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MAGAZIN :: Index: 'A' :: ANUBIS

ANUBIS
Die Wunden unserer Zeit
Gothic Rock der etwas anderen Art offerieren nun bereits zum vierten Male die Hanauer Anubis, denn auch, wenn weiblicher Gesang, kernige Gitarrenriffs und sphärische Keyboardsounds so etwas wie Allgemeingültigkeit für die Gothic-Szene besitzen, so verfügt das Quintett doch über die Fähigkeit, ihren Gefühlen und ihren Texte eine adäquate musikalische Form entgegenzusetzen, wie sie aufgrund der unverwechselbaren Identität der Band, vor allem mit dem neuen Album "Kassandra", schon längst einen Plattenvertrag verdient gehabt hätte. Vor allem der Gesang Barabara Volpert´s, die sich nun alleine für die Vocals verantwortlich zeichnet, hebt sich wohltuend vom gothischen Einheitsgesäusel der Marke "sterbende Elfe" ab und gibt den Kompositionen Matthias Abel´s erst das prägende Gesicht. Zur musikalischen Reife der bereits 1995 gegründeten Band addiert sich eine lyrische Komponente, die in dem vorliegenden Album und dem Konzept der "Kassandra" gipfelt, deutlich machend, dass Gothic-Bands nicht ausschliesslich nur vampireske oder okkulte Themen verfolgen müssen, um Gehör und Anerkennung zu finden.
Der prägnanteste musikalische Unterschied zu den Vorgängeralben ist das Wegfallen des männlichen Gesangs von Jan Bairlein und sein Ausstieg aus der Band. Was hat euch bewogen von dieser Form des Gesangs abzurücken und euch von Jan zu trennen? Bassist Christoph Sarrach führt aus:
>> Meist heißt es an dieser Stelle, dass wir uns aus musikalischen Gründen getrennt haben, und das stimmt in diesem Fall auch zum Teil, aber es haben auch persönliche Differenzen eine wichtige Rolle gespielt. Wir hatten von Anfang an geplant, bei der neuen CD keinen Grunzgesang zu verwenden, die Stücke aber noch im Duett mit männlicher und weiblicher Stimme geplant. Während unsere Sängerin Barbara sich allerdings voll und ganz mit ihrer Rolle als Kassandra identifizieren konnte, sagten Jan die Stücke nicht mehr zu. Dann mussten wir als Band die harte Entscheidung treffen, das Projekt abzusagen oder konsequent unsere Entwicklung fortzusetzen und auf Jan zu verzichten. Wir haben das letztere getan und stehen auch dazu. Jan geht es übrigens bei seiner Black Metal Band Hands of Fate, denen ich hier alles Gute wünschen möchte, sehr gut. <<
Haben sich im Laufe der Jahre an der Arbeit mit Anubis die musikalischen Einflüsse der Band verändert?
>> Einflüsse sind ja ständig im Fluss... Nein im Ernst, wir sind unserer Vorstellung von einer CD ein entscheidendes Stück näher gekommen . Dennoch entwickelt man sich ja ständig weiter. Mit "Kassandra" sind wir alle sehr zufrieden, dass bedeutet nicht, dass es der Prototyp aller zukünftiger Anubis-CDs sein wird. Zur Zeit arbeiten wir an etwas komplett anderem, Vielseitigkeit ist eines unserer Stillmittel. <<
"Kassandra" ist ein Konzeptalbum basierend auf einer griechischen Sage. Warum habt Ihr euch gerade dieser Sage angenommen und das Album auf einer konzeptionellen Grundlage erarbeitet?
>> Was wir heute mit "Kassandra" verbinden bezieht sich nicht ausschließlich auf die klassische Sage aus der griechischen Mythologie. Seit jeher wurde dieser Mythos durch Literatur, Musik und andere Kunst weiterentwickelt. Das liegt an seiner Tragik, die Wunden aller Zeitalter offen legt, eben auch des unseren. Das lesen (bewundern) von Christa Wolfs Erzählung "Kassandra" gab für uns letztendlich den Ausschlag. "Kassandra" ist eine hervorragende Metapher für das, was in und um uns herum heute geschieht. <<
Wo siehst du Gemeinsamkeiten in der Aussage dieser griechischen Sage zu unserer heutigen modernen Zeit?
>> Für uns ist Kassandra eine geistige Haltung. Es geht um ein Individuum, das bewusst registriert, was um es herum geschieht. Es geht darum den Krieg in alles seinen Facetten, von der zwischenmenschlichen Ebene bis hin zum Vernichtungskrieg, wahrzunehmen. Es geht darum andere Menschen dazu zu bringen, ebenso die Augen zu öffnen, sich nicht blind zu machen für die uralten, mörderischen Strukturen, die in den Fundamenten unserer Kultur wachsen und uns dazu zu bringen, uns als Feinde, als Gegner gegenüberzustehen. Kassandra prophezeit den Untergang ihrer eigenen Kultur, die Vernichtung durch den äußeren Feind, der aber erst siegen kann, als ihre eigene Welt dessen Spiegelbild geworden ist. Und das Tragische in der Sage wie auch an den heutigen "Kassandras" ist, das niemand zuhört. Und dennoch gibt Kassandra nicht auf, setzt ein Zeichen als Mythos für kommende Generationen, bleibt bis zum Ende bewusst, verschließt nie die Augen. <<
Wie habt ihr an "Kassandra" gearbeitet und die Songs geschrieben? Waren zuerst die Texte und habt ihr die "passenden" Songs dazu geschrieben oder umgekehrt?
