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MAGAZIN :: Index: 'A' :: AXEL RUDI PEL ....

AXEL RUDI PELL
Vom Provinzgitarristen zum Aushängeschild der Szene
Axel Rudi Pell kann mittlerweile auf eine der längsten Karrieren in der deutschen Metal-Szene zurückblicken. Dennoch gab er früher ständig Anlass zum spotten. Mal war es die doofe Frisur, oder der blöde Zauberhut, das affige Gehabe auf der Bühne, das dämliche Kopieren von Ritchie Blackmore, bis hin zur unerträglichen Selbstdarstellung auf der Gitarre bei den schier endlosen Soli. Richtigen, weitreichenden Erfolg und Aufmerksamkeit in der Szene konnte er erstmals mit der Wahl von Jeff Scott Soto als Sänger in seiner Band erlangen. Seit drei Alben wird nun jedoch bereits mit dem begnadeten Hardline-Sänger Johnny Gioeli ganz im Sinne dieser Tradition weitergearbeitet. Den „Gott am Schlagzeug“, Mike Terrana im Jahre 2000 in die Band zu holen, hat sicherlich auch nicht geschadet. Für mich persönlich ist die Musik im Laufe der Jahre einfach sehr gut geworden. Das Stageacting wurde ausgefeilter, was mit der Unterstützung solch geiler Showmaker wie Ferdy Doernberg dementsprechend möglich ist. Heute steht der Wattenscheider Musiker wie der viel zitierte Fels in der Brandung, und das mit den treuesten Fans, die man sich vorstellen kann, im Rücken. Natürlich trifft man immer noch Anti-Axel-Fans auf seinen Konzerten, die sich über alles mögliche negativ äußern und die Auftritte ja eigentlich noch nie gut fanden. Stellt sich nur die Frage, warum man sie jedes Jahr wieder in der Bochumer Zeche antrifft?

Witzig, dass gerade ich dieses Interview führe, denn ich konnte deine Musik früher überhaupt nicht ausstehen.
>> Echt, ist ja super! <<
Das hatte sich aber dann mit dem Einstieg von Jeff Scott Soto geändert. Ich finde, dass die deutschen Rock-Stars früher nur ihren Idolen nachgeeifert haben und zu wenig Eigenständigkeit bewiesen haben, besonders live. Das ist mir auch bei dir aufgefallen.
>> Wann hast du mich denn das erste mal live gesehen? <<
Jesssuussss! Das muss an die hundert Jahre her sein. Dann wieder nach Jahren, genauer gesagt 1999 in Wacken, und da war es ganz gut.
>> Na, dann bin ich ja zufrieden. <<
Du bist einer der wenigen etablierten Musiker in der deutschen Metal-Szene, und das seit 1980. Hast du die Ziele erreichen können, die du dir gesetzt hast, oder ist da immer noch eine Rechnung offen?
>> Offen ist immer etwas, denn jeder Musiker, der sein Ziel erreicht hat, ist kreativ tot. Ich habe ein Ziel insofern erreicht, dass ich bei einer Plattenfirma unter Vertrag bin, bei der ich den Freiraum besitze, musikalisch das abzuliefern, was mir vorschwebt. Mir redet keiner in die Songs rein, da kommt keiner vorbei und selektiert etwas aus und niemand versucht etwas zu ändern. Das ist natürlich sehr gut, diesen Status zu haben. Das war bei Steeler nicht immer so. Ansonsten fehlt immer noch die goldene Schallplatte. Ich habe ja bis jetzt immer nur Rost erhalten, haha. <<
Das dürfte mit deiner Musik in Deutschland kein leichtes Unterfangen werden.
>> Da muss ich dir beipflichten. Wie gesagt, ich kann von der Musik leben und das war sicherlich auch das Hauptziel. Ich kann zwar keine riesigen Sprünge machen, aber die Situation ist ganz gut so. <<
Jetzt hast du im Laufe deiner Karriere zwei der besten amerikanischen Sänger in deinem Line-Up beschäftigt. Wieso greifst du immer in die Ferne und was unterscheidet Johnny von Jeff?
