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MAGAZIN :: Index: 'J' :: JACK FROST

JACK FROST
Wider dem kosmopolitischen Bullshit
Zynisch, schwermütig, melancholisch, rockig…gloomig. Jack Frost sind selbsternannte Gloom Rock-Bastards, die ihr "trostloses Dasein" durch schwermütige Songs mit Rock´n´Roll-Attitude rechtfertigen. Das Leben lässt sich leichter ertragen, betrachtet man seine Umwelt mit einem gehörigen Maß an Zynismus und einem nicht zu unterschätzenden Hang zur Selbstironie. Genau dies haben Jack Frost nicht erst seit ihrem neuen Album "Self Abusing Uglysex Ungod" erkannt, hätten sie doch sonst aufgrund der Unwägbarkeiten eines korrupten und nur selten gerechten Musikgeschäftes doch schon längst das Handtuch geschmissen. Jack Frost leben zwar in ihrer eigenen Welt voller Schmerz und Nichtigkeit, doch sie verlieren sich nicht in ihr, im Gegenteil, sie schöpfen ihre Kraft aus ihr. Jack Frost, die "Self Absusing Uglysex Ungods? Jack Frost, eine Band, die vom Leben nichts geschenkt bekommt und gerade deswegen so ehrlich scheint?
Erinerungen werden wach an das Jahr 1989, als eine Band namens Stillborn im fernen Schweden mit "Necrospirituals" ein Album veröffentlicht, für das Jack Frost die Blaupause hätte liefern können. Doch anstatt "Necrospirituals" als einzig mögliche Referenz zu nennen, müssen sich Jack Frost mit trendgerechten Vergleichen zu Bands wie Gluecifer oder den Sisters of Mercy herumschlagen, einzig um potentielle Käuferschichten zu wecken. Dabei haben Jack Frost diese Form der Werbung überhaupt nicht nötig. "Self Abusing Uglysex Ungod" steht nämlich für sich selbst und atmet höchstens denselben Geist, den wohl auch "Necrospirituals" geatmet haben muss.
>> Promotiontechnisch wäre es ohnehin mehr als ungeschickt, uns mit einer Band und einer Scheibe zu vergleichen, die praktisch kein Mensch kennt. Ich selbst kannte "Necrospirituals" ja bis zum Jahr 2001 auch nicht und war von Stillborn in Kenntnis ihrer späteren Werke auch nur sehr mäßig begeistert. Es gibt scheinbar aber doch ein paar Leute, die unsere Musik mit Stillborn´s "Necrospirituals" in Verbindung bringen, und so hat mich nach einem Konzert in Hamburg mal jemand darauf angsprochen und mir schließlich ein gebranntes Exemplar geschickt. "Necrospirituals" ist schon wahrhaft eine Hammerscheibe und ich kann gut damit, dass man Jack Frost ähnliche Qualitäten attestiert. Wir versuchen ja eigentlich auch nichts anderes, als Rock´n´Roll Songs zu machen, die dreckig und düster sind, und das ist Stillborn mit diesem Album auch sehr gut gelungen. <<
Jack Frost haben dieses Jahr zum zweiten Male in Leipzig auf dem Wave Gotik Treffen gespielt, unter recht dummen Voraussetzungen allerdings, da eine Reifenpanne auf dem Weg nach Leipzig ein rechtzeitiges Erscheinen der Band leider unmöglich machte, so dass der Set gekürzt werden musste. Dennoch war dieser Auftritt erstklassig, wenn aufgrund der Umstände natürlich viel zu kurz. Wie war der Eindruck der Band vom diesjährigen WGT, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass sie das sogenannte Chaos-WGT vor zwei Jahren, wo der Veranstalter nach der Hälfte des Festivals zahlungsunfähig war, ja ebenfalls hat miterleben müssen?
