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MAGAZIN :: Index: 'C' :: COVENANT

COVENANT
Nordlichter
Der Erfolg elektronischer Musik der letzten Jahre innerhalb der schwarzen Szene und auch weit darüber hinaus ist untrennbar mit einem Namen verbunden: Covenant. 1989 als musikalisches Projekt dreier Freunde gegründet, haben Covenant spätestens mit ihrem letzten Album "United States Of Mind" den Durchbruch geschafft. Dabei haben sich Covenant im Laufe ihrer dreizehnjährigen Bandgeschichte immer weiter von ihren EBM-Wurzeln entfernt und so neue Fanschichten erschlossen, die die Konzerte der Band zu stimmungsvollen Partys werden lassen. Nun erscheint "Northern Light", das neue Album Covenants und auf den ersten Blick scheint alles beim alten. Energische Beats, packende Harmonien und minimalistische Song- und Soundstrukturen. Doch "Northern Light" ist anders und beweist wieder einmal, wie genial Covenant es verstehen, Tradition und Moderne miteinander zu verbinden, ohne dabei ihre Identität zu verlieren. "Northern Light" wirkt noch minimalistischer als seine Vorgänger und wirkt als Folge der Umstände, unter denen das Songwiritng vonstatten ging, lange nicht so fröhlich wie noch der Vorgänger.
Neue Wege bestritten die Schweden bei den Vorarbeiten zu "Northern Light", zog man für das Songwriting doch erstmalig die selbstgewählte Isolation in der Natur dem Leben und Arbeiten in der Grosstadt vor um sich voll und ganz dem Album zu widmen, wie Joakim Montelius telefonisch zu berichten weiss. >> Wir haben die Songs innerhalb eines Monats in einer Hütte in Dänemark geschrieben, mitten in der Natur. Danach sind wir nach Göteborg und Stockholm gegangen, um das Album aufzunehmen. Auf diese Weise konnten wir uns wirklich auf das Album und das Songwriting konzentrieren, ohne durch irgendwelche Dinge angelenkt zu werden. Wir haben über vier Wochen auf engstem Raum zusammengelebt und manchmal bis zu zwanzig Stunden am Tag an dem Album gearbeitet. Selbst, wenn wir uns einem Kellerstudio ohne Fenster mitten in der Stadt einquartiert hätten, es wäre nicht solch eine intensive Arbeitsweise gewesen. In einem Haus mitten in der Natur zu arbeiten ist wirklich etwas ganz anderes. << Zumal als Electro- und ausgewiesene Party-Band, doch das Ergebnis gibt Covenant in jeder Hinsicht recht. Selten klangen die Songs Covenants so entspannt, so dass die Entscheidung, das Album auf diese Art und Weise vorzubereiten, sich zweifelsohne bewährt hat. Doch warum hat man sich für diese Arbeitsweise entschieden? >> Es war zunächst einmal ein Experiment um herauszufinden, was in dieser Atmosphäre passieren würde. Wir haben so etwas noch nie vorher gemacht. Im Nachhinein würde ich allerdings sagen, dass die Wahl der Hütte falsch war. Ich hätte mir eine noch isoliertere Atmosphäre gewünscht. << "Northern Light", so das beiliegende Info der Plattenfirma, ist ein Album, dass "in einer ernsten, deprimierenden, schwarzen Atmosphäre" entstand. Natürlich fand dies Atmosphäre ihren Niederschlag in den Songs des Albums, doch haben Covenant sich ihren Funken Hoffnung bewahren können, ganz so wie der Lichtschein in der Nacht, der Wärme aber auch Leben vermittelt. >> Die äusseren Umstände in Stockholm waren durch das schlechte Wetter fürchterlich, wohingegen die eigentlichen Aufnahmen sehr gut liefen. Es war einer der schlimmsten Winter seit langem. Alles war grau in grau, es regnete ununterbrochen und zudem war es durch den Wind sehr kalt. Das war eine Zeit, wo man sich wünschen würde auf Hawai oder Ibiza zu sein. Dies hat natürlich die verwendeten Sounds wie auch die Struktur der Songs sehr nachhaltig beeinflusst. Vor allem natürlich auch den Gesang, der sehr sensibel auf die ihn umgebenden Umstände reagiert. << Ein Bezug zu den sozialen und politischen Misständen unserer Zeit und dem Geschehen in der Welt lässt sich nicht herleiten? >> Nein, nur in ganz geringem