Obliveon - Metal und Gothic Webzine
 :: Suchen 

 :: Obliveon.de
· Home
· MySpace
· Links

  Info...
· FAQ
· Kontakt
· Impressum
 

 :: Magazin
· GESAMT
· News
· Interviews
· Konzert/Festivals
· Specials
· Foto Galerie

 :: Reviews
· GESAMT
· CD Reviews
· CD Import
· Eigenpressungen
· White Metal
· DVD/Video
· Bücher/Magazine

MAGAZIN :: Index: 'D' :: DER EREMIT

DER EREMIT
Das reine Sein
"Die Welt ist schlecht und an allem sind die andern schuld. Niemand hat mich lieb und an allem sind die andern schuld. Alles könnte besser sein, wenn es nur nicht wäre, wie es ist." Dieser Text aus "Jammertal" sagt sicher mehr über Der Eremit aus, als jede noch so wortgewaltige Einleitung dazu im Stande wäre. Offenheit, die Überwindung von Ängsten, Neugier, dies sind Charaktereigenschaften, die sich nicht nur auf die Persönlichkeit hinter dem Eremiten, den Schweizer Gian, beziehen, sondern sich auch in der Musik wieder finden, wo Elemente aus Elektro, Neuer Deutscher Todeskunst, Metal, Industrial, Gothic, Folkore und selbst Rap zu einer homogenen und vor allem einzigartigen Mischung zusammengefügt werden, die so gar nichts mehr von den Death Metal-Wurzeln ihres Protagonisten offenbart. Ähnlich wie die Letzte Instanz, die sich musikalisch ähnlich weltoffen gibt, doch noch weit darüber hinausgehend, bietet "Magma-Prana" ein buntes Sammelsurium unterschiedlicher Lieder und Sounds, wobei vor allem der mit "Prana" benannte Teil des Albums mit seiner einhergehenden Tanzbarkeit beeindruckt.
Doch wer oder was ist Der Eremit wirklich? Per Definition ist ein Eremit jemand, der sich aus der Gesellschaft zurückzieht, sein eigenes, einsiedlerisches Leben führt und die Gesellschaft und die Strömungen innerhalb der Gesellschaft reflektiert. Ist das die Aufgabe, die sich Der Eremit verschrieben hat?
>> Kann man so sehen. Allerdings kann niemand für sich absolute Objektivität in Anspruch nehmen. Ich versuche oft, Texte zu machen, welche auf verschiedenen Gebieten funktionieren (persönlich, emotional, philosophisch, psychologisch, spirituell, gesellschaftskritisch), welche, wie ich finde, nicht voneinander zu trennen sind. Sie sind alle Teil des Lebens, welches ich zu erforschen trachte. Das Schwergewicht verschiebt sich jeweils zwischen diesen Perspektiven. <<
Der Eremit möchte Fragen aufwerfen, nicht beantworten. Kann man sich bei solch einem
philosophischen Ansatz wirklich vollkommen davon freisprechen, mögliche Lösungsansätze zu bieten? Ist das Aufwerfen bestimmter Fragen nicht bereits die Antwort darauf, dass bestimmte Misstände zu ändern wären? Ist Der Eremit ein Philosoph?
>> Anbieten ja, aufdrängen nein. Der sokratische Dialog bedeutete ja nicht, dass Sokrates selbst keine Meinung hatte. Jede Frage beinhaltet mehrere Antworten, je nach der Sicht des Betrachters. Diese Sicht gilt es zu transformieren, wenn man wahren Fortschritt sucht, und deshalb auch die Identität des Betrachters. Ich habe sicher keinen Absolutheitsanspruch, falls doch mal, dann nur, um diesen selbst in Frage zu stellen. Ich bin davon überzeugt, dass neben allen relativen Wahrheiten auch eine absolute existiert, denke aber nicht, dass sich diese auf rein empirischem Wege erfassen laesst. Wir sind als Menschen unvollkommen, und
deshalb sind es auch unsere Methoden. Ich bin immer und jedem gegenüber offen, welcher mich in einer Sache eines Besseren belehren kann. Ich bin Schüler, nicht Lehrer. Kann ich jedoch mit meinen Sichtweisen jemandem behilflich sein, so tue ich das gerne. <<