>> Vom Chaos vor zwei Jahren haben wir nicht viel mitbekommen, da wir am ersten Abend gespielt haben und abgereist sind, bevor die Situation eskalierte. Auf uns hätte das aber auch keine Auswirkungen gehabt, wir haben ohnehin keine Gage bekommen und haben am Agra-Gelände in einer Wiese gepennt. Vom diesem Gesichtspunkt aus war das diesjährige WGT schon eine andere Liga für uns, wir haben gutes Geld bekommen und haben im Hotel Rennaissance residiert, genau wie´s eben sein sollte. Ansonsten haben wir wieder nicht viel von dem Drumherum mitbekommen, wir sind nach unserer Show im Zetkin-Park geblieben und haben uns dann in der MB die Nacht um die Ohren geschlagen, ehe wir gegen Mittag zu einem Konzert nach Bayern aufgebrochen sind. Aber ich habe an diesen beiden Tagen mehr Rentner in Sportbekleidung als Gothics gesehen, da hatte das WGT vor zwei Jahren schon wesentlich mehr Flair, finde ich. <<
Jack Frost haben von je her die Fähigkeit besessen, Coversongs in wirklich eigenständige Jack Frost-Songs zu verwandeln. Erinnert sei nur an die gigantische Coverversion des Uriah Heep-Klassikers "Lady In Black" oder die Wahl des The Priests-Stückes "Last Monday" für das neue Album. Was ist das wichtigste Kriterium bei der Auswahl eines zu covernden Songs?
>> Es gibt ein paar Dinge, die uns dabei sehr wichtig sind: zum einen würden wir nie einen Song einer Band covern, die zu unseren All-time-Faves zählt, das wäre für uns Inzest und Leichenschändung in einem, quasi so als würde man sich an seiner verstorbenen Mutter vergehen. Das heißt, wir covern am liebsten Songs, die zumindest dreißig Jahre alt sind, mit Metal nicht das geringste zu tun haben, eher als seichte Sommerhits daherkommen, aber eine düstere Message in sich tragen. Mit "Last Monday" sind wir etwas von dieser Linie abgewichen, da ging es uns eher darum, einen Song zu covern, den überhaupt keine Sau kennt. Wir wollten ursprünglich eine Version vom Bee Gees-Song "Spicks & Specks" auf das Album packen, dachten aber dann, dass wir uns damit langsam wiederholen würden. Wer weiß, vielleicht findet der Song ja auf dem nächsten Album Platz. <<
"Self Abusing Uglysex Ungod" ist ein ungewöhnlicher Albumtitel, der einen nicht unerheblichen Hang zum Zynismus und zur Ironie erkennen lässt und wichtiger Bestandteil des Lebens aller Bandmitglieder zu sein scheint. Lässt sich das Leben mit Ironie und Zynismus besser ertragen?
>> Auf jeden Fall (lacht). Ich denke, da hast du etwas ganz Wesentliches an dieser Band durchschaut. Wir waren immer schon eine (selbst-)ironische und zynische Band, eigentlich mehr als wir jemals eine richtig "düstere" Band waren - die Düsterkeit ist bei uns eigentlich nur Programm, mit dem wir uns selbst und unsere Sorgen auf die Schaufel nehmen. Wir sind ja keine selbstmitleidigen, verlorenen, finsteren Typen, sondern Leute, die sich neben ihrer tristen und bedeutungslosen Existenz eine Art Rock´n´Roll Paralleluniversum geschaffen haben, in dem es sich ganz gut aushalten lässt. <<
Ein Paralleluniversum, das verdientermassen immer mehr Anhänger findet und das sich natürlich erst nach einem Studium der Texte vollkommen erschliessen lässt. Leid, Verzweiflung, Melancholie, Trauer und Schmerz scheinen da zu den bevorzugten Themen der Österreciher zu gehören.
>> Ich bin ja nicht gerade ein Freund davon, über Lyrics zu sprechen. Das kommt mir immer so vor als wenn jemand einen Witz erzählt und dann die Pointe erklären muss. Um die Wahrheit zu sagen: Texte zu schreiben nervt uns ungemein, sie sind immer das letzte, was bei einem Song entsteht und es ist uns eine Qual. Wir haben der Welt ja eigentlich nichts zu sagen. So bleibt uns nichts anderes übrig, als von den Dingen zu schreiben, die uns unmittelbar betreffen, und das sind nun mal Geschichten über Frauen, das Verlassenwerden und diese gewisse unstillbare Sehnsucht, die uns innewohnt. "Unseen Insane I" zum Beispiel ist so eine Mordphantasie, die ja gelegentlich in den besten Beziehungen vorkommt, wir hatten mit "You Are The Cancer" auf der letzten CD schon einen Song zu diesem Thema. Was die Lyrics betrifft wiederholen wir uns auch immer wieder, die Themen bleiben eben immer die gleichen. "Some You" ist ein Song über das Verlassenwerden wie es schon "Queen" von unserem dritten Album war. Diese Dinge passieren uns einfach immer wieder (lacht). <<
Nicht nur Jack Frost, wie jeder wohl am eigenen Leibe nachvollziehen kann. Texte politischer und sozialer Natur sind demnach auch kein Thema für Jack Frost, oder doch?
