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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DE / VISION

DE / VISION
Kunst statt Kommerz!
Kritik gehört zum täglich Brot des Musikers. Wer das Meinungswirrwarr über die eigene künstlerische Arbeit nicht aushalten lernt, bekommt Schwierigkeiten.
Zum Glück haben DE/VISION in ihrer – über zehnjährigen – Karriere schon früh gelernt, sich mit solchen Dingen auseinanderzusetzen. Dem allgemeinen Kommerzgedanken trotzend präsentiert das Duo mit ihrer Neuveröffentlichung „Devolution“ ein Album, das es in sich hat. Zehn Lieder, die die Arbeit des Zuhörenden einfordern und nicht nur das Kosumgen ansprechen. Steffen – Sänger der Ausnahmeformation – stand zur Verfügung und gab Auskunft über Wohl und Werden und die Probleme, die das übersättigte Konsumverhalten mit sich bringt …
DE/VISION war ja in letzter Zeit in den einschlägigen Medien sehr aktiv in punkto Promotion zur neuen Veröffentlichung „Devolution“…
Wie sieht es denn aus mit Auskopplungen in Form von Singles, Videos?


>>Wir sind gerade dabei noch einen Mix anzufertigen von „Drifting Sideways“. Wir wissen aber noch nicht genau ob wir damit an den Start gehen. Erst mal wollen wir uns das Ganze gemeinsam anhören – Plattenfirma und so – und überlegen, ob´s Sinn macht, das überhaupt auszukoppeln, weil der Markt eben nicht der Einfachste geworden ist. Und so überlegt man sehr gezielt, ob es halt was bringt oder nicht. Das wäre jetzt der nächste Schritt. Ende Februar haben wir eine Besprechung mit der Firma zur genauen Analyse und dann wird entschieden…
Es gibt also jetzt noch keine endgültige Entscheidung.<<

Und ein Videodreh? In der ersten „Schattenreich“ – Sendung auf onyx.tv seid Ihr ja auch vertreten gewesen mit „Heart-Shaped Tumor“ . (Vom Album „Two“ – September 2001)

>>In der heutigen Zeit ist es sehr risikoreich so viel Geld dafür auszugeben. Gerade für Single und Videodreh… Wenn das Ding dann nicht irgendwie angenommen wird, tja…
Wir haben das jetzt bei „Miss you more“ gesehen. Da haben wir Radio – Promotion gemacht und das lief überhaupt nicht gut. Die meisten Sender haben das Stück komplett abgelehnt und das ist erstmal frustrierend. Aber es zeigt auch die veränderte Landschaft. Es wird wirklich nur noch nach Format gespielt – das was sehr kommerziell ist und einfach gestrickt. Und wenn dann eine Band wie DE/VISION kommt, heißt es gleich wieder: „Die Jungs sind zu düster…“<<
Was eigentlich gar nicht zutrifft…

>>Das Problem ist, dass die Leute sich mittlerweile viel zu wenig mit der Musik auseinandersetzen. Es ist reiner Konsum geworden und man hinterfragt gar nicht mehr was dahinter steckt. Welche Ideen sich die Band gemacht hat und was sie eigentlich musikalisch
ausdrücken wollen.<<

Wenn man dann von Zeitschriften aus der „schwarzen“ Szene promoted wird, dann hat man den Stempel, das Stigma ja schon irgendwie im Gesicht, oder?

>>Ja, einerseits schon, das ist wohl wahr... Aber wir stehen natürlich auch zu gewissen Wurzeln und die sind eben im Synth – Bereich anzusiedeln und dieser Bereich ist verhaftet mit einer gewissen Szene. Das werden wir auch nicht leugnen. Aber wir sind nicht nur so, sondern wir sind auch anders. Und das ist das, was die meisten einfach übersehen. Und wir haben scheinbar auch ein Problem, das richtig zu transportieren. Da arbeiten wir wohl auch zu wenig dran dieses Image aufzupolieren – um klar zu machen: „Hey, wir kommen zwar aus ´ner gewissen Ecke, aber es gibt auch noch andere Elemente in unserer Musik die auch beachtenswert sind und auch entdeckt werden wollen.“ Es wird immer schwieriger…<<

Wenn man die Imagegestaltung ansieht, seid Ihr ja auch nicht so richtig greifbar… Ihr habt wenig Ecken und Kanten, die auf einen ersten Blick offensichtlich sind und die man „packen“ kann…