>> Das ist beinahe eine lustige Sache, wenn die Arbeit an den Songs nicht so unglaublich anstrengend und belastend gewesen wäre, vor allem wenn man das politische Geschehen zu dieser Zeit bedenkt. Eine Platte zu schreiben, die von der Allgegenwärtigkeit des Krieges handelt, und ständig im Fernsehen, in den Magazinen, überall darin bestätigt wird, ohne Möglichkeit mal abzuschalten… es war furchtbar. Matthias hat die Texte fast alle an einem Nachmittag geschrieben, die Melodien haben sich fast logisch daraus ergeben. Arrangiert haben wir die Songs dann im Kollektiv, wobei besonders unser Schlagzeuger Ramin durch seine ungewöhnlichen Rhythmen wichtige und neuartige Impulse beigesteuert hat. <<
Matthias, euer Keyboarder, scheint sowohl Hauptsongwriter als auch der Haupttexter der Band zu sein. Beschränkt sich daher die Rolle der anderen Musiker rein auf die spielerische Umsetzung und das Arrangieren der Songs?
> Dazu sollte man Matthias wörtlich zitieren: "Wenn ich mit einem Song in die Probe gehe, komme ich meist mit einem anderen wieder heraus, der den selben Namen trägt." Es ist Matthias sehr wichtig, dass sich jeder Musiker mit in die Songs einbringt, aber er betrachtet das Schreiben der Stücke als seine eigentliche Aufgabe, das Keyboardspielen könnte seiner Meinung nach auch ein Anderer übernehmen, aber: "Die Bühne macht mir wirklich Spaß." <<
Da Barbara selbst keine Texte schreibt, ist es schwierig für sie sich in die Texte von Matthias einzufühlen und diese zu interpretieren? Hat sie überhaupt einen Einfluß auf die Gestaltung auf der Texte?
>> Die Texte werden mit Barbara abgestimmt, und das, womit sie sich nicht identifizieren kann, muss sie nicht singen. Diese Zusammenarbeit zwischen Matthias und Barbara klappt aber bemerkenswert gut, für sie macht es keinen Unterschied, ob sie selbst oder Matthias einen Song schreibt. <<
Ein weiterer großer Unterschied zu den Vorgängeralben ist die Verwendung deutscher Texte. Warum habt ihr euch von den englischen Texten gelöst? Werdet ihr in Zukunft weiter bei deutschen Texten bleiben oder möchtet ihr euch diesbezüglich alle Optionen offen halten?
>> Die deutschen Texte erklären sich aus der Wichtigkeit, die wir der Aussage dieses Albums beimessen. In der Vergangenheit hat nämlich niemand richtig zugehört, also servieren wir diesmal Unverdauliches in der Muttersprache. Wir möchten uns aber tatsächlich für die Zukunft alles offen halten, unser nächstes Album wird wahrscheinlich ein englisches sein. Es ist bei uns so, dass der Song meist selbst entscheidet, in welcher Sprache er gesungen werden möchte, denn Matthias hat beim Melodiekomponieren meist ein paar Textzeilen im Kopf. Wir können nur hoffen, dass unser Publikum uns diese Freiheit lässt, ohne uns Schlachtrufe wie "Ausverkauf" und "Kommerzmusiker" zuzurufen. <<
In welchem Zusammenhang stehen das lyrische Konzept und das futuristisch und sehr professionell anmutende Artwork des Albums?
>> Das Artwork stammt, wie auch bei beiden Vorgängeralben, von Patrick Mientus. Er hat diese wunderbare Gabe, stets auf Anhieb die Atmosphäre zu schaffen, die uns bei den Songs vorschwebt, manchmal übertrifft er diese sogar. Für "Kassandra" hat er eine kalte, bedrohliche, kriegsbetonte und industrielle Collage geschaffen, die den Grundgefühlen unserer CD, zumindest unserer Meinung nach, völlig entspricht. <<
Im Info zu "Kassandra" heißt es: "Weder wird hier, Marilyn Manson-artig, medienwirksam auf Schock und X-Rating gesetzt, noch wird, im Stile vieler zeitgenössischer Kollegen, simples Gutmenschentum demonstriert, um Kritik an der herrschenden Zuständen zu artikulieren." Daraus ergeben sich eine Reihe von Fragen, a.) nach den Zuständen, die Anubis kritisieren, b.) der Nachvollziehbarkeit der Kritik durch die Fans und c.) der Wahrnehmung dieser Kritik, die durch schockierende Elemente oder "X-Rating" wahrscheinlich sehr viel eher wahrgenommen werden, als durch eine intellektuelle und hintergründige Form, so wie ihr es mit Anubis betreibt.