Maße. "Northern Light" hat eine doppelte Bedeutung: zum einen haben wir versucht, das Licht in uns selbst zum leuchten zu bringen, und andererseits weißt es darauf hin, dass wir immer einen gewissen Sound gehabt haben, der dieses skandinavische bzw. nordische Gefühl mit sich bringt. Sehr kühl und sehr distanziert, was sich ganz unbewusst in unseren Sound mit eingeschlichen hat. Indem wir das Album "Northern Light" genannt haben, haben wir letztlich anerkannt, dass wir einen ganz eigenen und unverwechselbaren Sound besitzen, den andere Bands nicht haben. Das hat damit zu tun, dass wir aus Skandinavien kommen und dass die Umgebung, in der wir uns bewegen, einen viel grösseren Einfluss hat, als wir uns eigentlich bewusst sind. << Mittlerweile leben die Mitglieder Covenants über Europa verteilt. Sänger Eskil lebt in Berlin, Keyboarder Clas Nachmanson immer noch in Helsingborg und meinen Gesprächspartner Joakim Montelius verschlug es im Frühjahr diesen Jahres nach Barcelona. Ein Einfluss dieser unterschiedlichen Kulturkreise auf die Musik Covenants lässt, wenn vielleicht noch nicht bei "Northern Light", dann zumindest in der Zukunft jedoch kaum von der Hand weisen. >> Als wir das Album aufgenommen haben, habe ich noch nicht in Barcelona gelebt. Ich bin erst nach den Aufnahmen dorthin gezogen. Wir reisen sehr viel, wie viele andere Bands natürlich auch, und so finden sich die Einflüsse, die wir bei unseren Reisen in uns aufnehmen, natürlich auch in unserer Musik wieder. Es gibt aber eine Seele oder den Geist unserer Musik, der unwiderbringlich mit unserer Kindheit und unsere Erziehung mit Skandinavien verbunden ist. Ich mag es nicht, sein Heimatland zu romantisieren, aber man kann seinem persönlichen Hintergrund nicht enfliehen. Es ist besser, sich diesen zu bewahren und zu erweitern. << Die Arbeitsweise Covenants ähnelt, nimmt man eine Aussage Montelius´ auf, sehr dem des Filme machens und in der Tat, die Musik Covenants wirkt nicht erst seit "Northern Light" in sich sehr visuell und führt dazu, dass vor dem geistige Auge des Zuhörers ein wahres Panoptikum möglicher Assoziationen einsetzt und die Vorstellung im Kopfkino beginnt. Was für Filme aber laufen in den Köpfen der Musiker ab, wenn sie ihre Lieder hören? >>
Das hängt sehr vom jeweiligen Song ab. Jedes Lied für sich ist sein eigener Film, wobei wir bemüht sind, sehr visuelle Musik zu machen. Musik, die Bilder erweckt. Es gibt keinen roten Faden, der sich durch das ganze Album ziehen würde. Für mich ist "Monochrome" ein sehr visueller Song. Er besitzt Emotionen und vermittelt mir den Eindruck, mich auf einer Zugfahrt durch eine Landschaft zu befinden. Das ist etwas, was ich empfinde und von dem ich hoffe, dass auch andere es zu empfinden in der Lage sind. Warum ich aber diese Vergleich zum Filme machen überhaupt erst aufgebracht habe, liegt darin begründet, dass wir versuchen unsere Musik nicht nur mit den Instrumenten zu gestalten. Wir versuchen, etwas noch grösseres zu erschaffen. Es gibt etwas, das wir gerne zum Ausdruck bringen möchten, und es gibt etwas, das wir gerne erreichen würden und was sehr eng mit dem Filme machen oder dem Schreiben von Büchern verbunden ist; eigentlich jeder Form von Kreativität. << "United States of Mind" war und ist ein sehr erfolgreiches Album und der Erfolg der letzten Jahre wurde durch zahllose Live-Auftritte und Tourneen hart erarbeitet. Verspürt man da von Seiten der Fans, der Presse, vor allem aber der neuen Plattenfirma ka² einen gewissen Erfolgsdruck? >> Ja und nein. Man kann sich natürlich nicht der Tatsache verschliessen, dass es nicht sonderlich zufriedenstellend wäre, wenn das Album ein Flop werden würde. Auf der anderen Seite liegt der Grund dafür, warum wir überhaupt Musik machen, nicht in den Verkäufen oder der Erwartung, erfolgreich sein zu müssen. Wenn man Musik nur unter diesen Vorzeichen macht, wird man irgendwann