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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CASTLE ROCK, ....

CASTLE ROCK, Mülheim „Schloss Broich“, 04.-05.06.2010
Mülheim „Schloss Broich“

04.-05.06.2010
Zum elften Mal fand in Mülheim diesem Jahr das „Castle Rock“-Festival im Schloss Broich statt. Wie bereits im Vorjahr gaben sich auch in diesem Jahr an zwei Tagen die Bands die Klinke in die Hand, wobei man von Seiten des Veranstalters Michael Bohnes ganz bewusst auf die ganz grossen Namen verzichtete. Im Endeffekt ein richtiger Entschluss, denn das Programm war mit Bands wie u.a. DIARY OF DREAMS, EISBRECHER und LETZTE INSTANZ mehr als ausgewogen, so dass auch dieses Jahr der Burghof gut bevölkert war, und zwar an beiden Tagen. Konzeptionell ist das „Castle Rock“ sich ebenfalls treu geblieben. Warum etwas so Bewährtes auch ändern? Freundliche Getränke- und Essenpreise, eine nette und hilfsbereite Security, eine gut eingespielte Crew und vor allem die nach wie vor unvergleichliche Atmosphäre des Burghofes, da ist es eigentlich fast schon Nebensache, welche Bands auftreten. Und verglichen mit anderen Festivals ist auch der Eintrittspreis beim „Castle Rock“ noch immer absolut akzeptabel. Wichtiger aber, man kann sich wirklich auf die Bands konzentrieren und muss nicht von einer Bühne zur nächsten hecheln, immer mit der Angst im Nacken, man könnte was verpassen. Dass manche der Auftritte in diesem Jahr leider durchwachsen waren, dafür kann der Veranstalter nichts. Dann mal ran an die Einzelkritik …

Freitag, 04.06.2010

THE FLAW eröffneten das „Castle Rock“ am frühen Abend mit goth-metallischen Klängen, wobei man stilistisch im Prinzip nichts wirklich Neues bieten konnte. Solide, düster eingefärbte Songs, solide Performance, nur Sängerin Alexandra Leu konnte mit ihrem überragenden und einfühlsamen Gesang Akzente setzen, hebt sie sich doch deutlich von ihren Kolleginnen ab, indem sie eben nicht auf mittlerweile tausendmal gehörtes Elfengeträller der Marke Nightwish oder Within Temptation setzt, sondern schön rockig und erdig zu werke geht. Unter dem Strich kommt dies natürlich auch der Band wieder zugute, doch Nachhaltigkeit erzielt man eben nicht alleine durch eine gute Sängerin, sondern gute Songs. In diesem Punkt müssen THE FLAW sicher noch an sich arbeiten. Ein guter Auftakt für das Festival, aber keiner, an den man sich im nächsten Jahr noch erinnern würde.
Die nun folgenden HEIMATAERDE verwandelten die Bühne dann erst einmal in ein historisches Schlachtfeld indem sie Reitersperren aufbauten, liessen es mit ihrer Mixtur aus Electro, Metalgitarren und mittelalterlichen Klängen in Form von Dudelsack und Flöte auch ordentlich krachen, unter dem Strich erinnerte der Auftritt der Band in Kreuzrittermontur aber doch eher an ein überdimensionales Kasperle-Theater ohne musikalische Substanz und Tiefgang. Dem Publikum gefiel es, die Leute tanzten von der ersten Sekunde an begeistert mit und für die Optik haben HEIMATAERDE in ihren Rüstungen und mit den künstlichen Narben im Gesicht sicherlich auch einiges zu bieten, nur künstlerisch Wertvolles darf man von der Band ganz sicher nicht erwarten. Dafür sind die Songs einfach zu reissbrettartig konstruiert und die Texte viel zu oberflächlich. Ein oder zwei Songs mögen HEIMATAERDE kritische Beobachter sicherlich fesseln können, dann aber hat man alles gesehen und wendet sich lieber anderen Dingen zu.
MEGAHERZ, als exponierter und mit einer der dienstältesten Vertreter der „Neuen Deutschen Härte“ sind da von ganz anderem Kaliber, auch wenn sich, wie auch bei den nachfolgenden EISBRECHER(n), die RAMMSTEIN-Einflüsse kaum verleugnen lassen. Die Band agierte von der ersten bis zur letzten Sekunde unglaublich spielfreudig und druckvoll, und auch ex-Sänger Alexx, der den Auftritt seiner ehemaligen Band von der Burg aus verfolgte, war von der engagierten Performance der Band sichtlich angetan. Songs wie „Miststück“, „Heuchler“ oder „Glas und Tränen“ wurden kraftvoll dargeboten und das Publikum war dementsprechend von der engagierten Show der MEGAHERZen absolut angetan. Ob EISBRECHER da noch einen würden draufsetzen konnen?
Um es vorweg zu nehmen, sie konnten, und zwar leicht und locker. Bei strahlendem Sonnenschein betraten die Münchener zunächst in warmen Winterklamotten mit Pelzbesatz die Bühne, bevor sie sich beim zweiten Stück der Sachen entledigten und den Burghof in ein Tollhaus verwandelten. Sänger Alexx, immer mit einem flockigen Spruch auf den Lippen, disste gerne mal in Richtung Adel, verwies alle Differenzen zu seiner ehemaligen Band in das Reich der Fabeln und machte bei Tracks wie „Schwarze Witwe“ oder „Böse Mädchen“ klar, dass er zu den besten Frontleuten in Deutschland zählt. Auf ein „Auch wir können Schlager …“ folgte „Ohne Dich“ bevor man mit der Coverversion von „Tränen lügen nicht“ und einem kleinen Intermezzo von Lenas „Satellite“ auch den letzten Zweifler von sich überzeugen konnte. Nach einem schon erstklassigen Auftritt 2009 untermauerten EISBRECHER ihre Klasse und rechtfertigen ihren Headlinerstatus für diesen Freitagabend.
Samstag, 05.06.2010

