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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CHILDREN OF B ....

CHILDREN OF BODOM
Fans, Löffel und Superstars
Die Skandinavier haben nicht nur Nokia und die, laut Pisastudie besten Schüler Europas. Nein, darüber hinaus besitzen sie eine der größten Metalgemeinden überhaupt. Wie sonst wäre zu erklären, daß eine vergleichsweise harte Band wie Children Of Bodom mit ihrem neuen Album “Hate Crew Deathroll“ auf Platz eins (!) der offiziellen Charts gelangen kann. Um diese und andere Fragen zu beantworten, sitzen mir Gitarrist und Sänger Alexi sowie der zweite Axtmann Alexander gegenüber und schauen ziemlich desolat aus der Bekleidung.
Was ist denn mit euch los?
„Wir haben jetzt seit zwei Tagen Interviews gegeben und hauen morgen früh schon wieder Das schlaucht ganz schön ab.“übernimmt Alexi das Gespräch. Na ja, das ein oder andere Bier hat aber sicher seinen Teil dazu beigetragen aber das nur nebenher.
Ihr macht aber nicht nur normale Interviews, sondern auch Online-Chats mit euren Fans. Was fragen euch eure Fans, wenn ihr sie trefft?
Alexander:„Meistens geht es um unsere Musik. Wie wir Dinge spielen oder arrangieren. Manchmal aber gibt es wirklich seltsame Leute. Die kommen zu dir und sagen :“Hey , sag mir doch mal einen Grund warum ich mich nicht umbringen sollte.“ Äh, was sollst Du darauf noch sagen? Ich meine, mach was du willst aber ich will dafür keine Verantwortung übernehmen müssen, weil ich nicht derjenige bin, der dir sagt was du tun oder lassen solltest.“ Alexi ergänzt:“Manchmal kommen Fans wirklich mit der verrücktesten Scheiße an und erwarten irgend etwas sinnvolles von dir. Ich erinnere mich an ein Mädchen, die war vielleicht sechzehn Jahre alt und schickte uns ständig Briefe aus ihrer psychatrischen Anstalt. Mann die war wirklich krank. Ihre Briefe waren nicht nur echt schräg, sondern sie waren auch mit ihrem eigenen Blut geschrieben!“
“Wow, das war echt seltsam. Irgendwann hat sie uns einen Löffel geschickt. Wozu? Vielleicht, damit wir wussten, womit sie in ihrer Anstalt isst. Sie hielt es wohl für wichtig, uns an ihrem Leben teilhaben zulassen. O.k., kein Problem, ich hab das Ding sogar noch zuhause. Nein ich benutze ihn nicht! Man muss versuchen seine Fans , selbst solche ernst zu nehmen aber wir sind einfach nicht für sie verantwortlich.“
erinnert sich Alexander. “Ja, die Hardcorefans sind echt komisch.“
Wie steht es mit privaten Dingen? Wollen sie das inzwischen auch alles wissen?
“Ja schon. Ich meine ich habe nichts zu verstecken aber es gibt so Sachen über die ich nicht reden möchte. Zum Beispiel wenn mich jemand fragt, wen ich mag oder auch nicht. Ich hab einfach für diesen tratsch nicht viel übrig und öffentlich machen, sollte man dieses Zeug schon gar nicht. Es gibt auch andere Sachen die einfach zu persönlich sind.“
Also ist von euch keine “Osbourne-Show“ zu erwarten.
„Hahaha, coole Idee aber ich glaube nicht. Ich meine Ozzy macht das doch auch nur weil er nicht mehr mitkriegt, daß die Kamera wirklich läuft!“ übernimmt der Sänger wieder das Geschehen.
Mittlerweile seid ihr als Band ja unglaublich erfolgreich. Besonders in eurem Heimatland, wo „Hate Crew Deathroll“ auf Nummer eins der Verkaufscharts steht.