>> Um Gottes Willen, nein. Wir machen Musik und nichts anderes, solche Inhalte sind uns zutiefst zuwider. Das sollen Bands wie R.E.M. machen, dass sie zu allen achso wichtigen Themen der Zeitgeschichte ihren Senf dazugeben, denen steht so etwas. Uns kotzt das eher an. Wir wissen, dass wir für unsere Leben selbst verantwortlich sind, und über die Dinge, die dabei herauskommen, schreiben wir. Den sozialen und kosmopolitischen Bullshit lassen wir sein, der hat mit unserem individuellen Glück und Unglück auch nicht das geringste zu tun. <<
Jack Frost zählen langläufig zu Doom-Community, der, verglichen mit der "normalen" Metal-Szene, ein viel stärkerer Zusammenhalt nachgesagt wird, sowohk bei den Bands, als auch bei den Fans. Wo liegen die Gründe für diesen Zusammenhalt und was verbindet man im Lager der Band mit diesem Begriff, eine Lebenseinstellung, einen Bewusstseinszustand?
>> Schwierige Frage, wir sind ja von unserem Selbstbild viel zu wenig Doom Metaller, als das wir diese Frage kompetent beantworten könnten. Ich kann nur sagen, dass die Szene, so wie wir sie kennengelernt haben, das ausmacht, dass sie nicht aus Selbstdarstellern besteht, die krampfhaft ein Image aufrecht erhalten müssen - wie das in anderen Genres ja bisweilen der Fall ist. Ich habe Musiker und Fans als recht authentisch und ehrlich erlebt, als Menschen, denen wirklich die Musik und die Menschen, die dahinter stehen, wichtig sind. Insofern scheint das schon so eine Art Lebenseinstellung zu sein, allerdings eine, der es ein bisschen an Humor fehlt, wie ich finde. <<
Bedarf es eines besonderen Charakterzuges, um Doom Metal wirklich zu verstehen, zu erfahren und zu durchleben? Einen stärkeren Hang zur Melancholie vielleicht?
>> Ich glaube, es bedarf eher einer gewissen Lebenserfahrung, um diese Musik zu verstehen. Ich habe erlebt, dass sich vor allem Leute davon angesprochen fühlen, die sich in ihrem Leben schon einiges mitgemacht haben. Ich weiß nicht, ob das mit Melancholie viel zu tun hat, zumindest ist Melancholie ein Gefühl, dass mir völlig fremd ist. Aber wie gesagt: ich sehe mich ja auch nicht als Doomster. Mir fehlt an dieser Musik eben genau der Humor und der Zynismus, der uns so wichtig ist. <<
Und sich im Gothic Metal-Genre noch viel weniger findet, auch wenn die Österreicher gerne mit diesem Genre in Verbindung gebracht werden, sich selbst aber deutlich davon distanzieren.
>> Mit Gothic Metal haben wir überhaupt nichts zu tun, aber nicht weil Gothic und Metal nicht zusammen passen würden - im Gegenteil: eigentlich ist es genau das was wir machen, diese Genres zu verbinden. Nur denke ich, dass das was man so Gothic Metal nennt, mit Gothic an sich überhaupt nichts mehr zu tun hat, sondern einfach Bands wie Type O Negative, Theatre Of Tragedy oder My Dying Bride gut findet. Da geht´s nicht mehr um eine Vermischung zweier Musikrichtungen, sondern um einen Bastard, der sich selbst kopiert. Mir fehlt etwas der Bezug zu den wirklich avantgardistischen 80er Kapellen, die dieses Genre geprägt haben. Vielleicht tue ich da ein paar Bands jetzt unrecht, aber so seh ich das eben. Wir gehören da jedenfalls nicht hin, und wir mögen auch die genannten Bands nicht. <<
Businesstechnisch waren Jack Frost bislang kaum vom Glück verfolgt. Wenn ich mich recht entsinne, wurde die Unzufriedenheit über die Arbeit eines der ehemaligen Labels der Band zeitweilig sogar im gegenseitigen Schlagabtausch über die Presse geführt. Last Episode, bei denen noch das Vorgängeralbum erschien, sind anscheinend nun ebenfalls Geschichte und so sind Jack Frost wieder einmal bei einem neuen Label gelandet. Eine kontinuierliche Aufbauarbeit scheint da leider nicht gewährleistet, vor allem im Hinblick auf eine Tour, denn Deutschland wurde bislang nur sporadisch und dann leider vornehmlich im Süden der Republik betourt.
