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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DOOM SHALL RI ....

DOOM SHALL RISE VIII, 26. & 27.04.2013, Göppingen – Chapel (TAG 2)
Göppingen – Chapel

27.04.2013 (TAG 2)
Da Maestro Lücker nach mit der grauen Doomeminenz zum Tage gemachter Nacht noch seine Wunden leckte (von wegen, wir waren ultrafit, haben nur noch lecker, ausgiebig und lange gespeist… - CL), bleibt mir das etwas zweifelhafte Vergnügen, den Auftritt MOUNTAIN THRONEs zu besprechen. Mit Doom hat der mit leichten Epic-Einschlag dahergaloppelnde Metal der Schwaben nur sehr am Rande was zu tun – ein Umstand, der im Kontext eines Doomfestivals erstmal nicht sehr förderlich ist. Aber als Wachmacher sollte eine feine True-Metal-Salve denn doch zweckdienlich sein! Denkste… Der musikalisch arg rumplige (und zudem unterirdisch abgemischte) Vortrag erstickte sämtliche Gourmetansätze im Keime, stattdessen regierte Küchenmeister Schmalhans. Sänger F. (erinnert mitunter an den Roten von Metal Inquisitor) jodelte jedweden Ansatz von Dynamik ins Nirwana, die Band agierte teilweise erschreckend untight – gelang ihnen mal ein Break, so wurden sie oft gleich regebreakt; gell, Bobbele? Engagiert war der Auftritt sicher allemal, und man mühte sich redlich, die morschen und müden Knochen vor der Bühne zu entschlacken. Man bemühte sich… Hach, wat rede ich lang um den heißen Brei herum: next, please.

Leider wurde es auch im Anschluss nicht wirklich besser. Reduziert, basisch, PHASED. Helmet goes Doom. Die Selbstcharakterisierung „Hawkwind des Doom“ vermag ich nach der in Göppingen gehörten Soundmischpoke nicht ganz nachzuvollziehen. Die groovigen Riffs der Elektrohascher werden zwar von sphärischen Parts und zahlreichen Saint Vitus-artigen Gitarreneffekten flankiert, aber gerade der mitunter hardcorige Gesang sorgt doch eher dafür, dass nicht selten Erinnerungen an diverse Amphetamine Reptile-Protagonisten aufkommen. Auf Konserve zeugt das vom Ansatz her durchaus interessante Projekt vom Potenzial der Musiker, an diesem Tag jedoch wollte der Funke bei den meisten Anwesenden zu keiner Zeit wirklich überspringen. Zu statisch agierte die (spielerisch teilweise doch arg limitierte) Band, als dass man wirklich hätte punkten können. Wahrscheinlich konzentrierte man sich einfach zu sehr auf die ausladenden, sphärischen Parts, anstatt einfach einen knackig doomenden Riffrockvortrag zu halten. Schade eigentlich, denn hier war deutlich mehr drin. (PM)