“Das ist einfach unglaublich. O.k. Bands wie Stratovarius, Nightwish oder vielleicht auch Sentenced waren auch schon so hoch in den Top Ten. Aber es gab noch keine Nummer eins die so hart ist wie Children Of Bodom, mit den extremen Vocals. Es ist schon cool, denn eigentlich spielen die Medien, vor allem die Radiostationen diese Art Musik überhaupt nicht, sondern den üblichen Britney Spears und Eminem Schrott. Sie wollen es nicht spielen. Sie hassen Children Of Bodom aber sie können schlichtweg nicht anders. Wahrscheinlich halten sie uns für ein Paar abgefuckte Satansjünger, die nur Krach machen, weil sie weder mit der Musik, noch mit den Fans irgend etwas anfangen können und das Ganze nicht verstehen. Wir sind halt nicht ’easy-going’, also müssen sie uns irgend ein Label aufdrücken. Mir ist das egal. Die Hauptsache ist, daß immer noch die Fans bestimmen und nicht irgendwelche Medientypen.“
Was bedeutet euch denn der Erfolg persönlich?
“Ich kann dir gar nicht sagen wie stolz ich bin, die Nummer eins zu sein. Das ist so viel mehr als ich jemals erwartet hatte. Weißt Du, wir wären schon zufrieden gewesen, wenn das erste Album Tausend mal weltweit verkauft worden wäre, aber es war mehr. Und so ging es immer weiter aber das jetzt ist unsere vierte Platte und .... es gibt einfach kein Wort dafür. Nur noch: Wow!“
Hast Du eigentlich eine Erklärung, warum Metal bei euch so populär ist? Hier in Deutschland wäre so ein Erfolg fast undenkbar.
“Ich weiß nicht wirklich, warum das so ist, die Größe allein kann es nicht sein. Vielleicht sind finnische Metalfans einfach “patriotischer“ als andere. Außerdem kaufen sie die Alben meist sofort nach der Veröffentlichung. Ja, ich glaub das trifft es ganz gut. Denn auch Bands wie Dimmu Borgir oder In Flames haben über eine sehr lange Zeit ziemlich große Erfolge. Es ist aber auch erstaunlich, daß ein so kleines Land wie Finnland auch international bedeutende Bands hervorbringt.“
Gibt es irgendetwas bestimmtes worauf ihr bei “Deathroll“ besonders stolz seid?
„Mit dieser Platte ist es uns wirklich gelungen, genau so zu klingen wie wir es wollten. das sind ganz viele kleine Details, genauso wie das große ganze. Das gilt für die ganze Band. Wir haben immer schon gemacht, was wir wollten aber ansonsten gab es immer irgendwelche Kleinigkeiten, mit denen mindestens einer von uns nicht wirklich hundert Prozent glücklich war. So Sachen wie der Keyboardsound, der an einigen Stellen zu technoid klang, selbst wenn das Gesamtergebnis gut war. Bei den Aufnahmen haben wir uns dieses mal einen Scheiß drum gekümmert und auch die abgefahrensten Sounds dring gelassen. Klänge, die eben nicht Standard Chöre oder Geigen sind. Solange der Song gut war, hat es uns einfach nicht gekratzt und es funktioniert.“
Redest du nur von den reinen Songs oder auch von der Produktionsseite?
