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MAGAZIN :: Index: 'A' :: ANGEL DUST

ANGEL DUST
Mit neuer Besetzung und neuem Album, auf den Bühnen Amerikas
Angel Dust gehören zu den wenigen Bands, die nach ihrer Wiederbelebung von Erfolg gekrönt wurden. Ein schwieriges Unterfangen, an denen die meisten gestrigen Truppen verzweifeln. Doch die Jungs um den charismatischen Shouter Dirk Thurisch, der es sich nicht nehmen ließ, den obligatorischen Interview-Abend zur Zwei-Mann-Party umzugestalten, wandelte die Band völlig um, was die Musik und die Thematik der Texte betrifft. Der Gewinn einer stetig wachsenden Fangemeinde und steigende Verkaufszahlen ihrer Alben bestätigen den richtig eingeschlagenen Weg. Fesselnde Hooklines und der Ohrwurm-Charakter des Gesangs bannen den Zuhörer an die Boxen. Aber nichts geschieht ohne eine Menge Arbeit zu investieren, und so beackern die fünf Mucker aus dem Ruhrgebiet seit Jahren jede Bühne und nehmen jede Tournee wahr, die ihnen angeboten wird, um dem Publikum ihre Hauptstärke zu beweisen. Dass man in Resteuropa Anklang fand, war abzusehen, aber das selbst die Amis hellhörig wurden, sorgte schon für ein breites Honigkuchengrinsen in den Gesichtern der Band.
Fangen wir mal mit einem unangenehmen Thema an. Vor einiger Zeit gab es etwas Unruhe im Lager von Angel Dust. Drummer Assi stieg aus, nur um nach kurzer Zeit wieder die Reihen zu schließen. Anschließend verließ Gitarrist Bernd Aufermann die Truppe. Was war passiert?
>> Eigentlich war es so, dass Assi und Bernd Stress miteinander hatten. Bernd fing irgendwann mit „Mobbing“ an. Bernd wollte noch aktiver mit der Band werden, während Assi aufgrund privater Sachen tierisch beschäftigt war. Irgendwann hatte Assi genug und strich die Segel. Dann bekam Bernd plötzlich seinen Höhenflug. Er wollte zum Beispiel nur die Hälfte der vorliegenden US-Tour bestreiten um sich auch um seine anderen Sachen kümmern zu können. Wir drängten ihn zur Entscheidung und unser Basser Banx wurde echt knatschig. Der große Knall war nicht mehr aufzuhalten. Zumal es früher auch schon kleinere Schwierigkeiten gab. Bernd entschloss sich die Tour nicht mitzumachen, aber wir mussten das Ganze trotzdem durchziehen. <<
Und so kam Gitarrist Ritchie Wilkison ins Spiel.
>> Genau. Wir kannten ihn als Saitenvirtuose von Demons and Wizards, mit denen wir mal eine Show gespielt haben. Zwischenzeitlich haben die Jungs auch bei uns geprobt. Dann trat Carsten Otterbach, der Manager von Iced Earth an uns ran, der auch für Demons and Wizards zuständig war, und empfahl uns Ritchie. Ritchie kommt aus Chicago und wir schickten ihm die Aufnahmen zu, so dass er sich vorbereiten konnte. Er mochte unseren Sound und hatte richtig Bock darauf. Wir hatten nur eine Probe zusammen und es klappte auf Anhieb. Es war, als hätten wir schon zehn Jahre miteinander gezockt. Er hat auch die zweite Gesangsstimme übernommen. <<
Wohnt Ritchie mittlerweile in Deutschland?
>> Nein. Er kommt nur rüber, wenn wir Konzerte spielen. Aber er bleibt Mitglied der Band. Er passt als Mensch und Gitarrist einfach gut zu uns. <<
Wie viel Einfluss hatte Ritchie auf die Kompositionen der aktuellen Scheibe?
