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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CHINCHILLA

CHINCHILLA
Eine Zeitreise in die Euphorie der Achtziger Jahre
Schon oft habe ich über diesen Bandnamen geschmunzelt. Es ist auch nicht leicht, eine Band mit solch blödem Tiernamen gut zu finden. Gitarrist Udo Gerstenmeyer gab jedoch ein gutes Beispiel positiver Argumente, die diese Namenswahl rechtfertigen. Seit Jahren unterwegs gab es ein erstes Lebenszeichen als man 1994 mit dem ex-Letter X Vokalakrobaten Martin Obermeier eine erfolgreiche Mini-CD veröffentlichte. 1996 spielten die Jungs „Horrorscope“ ein, doch die Veröffentlichung in Germany liess zwei Jahre auf sich warten. Es wurde ein Sängerwechsel vollzogen und Thomas Laasch gehörte fortan zur Truppe, die sich erst mal ordentlich den Allerwertesten abspielte. Als im Jahre 2000 Metal Blade die Truppe unter ihre Fittiche nahm, enterte man das Studio mit Achim Köhler und brachte „Madness“ heraus. Das bescherte den Musikern den Spot im Vorprogramm von Paul Di Anno und einen Wacken-Gig. Nahtlos schließt man jetzt mit „The Last Millennium“ an und kann mit der Scheibe ordentlich einheizen.
Gleich die unangenehmste Frage vorweg. Wieso nennt sich eine Band Chinchilla?
>> Ach, weißt du, es gibt hunderte neuer Bands jeden Monat. Sich da einen vernünftigen Namen auszudenken, den noch keiner in Anspruch genommen hat, ist nicht ganz einfach. Zudem hören sich viele Namen extrem gleich an, und wenn du es genau nimmst, dann sage mir mal was „Tief Violett“ oder „Rollende Steine“ mit Rock zu tun haben? Wir hätten uns auch Gerstenmeyer nennen können, so wie die Van Halen-Brüder ihren Nachnamen genommen haben. Chinchillas sind einfach süße kleine Tiere, die einen Haufen Bockmist bauen, aber vorwiegend für irgendeinen Scheiß gezüchtet werden. Sie enden für reiche Tussen als Mäntel. Du hast hier gleich eine Symbiose: auf der einen Seite hast du dieses edle Tier, auf der anderen Seite hast du den Tod. Es war für uns einfach eine Assoziation, so wie schwarz und weiß, böse und gut, oder Gott und Teufel. Ich finde den Namen einfach edel. Und wenn sich die Leute den Namen merken, weil sie ihn nicht mögen oder sich sonst wie mit ihm auseinandersetzen, habe ich schon gewonnen. Du hast dir den Namen ja auch gemerkt. <<
Ich darf keine Namen vergessen, sonst kriegt mein Chef einen Herzinfarkt. Ihr habt euch, wie viele andere Bands auch, diesmal für ein Luis Royo-Cover entschieden. War das eure Entscheidung oder spricht da noch das Label ein Wörtchen mit?
>> Ich habe das Cover ausgesucht. Es beschreibt einfach die Texte ganz gut. Bei „The Last Millennium“ geht es halt um die Schwächen der Menschheit, um die Macht- und Geldgier. Eben die ganzen negativen Eigenschaften, wo Menschen, wie bei Goethe’s „Faust“, für irgendwelchen Schwachsinn, den sie im Leben erreichen wollen, ihre Seele verkaufen. Der Engel auf dem Cover hat zerrissene Flügel, ist blutüberströmt und trägt eine Kette am Hals. Das passt sehr gut. Deswegen haben wir hinten auf der CD den Gevatter Tod abgedruckt, wie er mit seinen ganzen Plagen auf die Erde herunter kommt. Das ist aber aus einer alten Bibel aus dem 16. Jahrhundert. Das ganze Booklet besteht aus solchen Kupferstichen. <<
Hätte man bei dieser Aussagekraft der Texte nicht auf ein Konzeptalbum hin arbeiten können?