In wieweit sind die Texte und Textinhalte das Ergebnis eurer persönlichen Erfahrungen in der Gesellschaft oder schreibst du die Texte auch aus einer distanzierten, also eremitischen Sichtweise heraus?
>> Es ist immer ein Mix und man kann sicher nicht alle Texte über denselben Kamm scheren. Ich ziehe meine Inspiration aus dem Leben und aus Büchern. <<
Die Beschäftigung der Zuhörer mit eurer Musik und den Texten ist, laut eurer Homepage, für Der Eremit Grundvoraussetzung in der Auseinandersetzung mit der Band. Setzt das einen gewissen Intellekt voraus? Kann man Der Eremit auch dann verstehen und geniessen, wenn man sich dieser intensiven Beschäftigung mit den Texten bewusst entzieht?
>> Das hoffe ich doch sehr, allerdings fehlt mir die Möglichkeit, meine Texte oder auch unsere Musik neutral zu betrachen. Ich weiss ja immer, was ich meine. Es ist sicher ein Trugschluss, dass man etwas verstehen muss, um es geniessen zu koennen. Diese ganzen Floskeln aus unserer Biographie sind doch etwas veraltet, aber ich habe mich halt bisher nicht um bessere gekümmert. Am liebsten wuerde ich Musik und Texte für sich selbst sprechen lassen. Beschreibung und Deutung sind Aufgabe der Kritiker. <<
Erste musikalische Gehversuche hast du im Death Metal unternommen, bevor du dich anderen musikalischen Ausdrucksformen zugewendet hast. Heutzutage ist von diesen Einflüssen kaum noch etwas zu spüren. Das legt den Verdacht nahe, dass du dich im Death Metal kreativ zu sehr eingeengt gefühlt hast.
>> Ich habe mich nie eingeengt gefühlt, gerade weil ich mir nie Grenzen gesetzt habe. Die Entwicklung ist natürlich, nichts gekünstelt. Es war auch nie ein Ziel, möglichst viele Stile zu vereinen. Dies wäre ebenso eine Zwangsjacke und würde nicht authentisch klingen. Sicher gibt es viele Dinge, die ich nicht mache, obwohl ich es könnte, da sie nicht zu "Der Eremit" passen würden, und der rote Faden verloren ginge. Dies sind jedoch Entscheidungen, die kaum von aussen beeinflusst werden. <<
Leider kenne ich nur die aktuelle CD "Magma-Prana", die stilistisch sehr breit gefächert ist und von Einflüssen der sogenannten "Neuen Deutschen Todeskunst" bis hin zu folkloristischen Einflüssen reicht. Kannst du vielleicht kurz die musikalischen Unterschiede zu den Vorgängeralben /-demos aufzeigen?
>> Wie bereits gesagt, wurden unsere älteren Alben stärker vom Metal beeinflusst. Sie waren roher und hatten emotional einen gewissen Hang zur Hysterie. Ich bin ruhiger geworden, und das neue Material wird zum Teil sehr ruhig, jedoch keinesfalls, um mich anzubiedern. Es ist ein Spiegel meiner Entwicklung. Rückfälle sind nicht auszuschliessen ;-) <<
Der Eremit wurde bereits 1995 gegründet und mir erscheint es aufgrund des Gebotenen vollkommen schleierhaft, dass ihr eure CD´s immer noch in Eigenregie veröffentlicht. Gab es jemals Anfragen von Labels oder verschliesst ihr euch aufgrund der künstlerischen Freiheit und der Kreativität ganz bewusst diesen geschäftsmässigen Mechanismen?
>> Jede unserer Veröffentlichungen wurde dutzendweise feilgeboten, stiess jedoch auf
Ablehnung. Natürlich würde mehr Kooperation die Arbeit wesentlich vereinfachen. Aber meine persönlichen Ziele liegen nicht darin, möglichst kompatibel zu sein. Ich mache keine Musik für Massen, sondern für jeden einzeln. Ich spreche persönlich mit jeder Seele, welche geneigt ist, sich darauf einzulassen. Sollten dies mal Zehntausende von einzelnen sein, so sind es dennoch einzelne. Wir lassen uns nicht dreinreden. <<

