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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CLASSIC ROCK ....

CLASSIC ROCK NACHT, 09.07.2015, BONN - KUNST!RASEN
BONN - KUNST!RASEN

09.07.2015
Wenn DREAM THEATER ihr dreißigjähriges Jubiläum feiern, dürfen wir von Obliveon selbstverständlich nicht fehlen. Im Vorfeld wurde die Setlist der Jubilare bereits im Internet kolportiert, so dass die Spannung ein wenig raus war und die Diskussionen darüber mit anderen Fans bereits geführt waren, bevor die Band überhaupt auf der Bühne steht. In Bonn firmiert das Ganze unter dem Banner "Classic Rock Nacht", wobei in Anbetracht des Gesamtpakets "Progressive Metal Night" sicher zutreffender gewesen wäre.

Bevor es losgeht kann man die wunderschöne Location in den Bonner Rheinauen genießen. In den Liegestühlen direkt am Wasser kommt fast so etwas wie Urlaubsstimmung auf und als pünktlich um 18 Uhr die ersten Töne von HAKEN erklingen, fällt es fast schwer sich gen Kunst!rasen aufzumachen. Dort angekommen muss man beobachten, dass die Londoner es sich selbst ein wenig schwer machen, indem sie ihren nur knapp halbstündigen Gig mit dem Instrumentalstück ´Premonition´ beginnen und dem Longtrack ´Crystallised´ beenden. Dazwischen wird mit ´Cockroach King´ ein fast schon eingängiger Song gepackt, der jedoch selbst dem Gros der DREAM THEATER-Fans zu abgedreht zu sein scheint. Die Reaktionen des Publikums sind jedenfalls ein wenig verhalten, auch wenn ein paar Nasen, den Schreiber dieser Zeilen inbegriffen, tierisch Spaß in den Backen haben.

Das Gleiche gilt für die fünf Grinsebacken auf der Bühne, von denen sich Sänger Ross Jennings wieder mal als Einziger so richtig bewegt. Aber bei der dargebotenen Griffbrettkunst dürfte zu viel Bewegung der Saitenfraktion wohl unmöglich sein (Obwohl Watchtower ja sogar Purzelbäume schlagen, während sie ihre Instrumente nach allen Regeln der Kunst bearbeiten.). Jedenfalls freue ich mich auf einen längeren Gig von HAKEN auf dem "Night Of The Prog"-Festival.

DEVIN TOWNSEND erklimmt nach einer nicht allzu langen Umbaupause wie immer gut gelaunt die Bonner BühnenBretter (Ich liebe Alliterationen!). Ehrlich gesagt habe ich ob all der Bands und Projekte des Kanadiers mittlerweile völlig den Überblick über all seine Aktivitäten und Veröffentlichungen verloren. Zwischen dem brachialen Sound von STRAPPING YOUNG LAD und den lieblichen Tönen auf "Ghost" verliert Mister Tausendvolt sich für meinen Geschmack allzu oft in recht gleichförmigen Riffs und Gesangslinien, so dass sein heutiges Set für mich rein songtechnisch, bis auf ´Namaste´ und ´Supercrush!´, keine wirklichen Höhepunkte beinhaltet.

Dafür weiß Hevy Devy wie immer durch seine lustigen und teilweise etwas schrägen Ansagen zu amüsieren. Diesmal beschwert er sich andauernd, dass es nach Kotze rieche, wobei er wohl den etwas aufdringlichen Geruch von Rindenmulch meint, der in der Luft liegt. Auf dem großen Bildschirm neben der Bühne werden außerdem unzählige Fotomontagen projiziert, die Devins Konterfei in verschiedensten Filmszenen oder Kunstwerken zeigen und größtenteils wirklich zum Totlachen sind. Insgesamt also eine kurzweilige Show, welche die Menge auf Betriebstemperatur für den Headliner gebracht haben dürfte.
Dieser kommt an diesem Abend allerdings selbst nie wirklich auf Betriebstemperatur. Von den unzähligen Malen, die ich das Traumtheater live erleben durfte, gehört die heutige Show sicherlich zu den schwächsten. Woran liegt das?

Erstens ist James LaBrie laut eigner Aussage krank und daher nicht wirklich gut bei Stimme. Gerade bei den ersten Songs, insbesondere ´Afterlife´ vom legendären Debütalbum, trifft James gerade die hohen Töne nicht. Die Lautstärke, die schon bei den Vorbands bedenklich niedrig war, scheint beim Headliner sogar noch weiter runter gedreht worden zu sein. Als bei ´The Spirit Carries On´ der Typ neben mir James um ein Vielfaches übertönt, fange ich an, mich zu fragen, ob ich bei einem Metalkonzert oder einer Buchlesung gelandet bin. Wie ich später erfahre, gibt es wohl strenge Auflagen wegen der Anwohner, womit wohl auch das frühe Konzertende, noch vor zehn Uhr, zu erklären ist. Gerade bei einer Jubiläumsshow erwarte ich mehr als nur anderthalb Stunden Spielzeit, gerade von einer Combo, die es normalerweise nur selten unter drei Stunden bewenden lässt. Die kontroverse Setlist wurde ja bereits in der Einleitung problematisiert.

Nur ein Beispiel: Warum pickt man vom schwachen "Falling Into Infinity"-Album mit ´Burning My Soul´ auch noch den schwächsten Song heraus? Aber das ist natürlich auch immer sehr subjektiv. In Anbetracht der Rahmenbedingen spult die Band ihr Programm souverän ab. Über die geradezu übermenschlichen Fähigkeiten der Musiker und die astronomische Qualität des Songmaterials insgesamt besteht ohnehin kein Zweifel, so dass selbst eine schwache DREAM THEATER-Show immer noch besser ist als der Auftritt der meisten anderen Metalbands ist.

Nach der Show kommen zumindest John und Jordan backstage ins Gespräch mit ein paar ausgewählten Fans. Keine Ahnung, ob es sich dabei um eines der bezahlten Meet & Greet handelt, was ich total verabscheue. Leider haben die New Yorker mittlerweile den Ruf nicht mehr sehr fannah zu sein bzw. sich ihre Fannähe gut bezahlen zu lassen. Keine Ahnung, ob die Idee mit den "Front Of Stage"-Tickets von der Band kam. (Der vordere Konzertbereich war nur für Leute zugänglich, die ein paar Euro mehr berappt hatten oder wie ich auf der Gästeliste standen.). Ein weiteres Indiz für gewisse Starallüren ist die Streichung der Hälfte der Fotopässe kurz vor Konzertbeginn durch die Band bzw. deren Management. Alles in allem durfte man einen gelungenen Konzertabend auf dem Bonner Kunst!rasen erleben, welchen ich künftig sicher häufiger beehren werde.
Alex Fähnrich. - Pics: Alex Fähnrich


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