>> Das war am Anfang so geplant. Das Thema hat mich zwar sehr gereizt, aber ich habe es einfach nicht hinbekommen. Ich hatte zu viel Zeitdruck. Das komische an der ganzen Sache ist, dass es hinterher doch eine Art Konzeptalbum geworden ist. Die Story hat durchaus einen roten Faden. Es handelt sich im Grunde primär um eine Person, Regierung oder Illuminaten, von denen die Leute zu irgendetwas gezwungen werden. Die Leute entscheiden sich auf dieser Ebene immer für die negative Seite. <<
Erzähl doch mal etwas über das Thema „Illuminaten“, da ich nicht glaube, dass jedem Leser bewusst ist, warum viele Bands dieses Thema aufgreifen?
>> Das ist ein Kreis von Leuten, die sich als Geheimbund zusammengetan haben. Diese Leute beschäftigen sich damit, die Fäden in der Welt zu ziehen, Regierungen zu manipulieren und mit Geld alle ihre Ziele zu regulieren. Das Problem bei der ganzen Geschichte ist, wenn du nur zehn Prozent von dem glaubst, was geschrieben steht, dann ist es sehr erschreckend, was um uns herum passiert. Es werden durchaus geschichtliche Züge und Geschehnisse klar, warum und vor allem wie so einiges vonstatten ging. Auch in der heutigen Zeit wird klar, warum verschiedene Ereignisse stattfinden. Es geht darum, wie Geld und Banken die Weltherrschaft übernehmen. Politiker werden zu Marionetten erklärt. Halt wie alles weltweit verschwörerisch verknüpft ist. Einer der Autoren, der unter dem Pseudonym von Helsing schreibt, beteuert, wie gefährlich das Veröffentlichen seiner Bücher ist und das man ihm schon nach dem Leben trachtet. <<
Kompliment zu eurer Coverversion von Thin Lizzy’s “The Boys Are Back In Town”. Die ist sogar besser als die von Bon Jovi. Zumindest habt ihr keinen alten Disco-Song umgemodelt.
>> Wir haben mehrere Coversongs in unserem Repertoire. Der eine ist „Headless Cross“, an dem man aber nichts verbessern kann. Dann spielen wir noch „Edge Of Thorns“ von Savatage, an dem man aber auch nicht viel rumbasteln kann. Von DIO spielen wir „Rainbow In The Dark“, den wir auch so lassen wollten. Blieb also nur „The Boys Are Back In Town”. Dazu habe ich die Keyboards komplett neu geschrieben, dann haben wir noch Gitarren ergänzt, so wie ich das damals gemacht hätte und haben ein paar Power-Metal-Breaks reingepackt, so dass es richtig rumpelt. <<
Hier zeigt sich auch, welch Poser-Stimme euer Sänger Thomas auffahren kann. Ein kleiner verkappter Poser, wie?
>> Haha, aber es passt doch, oder? Deswegen denke ich, dass das ganz in Ordnung ist. <<
Wie war die Tour mit Demon?
>> Die Tour ist seit über eine Woche zu Ende. Die Jungs sind echt geile Typen und wir sind blendend mit ihnen ausgekommen. Was uns ein bisschen traurig stimmte, war die recht bescheidene Zuschauerzahl. Wir hatten viele Probleme. In Bochum zum Beispiel sollten wir erst in der Matrix spielen. Dann gab es Probleme mit dem Besitzer, der irgendetwas umgebaut hat, so dass wir in der Zeche auftreten mussten und zuguterletzt hat dann ein Radiosender in der Stadt behauptet, dass der Gig ganz gecancelt sei, da er nicht in der Matrix stattfand. Aber die Jungs samt Manager und die Boys von Tad Morose waren echt super. Wir waren einundzwanzig Mann auf einem Nightliner. Wir sind eben nicht in den Bus eingestiegen, Abfahrt und dann Palaver die ganze Nacht. Das hielt sich alles in Grenzen. Jeder hat auf den Anderen Rücksicht genommen. <<
Lernt man denn noch etwas von den alten Bands, wenn man mit ihnen unterwegs ist, oder ist das nur Gerede?
>> Ich denke, dass du den falschen fragst, denn wir haben ca. 300 bis 350 Live-Gigs hinter uns. Das erste Mal, das wir was gelernt haben, war auf der Europatour mit Vanden Plas. Die Jungs waren fit und das ganze Drumherum war völlig neu. Aber so kurze Touren, das ist immer das Gleiche. Du gehst auf die Bühne, gibst dein Bestes und Tschüss. <<
Ist Achim Köhler euer sechstes Mitglied, oder wieso seid ihr so miteinander verbunden?