>>Das ist Auslegungssache… Es kommt natürlich auch darauf an, was man sonst so hört. Ich kann einerseits nachvollziehen was Du meinst – aber andererseits denke ich, dass es schon Ecken und Kanten gibt. Die fallen vielleicht beim ersten Mal hören nicht so auf. Man muss sich mit der Musik eben wirklich beschäftigen. In den ersten Reaktionen hören wir oft „supergeil“ und „superlangweilig“ fast gleichzeitig von den Leuten. Und irgendwann nähern diese Aussagen sich einander an weil die Hörer sich eingehender damit befasst haben.
Außerdem sind wir vielseitiger geworden in dem was wir machen. Wir haben ja auch mal dieses Dance – Projekt mit „Green Court“ gemacht (Ende 2000). Ich will mich da auch gar nicht in irgendeine Ecke drängen lassen. Ich will ausprobieren und als Künstler sagen können: ´Es gibt nicht nur eine Welt, sondern mehrere…´.<<
Bei Eurem neuen Album „Devolution“ fallen die äußerst variabel gestalteten Gesangsparts auf. Ihr arbeitet sehr viel mit Effekten. Oft sehr versteckt und beim ersten Hören gar nicht bemerkt, ist da auf einmal wieder so eine Feinheit… Man hört immer wieder etwas neues, gerade was auch den Gesang betrifft… Habt Ihr da bei Steinberg (Die eine Standard – Musikprogrammfirmen – Anm. d. V.) eine neue Maschine entdeckt?

>>Nene…(lacht). Logic…(Die andere Standardmusikprogrammfirma – Anm. d. V.). Ich bin jetzt auf Mac umgestiegen und versuche da jetzt weiterzukommen. Alles ganz neues Terrain.
Bei jeder Produktion arbeitest du mit gewissen Leuten zusammen – jetzt zum Beispiel mit Josef Bach, unserem neuen Produzenten – und der mag halt solche Dinge. Verspieltheit, Details und so was. Wir mögen das auch, haben´s schon immer gemocht und da hat sich eine Chemie entwickelt die sehr fruchtbar war. Und wir haben da wirklich drei, vier Stunden nur an einem Effekt für eine Stimme gesessen und gesagt, dass muss so oder so klingen und haben dann doch wieder alles verworfen… Und so ist aus diesem Puzzeln alles entstanden. Und gerade beim Gesang wollten wir auch sehr variabel sein und viel mit Effekten ausprobieren. Die heutige Zeit ist nun mal so. Es gibt viel „Effekthascherei“, sage ich mal so – und wir wollten unseren Teil dazu beitragen.<<

Wenn man sich intensiver mit dem Album beschäftigt, eröffnen sich immer neue Aspekte...

>>Und deswegen kann ich auch nicht ganz nachvollziehen, warum etliche Leute sagen „Devolution“ wäre ein langweiliges Album. Dann setzen die sich zu wenig damit auseinander. Das wundert mich ein bisschen. O.k., auch solche Meinung muss ich akzeptieren. Ich bin Künstler und kann auch mit Kritik leben, aber ich kann diesen Begriff von „Langweiligkeit“ einfach nicht darin entdecken. Man kann sagen, dass es ist nicht den eigenen Geschmack trifft – oder nicht gefällt, aber das es jetzt ´langweilig´ ist kann ich nicht nachvollziehen. Das muss ich wirklich zugeben, damit habe ich ein Problem.

Es ist ein komplexes Album, bei dem viel Wert auf Details gelegt wurde und beim ersten Mal wird es oft nicht gleich begriffen, was da überhaupt alles passiert. Und wir wundern uns ja selber darüber, was wir da im Endeffekt zaubern.<<
Schreibt Ihr die Stücke alle im Vorfeld? Oder wird im Studio dann wieder alles umgeschmissen und neu gemacht?

>>Es wird auf jeden Fall viel im Studio gearbeitet. Man gibt ja auch Geld für einen Produzenten aus und will dann ja auch sein Können und Wissen da mit einbringen. An diesem Album haben wir sieben Monate gesessen – inklusive Songschreiben, Produktion und Mixing. Das hört man dem Resultat auch an. Wir haben uns sehr viel Zeit gelassen und deshalb konnte es auch so abwechslungsreich werden…<<

Und diese Zeit bekommt Ihr von Eurem Plattenlabel auch eingeräumt?

>>Wir bekommen ein gewisses Budget – wir haben keine Künstlerverträge, sondern nur Bandübernahmeverträge – und müssen dann schauen, dass wir mit diesem Geld leben und auch die Produktion bezahlen können. Ich habe da im Vorfeld schon gesagt wie viel Zeit ich gerne für das Album hätte, haben dann alles ausgerechnet was man so ausgeben kann und darf – sind dann gestartet und waren termingerecht fertig. Man hätte es vielleicht auch schneller hinbekommen, aber so war auch der Druck nicht ganz so groß und es war ein entspanntes Arbeiten möglich.<<

Nun arbeitet Ihr auf „Devolution“ nicht nur mit Elektronik und Gesang. Auch „echte“ Instrumente, wie Gitarren sind darauf zu hören.