an den Punkt gelangen, nur noch schlechte Musik zu machen. Zeitgenössische Musik hat heutzutage sehr viel mit Fabrikation, mit Handwerk zu tun. Es ist harte Arbeit, aber wenn man mit den Instrumenten umzugehen weiss, nicht so sonderlich schwer. Was aber viel wichtiger ist, ist das Vorhandensein einer Seele, wirklich an das zu glauben, was man sagt und was man tut. Den Erfolg schon im Hinterkopf einzuplanen ist die schlechteste Motivation, die man nur haben kann. Natürlich haben wir aber auch der Plattenfirma gegenüber eine Verpflichtung, die sehr viel Geld in uns investiert. ka² haben uns aber die komplette Freiheit gelassen. "Hier ist das Studio, hier ist euer Produzent, also macht das beste Album, dessen ihr fähig seid." Das haben wir getan und ich hoffe, wir haben die Erwartungen erfühlen können. Es wäre sehr schade auch für unsere Plattenfirma, denn sie haben uns ihr Vertrauen geschenkt und das gewisse Extra noch ermöglicht, so dass ich hoffe, dass sich dieses Vertrauen auch auszahlen wird. << Musikalisch sind sich Covenant weitestgehend treu geblieben, auch wenn einige der Songs in ihrer musikalischen Struktur sowie der Produktion minimalistischer und vom Songwriting her auf das Wesentliche reduziert wirken. >> (überlegt lange) Ja, manche der Songs sicherlich. Wir haben immer versucht Musik mit einem Minimum an Details zu schreiben und auch, wenn wir wahrscheinlich noch nie so viele musikalische Details auf einem Album gehabt haben, so haben wir das Album in einer Art und Weise produziert, dass es sehr simpel klingt. << Abgesehen davon, welche Veränderungen haben sich im direkten Vergleich zu "United States Of Mind" aus Sicht der Band ergeben? >>
Dieses Album ist etwas menschlicher. Ich habe ein organischeres, menschlicheres Gefühl, wenn ich es mir anhöre. Ausserdem haben wir ein paar Songs, auf denen wir mit einem echten Schlagzeuger, einem Bassisten, zusätzlichem Backgroundgesang und einem Streichorchester zusammenarbeiten, was dem Album einen analogeres Gefühl verleiht. Ich würde es daher nicht minimal, sondern vielleicht konzentrierter nennen. << Warum nun diese Zusammenarbeit mit anderen Musikern? >> Wir haben schon länger darüber nachgedacht, zumindest mal eine Schlagzeuger hinzuzunehmen. Allerdings kannten wir keinen, der unseren Ansprüchen gerecht gewesen wäre. Wir wollten einen Drummer, der in der Lage ist zu improvisieren, aber auch sehr mechanisch klingt. Wir benutzen elektronische Instrumente ja aus dem Grund, weil wir den Sound mögen und die Art und Weise, wie man mit Maschinen Musik erzeugen kann. Selbst, wenn man den Sound menschlicher gestaltet, so sind es immer noch Maschinen, die die Musik erzeugen, was ich persönlich ganz toll finde. Als wir nach Stockholm kamen, hat uns Jacob Hellner, der Produzent, mit dem Schlagzeuger zusammengebracht und ihn einfach mal über die Backtracks spielen lassen. Wir haben uns dann die Passagen rausgesucht, die zu den jeweiligen Stücken gepasst haben, wobei das Ergebnis wirklich brilliant klang. Es ist sehr schwierig einen guten Groove mit Hilfe von Sequenzern hinzubekommen. Als wir diese Schlagzeugspuren dann als Loops verwendet haben, erwachte das ganze zum Leben. Das war eine tolle Erfahrung, auf die wir wahrscheinlich auch wieder zurückgreifen werden. << Ist die Hinzunahme eines Schlagzeugers für die Konzerte der Band vorgesehen? >> Nein, das glaube ich nicht. Die sind auf der Bühne einfach zu laut (lacht). << Dennoch, es scheint sich ein Trend innerhalb der Electro-Szene abzuzeichnen, wonach viele Bands auf die Hilfe eines Drummers aus Fleisch und Blut zurückgreifen. Man denke nur an Diary of Dreams, die bei ihrer letzten Tour mit Daniel Myer einen zusätzlichen Schlagwerker auf der Bühne hatten. >> Ich glaube, viele elektronische Musiker haben den Traum, in einer wirklichen Band zu spielen, was wir sehr merkwürdig finden. Wenn man "normale" Musik spielen möchte, ist es wahrscheinlich besser, auf traditionelle Instrumente zurückzugreifen. Bei programmierbarer Musik kann diese Kombination durchaus funktionieren, in den meisten Fällen ist das Ergebnis dieser Zusammenarbeit aber wenig überzeugend. Bei Adrian und auch für Haujobb könnte so etwas aber durchaus funktionieren, da deren Musik nicht ganz so programmiert ist. <<