GRIFFIN DEVICE sind Victims Of Creation minus Rhythmusgitarrist. Statt DoomDeath-Riffteppichen gab es die eher traditionelle Variante mit verspielter, beinahe Seventies-lastiger Gitarrenarbeit um die Lauscher. Logisch, dass in diesem Kontext Growls nichts zu suchen hatten, aber dass der Fronthüne auch anders und clean kann, hatte er uns ja am Vortag bereits bewiesen. Der kurzweilige Gig machte nicht nur den Muckern auf der Bühne sichtbaren Spaß, sondern zauberte auch mir ein anerkennendes Grinsen ins Gesicht. Malta-Doomer: Mission erfüllt! (CL)
Was hat uns der Italo-Metal für Größen beschert. Adramelch, Doomsword, Thunderstorm, und jetzt eben MIDRYASI. Naja, fast. Was die Jungs vom Stiefel hier abzogen, glich eher einem Ausflug des örtlichen Wanderzirkus als einem Doomgig. Ex-Doomsworder (dort als „Geilt“ unterwegs) Convulsion machte seinem Pseudonym alle Ehre und erwies sich als DER Kauz des Festivals. Alle Latten am Zaun geht anders. Der mit mächtig cheesiger Keyboardpower daherkommende Sound des Quartetts pendelt irgendwo zwischen professioneller Jahrmarktscombo, Doom, traditionellem Metal und Jazz – und da wir an dieser Stelle schon von Theater gesprochen haben: das hier war eher eine Metalparodie denn ein ernsthafter Auftritt. So konnte man zu Schmonzetten wie „Another Hell Within“ oder „Hole Of The Saturday Night“ auch nicht wenige schmunzelnde Gesichter beobachten. Alas, was sich am Ende des Auftritts abspielte, war geradezu grotesk. Von dem Moment an, da der mächtig austrainierte und allerlei Grimassen ziehende Convulsion seinen Bass Keyboarder Umberto aushändigte und plötzlich rohe Gitarrenpower die Herrschaft übernahm, ja da ging plötzlich komplett die Post ab. Natürlich lag dies auch daran, dass Midryasi mit „All Your Sins“ und „Living Backwards“ zwei unsterbliche Klassiker coverten – und unvermittelt rastete eine nicht unbeträchtliche Zahl an Doomstern vor der Bühne dermaßen aus, dass einem beinahe schwindlig wurde – Headbanging auf der Bühne, Tanzzirkel vor derselben – bizarr! Definitiv durchgedreht, definitiv kauzig, bestimmt keine Offenbarung, aber irgendwie doch ein willkommener Farbtupfer des Festivals. Ganz komisches Ding. (und eine gute Gelegenheit Grillgut vor der Halle zu genießen… - CL)

Auf seine Meinung zu SPIRIT DESCENT hin befragt zeigte sich Meister Gonzo pikiert ob des spielerisch durchwachsenen Vortrags der Nordlichter. Ich fand’s durchaus töfte, auch wenn die Kommunikation von Fronter Jan, immerhin von stattlicher Statur, mit dem Publikum durchaus intensiver hätte ausfallen können. Und ja, es gab einige fragwürdige Tightness-Sünden, offenbar auch der Nervosität der Musiker geschuldet, aber als Fan epischen Power Dooms à la Solitude Aeturnus war man einfach auch dankbar für einen Vertreter dieser auf der letzten DSR-Ausgabe etwas unterrepräsentierten Spielart des Genres. Zeugs wie „Dawn Of Mankind“ oder „The Tragedy of Captain Scott“ lief allen Fans erhabener Gitarrenmelodien rein wie ein semi-kühles Röper, und endlich konnte man sich mal die Flausen aus der Rübe bangen – muss schließlich auch mal sein. Soviel sei Herrn Lücker zugestanden – hätte die Band das Ganze noch etwas souveräner rübergebracht, wären Spirit Descent locker eines der Highlights des Festivals gewesen. (Nö. Weniger der Vortrag war zu bemängeln… ich empfinde vor allem die Art und Weise wie die zweistimmigen Gitarren mitunter arrangiert sind, schlichtweg als nicht stimmig. Auch auf Platte nicht. - CL) So waren sie „nur“ ein sehr belebendes Element, deren wunderbare Songs ich wohlwollend wippend vor der Bühne durchleben durfte.
Auch der anschließende Auftritt von SHATTERED HOPE zeigte die Vielfalt, welche das Programm des DSR seit Jahr und Tag an den Tag legt – und die (willkommenen) unterschiedlichen Meinungen, die diese mit sich bringt. Auch hier war Ihro Gonzotät wenig angetan, wähnte sich zunächst gut unterhalten, um anschließend lakonisch zu konstatieren, dass er im weiteren Verlauf des Auftritts beinahe eingeschlafen sei. Energisches Veto! Shattered Hope wurden vom zahlreich vor der Bühne erschienenen Publikum vollkommen zu Recht abgefeiert und mutierten so von einer der unbekannten Größen zu einem der Highlights des Festivals. Pechschwarzer Doom Death mit starker Funeralkante, technisch sehr kompetent, komplett unprätentiös und endlich einmal bei gutem Sound (der Mischer hatte, mit Verlaub, im Laufe des Wochenendes, mitunter seinen Job verfehlt – katastrophal!) vorgetragen, zogen einen die stimmungsreichen Kompositionen in die Untiefen des Hades. Mitnichten langweilig oder -atmig, sondern vielmehr mit reichlich Abwechslung (vor allem durch die teilweise wunderbaren Gitarrenharmonien) versehenes Liedgut vom Format eines „Amidst Nocturnal Silence“ erstrahlte im Vergleich zum Album „Absence“, von produktionstechnischem Ballast befreit, zugleich in einem deutlich entschlackten, wenn auch ausladender arrangiertem Format, und in ihrer basischen Form, mit mehr Luft zum Atmen, entwickelten die Stücke tatsächlich erst ihre ganze Strahlkraft. Die sympathischen Griechen konnten so die ihnen zustehenden Doompoints einsammeln. Wie gesagt: von einer beachtlichen Crowd zu Recht abgefeiert.

