langsam wohl an der Zeit für ein neues Album, zumal ich mal vermute, dass ihr bereits einiges an neuem Songmaterial parat haben dürftet, oder?
>> Wir werden "Wilis" hoffentlich bald veröffentlichen, aber unser Budget ist zur Zeit ausgeschöpft und daher verzögert sich alles noch etwas. "Wilis" wird in jedem Fall anders sein. Es gibt eine viel direktere Aussage in unseren Liedern, die zudem kürzer und besser strukturiert sind. Wir haben viele Songs, aber nicht jeder von ihnen ist es Wert aufgenommen zu werden. Wir sind mittlerweile zu einer echten vierköpfigen Band gewachsen, was wir uns zu Beginn nie im Traum hätten einfallen lassen. <<
Werdet ihr dieses Album ebenfalls wieder selbst veröffentlichen?
> Wahrscheinlich werden wir es wieder selbst veröffentlichen. Wir haben zwar ein Angebot auf dem Tisch liegen, aber es ist noch viel zu früh darüber zu sprechen. <<
Mein Eindruck von Arch Visceral Parlor ist, dass es sich dabei um eine Band handelt, die nicht nur die schönen und erfreulichen Seiten des Lebens darstellen zu sucht, sondern auch die Kehrseite der Medaillie aufzeigt. Wie wichtig sind in diesem Zusammenhang daher die Texte für dich?
>> Das hängt vom jeweiligen Stück ab. Manche der Texte sind wirklich sehr, sehr wichtig, während ich bei anderen Stücken erst die Melodien schreibe und diese dann mit Worten fülle, so dass nicht so viel Bedeutung in ihnen liegt. Bei diesen Liedern kommt es mir mehr auf die Stimmung an, die ich erzeugen will. <<
Ist das Schreiben der Texte dabei auch, so etwas wie sich den Frust von der Seele zu schreiben?
>> Hmm, ich betrachte es als Ventil meiner Leidenschaft. Ich liebe die Intensität des Lebens und der Liebe und geniesse es, diese mit anderen zu teilen. Wenn ich mich einsam fühle, dann bringe ich alle meine Gefühle in die Musik ein. Das befriedigt mich sehr. Musik gibt mir Sicherheit, sie wird mich nicht zurückstossen oder ablehnen. Wenn ich sechs Stunden Arbeit investiert habe ist es so, als ob ich auf einem Beutezug war. <<
Denkst du, dass sich die Leute wirklich mit den Texten auseinandersetzen und zuhören?
>> Die Leute, die meine Texte kommentieren, tun dies in jedem Fall. "Impermanence" ist ein Song, der Vielen ganz offensichtlich aus der Seele spricht. Ich ahbe auch ein paar Impressionen zu "Bitter Moon" gelesen, die sehr faszinierend waren. Das freut mich ungemein und es ist schön, dass die Leute auf diese Weise etwas dazu beitragen können. Ich denke, es hält sich in etwa die Waage, dass die Texte wahrgenommen werden. Ironischerweise sind von allen Leuten die ich kenne Nathan und ich die Einzigen, die sich Texte anderer Künstler am schlechtesten merken können. <<
Gothic war und ist, in den USA noch viel mehr als in Europa, immer ein Undergroundphänomen gewesen. Glaubst du, dass sich durch die Erfolge Marilyn Mansons und jüngst Evanescence daran etwas ändern könnte?
>> Das bezweifle ich und ich glaube nicht, dass viele Gothic als die Inspirationsquelle von Evanescence bertrachten. Die Sängerin hat schwarze Haare. Gut, und dann… In Chicago scheint es so, als ob die Leute ausserhalb der Gothic-Szene diese nicht mehr wahrnehmen und wir nur noch von der überzogenen Hyperpräsenz Marilyn Mansons in einer Post Goth Manson-Ära zehren. Es ist nicht das grosse Ding und ich glaube auch nicht, dass das Interesse steigend ist. Die meisten innerhalb der Szene wenden sich mehr als allem anderem dem EBM zu. Nicht, dass dies falsch oder schlecht wäre, aber ich antizipiere damit schon seit geraumer Zeit kein wachsendes Interesse am Gothic. Zudem konzentriert sich vieles der potentiellen Untergroundkultur in viel stärkerem Maße auf dieses "Band-Ding" und Acts wie The Kills oder The Hives. <<
Was beutet es für dich "Gothic" zu sein? Ist es eine Art Lebensgefühl, eine Modeerscheinung oder ein Charakterzug, den man in sich trägt? Wie bist du mit dieser Szene in Berührung geraten?