Eines der Schlüsselworte, die im Zusammenhang mit Covenant immer wieder fallen und das die Schweden als Menschen wie kaum eine andere Band des Electro-Genres charakterisiert, ist der Begriff der Offenheit und der Unvoreingenommenheit fremden Kulturen und neuen Einflüssen gegenüber. >> Ja, genau dies versuchen wir zu erreichen und ist uns auch sehr wichtig. Ich denke, gerade in der westlichen Gesellschaft, in der wir leben, ist es wichtig, sich neuen Einflüssen gegenüber sehr aufgeschlossen zu zeigen. Je mehr man sich der Welt verschliesst, desto grösser werden die Probleme. Das war schon in der Vergangenheit so und wenn man sich heute in der Welt umseiht, so ist diese Gefahr immer noch vorhanden. Es geht hier nicht um politische Dinge. Wir sehen uns nicht als Missionare. Für mich persönlich wie auch für viele andere Menschen ist diese Offenheit sehr wichtig, und so nutze ich die Gelegenheit, die Menschen immer wieder auf die Wichtigkeit und die Notwendigkeit dieser Offenheit hinzuweisen. << Eine Offenheit, die der EBM-Szene, in der sich Covenant ihre ersten Sporen verdient haben, häufig in Abrede gestellt wird. Rückblickend auf diese Anfänge und Ursprünge scheint es schwer vorstellbar, dass Covenant diesen heutigen Bekanntheitsgrad erreicht hätten, hätten sie sich im Laufe der Jahre musikalisch nicht deutlich von eben diesen Wurzeln zugunsten einer musikalischeren Offenheit und daraus folgenden breiteren Popularität lösen können. >> Als Musiker hat man so viele Möglichkeiten. Wenn man sich gefangen fühlt, dann doch nur deshalb, weil man sich aufgrund eigener Fehler in diese Situation gebracht hat. Es liegt ja nicht daran, dass das Genre einen einengt. Ich finde, dass EBM nach wie vor tolle Musik ist. Um sich als Band und die Musik weiterzuentwickeln gibt es allerdings nur die Möglichkeit, sich neuen Einflüssen zu öffnen und diese für sich zu entdecken. Das ist wie mit einem Autoren. Ein Autor, der nur Science Fiction-Bücher liest, wird früher oder später zu einem schlechen Autoren. Der Grund, warum Covenant sich diesen Einflüssen nie verschlossen haben, liegt in der grösseren Auswahl an Möglichkeiten und der Chance, Dinge neu für sich zu definieren. << Dennoch scheint es so zu sein, dass EBM-Fans einen musikalischen Stilbruch ihrer ehemaligen Helden viel weniger verzeihen als ans andere Fangruppen. >> Das finde ich nicht. Wenn du dir Bands wie VNV Nation, Project Pitchfork oder Covenant und ihre Erfolge ansiehst, dann versuchen doch all diese Bands, ihre Musik weiterzuentwickeln. Nimmt man den Erfolg dieser Bands zum Masstab, dann ist doch offensichtlich, dass sich auch die Fans weiterentwickelt haben. Wenn du dir verschiedene Subkulturen ansiehst, wie beispielsweise Punk, dann geht die Musik doch einher mit einem gewissen Lifestyle, innnerhalb deren Grenzen es schwer fällt, andere Dinge ausserhalb dieses Lebensgefühls zu akzeptieren. Dies zu ändern ist wirklich sehr schwierig, denn wenn man die Musik einer Subkultur verändert, verändert man auch die Subkultur an sich, so dass sich die Leute nicht mehr mit dieser identifizieren können. Sie fühlen sich verraten und enttäuscht, zumindest mir würde es so gehen. So erging es mir, als Nitzer Ebb "Showtime" veröffentlicht haben. Ich dachte nur "was ist das für eine Scheisse, das ist ja Jazz". Doch je mehr ich mit diesem Album beschäftigt habe, umso mehr musste ich feststellen, dass dies ein brilliantes Album war. Ich denke, vielen Menschen geht es ähnlich. Wenn man sich die Zeit nimmt um ein wenig nachzudenken, dann