>>„Void“(2000) war das erste Album auf dem wir sehr viel mit Gitarren arbeiteten und sie den Vordergrund gerückt haben. Es war auch das Gefühl dafür da. Unser Leben wandelt sich ja ständig und das spiegelt sich auch in der Musik wieder. Wir haben das dann alles als Live – Konzept übernommen. Es wäre ja auch Quatsch zu sagen: „Auf Platte alles elektronisch und auf der Bühne holen wir dann die Rockgitarre raus…“.
Bei „Devolution“ sind wir auf einer mehr experimentellen Ebene gelandet – was die Gitarren anbelangt. Sie stehen jetzt nicht mehr so im Vordergrund, sie übernehmen keine tragende Funktion mehr. Es sind viele Effekte damit gemacht worden. Wir haben in fast jedem Stück Gitarren benutzt, aber sehr verfremdet. Beim Einfügen ergibt sich dann eben dieses homogene Bild. Beim Schlagzeug genauso. Bei fast jedem Song wird auch mit Naturschlagzeug gespielt – Achim (Färber) eben dann. Wir haben es dann nicht so in den Vordergrund gerückt, sondern mehr in die Elektronik eingebettet. Das hatte sich dann in der Produktion so angeboten, dass wir das elektronische Klangbild dann wieder mehr hervorheben…<<
Eine Frage – obwohl wahrscheinlich schon tausendmal gestellt: Covergestaltung und Texte haben ja nun nicht viel miteinander zu tun…?

>>Genau. Null. Das mag ja ein Manko sein bei Einigen, die ein Gesamtbild von uns erwarten, aber wir waren ja auch nie eine richtige Konzeptband. Zwei Alben waren so ein bisschen konzeptionell aufgebaut. Zumindest bei der „Unversed in love“ (1995) waren Texte und Covergestaltung mit dem Thema „Liebe“ verknüpft.
Bei den neueren Sachen sind wir der Meinung verschiedene Ebenen beleuchten zu wollen.
Deswegen muss die Musik nicht unbedingt etwas mit dem Artwork zu tun haben – oder mit den Texten an sich. Wir wollen, dass die Leute sich selber ihre Gedanken machen.
So finde ich es auch viel spannender, als wenn jetzt eine Band hingeht und ihr Statement so klar macht. ´Das ist der Song. Das habe ich mir dabei gedacht.´ Und das finden wir beide langweilig. Wir wollen ja auch die künstlerische Freiheit des Grafikers – in diesem Fall Ulrike Rank – berücksichtigen. Das sie ihre eigenen Ideen da einbringen kann.
Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis und denken, dass wir auch weiterhin mit ihr zusammenarbeiten werden.<<
Wie sieht es mit Rückmeldungen zum Album aus?

>>Man bekommt viel übers Internet mit. Fans, die teilweise schockiert sind – teilweise sagen, es wäre das Beste, was es gibt.
Es ist immer schwierig nach den Stimmungen zu gehen. Wir, als Band, sind sehr stolz auf das was wir gemacht haben. Gerade in der heutigen, kommerziell denkenden Zeit finde ich es immer interessant zu lesen, dass Leute uns Kommerzialität vorwerfen – was komplett falsch ist. Wenn dem so wäre, würden wir definitiv nicht so ein Album an den Start bringen.
Da kann man sich auch gerne mit unserem Management drüber unterhalten. (schmunzelt)
Wir sind eine problematische Band. Wir sind nicht so einfach zu vermarkten. Aber dazu stehen wir auch. Wir machen ein cooles Album, was uns sehr gefällt. Wir können in den Spiegel schauen und sagen, dass ist das was wir wollten. Und hoffen natürlich, dass es den Leuten gefällt. Manchmal haben wir Glück, manchmal Pech. Zurzeit geht´s. Es ist jetzt nicht so, dass es jetzt total scheiße ist. Wir warten jetzt auf alle Fälle die Tournee ab. Das ist uns auch sehr wichtig zu sehen wie viel Leute zu den Konzerten kommen. Wie wird die Stimmung sein…
Für uns ist die Live – Präsentation sehr wichtig geworden. Es wird Gitarren- und Schlagzeugorientierter werden. Die Leute sollen auch das Gefühl haben in einem Livekonzert zu sein und nicht alles vom Band zu hören. Diese Zeiten sind bei uns vorbei.
Wir werden mit Gitarre und Schlagzeug auf der Bühne stehen. Als Synthie – Pop – Band können wir uns nicht mehr präsentieren. Das sind wir auch nicht mehr. Wir machen zwar immer noch elektronische Musik, aber der reine Synth – Pop wie früher ist nicht mehr.
Und wir selber müssen uns auch jedes Mal aufs Neue beweisen. Und ich als Sänger muss mich jedes Mal neu beweisen. Und das macht nur Spaß, wenn du da auch dementsprechend agieren kannst. Und ich hoffe, dass da genügend Leute kommen und das denen dann gefällt…<<

Und das steht bei dem Potential, dass DE/VISION scheinbar mühelos aussprudeln, wohl nicht in Frage.
http://www.devision.de
Markus Poschmann


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