Musikalische Einflüsse lassen sich, wie bereits erwähnt, bei Bands wie Goethes Erben oder Das Ich ausmachen, aber ich denke, auch Bands wie Letzte Instanz sind, abgesehen von den anderen mannigfaltigen Einflüssen, musikalisch vergleichbar. Gibt es Grenzen in der künstlerischen Ausdrucksform des Eremiten?
>> Obengenannte Bands üben keinen bewussten Eunfluss mehr auf uns aus. Wir sind wir und wir eifern niemandem nach. Oft staune ich selbst über Parallelen. Hinter "Der Eremit" steht ein Konzept, und diesem gerecht zu werden ist die einzige Richtlinie. <<
Beim Betrachten der Links Eurer Homepage zu anderen Bands scheint diese Grenzenlosigkeit und Offenheit anderen Stilrichtungen gegenüber ihre Fortsetzung zu finden. Agiert Der Eremit fernab aller Szenen, fühlt er sich einer bestimmten Szene zugehörig?
>> Warum sollte ich mich von Schubladen einengen lassen. Es gibt genug Bands, die das viel besser können als wir. <<
Die optische Präsentation erinnert an die eines Schamanen, auf der anderen Seite wird aber auch eine gewissen Affinität zu Indien deutlich. Denkst du, dass man von diesen Naturreligionen lernen kann und dort mögliche Lösungen für die Probleme unserer westlichen Gesellschaft, und sei es nur im Sozialisationsverhalten, finden kann?
>> Ich beziehe mich nicht auf Naturreligionen. Falls dies so scheint, so geschieht die in einem grösseren Zusammenhang. Es gibt keinen nichtpathologischen Weg zurück in die
Vergangenheit. Jede Epoche hat ihre Errungenschaften, auch wenn das bei der Moderne von Romantikern gerne ignoriert wird. Wer möchte denn schon gerne zurück zu Pest, Patriarchat und Sklaverei? Der Mensch war nur naturverbunden, weil er gar nicht die Möglichkeit hatte, sich von der Natur und ihren Gesetzten zu differenzieren. Ausserdem hat er immer die Natur ausgenutzt, nur hatte er früher nicht die heutigen Mittel. Es ist unsere Aufgabe, das Beste aus allen Kulturen und Epochen zu definieren und in eine bestmögliche neue Weltsicht zu integrieren. <<

Beeindruckend finde ich den Text zu "Geschenk", der da lautet: "Geschenkt sei dir ein Leben, Erkenne seine Möglichkeiten, Es wird keines sein wie deines, Wirf es nach Gutdünken weg, Geschenkt sei dir eine Welt, Erkenne Ihre Möglichkeiten, Es wird keine sein wie deine, Wirf sie nach Gutdünken weg, Geschenkt sei dir eine Seele, Erkenne Ihre Möglichkeiten, Es wird keine sein wie deine, Wirf sie nach Gutdünken weg, Doch frage nicht nach einer zweiten". Ist dies die Maxime, nach der Der Eremit sein Leben lebt? Wäre die Welt ein besserer Platz, würden wir alle nach dieser Maxime leben?
>> Dies muss jeder für sich selbst rausfinden. Ist es dir lieber, das Leben als Segen oder als Fluch zu sehen? Die Entscheidung liegt bei dir allein. Mehrmals täglich schliesse ich für einen Moment die Augen und finde: "Wow, ´es´ existiert und ist sich dessen auch noch bewusst!" Innerhalb dieser Erfahrung werden alle "Nebenwirkungen" des Lebens
verschwindend klein und ich brauche nichts weiter, um glücklich zu sein. Allzuoft lassen wir uns den Tag von Kleinigkeiten vermiesen und verschwenden viel Zeit damit, dies mit anderen Kleinigkeiten zu überdecken. Ich bin da keine Ausnahme, ich arbeite jedoch daran. Aus diesem Kreislauf auszubrechen scheint mir erstrebenswerter als alles andere. Reines Sein, hier und jetzt! <<

Absolut genial, weil musikalisch vollkommen grenzenlos, finde ich den mit "Prana" benannten Teil des Albums. Dort wird eine musikalische Vorliebe für Indien abermals deutlich, erinnert doch manches durch die hypnotischen Rhythmen und die allgemeine Percussionlastigkeit sehr an Chantras. Werdet ihr in Zukunft verstärkt in dieser Richtung weiterarbeiten?
>> Definitiv. Auf unserer nächsten CD werden wir mit viel (echter) Percussion arbeiten und sie wird inhaltlich sehr östlich geprägt sein, was sich aber nicht auf Indien beschränkt. Wir werden uns neu definieren. Auch "hypnotische" Texte werden stark vertreten sein. <<

"Zehn Jahre Suche im tiefen Wald-
Heute grosses Gelächter am Seeufer."
Nakagawa Soen
http://www.DerEremit.com
Michael Kuhlen


[ Zurück zum Index: 'D' ]
 

[ Unsere Webseite weiterempfehlen ] [ Impressum ] [ Seitenanfang ]

© Oblivion 1998-2002 Alle Rechte vorbehalten

Haftungsausschluss/Disclaimer

technisches Konzept, Programmierung & Webdesign by M. Koschinski / C. Fessler