Nachdem der Samstag nach schleppendem Beginn (zumindest in qualitativer Hinsicht) inzwischen mächtig an Fahrt aufgenommen hatte, passte es gut ins Bild, dass NAEVUS nunmehr das Tempo wieder deutlich anzogen. Die Band von Szeneurgestein Uwe Groebel, inzwischen auferstanden aus Ruinen, besinnt sich zum Glück nicht nur auf Nachlassverwaltung, sondern schreibt fleißig (?) an neuen Songs. Auch wenn das Augenmerk des Quartetts selbstredend auf dem 1998 über Lee Dorrians Rise Above-Label erschienenen Album „Sun Meditation“ lag, so durfte man sich auch an den mit reichlich Dampf vorgetragenen Novitäten erfreuen. Im Vergleich zu Shattered Hope herrschte vor der Bühne zwar weit weniger Betrieb, jedoch feierten die anwesenden Fans Naevus umso enthusiastischer ab. Der auch von den späten Voodooshock zelebrierte Maryland-Doom zündete bei dieser Klientel wie Schmidts in Benzin getränkte Katze, und auch die Band feuerte derart angezündelt ihre Songs mit reichlich Spaß inne Backen und im Vergleich zum letztjährigen Hammer Of Doom deutlich besser eingespielt in die Halle. Nicht legendär, aber ein feiner Gig zum entspannten Grooven und Mitsingen. (Tagessieger!!! – CL)
Bereits die mächtigen Riffs des in komprimierter Form präsentierten Openers „Godforsaken“ machten klar, dass OPHIS momentan eines der heißesten Eisen im internationalen Doom-Death-Fegefeuer sind (wobei DEATH hier tatsächlich in Großbuchstaben geschrieben wird). Ultraintensiv, während der Songs von einer beinahe schwarzmetallischen Intensität, zwischen den Songs entspannt und beinahe schon schüchtern die Vorzüge des DSR anpreisend (recht so!), präsentierte sich die Hamburger Band in prächtiger Spiellaune. Sicher auch aufgrund der Veröffentlichung der Compilation „Effigies Of Desolation“ gab es einen Querschnitt aus allen vier (die Officium Triste-Split mitgerechnet) regulären Veröffentlichungen der Band zu beklatschen – und mit dem gelungenen und höchst atmosphärischen Kraftwerk-Cover „Radioactivity“ eine echte Überraschung. Die Gitarrenwand war erschlagend, die Grooves passten punktgenau; hervorzuheben dabei das geschmackssichere Bassspiel Ollys, das wirkliche Akzente zu setzen anstatt stupide rhythmische Figuren nachzuäffen imstande ist. Ergo: je suis imprégnée, vielleicht aber auch nur beeindruckt – jedenfalls rechtfertigten Ophis mit ihrem Auftritt ihre überraschend hohe Position im Billing. Wir werden in Zukunft weiter viel von den Hamburgern hören, da bin ich sicher. (PM)

