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MAGAZIN :: Index: 'D' :: Das kleine Ei ....

Das kleine Einmal-Eins des Zolls
Seit Jahren bin ich in der einen oder anderen Form in der Musikszene unterwegs und seit Jahren bekomme ich immer mal wieder Musik-Produkte aus dem Ausland zugeschickt. Wer selbst schon einmal Päckchen aus dem Ausland bekommt – oder vielleicht auch selbst ins Ausland verschickt – weiß, dass man für den Warenversand diese kleinen grünen Aufkleber, die Zollerklärung, ausfüllen muss. Diese enthalten den Inhalt der Sendung, deren Wert und eine Angabe, ob es sich ggf. um eine Warenprobe, ein Geschenk oder ähnliches handelt. (also etwa: CD & Biografie, Sample/Probe; 5 $) Ohne diese Aufkleber geht weltweit eigentlich nix.
Bei größeren Sendungen taucht dann vor der Auslieferung schon einmal eine Nachfrage des Zolls auf, ist mir aber in fast 25 Jahren erst zweimal passiert, wovon ich einmal auch Einfuhrgebühren auf einen, allerdings riesigen, Stapel von CDs und LPs bezahlen musste.

Vor einigen Tagen nun fand ich einen Brief der Deutschen Post aus der Zollübergabestelle Dortmund in meinem Briefkasten, in dem ich darüber informiert wurde, dass eine an mich gerichtete Postsendung nicht zur Verzollung angemeldet werden konnte, da die hierfür benötigte Rechnung bzw. der Zahlungsbeleg sich nicht außen an der Sendung befand, weshalb die Sendung bei dem zuständigen Zollamt für mich hinterlegt wurde. Eine Abholung wäre innerhalb der Öffnungszeiten, von Montag bis Freitag, in der Zeit von 7:30 bis 15:00 möglich. Notwendig wären dafür außerdem die Rechnung bzw. der Zahlungsnachweis, Bargeld für die Zahlung von Einfuhrabgaben und Verwahrungsgebühren sowie ggf. zusätzliche Dokumente. Ahja, nun gut, eine Telefonnummer ist ja angegeben, ruft man einfach flugs mal an. Gesagt getan… hier folgt eine (einigermaßen) originalgetreue Wiedergabe meines Telefonates.
Ring. Ring.
„Schulz!*“ (*Die Namen wurden aus rechtlichen Gründen geändert, sind dem Redakteur aber bekannt.) (Naja, fängt doch gut an, dachte ich. Ist ein Amt und doch hat der Knabe sich schon beim zweiten Bimmeln gemeldet.)
„Schönen guten Tag Herr Schulz. Becker mein Name. Ich habe heute Post von Ihnen bekommen, dass Sie noch eine Rechnung für eine Sendung benötigen, die ich erhalten soll.“
„Ja.“
„Ich weiß jetzt leider nicht, was das für eine Sendung ist…“
„Ja, werden `se ja wohl bestellt haben.“
„Nein, das wollte ich Ihnen ja gerade erklären. Ich vermute jetzt einfach mal, dass es sich um eine Sendung mit einem Tonträger als Inhalt handeln könnte, da ich hobbymäßig für ein Musikmagazin schreibe und ab und zu mal Tonträger zugeschickt bekomme, die dann für das Magazin von mir besprochen werden. Eine Rechnung gibt es dann entsprechend nicht dafür.“
„Das ist schlecht. Dann muss man jetzt erst beim Absender nach der Rechnung fragen.“
„Ich sagte ja gerade, dass es keine Rechnung gibt. Davon ab, wie lange soll das denn dauern, wenn sie erst beim Absender nachfragen wollen.“
„Nicht wir. Sie.“
„Ah ja…ich weiß ja nicht einmal wer der Absender ist, geschweige denn woher die Sendung überhaupt kommt.“
„Wie hoch ist denn der Wert?“
„Wie gesagt, keine Ahnung. Ich weiß ja nicht was drin ist.“
„Also kommen Sie einfach vorbei, dann müssen wir das hier klären.“
„Jetzt haben wir ein Problem. Wenn ich mir ihre Öffnungszeiten ansehe, dann wüsste ich nicht wie ich das innerhalb MEINER Arbeitszeiten schaffen sollte. Aber ich sehe jetzt auch nicht, inwiefern uns das weiterbringt.“
„Moment, dann verbinde ich mal…“ (Und schwupps-diwupps wurde ich weiter verbunden.)
„Bukowski*!“ (Eine Stimme, geschätzte 100 Jahre alt, meldete sich.) (*Name ebenfalls geändert)
„Guten Tag! Becker hier! So schnell wie Sie sich gemeldet haben, vermute ich mal, dass Ihnen ihr Kollege nicht erzählt hat, worum es geht! Lach…“ (Der gute Mann fand das jetzt allerdings gar nicht witzig. War vielleicht auch etwas viel von einem Beamten erwartet.)