>> Johnny hat selbstverständlich eine etwas andere Stimme als Jeff. Beide sind professionell, supergenial und sich ebenbürtig. Ich konnte mit beiden sehr gut arbeiten. Es tauchten auch nie Probleme auf. Jeff war allerdings in der letzten Phase musikalisch etwas anders orientiert, um das mal vorsichtig auszudrücken. Selbst live sind beide unantastbar und gleichermaßen kompetent. Gegen deutsche Sänger haben ich natürlich grundsätzlich nichts. Das Problem ist immer nur, wirklich einen zu finden. Ich habe mir schon früher zig Tapes von unseren oder deutschsprachigen Sängern aus anderen Ländern angehört. Es war echt keiner dabei, der zu mir gepasst hätte. Es mag natürlich sein, dass sich das heutzutage geändert hat und der Stand ein ganz anderer ist. <<
Man macht dir oft den Vorwurf, live zuviel deinen Idolen zu huldigen, obwohl du mittlerweile tonnenweise eigenes, gutes Material zur Verfügung hast. Viele Fans würden lieber mehr von deinen Songs hören, anstatt die eine oder andere Coverversion.
>> Das habe ich selbst schon in verschiedenen Magazinen gelesen. Ich verstehe das eigentlich gar nicht, weil sich die Zahl der nachgespielten Tracks auf maximal zwei pro Show beläuft. Da kenne ich Bands, die das locker toppen. <<
Die bekommen die gleiche Kritik.
>> Ach so! Ich verstehe natürlich, dass ein Fan auf ein bestimmtes Stück wartet und dann enttäuscht ist, wenn er das nicht zu hören bekommt, stattdessen aber einen Deep Purple Hit. <<
Siehst du! Dann gibt es aber einen Coversong, auf den wir seit Jahren warten, der dann völlig ignoriert wird.
>> Auf welchen wartet ihr denn? <<
Na, auf „Hot Cherie“ von Hardline. Falls du dich wunderst, wer das Lied im Publikum immer lauthals fordert, das sind meine Kollegen und ich.
>> Verstehe! Ich habe euch schon mal gehört. Aber Johnny hasst diesen Song. Der findet das total krank und regt sich immer tierisch auf, wenn in der Zuschauermenge irgendjemand diesen Titel grölt. Dann kriegt er eine echte Krise. Also, ihr müsst schon warten, bis er mit Hardline spielt. Bei mir hört ihr diesen Song definitiv nicht. <<
An dir klebt ein bisschen das Prädikat Selbstkopie, wenn man zum Beispiel die Gitarrenthemen der letzten Alben betrachtet. Ist die Ähnlichkeit in Songs wie „Edge Of The World“, „Carousel“ und „Voodoo Nights“ ganz bewusst aus Gründen der Wiedererkennung eingesetzt, oder fühlst du dich deinem Publikum verpflichtet, wie AC/DC oder Running Wild, sich nicht zu weit vom Kern dessen abzuwenden, was deine Musik ausmacht? Man könnte dir auch Stagnation vorwerfen.
>> Ähnliche Gitarrenläufe kann ich nicht nachvollziehen, höchstens eine gewisse Art von Melodie oder Tonfolgen. Das ist aber mit meinem Stil verwurzelt. Ich bevorzuge beim Komponieren gewisse Schemata in der Musik, die man eigentlich gar nicht anders umsetzen kann, als so wie ich es mache. Guck dir Yngwie Malmsteen an, der spielt schon seit ca. zwanzig Jahren das gleiche Solo, wenn ich das jetzt mal überspitzt darstelle. Ich kann in dem Bereich, in dem ich mich bewege, nicht so viel Neues erfinden. Erfinden sowieso nicht, denn alles war schon einmal da. Aber wenn ich zu viel Fremdes hinzufüge, klingt es nicht mehr nach Pell. Dazu habe ich auch gar keine Lust. <<
Mir ist aufgefallen, dass viele deutsche Bands, die seit den letzten Jahren angesagt sind, sei es Pink Cream 69, Rage, Running Wild, Primal Fear oder Sinner Alben hervorgebracht haben, die inhaltlich im Groben oftmals sehr austauschbar klingen. Man hat nicht das Gefühl, dass sich eine bestimmte Phase ihres Lebens in den Kompositionen niederschlägt.
>> Das ist richtig und bei mir nachzuvollziehen. Meine Fans können die Scheiben blind kaufen, weil ich meinen Stil nicht ändern werde. Wo Pell draufsteht, ist Pell drin. <<
Was unterscheidet denn dann die letzten beiden Alben? Gibt es einen Punkt für dich, der gravierend anders ist?
>> Das Cover ist anders (lacht). Ich habe das Gefühl, das auf meinem aktuellen Album „Shadow Zone“ kein Füller drauf ist. Kein Song, der irgendwie hängt. Das ging mir bei vorherigen Alben nicht immer so. Beim Erscheinen dachte ich schon mal, dass man den einen oder anderen Song nicht hätte machen müssen. Diesmal ist es eine ganz gute Mischung geworden, aber richtig gravierende Unterschiede gibt es nicht. <<
Ich habe von deinem Label den Rough-Mix bekommen, der schon sehr beachtlich klingt. Was veränderst du noch an den Aufnahmen?