Viele zunächst anvisierte Headliner waren nicht greifbar, nicht finanzierbar oder konnten aus diversen anderen Gründen nicht nach Göppingen reisen. Die Zeit fürs Buchen wurde knapp und der urige, irgendwie ständig verpeilt wirkende Lord Chritus (ex-Saint Vitus, ex-Count Raven, ex-Terra Firma, Lord Vicar) erklärte sich nur allzu gern bereit die Aufgabe mit seiner neuen Combo GOATESS anzunehmen. Was zunächst in einer Vollkatastrophe zu münden schien… Abstimmungsschwierigkeiten, verunsicherte Musiker, die ersten Songs saßen jedenfalls gar nicht. Zum Glück fing sich das Quartett, angereist aus Schweden mit einem alten Volvo-PKW, und somit kam zum Vorschein, dass Chritus’ neueste Spielwiese gar nicht so weit von Terra Firmas Output entfernt liegt (checkt – falls noch nicht bekannt – in jedem Fall mal deren „Harms Way“-Album!).



Wie konnte man DAS Doom-Festival von Fans für Fans beschließen? Wie konnte man etwas, das vielen Subgenre-Freaks über die Jahre wirklich ans Herz gewachsen ist, gebührend verabschieden? Wahrscheinlich nicht besser als in Göppingen geschehen: Chritus verblieb mit seinem Drummer auf der Bühne, Count-Raven-Urgestein Wilbur schnallte sich den Bass um und die hauptverantwortlichen Veranstalter Frank Hellweg und Jochen Fopp schnappten sich die Klampfen. Was folgte war eine ausufernde Version der Doom-Ursuppe „Black Sabbath“. Der Mikrozottel von Hooded Priest erklomm noch die Bühne um kräftig mitzuschmettern und zum glorreichen Finale feierte die DSR-Gemeinde mit minutenlangem Applaus und Mantra-artigen „Doom Shall Rise“-Rufen sich selbst, die gesamte Crew (die seit vielen Jahren vor allem aus Freunden der Veranstalter besteht) und die sichtbar gerührten Hellweg und Fopp. Besser geht’s nicht. Ich bekomme beim Tippen dieser Zeilen schon wieder eine Gänsehaut. (checkt die Fan-Videos hierzu bei youtube!) (CL)

Was bleibt, ist der Inhalt von Pandoras Büchse. Vielleicht raffen sich Frank und Jochen eines Tages doch noch auf, um die Doomster der Welt mit einer Neuauflage ihres meistgeliebten Festivals zu beglücken. Auch wenn durch die baulichen Veränderungen im Stauferpark ein wenig das Flair der vorigen Jahre verloren ging (aber da können die Jungs schließlich nüscht für), so wird das DSR doch immer closer to the heart aller Genre-Freaks bleiben. Wie auch der in affenartiger Geschwindigkeit vor sich gehende Ausverkauf des Festival-Merchandise zeigt. In diesem Jahr schmerzte lediglich die Absage von Hour Of 13 ein wenig, ansonsten war die Qualität des Festivals gerade angesichts des totalen Underground- und non profit-Charakters der Veranstaltung wieder einmal beeindruckend. Bleibt uns abschließend nur, Jochen, Frank und ihren vielen fleißigen MitstreiterInnen für ihr Engagement und die zahlreichen schönen, unvergesslichen Momente in der Chapel zu danken. Eine ganze Szene verneigt sich – und suhlt sich fortan melancholisch in Erinnerungen. (PM)
Patrick Müller (PM), Christoph Lücker (CL) - Pics: Patrick Müller


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