„Nein.“
(Also hab ich meine ganze Geschichte noch einmal ganz freundlich erzählt.)
„Aber Sie müssen doch eine Rechnung haben?“ (Jetzt war ich doch etwas angenervt.)
„Okay, noch mal: Nö, hab ich nicht. Ich hab nix bestellt und weiß nicht, was das für eine Sendung ist. Ich hab nix bezahlt und dementsprechend keine Rechnung. Wenn`s denn eine oder auch mehrere Tonträger sein sollten, dann bekomme ich die gratis vom Absender und soll dafür sicherlich eine Kritik schreiben, die dann in unserem Magazin veröffentlicht wird.“
„Sagen Sie mir mal die Nummer!“ (Nach der Angabe wühlt der Mann kurz und ich höre ihn sagen: „Zoid Recordings aus Chicago.“ (Also handelte es zumindest schon mal tatsächlich um Tonträger.)
„Aber einen Wert müssen die Sachen ja haben!“
„Klar, für den Absender haben die Dinge sicherlich einen Wert. Den findet man üblicherweise auf den kleinen grünen Zollaufklebern. Und wenn ihr Jungs den nicht verbummelt hättet, dann wüssten wir den Wert jetzt auch.“ (Sorry, aber mittlerweile doch schwer angenervt.)
„Und den Wert brauchen wir.“
„Okay, 1 €.“ (Zugegeben, war ein Schuss ins Blaue, aber irgendwie mussten wir in der Sache ja weiterkommen.)
„Sie können nicht einfach irgendwas sagen.“
„Warum nicht?“
„Das geht nicht.“
„Ach kommen Sie. Lassen Sie uns feilschen. Ich sage was, Sie sagen was, dann sage ich wieder was und irgendwann treffen wir uns…“ (Ist das nicht original so, wie das bei den großen Steuerzahlern läuft? Hmm, zieht wahrscheinlich nur bei den ganz Großen, was?)
„Wenn Sie einen Wert angeben der nicht stimmt und wir googeln das und stellen einen höheren Wert fest, dann wird’s teuer. (Ich bin erstaunt, der Mann kann googeln. Aber dafür will er mir drohen. Humorlose Type.) Kommen Sie vorbei und wir klären das hier.“
(Ruhig bleiben, Stephan. Aufregen ist gar nicht gesund.) „Jetzt mal im Ernst, im Gegensatz zu Ihnen habe ich richtige Arbeitszeiten. Ich kann nicht mal eben vorbei kommen. Machen Sie das Paket doch einfach auf.“
„Das darf ich nicht“
„Ich erlaub’s Ihnen!“
„Das brauche ich schriftlich.“
„Okay, versteh ich. Geben Sie mir eine E-Mail-Adresse, ich schick Ihnen eine schriftliche Erklärung rüber.“
„Äh… ww……“ (Ich schöpfte Hoffnung, eine E-Mail-Adresse fängt zwar üblicherweise nicht mit www an, aber er war willig und wir kamen in der Sache weiter. Dem Happy End zum Greifen nahe. Aber…zu früh gefreut…)
„E-Mail geht nicht. Ich brauche das an Sie gerichtete Originalschreiben zurück.“
(Sprachlos) „Warum? Da steht doch nix drin. Keinerlei speziellen Angaben oder Anlagen.“
„Ich brauch’s.“ (Jau, nachvollziehbare Begründung….)
(Neuer Versuch) „Da steht nix drin!“
„Ich brauch’s!“ (hoffnungslos) „Außerdem brauche ich Angaben von Ihnen. Sie machen da eine Steuererklärung!“ (Jetzt war der Kerl auch etwas angefressen. Konfrontation brachte mich jetzt auch nicht weiter. Aber sauer war ich auch. Am liebsten hätte ich hm gesagt, er solle sich das Päckchen in den A… schieben. Egal, ich gab auf.)
„Ich schick Ihnen was zu. Was brauchen Sie?“
„Eine Vollmacht zur Öffnung, eine Wertangabe und das Originalschreiben zurück.“
„Okay. Von wie vielen CDs reden wir denn überhaupt?“
„Weiß ich nicht, ich kann ja nicht reingucken.“ (Ey, der konnte ja sogar witzig..)
„Mein Gott, stellen Sie sich doch nicht so dämlich an. Wie groß ist denn das Päckchen?“
„Es ist ein Din A4-Umschlag.“ (Pause)
„Also reden wir hier höchstwahrscheinlich von einer einzigen CD?!!“
„Ja, da gehe ich von aus.“ (Noch längere Pause)
„Sagen Sie mal, kommt Ihnen das nicht selber ein bisschen komisch vor?“
„Ich habe meine Vorschriften!“

Nachtrag: Nur einen Tag nachdem ich die „erforderlichen“ Unterlagen und Vollmachten zurück geschickt hatte, bekam ich das Päckchen übrigens ausgeliefert. Was soll ich sagen: Ein fetter grüner Aufkleber war außen drauf. Inhalt: CD; Wert: 14 $.
Kein weiterer Kommentar.
Stephan Becker.


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