wird man auch erkennen, dass das, was man da geboten bekommt, vielleicht doch nicht so schlecht ist. << Musik ist eine Form der Konversation. Denkst du, dass sich, einhergehend mit den musikalischen Veränderungen bei Covenant, auch die Form der Kommunikation verändert hat? Reagieren eure Fans heutzutage anders auf Covenant und ihre Songs als noch vor wenigen Jahren? >> Ja. Jedes Album unterscheidet sich von seinem Vorgänger und wenn wir auf Tour gehen, dauert es jedes Mal eine gewisse Zeit, um diese Konversation wieder aufzubauen. Vor allem wenn wir neue Songs spielen, denen das Publikum noch etwas skeptisch gegenübersteht. Dann muss man die Fans halt mit Argumenten überzeugen, und wenn es einem nicht gelich beim ersten Mal gefällt, dann vielleicht beim zweiten oder dritten Mal. Wichtig ist es auch, sich mit den Fans vor oder nach der Show zu unterhalten und nach ihren Impressionen zu fragen, die sie gewonnen haben. Erst da beginnt der eigentliche Austausch von Ideen. Wir präsentieren auf der Bühne das, was wir tun und bekommen ein Feedback dessen, was die Leute darüber denken. Dann machen wir etwas gemeinsam, aber das ist natürlich eine Showsituation. Die wirkliche Kommunikation findet statt, wenn man mit den Fans oder auch mit Leuten von der Presse, so wie dir, spricht. Erst da verstehen wir, was die Leute von und über uns denken. Von daher ist dieser Austuasch zwischen der kreativen und der konsumierenden Seite für uns sehr wichtig. << Musik ist die eine Seite der Konversation, die andere Form dieser Zwiesprache zwischen Musiker und Fan bezieht sich unmittelbar auf die Texte und ihre Hintergründe. Hat sich auch hier im Laufe der Jahre etwas verändert? >> Vom Grundsatz her sind dies immer noch dieselben Texte, die wir immer schon gemacht haben. Einsamkeit und die fundamentale Erkenntnis, dass man letzten Endes doch immer alleine ist. Wenn einem alles genommen wird und alles falsch läuft, ist man zum Schluss doch immer alleine. Dieses Gefühl verfolgt mich schon seit meinen Kindertagen. Texte darüber zu schreiben, diese Gedanken auszuformulieren und ihnen eine Stimme zu verleihen ist die treibende Kraft für mich und fraglos auch eine Form der Therapie. Manche der Songs auf dem Album beinhalten das Gefühl des Zusammenbrechens um Veränderungen in seinem Leben herbeizuführen oder Alternativen für die Dinge zu finden, die man immer schon so gemacht hat. Keine grossen Dinge, die das Leben revolutionieren, aber dennoch verändern. << Die grösste Veränderung im Leben der Bandmitglieder, die Umzüge von Helsingborg nach Berlin bzw. Barcelona, haben wir bereits angesprochen. Zumindest im Falle meines Gesprächspartners scheint dies sogar fast therapeutische Gründe gehabt zu haben, der vermeintlichen Enge Schwedens zu entfliehen und die neuen Einflüsse einer weltoffenen Stadt wie Barcelona in sich aufzusaugen. >> Absolut. Eskil wollte mehr Input und hatte daher das Gefühl, er müsse in eine grössere Stadt ziehen. Er war sicher nicht so frustriert, wie ich es war. Ich war igendwann an den Punkt gelangt, wo ich einfach nicht mehr länger in Schweden bleiben konnte. Alles ging mir auf die Nerven. Das Leben in Schweden ist an sich sehr einfach. Nichts kann wirklich schief gehen. Ich hatte ein nettes Appartement, nette Leute um mich herum, und dennoch habe ich mich eingesperrt gefühlt. Ich habe keine Ideen mehr gehabt und konnte viele Leuten um mich herum einfach nicht mehr verstehen. Es gab keine gemeinsamen Themen mehr, über die ich mich mit meinen Freunden hätte unterhalten können und so hatte ich das Gefühl, dass dies wahrscheinlich der richtige Zeitpunkt wäre, zu gehen. Also habe ich meine Klamotten gepackt und bin gegangen. <<