>> Nun ja, er hat drei der Songs geschrieben. Zwei alleine und beim dritten hatte er die Hälfte fertig. Den Rest haben wir zusammen verfasst. Für den Rest sind Steve und ich verantwortlich. Wir haben diesmal sehr zügig gearbeitet und haben die Texte in drei Tagen geschrieben. Dann haben wir uns die Proberaumaufnahmen angehört, wo ich nur Kauderwelsch gesungen habe. Du kennst das ja. <<
Ich habe es immer englisches Chinesisch genannt!
>> Haha, genau. Aber so manche Zeile, gerade bei den Refrains, waren schon ganz brauchbar. Nebenbei haben wir natürlich das eine oder andere Bier gekillt. <<
Ja, so kennen wir dich. In wieweit ist die Arbeit mit Ritchie anders als mit dem Bernd?
>> Sie ist wesentlich schneller und deutlich mehr aus dem Bauch heraus. Wir wollten halt mal eine Platte machen, die ein bisschen „straighter“, mehr geradeaus geht. Bernd hatte immer noch tausend kleine Wünsche, um die Kompositionen raffinierter klingen zu lassen. Schlichter aber mit mehr Groove. Das einzige, was mehr heraussticht, sind die Keyboards. <<
Was waren, neben der Bandfluktuation, die prägnantesten Ereignisse nach dem Release von „Enlighten The Darkness“?
>> Das wichtigste war die US-Tour, damit rechnet nicht gleich jede Band. <<
In knapp fünf Jahren habt ihr vier Alben auf den Markt gebracht und seid ständig auf der Bühne. Was bleibt auf der Strecke?
>> Es geht ganz klar eine Menge der privaten Freizeit drauf. Ich bin aber der Meinung, von Nichts kommt Nichts. Ich bin auch nicht der Typ, der drei Wochen am Strand liegt. Das gelingt mit höchstens zwei Tage und dann muss ich wieder aktiv werden. Im Gegensatz zu meiner Freundin, die sich stundenlang grillt. Mich stört die viele Arbeit nicht. Es sind halt Phasen, die man einfach durchzieht. <<
Geht ihr denn noch nebenbei arbeiten?
>> Na klar, noch reicht es nicht (lacht). Das hat aber auch seinen Vorteil, denn wir sind echt auf dem Teppich geblieben. Wir können jeden Stufe des Erfolgs einzeln nehmen, als wenn man jetzt ganz plötzlich nach oben schießt. <<
Wenn man das jetzt nüchtern betrachtet, dann seid ihr für deutsche Verhältnisse als heimische Band doch relativ populär. Immer die besten Kritiken, regelmäßige
Albenveröffentlichungen und ständige Auftritte. Wie sieht das denn präzise aus, um auch kleinen Bands hier mal einen Eindruck zu verschaffen?
>> Gemessen an den Verkaufszahlen der Alben, muss ich zugeben, dass uns der amerikanische Markt in der letzten Zeit mehr zugetan ist. In den USA verkaufen wir mehr Scheiben als in unserer Heimat. Ich weiß nicht, woran das liegt. Vielleicht braucht man hier noch eine Helloween-Kopie mehr. Deutschland ist eben ziemlich verwöhnt. Hier spielt jeden Tag an jeder Ecke eine Band. In Griechenland sind wir auch ziemlich erfolgreich. Da sind die Leute auch schon ganz anders drauf. Bei uns gehen die Leute oft nicht zum Konzert um Spaß zu haben, sondern sie mimen die Musikerpolizei und gucken, welche Anlage du benutzt oder welche Klampfe einer spielt. Aber so ist das eben. An Alben haben wir von der letzten so ca. achttausend Stück abgesetzt. In den Staaten liegen wir um die zwölftausend abgesetzten Einheiten. <<
Eigentlich komisch, oder? Die Bands kommen aus den Staaten hier rüber, weil dort die tote Hose regiert, und ihr setzt mal eben für eine fünfwöchige Tour über den Teich.