>> Ich bin davon überzeugt, dass man kontinuierliche Aufbauarbeit nur als Band selbst leisten kann, zumindest kennen wir nichts anderes. Dafür können wir ruhigen Gewissens sagen, dass wir dort wo wir jetzt stehen, aus eigener Kraft hingekommen sind und nicht durch das Geld anderer Leute. Dafür sind wir uns selber immer treu geblieben und nicht aus den Augen verloren, warum wir eigentlich Musik machen - um Geld oder Rockstar-Träume geht es dabei jedenfalls nicht. Vor allem unsere Live-Aktivitäten wurden ja von keinem Label in irgendeiner Form unterstützt, so haben wir eben jahrelang für wenig bis gar kein Geld in jedem Dreckloch gespielt, einfach weil es uns Spaß gemacht hat. Und so wie es aussieht, werden wir auch von unserem neuen Label keinen Support für eine Tour bekommen, das heisst wir werden wir alleine damit sein, das kostendeckend hinzubekommen. Aber wir machen uns da keine Sorgen, wir haben in den letzten zwei Jahren gesehen, dass wir durchaus unser Publikum haben und man uns kennt. Die Promo für die letzten beiden Platten war ja gut und das trägt natürlich auch Früchte. <<
Wo würden Jack Frost wohl heute stehen, hätten sie von vorneherein die rückhaltlose Unterstützung ihrer Plattenfirmen bekommen?
>> Ich mache mir über solche Fragen keine Gedanken, die Dinge waren eben so. Ich glaube auch, dass wir von den Sachen, die uns so im Laufe der Zeit passiert sind, wesentlich geprägt wurden, und wir genau deshalb heute so klingen wie wir klingen, authentisch sind und keine Kompromisse machen. Wir mussten und müssen es niemandem recht machen, und können daher auch nichts falsch machen. Das ist das Gute an der ganzen Sache. <<
Gab es dennoch Zeitpunkte, wo man im Lager der Band darüber nachgedacht hat, Jack Frost aufzulösen oder sich desillusioniert aus dem Musikbusiness zurückzuziehen?
>> Ich war mal nahe dran, das lag aber nicht so sehr an der Band oder am Business sondern daran, dass ich das mit meinem Beruf und meiner Familie nicht mehr unter einen Hut bekommen habe. Ich hab praktisch jeden Urlaubstag für Tourneen, Konzerte und Studioaufenthalte aufgebraucht, und man kann sich vorstellen, wie erholt und frisch man nach vierzehn Tagen on the road in die Arbeit zurückkommt. Da geht man langsam zugrunde dran, und auch meine Freundin hat es ziemlich satt, dass ihre Tochter einen Rock´n´Roll Daddy hat, auf den kein Verlass ist, ha ha. Außerdem habe ich eine ganze Menge Geld in diese Band geimpft und war nach den Aufnahmen von "Self Abusing Uglysex Ungod" so am Ende, dass ich schon fest beschlossen hatte, alles hinzuschmeißen. Aber allein die bloße Vorstellung, die Band zu verlassen, hat mich krank gemacht, heute weiß ich: ich werde immer in dieser Band spielen, und sei es um den Preis von Krebs, Bankrott, gebrochenen Herzen oder sonstwas! <<
Hoffen wir, dass meinem Gesprächspartner dieses Schicksal erspart bleibt und sich die Fans zahlreich auf der im Herbst stattfindenden Tour einfinden werden, um den wahren Gloom Rock-Stars gebührend zu huldigen.
>> Flächendeckend wird schwierig werden, weil wir wie gesagt finanziell auf uns allein gestellt sind und daher nicht länger als zwei Wochen unterwegs sein werden. Auf jeden Fall werden wir im November unterwegs sein, vielleicht auch mal im Ruhrgebiet. <<
Hoffentlich, denn nirgendwo sonst versteht man harte und aufrichtige Arbeit besser zu würdigen, als hier.
http://www.jackfrost.at
Michael Kuhlen


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