Woher rührt dieses Gefühl der Enge und dem plötzlichen Fehlen von Gemeinsamkeiten mit seinem Freundeskreis? War es der Einfluss neuer Kulturen und neuer Lebensweisen, mit denen man als Musiker durch das Kennenlernen neuer Länder ganz automatisch konfrontiert wird? >> Der Luxus, den man als tourender Musiker hat, sind die Perspektiven, die man geboten bekommt, wie auch die Lust, selbst zu reisen. Das ist wie beim "Herrn der Ringe", wenn Bilbo sich auf seine Wanderschaften begeben hat. So fühle ich mich auch manchmal. Ich finde es hilft einem in seiner persönlichen Entwicklung ungemein, vor allem dann, wenn man auch in einer fremden Kultur lebt. Spanien ist schon sehr verschieden von Schweden, zumal ich noch nicht einmal Spanisch spreche. So ist jeder Tag ein neues Abenteuer für mich. Ich habe immer ein Wörterbuch dabei wenn ich einkaufen gehe, so dass es schon mal zwei Stunden dauern kann, alleine um ein paar Tomaten zu kaufen (lacht). << Warum hat es Joakim dann ausgerechnet nach Barcelona verschlagen? >> Ich liebe diese Stadt. Ich war vor drei Jahren mit meiner Freundin dort, wo wir damals spontan beschlossen haben, hier zu leben. Wir haben dann noch drei Jahre benötigt, um uns wirklich mit diesem Gedanken vertraut zu machen, aber nun leben wir hier. Barcelona selbst ist eine grossartige Stadt, die alles bietet, was eine grosse Stadt ausmacht. Es gibt grossartige Musik, eine grossartige Clubszene, das Wetter ist klasse und die Stadt besitzt eine lange Geschichte. Ich kann hier wirklich all die Sachen verwirklichen, die mich interessieren. << Doch auch hier gilt es, sich einen neuen Freundes- und Bekanntenkreis aufzubauen, was bei der Offenheit und der Neugier der Spanier sicher kein allzu grosses Problem darstellen dürfte, zumal gerade Barcelona über eine sehr floriende Musikszene verfügt. >> Ich bin schon in einigen Clubs gewesen und habe mich schon mit dem einen oder anderen DJ unterhalten, aber die Clubszene ist sehr poporientiert, was mich, als Musiker, der ständig mit Popmusik zu tun hat, sehr schnell langweilt. Ich gehe lieber in Clubs wo Jazz oder HipHop gespielt wird, Musik also, zu der ich keinen so grossen Bezug zu habe. << Lässt sich bei dieser Konstellation und den unterschiedlichen Wohnorten der Musiker überhaupt noch ein wirkliches Bandfeeling aufrecht erhalten? >> Das Bandfeeling wird immer da sein. Wie du sicherlich weisst, sind wir seit über fünfzehn Jahren sehr eng miteinander befreundet und werden immer sehr eng miteinander verbunden sein, selbst, wenn einer von uns auf dem Mars leben würde (lacht). Vielleicht ist das sogar sehr gut für die Band, denn wenn jemand wie Eskil und ich sechs Monate so eng an einem Projekt arbeiten, dann braucht man auch mal ein anderes Gesicht um sich herum. Ich kann mir momentan nichts an dieser Situation vorstellen, dass sich nachteilig auf Covenant auswirken würde. Schwierig mag nur sein, dass, während Eskil die Musik schreibt, ich beim Schreiben der Texte ebenfalls anwesend oder zumindest in der Lage sein muss, den Dialog zwischen uns beiden aufrecht zu erhalten. << Dabei ist es ohnehin schon sehr erstaunlich, dass solch unterschiedliche Charaktere wie Eskil, Clas und Joakim es nunmal sind, dermassen eng miteinander befreundet sind. Man sollte meinen, dass bei einem Atomphysiker, einem Computerspezialisten und einem ehemaligen Studenten der Archäologie und der Geschichte Konflikte vorprogrammiert sind, doch weit gefehlt. >> Ich denke, genau dies ist der Grund. Wir sind sehr unterschiedliche Charaktere und werden uns daher auch nicht so schnell überdrüssig oder langweilen uns in der Gegenwart der anderen. Es wird immer Themen geben, mit denen ich mich mit Eskil und Clas unterhalten kann, da sie unterschiedliche Vorstellungen von den meinen haben. Selbst wenn wir mal nicht einer Meinung sind, so ist es immer noch faszinierend für mich, die beiden um mich herum zu haben und es ist ein wirklicher Luxus, solch gute Freunde und solch eine gute Chemie innerhalb der Band zu haben. <<
http://www.covenant.dk
Michael Kuhlen


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