>> Die Tour mit Nevermore in Amerika war geil. Die Leute drüben feiern richtig. Warum gerade wir den Erfolg da drüben ernten kann ich dir nicht sagen. <<
Euer aktuelles Album „Of Human Bondage“ hätte ich vom Stil her eher nach „Bleed“ erwartet, da es wesentlich eingängiger als „Enlighten The Darkness“ ist und wesentlich bessere melodischere Hooklines aufweist. Die Stampfer, mit denen die Band nach der Reunion bekannt geworden ist, sind wieder da. Woher kommt dieser Sinneswandel, wo du doch im letzten Interview behauptet hast, das ihr eine andere Variante weiterverfolgen wollt?
>> Die neue Scheibe hat schon eine düstere Gesamtstimmung. Was die Hooklines betrifft, so denke ich mir jetzt nicht akribisch irgendwelche Parts aus. Das kommt aus dem Bauch heraus. Wir nutzten halt die frischen Ideen. Das eliminiert die Frickel-Phasen. Natürlich wird schon einiges überarbeitet. Die letzte Scheibe stand eben noch voll unter dem Einfluss vom Bernd, der die Band in eine etwas andere Richtung bringen wollte. <<
Welche Erfahrungen habt ihr in Amerika gemacht? Erzähl mal eine lustige Anekdote in Bezug auf die Gigs.
>> Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Ami-Bands bei uns so gerne auftreten, da sie hier den Arsch hinterher getragen bekommen. Denen wird ein Nightliner gestellt, wenn sie in der jeweiligen Halle angekommen sind, steht schon das Catering vor Ort, die Roadies bauen schon mal alles auf, während die Band sich mit frischen Handtüchern in die Dusche begibt. In den Staaten geht es echt erdiger ab. Da drückt man dir eine Tüte Chips in die Hand und ein paar Mäuse für Getränke und das war es dann. Man muss sich um Vieles noch selber kümmern, bevor es auf die Bühne geht. Du kannst nicht erwarten, dass dort jemand parat steht, der dein Equipment aus dem Bus karrt. Aber man hat ja den ganzen Tag Zeit. Wir haben uns mit den anderen Bands ganz gut ergänzt und nur teilweise die eigenen Sachen benutzt. Und da wir eh kaum einen Soundcheck bekamen, gingen wir auf Erkundungstour in die jeweilige City. Wenn wir dann anfangen gibt es einen kurzen Linecheck und nach zwei, drei Songs sitzt dann alles. Du hast meistens den Hausgeist an den Reglern und die Jungs sind fit. Die kennen ihre Clubs ganz genau. Eine schöne Sache, die mir in Erinnerung geblieben ist, war als ich mit einem Riesenhunger in eine Burgerbude ging. Da gab es gleich nur Medium-, XL- und XXL-Größen für die Hamburger. Klein gibt es in Amerika einfach gar nicht. Das ist echt crazy. Als ich Mayonnaise für die Pommes haben wollte, traf mich ein stupider Blick. Nachdem mein Wunsch geklärt war, kramte die Bedienung in der hintersten Ecke die Mayonnaise raus. Das essen die drüben nicht zu den Pommes. Die sind voll seltsam. Dann wollte ich noch eine Cola. Hatten die auch nur in Medium. Da denkst du, die kommt jetzt mit einem 0,4 Liter Becher an. Ja scheiße, das war ein 250 Liter Eimer, haha. Das war echt geil. Was echt danebenging, war die Fahrerei zu den einzelnen Auftritten. Manchmal ging es fünf Stunden „on the road“, ein anderes Mal gleich zwanzig Stunden. Das schafft dich. Ist nicht wie von Gladbeck nach Essen, haha. Aber wir wurden von den Fans echt gut empfangen. <<
In wieweit gibt das Cover den Titel der Scheibe wieder, so wir ihr es im Info beschrieben habt? Das konnte ich nicht nachvollziehen.