>> Zunächst, das mit dem "X- Rating" verstehen wir selbst nicht ganz, denn der Text der CD- Beilage stammt nicht von uns, außerdem finden wir Marilyn Manson wirklich gut, wenn wir ihm auch nicht nacheifern, da wir es vorziehen etwas subtiler an die Sachen ranzugehen, die uns am Herzen liegen. In den unterschiedlichsten Formen haben wir schon immer gegen eine hauptsächliche Sache kämpfen wollen, die Gleichgültigkeit, die Ohnmacht unserer Generation gegenüber gesellschaftlichen, politischen und zwischenmenschlichen Zuständen, die im Endeffekt auf Krieg, Hass und die Unterdrückung von Schwachen hinauslaufen. Es geht uns nicht darum, die Weltrevolution auszurufen, es geht uns darum wichtige Themen zu artikulieren, in das Bewusstsein unseres Umfeldes zu rücken. Ganz konkret gesagt werden wir uns in Zukunft mit Frauenrechten und dem Geschlechterkampf beschäftigen. Was das Verständnis unserer "Botschaft" angeht sind wir sehr froh, dass offenbar viele Menschen verstehen, worum es bei "Kassandra" geht. Offenbar spricht es vielen aus dem Herzen, die wie wir an ihrer Ohnmacht leiden, in einer Welt zwischen alten Narben und frischen Wunden in einer Art Narkose liegen und ihre Wut nur noch gegen sich selbst kehren können. <<
Nach vier eigenveröffentlichten Alben und ohne einen Plattenvertrag, wie seht ihr eure Position in der deutschen Gothic Rock-Szene? Seid ihr mit dem, was ihr bislang habt erreichen können, zufrieden?
>> Nein, zufrieden sind wir nicht. Zwar gibt es immer mehr Menschen, denen unsere Musik gefällt, was uns sehr glücklich macht, aber ein Plattenvertrag ist nach unseren Erfahrungen, und wir machen ja nicht erst seit gestern Musik, elementar wichtig, weshalb wir nun auch in Frage kommende Labels kontaktiert haben. Auf der anderen Seite wäre Zufriedenheit in unserem Sinne auch eine fatale Eigenschaft, denn unsere Musik entsteht ja gerade aus unserer Wut, unserer Verzweiflung und auch aus unserem Selbstzweifel. Vielleicht wären wir als glückliche Rockstars völlig langweilig. Aber wir wollen schon noch mehr erreichen, haben noch viel vor. <<
Gab es bereits Anfragen von Plattenfirmen für eine mögliche Vertragsunterzeichnung? Warum habt ihr diese abgelehnt bzw. warum sind keine Verträge zustande gekommen?
>> Plattenfirmen scheinen etwas ängstlich zu sein. Ich will jetzt nichts Böses sagen, aber etwas mehr Mut könnten gerade die Undergroundlabels an den Tag legen. Fairerweise muss gesagt werden, dass kleine Labels gerade heutzutage finanziell am Abgrund stehen und dann lieber mit ihren Neuunterzeichnungen auf Nummer sicher zu gehen. Anubis ist halt eine völlig individuelle Band, und sicherlich keine leichtverdauliche Neoromantik-Schlagerkapelle. Aber wenn die erst mal merken, dass wir auch unsere Zuhörer haben, werden sie sich wohl mal einen Ruck geben. <<
Es ist aber nicht so, dass ihr eure künstlerische Freiheit bewußt dem Diktat der Plattenindustrie opfert, um so weiterhin die volle Kontrolle über Musik und Artwork zu haben um gleichzeitig in Kauf zu nehmen, vielleicht doch nicht den ganz großen Erfolg zu haben?
>> Nun ja, der ganz große Erfolg wird´s sowieso nicht. Ist auch gut so, denn dann kommt ja zu neunundneunzig Prozent der ganz große Abstieg. Wir wollen Underground sein, und suchen natürlich ein Label, das zwar mitredet und sich einmischt, uns aber keine Schublade wie "Leid, Verfall und Endlosigkeit" aufdrückt. Wir versuchen unser zukünftiges Label ja nicht als Gegner sondern als Partner anzusehen. Da gibt es auch viele Idealisten, die nicht nur aufs Geld schauen. Was nicht heißen soll, dass ich uns nicht zutraue gut Geld verdienen zu können. <<
Wie sieht es in der Zukunft mit geplanten Konzerten, vielleicht auch mal im Ruhrgebiet, aus?
> Zur Zeit sind einige Konzerte geplant, am 03.08 spielen wir in Leipzig (mit Stolzes Herz et. al.), am 26.10 spielen wir in Hanau (mit Ashes You Leave), und demnächst ist für Bonn ein Konzert mit unseren guten Freunden Anubiz geplant, wobei allerdings noch kein Datum feststeht. <<
http://www.world-of-anubis.de
Michael Kuhlen


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