“Produktion ...“ schaltet sich Alexander wieder ein “ich hasse dieses Wort. Wenn wir ins Studio gehen, dann stehen unsere Songs. Wir brauch echt keinen, der uns erzählt „Spiel an der Stelle doch lieber ein ‚A’ anstatt des ’E’. Hey Mann, wir wissen schon wie der Song klingen soll. Was man aber im Studio wirklich braucht ist jemand, der dir sagt: “Du hast das Riff jetzt dreißig mal gespielt aber es klingt immer noch nicht gut. Also, mach es noch mal.“ „Stimmt, Ein Producer sollte dir in den Arsch treten“ pflichtet ihm Alexi bei: “Du musst zu dem Punkt kommen, an dem du diesen Typ hinterm Mischpult einfach nur noch umhauen willst.. Wenn du irgend einen Part hundert mal gespielt hast und der Motherfucker immer noch meckert, bist du völlig frustriert und denkst: „Scheiße was soll es!“ Genau dann muss der Producer zum Arschloch werden und es dir ins Gesicht sagen: “Das war nichts. Das machst du noch mal!“ und mit dieser Wut im Bauch klappt es dann doch noch. Er muss einfach das beste aus dir rausprügeln. Ansonsten braucht man doch kaum noch einen Produzenten. Weißt du, wir spielen unsere Teile nicht Stückchenweise ein, das rockt einfach nicht mehr. Klar geht man Take für Take durch aber ich versuche immer so weit wie möglich durchzuspielen. Mittlerweile ist es doch ganz einfach Songs aufzunehmen. Nimm zum Beispiel mal die Drummer. Sie können doch wie Scheiße spielen und im Endergebnis hört es niemand mehr, da alles per Knopfdruck gerade gezogen und nachbearbeitet wird. Da klingt dann so ein Typ wie ein richtig geiler Drummer und kriegt nichts auf die Kette, der Groove geht verloren und es klingt einfach nur noch nach einem Computer. Ganz ehrlich hasse ich diese ganze Technikscheiße. Alles muss heute einhundert Prozent synchron sein. Wenn Du Metal spielst, sollst du aber nicht auf den Bildschirm glotzen, sondern du hörst doch ob etwas funktioniert und klingt oder nicht. Ich denke einfach nicht in technischen Kategorien. Es kotzt mich wirklich an, wenn irgendwelche Typen nur noch über Computer und Effekteinstellungen faseln, das will doch auch keiner wissen.
Ihr seid also Kontrollfreaks, richtig?
Absolut, es gibt nichts schlimmeres als wenn jemand deine Musik oder was damit zu tun hat, versaut. Ich darf gar nicht an unser Video denken. Grauenhaft! Dieser Produzent war echt der Hammer. Ich meine seine ganze Idee ist völlig behämmert. Wenn es nach mir ging, hätten wir in irgend einer verdreckten Seitenstrasse gespielt. Das passt zu uns aber dieser Kasper hat einen ganzen Zirkus aufbauen lassen. Mit Jongleuren, Clowns und so einer dämlichen Ballerina, die ständig durch das Bild hüpft. Ich wär bald durchgedreht als ich das Ergebnis gesehen hab. und von der Band fast nichts zu sehen war, sondern nur diese schrägen Gestalten. Ich meine hey, warum sollte irgend so ein Typ das recht haben, mit unserem Geld zu machen was er will, obwohl wir ihn vorher höflich gebeten hatten genau das nicht zu tun. Und dieser Direktor hat sioch offenbar irgend einen absurde geschichte ausgedacht, die kein Mensch auf dieser Welt versteht. Ehrlich das ist doch Shit, die Band sollte einfach das letzte Wort haben.
Lass uns noch mal über die Platte reden. Als ich das Album zugeschickt bekam, habe ich mich gefragt, ob der Titel irgend einen Sinn macht.
“Äh ... ja also, die Death Crew ist die Band. Also so eine Art Gangbezeichnung. Und “Deathroll“ tja, das ist halt die Auflistung der Gefallenen im Krieg. Gut, das ist nicht wirklich toll. Aber es klingt ganz passend, oder?“

Ist schon in Ordnung. Was ist denn mit den Texten? Sind das auch nur Labels für euch, die einfach zur Musik gehören?
“Wir wollen bestimmt niemandem eine Message vor das Gesicht halten. Stimmt schon, es geht uns in erster Linie um die Musik. Die Texte und Titel müssen nicht poetisch oder so was sein. Sie sind halt ziemlich direkt und meinetwegen auch platt. Dann sagt dir ein Song zum Beispiel „Mein Gott ich bin so angepisst“ und das war es. Meine Texte sind schon fast Unterhaltungen, so wie jetzt hier. Ich sage halt einfach wie ich mich gerade fühle, ohne dass ich das in nette Worte kleide. Es ist simple Realität, die jeder kennt und mit der jeder etwas anfangen kann, weil es ihm auch schon so gegangen ist. Dabei sind die negative Gefühle, Wut oder Depression irgendwie immer am besten für das Songwriting oder auch die Lyrics. Weil jeder schon mal verarscht worden ist oder verlassen wurde. Das war es schon, ich bin doch kein beschissener Dichter, der der Welt etwas erklären kann.“
Sucht euch doch mal euren Lieblingstrack aus.