>> „Of Human Bondage“ beschreibt den Zustand, in sich Selbst gefangen zu sein. So wie dieser berühmte Elefantenmensch. Er ist bis auf seine Optik ein ganz normaler Mensch gewesen, wie du und ich. Er hatte Gefühle, Wünsche und auch Träume. Aber er war der Sklave seiner Umwelt. Die Kapuze der Statue auf dem Cover passt zufälligerweise enorm gut dazu. Jeder nahm den Elefantenmenschen war, aber keiner kannte ihn. Textlich fahren wir die gleiche Schiene. Das ist übrigens eine echte Figur, die irgendwo auf einem Friedhof in Italien steht. <<
Coversongs treffen selten meinen Geschmack. „Killer“ macht da eigentlich keine Ausnahme. Für mich kommt das lediglich als Popsong mit Double-Bass-Attacke rüber. Und so empfinde ich die meisten gecoverten Popsongs. Woher kommt das Interesse am covern und warum habt ihr euch für diesen bekannten Track entschieden?
>> Wir wollten zumindest schon mal keine Nummer aus dem Metalbereich nachspielen. Keiner braucht die neunundfünfzigste Version von „Paranoid“ oder „The Trooper“. <<
Man kann auch einen noch nicht so oft nachgespielten Song covern.
>> Dann hast du die Gefahr das ihn keiner kennt. <<
Feiglinge!
>> Haha, danke. Die „Killer“-Idee ist auf meinen Mist gewachsen. Ich stand in Essen im Stau und legte eine Cassette ein, die schon seit Jahren bei mir im Auto rumfliegt. Die Cassette ging mir so tierisch auf die Nerven, das ich tatsächlich mal das Radio eingeschaltet habe und da lief dann diese Nummer. Der Song gefiel mir früher schon. <<
Erhofft ihr euch damit Spielzeit im Radio?
>> Ja, schon. Das wäre nicht schlecht. Was ich total ätzend finde, ist wenn Popbands Rocksongs covern. So wie Queen, die ständig gecovered werden. Ich meine, die würde ich auch mal gerne covern, aber das wäre eine Beleidigung. Es gibt nur einen Freddy. <<
Du bist ein kleines Phänomen. Du stotterst beim reden, aber nicht beim singen. Wie kann man das erklären? Das interessiert doch eine ganze Menge deiner Fans.
>> Das kann ich dir gar nicht beantworten. Auf der Bühne ist das einfach so. Manchmal selbst im Gespräch, oder wenn ich blau bin. Vielleicht sollte ich dauernd besoffen sein. Ich war mal ein Jahr lang auf einer Schule für Sprachtherapie. Die hatten aber völlig einen an der Mütze. Die meisten Schüler, die da waren, sind echte Problemfälle und sitzen lethargisch herum. Ich bin aber geistig gesund und habe nur den Sprachfehler. Der Lehrer fragte mich, ob ich eine schwere Kindheit hatte und sprach mit mir, wie mit einem Baby. Das Zeugnis mit den Stempel von der Schule, hat mich aber vor der Bundeswehr gerettet, haha. <<
Habt ihr als Band den Höhepunkt eurer Karriere erreicht, oder bis du der Meinung, das ihr noch mehr erreichen könnt?
>> Nein, wir werden noch weiter aufsteigen. Das ist auch das Gefühl, das wir im Bauch haben. Außerdem mache ich noch viel nebenbei, wie zum Beispiel meine Solo-CD. Ich brauche immer noch den Druck, im Gegensatz zum Assi, der halt „nur“ Musiker ist und nicht immer auf Tour sein muss. Zudem habe ich noch ein zweites Ass im Ärmel, falls die Band auseinander bricht. <<
In welche musikalische Richtung geht dein Solo-Debüt?
>> Es wird eine Mischung aus Angel Dust und der ersten HIM-CD. Eben mit Blick auf den Popappeal. Ich habe mal A-Ha live gesehen. Die Halle war rappelvoll. Da habe ich mir gedacht, yo, so soll das bei mir auch mal sein. <<
Na denn, viel Glück.

http://www.angel-dust.de
Steve Burdelak


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