Gespannt war ich auf EDEN WEINT IM GRAB, die mit ihrem letzten Album „Der Herbst des Einsamen“ und der Vertonung von Gedichten Trakls positiv auf sich aufmerksam machen konnten, doch was folgte war eine einzige Enttäuschung. Keine Spur von dem innovativen und beinahe nihilistischen Charakter, der für dieses Album zu maßgebend war, sondern stumpfer, musikalisch holpriger und vollkommen uninspirierter Black Metal für die Krabbelgruppe der nahe gelegenen KITA. So hielt sich der Zuspruch um die Band des „“Zillo“-Redakteurs Sascha Blach auch in überschaubaren Grenzen. EDEN WEINT IM GRAB waren für mich die mit Abstand schlechteste Band seit Jahren auf dem „Castle Rock“.
Die Krefelder SEELENZORN warteten gleich mit drei Sängern auf, was nicht nur ein breites stimmliches Spektrum bedeutete, sondern musikalisch auch sehr viel Raum bot, den die Band gut zu nützen wusste. Und zwar nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch von ihrem Auftreten auf der Bühne her. Mit ihrer Mischung aus traditionellen Goth-Sounds, Gothic Metal und Electro konnten SEELENZORN die Fans schnell für sich begeistern und es wurde deutlich, dass die Band die emotionelle Klaviatur bestens beherrscht. Dass SEELENZORN und die einzelnen Musiker der Band zudem über etliche Jahre an Bühnenerfahrung, zum Teil sogar in professionell agierenden Bands, verfügen war kein sicher kein Nachteil für den Auftritt. Sehr beeindruckende Show.
THE VISION BLEAK kamen erst auf den letzten Drücker in Mülheim an und mussten quasi sofort auf die Bühne. Ob dies Ursache für den schlechten Auftritt der Band war? Gothic Metal bringt man normalerweise mit Emotionen und leidenschaftlicher Hingabe in Verbindung, doch nichts davon war an diesem Nachmittag davon zu spüren. Das Auftreten der Band war so seelenlos wie ihre Songs und auf der Bühne wirken THE VISION BLEAK noch immer inhomogen. Während Sänger Konstanz und Gitarrist Schwadorf auch auf der Bühne das Konzept und das Image der Band verkörpern, wirken der Bassist und der zweite Gitarrist als ob sie eher in einer Death Metal-Band spielen würden. Musikalisch und spielerisch müssen THE VISION BLEAK sich nichts vorwerfen zu lassen und für ein Grossteil der Fans mag der routinemässige Auftritt auch in Ordnung gewesen sein, für eine Band, deren Musiker aber live schon so lange aktiv sind war dieser Auftritt viel zu wenig.
KRYPTERIA zeigten nun, wie es geht. Zugegeben, bislang habe ich die Kölner immer als gut gehypte Gothic Metal-Kapelle mit hübscher Sängerin wahrgenommen, doch dieser Auftritt belehrte mich eindeutig eines besseren. Sängerin Jo-In Cho verkörpert den sanften Engel genauso gut wie das kleine Teufelchen, und zwar nicht nur durch ihre Bühnenklamotten, sondern verfügt über ein ausdrucksstarke und kraftvolle Stimme, die man dieser zarten Person auf den ersten Blick gar nicht zutrauen würde. Dahinter agiert eine arschtighte Band, die auch den krankheitsbedingten Ausfall ihres etatmässigen Gitarristen leicht und locker wegsteckt und stets die Nähe zum Publikum sucht. Natürlich konzentriert sich die Aufmerksamkeit des Publikums zumeist auf Jo-In Cho, doch wo bei vielen anderen Bands in dieser Besetzungskonstellation schnell der Eindruck einer bezahlten Backing-Band entsteht, präsentieren sich KRYPTERA als wirkliche Einheit. Für mich die mit Abstand grösste Überraschung des Festivals.