>> Wir haben alles noch einmal komplett anders gemischt, denn das, was du hörst, ist mal eben auf die Schnelle zusammengeschustert worden. Einige Verhältnisse fand ich nicht in Ordnung. Der Gesang ist zu weit hinten gewesen, die Drums hatten meines Erachtens noch nicht den richtigen Klang, so wie er jetzt auftrumpft, und die Gitarren sind teilweise ohne Effekte abgemischt worden. Der Bass-Bereich klingt wesentlich differenzierter. Wenn es einen Knopf gäbe, auf dem „Schönmachen“ stünde, dann haben wir ihn jetzt gedrückt. <<
Du wirst mir diesmal wohl vehement widersprechen, aber ich habe in den Liedern „Coming Home“ und „Live For The King“ Tendenzen von Gesangsmelodien der Scorpions entdeckt. Bekenne dich!
>> Beabsichtigt ist das nicht, und bei „Live For The King“ ist es mir nicht so aufgefallen, eher bei „Coming Home“. Das ist halt Johnny`s Stimme und er weiß auch, dass er teilweise, wenn er recht hoch singt, ein bisschen wie Klaus Meine klingt. Das ist schon richtig. <<
Woher kommt dein Faible für Balladen?
>> Ääähhh..., keine Ahnung. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich anfing Balladen zu schreiben, just als meine Freundin mich verließ. Ich habe deswegen wohl eine Schippe mehr draufgepackt. Deswegen gibt es auf dem Album eine halbe Schmuseeinheit zu viel und ein Midtempo-Stück weniger. Das ist der einzige negative Aspekt, den ich in Verbindung mit meinem neuen Album bringen kann. <<
Bist du eher ein Träumer oder ein Realist?
>> Ich bin ein träumender Realist. <<
Wie arbeitet ihr als Band? Viele deiner Mitstreiter sind ja noch in diversen Projekten oder eigenen Bands tätig?
>> Die Jungs hören das ganze Material zum ersten Mal im Studio. Soll heißen, das ich keine Bänder in die Weltgeschichte schicke. Ich schreibe die Songs sowie die Gesangsmelodien und die Texte alle zuhause. Ich nehme das auf ein Vier-Spur-Gerät auf und treffe mich mit Mike im Studio und wir bereiten ca. zwei Tage lang alles vor. Die Geschwindigkeit wird mit einem Tacker bestimmt und auf Band gespielt, ich erarbeite Pilot-Gitarren, also unreine Rhythmus-Gitarren, die später ausgetauscht werden. Dazu singe ich die Gesangsmelodien. Dann ist der Mike dran. Hierauf kommt meist der Volker vorbei und dann die beiden anderen. <<
Du hast aber keine Probleme damit, dass alle noch woanders mitmischen, oder?
>> Gar nicht. Wenn ich Leute hätte, die nur für mich spielen, müsste ich die auch alleine bezahlen. Da habe ich überhaupt keine Lust zu. Vom Timing her passt die Chose bisher ganz gut. Ich plane ein Album im Jahr gut voraus und keiner muss innerhalb einer Woche bei mir im Studio hocken. <<
Siehst du die Formation als richtige Band oder eher als bestens funktionierende All-Star-Gruppe?
>> Ich denke, die zweite Variante beschreibt unseren Status ganz gut. <<
Marc Klinnert ist seit geraumer Zeit für deine Cover zuständig. Was fasziniert dich so an seiner Arbeit?
>> Er hat eine relativ gute Umsetzungsfähigkeit von dem, was ich mir vorstelle. Seine Bilder fesseln den Betrachter und stechen voll ins Auge. Außerdem ist die Kontinuität der Cover sehr interessant. <<
Ich habe gehört, dass die neue DVD von dir nicht nur einen simplen Gig enthalten soll. Womit willst du deine Fans sonst noch beglücken?
>> Also, zu der diesjährigen Live-Aufnahme aus Bochum kommt eine komplette Pell-History hinzu. Fast aus jedem Jahr gibt es Privat-Aufnahmen aus den Studios, wo wir die verschiedenen Alben erstellt haben. Dann gibt es auch unveröffentlichte Sachen. Von dem „Between The Walls“ Album mit Jeff Scott Soto gibt es einen Video-Clip, der nie im Fernsehen lief. Dazu diverse andere Raritäten. <<

http://www.axel-rudi-pell.de
Steve Burdelak


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