>> Achim ist ein guter Freund von uns. Bei unseren ersten Scheibe hatte unser alter Produzent einen Sound aufgefahren, den er bei „Horrorscope“ von 1997 nicht mehr hinbekam. Wir hatten echt Probleme überhaupt annähernd den Klang zu erreichen. Deswegen haben wir Achim gefragt. Wir waren überhaupt die erste Band, die in Winterbach ein Metal-Album aufgenommen hat. Vor Primal Fear, sogar! Diesmal hat der Achim aber noch jemanden mit ins Boot genommen. Das war der Ingmar Schenzel. Mit ihm haben wir diesmal produziert und Achim hat den Mix gemacht. Das Studio ist mittlerweile ziemlich ausgebucht. Du weißt ja selber welche Größen dort auftauchen. <<
Klar, etliches landet hier in meinem Player. Es ist auch schön zu sehen, dass die Szene der Produzenten in Deutschland sich etabliert hat. Früher hat man immer davon geträumt in Amerika bei Michael Wagener aufzunehmen oder in Kanada in den „Little Mountain“-Studios mit Bruce Fairbairn, Bob Rock oder Bob Clearmountain. Zumindest aber in Hilversum, haha. Heute setzen Achim Köhler, Piet Sielk oder Dennis Ward von Pink Cream 69 in Deutschland neue Zeichen.
>> Die Studios hatten wir damals auch hier, aber die Namen nicht. Wir hatten hier nicht diese Produzentengrößen. Damit hat sich hier keiner abgegeben. Ein Michael Wagener hätte sich bestimmt nicht um unsere Belange gekümmert. Achim stellt sich hin und sagt, dass er zwar Primal Fear, die an die 120.000 Einheiten absetzen, produziert, aber er greift auch weiterhin auf uns und andere kleine Bands zurück. <<
Was war das aufregendste Ereignis letztes Jahr, und warum?
>> Derer gab es gleich zwei. Das Beste war wohl in Wacken zu spielen, wo wir auf der Wet-Stage auftraten. Als die Band vor uns aufhörte und wir reinkamen, verließen alle Leute das Zelt. Wir haben erst mal Wetten abgeschlossen, wie viele wieder reinkommen würden. Aber du hättest erst mal unsere Gesichter sehen sollen. Im Schnitt lagen die gewetteten Zahlen zwischen sechzig uns achtzig Leuten. Wir haben einfach nicht damit gerechnet, dass viele Zuschauer eigentlich auf Chinchilla gewartet haben. Sie sind sich nur was zu trinken holen gegangen und fünf Minuten vor Anfang war das Zelt wieder rappelvoll. Die Leute haben die Texte mitgesungen und es herrschte eine geile Stimmung. Das zweite war die Frankreich-Tour. Die Tour mit Vanden Plas war deswegen ein solcher Erfolg, da bei den Franzosen der Metal ungefähr so angesagt ist, wie bei uns in der Achtzigern. Das war schon bedeutend, da es mir wie eine Zeitreise vorkam. Die Euphorie täte unseren Fans auch ganz gut. <<
Ist auf dem deutschen Markt genug Platz für Chinchilla, oder gibt es zur Zeit nur eine Phase, die ihr genießt?
>> Wir sind sicherlich keine Eintagsfliege, da wir kein gepushtes Produkt sind. Wir spielen uns live den Arsch ab. Wir geben unseren Fans eine ganze Menge. Wir haben ein stabiles und gutes Bandfundament. So schnell kriegt man uns nicht mehr weg. Wir haben jetzt die zweite Scheibe für Metal Blade gemacht und davor eine wichtige CD, und das ist doch schon was. Laut Verkaufszahlen stehen wir sowieso ganz gut dar. Das haben wir uns lang genug erkämpft. <<
Inwieweit ist Chinchilla deine Lieblingsmusik und was würdest du musikalisch sonst noch gerne machen?
>> Die Frage was ich gerne machen würde, stellt sich mir nicht, da ich genau das mache was ich will. Da ich der Hauptkomponist, Texter, Manager und Booker von Chinchilla bin...eigentlich bin ich alles von dieser Band. <<
Na, solange du nicht Groupie dieser Bands bist, geht es noch.
>> Haha. Das ginge dann zu weit, zumal ich Groupies nichts abgewinnen kann. <<

http://www.chinchilla.rocks.de
Steve Burdelak


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