>> Vor langer Zeit, als ich gerade mal fünfzehn war und bei all dem Schwarz nach etwas anderem Schönem auf der Suche war, als das, was meine Metal und Britpop hörenden Klassenkameraden und ich so hörten, begann ich mit einem Jungen auszugehen, der ein Motorrad fuhr. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, er versuchte auszusehen wie Andrew Eldritch, aber das war meine Geburt in die Goth-Szene. Als wir unstrennten war ich überglücklich, denn ich hatte zu mir selbst gefunden. Goth ist für mich eine Lebenseinstellung. Ich liebe die Mode, ohne mir sie ständig zu Eigen machen zu müssen. Ich liebe auch die Literatur dieser Zeit. Mein akademischer Ratgeber an der Uni sagte mal, dass Goth so etwas wie Hyper Romantik ist, und so verstehe ich das für mich auch. Auch hier ist es die Intensität die mich fasziniert, mehr als jede depressive und ruhige Version davon. Es ist die Seite die zum Ausdruck bringt, dass eine dunkle, flatterhafte und sexy Vitalität als Referenz an die Vergangenheit existiert, die in unserer modernen Welt wieder sichtbar wird. <<
Ihr habt versucht dieses Jahr auf dem Wave Gotik Treffen in Leipzig zu spielen. Woran ist dies letztlich gescheitert?
>> Der Veranstalter hat nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen für Newcomer und wir waren leider etwas zu spät dran. Ich würde liebend gerne nach Leipzig kommen, aber wir sind zur Zeit fast alle arbeitslos und können es uns daher einfach nicht leisten. Nächstes Jahr werde ich fahren, ob mit der Band, oder ohne. Das ist mein grösster Wunsch. <<
Wie müssen wir uns ein typisches Arch Visceral Parlor-Konzert vorstellen?
>> Wir spielen wie eine normale Rockband mit Drums, Bass, Gitarre, Keyboards, Gesaang und einem Hard-Disk Recorder, der die notwenigen Backing Tracks für die vielschichtigeren Stücke liefert. Andy trägt Make-Up, einen Kilt und Tape um seine Brust. Nate trägt so etwas wie ein Sweat Shirt und Tre hat ein Lack Oberteil mit dazu passender Hose. Ich trage ein grosses rotes Kleid aus Samt und verlängere meine Haare bis zum Po. Ausserdem habe ich so ein Glitzerzeug im Gesicht. Die Leute behaupten, zwischen uns bestünde eine besondere Energie, wobei Andy und ich immer gerne einen auf dramatisch machen. Andy springt viel herum und feuert das Publikum an, während er Bass spielt. Ich hingegen gestikuliere und tanze sehr viel, was ein sehr schöner und unerwarteter Kontrast zu den Bands ist, die sonst diese Art von Musik spielen. Ich bin nach einer Show mal gefragt worden ob es nicht langweilig für mich wäre, nicht mehr in einer Punk-Band zu spielen. Live zu spielen ist für mich ein wirkliches Privileg, denn es beinhaltet alle die Formen von Kunst, die ich liebe: Musik, Tanz, Literatur, Theater und Mode. <<
Benutzt ihr besondere Show-Elemente auf der Bühne?
>> Manchmal hatten wir Spielzeugblumen (!!, d.Verf.) und Furbies (!!!, d.Verf.) auf der Bühne, die zur Musik getanzt haben, aber das ist nicht unbedingt notwendig. Unsere Konzerte sind eine Feier, zu der wir nichts hinzufügen brauchen. <<
Was sind eure weiteren Pläne mit der Band?
>> Wir versuchen nur auf grossem Fuss zu leben und dabei auch noch eine gute Zeit zu haben. Wir lieben es Musik zu machen und wir lassen uns mal überraschen, wie weit wir es dabei bringen werden. Dabei vergessen wir aber nicht, dass dies für uns ein wahrer Segen ist. Mein Plan ist es Schritt für Schritt grösser zu werden , aber auch glücklich und inspiriert zu sein mit dem, was wir heute tun. Alleine das ist für mich schon die Erfüllung eines Traumes, denn jeder bei Arch Visceral Parlor ist sehr talentiert und sieht dabei auch noch gut aus. Manchmal frage ich mich wirklich, ob ich tatsächlich mit diesen Jungs zusammen arbeite. <<
http://www.archvisceralparlor.com
Michael Kuhlen


[ Zurück zum Index: 'A' ]
 

[ Unsere Webseite weiterempfehlen ] [ Impressum ] [ Seitenanfang ]

© Oblivion 1998-2002 Alle Rechte vorbehalten

Haftungsausschluss/Disclaimer

technisches Konzept, Programmierung & Webdesign by M. Koschinski / C. Fessler