Auch MONO INC. waren bereits im Jahr davor zugegen, konnten durch einen viel umjubelten Auftritt aber die erneute Fahrkarte für einen Auftritt beim „Castler Rock“ lösen. Und auch 2010 überzeugten MONO INC. alleine durch ihre Musik und ihr sympathisches Auftreten. Die Hamburger sind eine Band ohne Allüren, ohne Image und doch der beste Beweis dafür, dass in Zeiten von Casting-Bands und mannigfaltigen Image-Overkills manchmal einfach „nur“ die Musik zählt. Sänger Martin Engler ist optisch sicher der geborene Anti-Star, doch die Art und Weise, wie er mit dem Publikum kommuniziert, wie aufgedreht die ganze Breite (und Tiefe) der Bühne nutzt und dabei so ganz nebenbei noch jeden Ton trifft nötigt einfach Respekt ab. Zudem wirkt der Typ, wie der Rest der Band auch, auf der Bühne einfach nur kumpelhaft und mega-sympathisch. MONO INC. sind endlich wieder eine Band, die sich alleine durch ihr Auftreten eine treue Fanbasis aufgebaut hat, und nicht durch grosse Werbebudgets und Image-Kampagnen. Mehr von Bands dieser Art würden der Musikszene im Allgemeinen wirklich gut tun.
Meine Güte, der letzte Auftritt von DIARY OF DREAMS in Mülheim beim „Castle Rock“ liegt satte sechs Jahre zurück und wie haben sich die Zeiten geändert. Die Band um Adrian Hates präsentiert sich durch die mittlerweile gewonnene Erfahrung unglaublich gereift und auch, wenn vielleicht etwas von der Mystik vergangener Tage auf der Strecke geblieben ist, die Performance der mittlerweile als wirkliche Rock-Band agierenden Formation ist brillant und zählt mit zum Besten was derzeit in Deutschland die Bühnenbretter unsicher macht. Leider ohne Torben Wendt, der noch beim Auftritt auf dem „Wave Gotik Treffen“ wenige Wochen zuvor dabei war, dafür aber wieder mit Keyboarderin Leandra (Jesus on Extasy), führten Adrian Hates und sein kongenialer Counterpart und Gitarrist Gaun:A durch ein spannungsgeladenes „Best Of“-Programm, dessen absoluter Höhepunkt einmal mehr das mitreissende „Traumtänzer“ war, bei dem das Publikum sangestechnisch mit einbezogen wurde und Emotionen freigesetzt wurden, wie bei keiner anderen Band dieses Wochenendes.

Damit schliesst unsere Berichterstattung vom diesjährigen „Castle Rock“, da wir aufgrund privater Verpflichtungen dem Auftritt der LETZTEN INSTANZ leider nicht mehr beiwohnen konnten. Das nächste „Castle Rock“ findet, wieder über zwei Tage, am 01. und 02. Juli 2011 statt, und wenn ich persönlich mal einen Wunsch äussern dürfte: ROSA CRUX aus Frankreich. Bis dahin …
Michael Kuhlen - Pics: Michael Kuhlen


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