“Deathroll“ ganz klar!“
schießt es wie aus einem Mund. Alexander: “Der Song ist eigentlich nicht viel besser als die anderen aber er zeigt ganz eindeutig wer wir sind und wofür wir stehen. Wenn du uns nicht magst: Fuck off! Es ist ein so kraftvoller Song.“
„Ja aber auch musikalisch ist es mein Lieblingsstück, denn er ist anders als die anderen. Er ist direkter straight-in your face. Hey und er hat eine Message: Wenn du nicht an uns glaubst, treten wir dir in den Arsch! HAHAHAHAHAHA. Nein ernsthaft, es ist schon so eine Art Hommage an unsere Fans und eine Warnung an all die Arschlöcher uns in Ruhe zu lassen.“
Zum Beispiel für die Radiostationen?
Alexander: “Ja genau, die zum Beispiel: Fuck Off! Ihr wollt uns doch eh nur schlecht machen.“
Aber sie müssen ja. Was anderes. Haben eigentlich die Seitenprojekte irgend einen Effekt auf euch als Band?
Alexi: “Ach, du redest von Janne, unserer “Keyboardhure“. Er hat zwar mit dem Stratovarius Sänger eine Platte eingespielt und ein Paar Liveshows gespielt und außerdem hat er letztens noch mit den Helloween Jungs diese Masterplan-Geschichte gemacht, aber er wird keine Gigs mit ihnen spielen. Children Of Bodom sind einfach zu groß und haben definitiv Vorrang. Das ganze Jahr ist bereits mit Touren und so weiter verplant, da kann man echt keinen Druck von einer anderen Band gebrauchen, also war es das. Ich selbst würde bestimmt kein Soloalbum machen. Vor allem nicht so ein typisches Gitarristending, auf dem nur Saitengewichse drauf ist. Das ist einfach nicht mein Stil. Außerdem haben wir ja unsere Spaßband, mit der wir irgendwelche Rock’n Roll Sachen spielen.(Alexander: .... “und Frauen beeindrucken“ ). Nein, das ist einfach nur eine Funband, wir proben eigentlich nie. Wenn wir mal eine Pause von Bodom brauchen, poltern wir drauf los, ohne sich darum zu kümmern, ob alles gerade gespielt ist oder ob die Parts zusammen passen. Wir machen halt Blödsinn. Ich bezweifle auch stark, dass wir jemals was von diesem Projekt veröffentlichen.“
Also, so eine Art Urlaub vom Metal?
“Ja auch vor allem aber Urlaub davon alles ernst zu nehmen. Normalerweise nehmen wir unser Songwriting sehr ernst. Die Band ist doch kein Picknick, bei dem Du machen kannst was Du willst. Wir selbst und letztlich auch die Fans erwarten einfach ein gewisses Maß an Ernsthaftigkeit von uns. Das ist unser Job. Immer noch unser Traumjob, sonst wäre es auch langweilig für alle Beteiligten. Ich meine es war immer unser Traum echte Musiker zu sein. Als Kiddies haben wir natürlich auch die Maiden und KISS-Videos gesehen und davon geträumt Stars zu werden. Aber unser Ziel war höchstens mal eine Platte aufzunehmen. Dann eine Tourt zu machen und so weiter. Heute sind wir genau da angelangt aber der Enthusiasmus ist immer noch.“
Seid ich zuhause denn jetzt Superstars?
„Nee nicht so wie die ganz großen Bands. Die Achtziger sind Vergangenheit und man wird heute auch nicht mehr so berühmt mit Metal. Klar, wenn wir in Metalclubs oder so gehen, erkennen uns die Leute schon aber wir können immer noch unerkannt über die Strasse gehen oder zu McDonalds gehen und ungestört unsere Hamburger verdrücken. Aber cool wär es schon.“
Glaub Ich!
Sven Bernhardt


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