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MAGAZIN :: Index: 'B' :: BLACK TROLL F ....

BLACK TROLL FESTIVAL 2010 - 11. & 12. Juni, Bornstedt, Schweinsburg
Bornstedt, Schweinsburg

11. & 12. Juni
Ach, verklärte Welt, was ist nur geschehen, gestern Nacht konnte man Dich nicht schlafen, aber bangen sehen! Frei nach Fjoergyn. Denn so etwas wie Schlaf hat es in Bornstedt vom 11. auf den 12. und dann weiter zum 13. Juni kaum gegeben, als dieses Jahr das Black Troll Festival in die zweite Runde ging und die Schweinsburg bis ins Fundament erzitterte. Trolle, Heiden und Hobby-Nordmänner gaben sich bei diesem inoffiziellen Pflichttermin deutscher Metalkünste in familiärem Stil ein Stelldichein und erlebten einen Reigen feinsten Pagan-, Viking- und auch Black-Metals präsentiert durch dieses illustere Lineup in jener Reihenfolge:

Freitag: Fimbulthier, Fimbulvet, Ignis Fatuu, Northland, Fjoergyn, XIV Dark Centuries, Wolfchant, Thrudvangar

Samstag: Thormesis, Den Nordiske Sjel, Dyrathor, Tarabas, Cumulo Nimbus, Bran Barr, Negura Bunget, Eminenz, Arkona

Neben dem musikalischen Aufgebot, punktete vor allem auch wieder die ausgesuchte Location, nämlich eine Burgruine, gelegen im landschaftlich schönen Sachsen-Anhalt mitten in einem Naturschutzgebiet, was könnte für dieses Ereignis treffender sein.

Für das Zweitagesticket waren € 25,- zzgl. VVK, fällig, für das Camping auf dem Sportplatz vor Ort weitere € 5,-; Grillen war auf einer gesonderten Fläche erlaubt. Duschen, Waschraum und Toiletten waren vorhanden und kostenlos, letztere auch auf dem Konzert-Gelände, bzw. im Burghof. Im Vergleich zum vergangenen Jahr hatte man das System mit den Bons verbessert, ganze Karten gab es statt Biermarken und bei der Anlage hat man noch eine
Schippe draufgelegt. Womit wir in medias res gehen…
Es war nicht ganz so heiß, wie es dann hierzulande kurz darauf werden sollte, dennoch strahlte die Sonne zunächst auch in jenen frühen Junitagen ansehnlich auf Bornstedt und die oberhalb gelegene Schweinsburg herab, Festivalstimmung lag in der Luft als am Freitagmorgen die ersten Besucher den kleinen Aufstieg in Richtung Tor starten und die ersten Zelte am Fuße des Hügels von gut gelaunten Metalheads aufgerichtet werden. Anreise am Vorabend war in der Form nicht möglich, Wohnmobile übrigens auch nicht, im Tausch dafür gab es besagte echte Klos. Man kann es nicht oft genug loben.

Derweil wurde oben noch fieberhaft auf und rund um Bühne im Burghof etc. vorbereitet, die letzten Handgriffe sind noch zu machen, und dennoch findet alles mit einer Seelenruhe statt. Vielleicht liegt es an der Ausstrahlung der Zelte ganz anderer Natur auf der hinteren Seite des Turms. Denn hier hat sich ein kleines Merowinger-Lagerleben eingefunden, und solche Features haben immer ihre ganz eigene, zeitlose Ausstrahlung.

Alles passt, für Vernunft und Sicherheit sorgt ein Sauerländer Motorradclub, dessen Logo auch die Becher ziert. So weit, so gut. Neben dem Pils, das in der Mehrheit die Luft aus den Bechern vertreiben soll, gibt es Handfestes, etwa Wurst und Pommes, alles gut gemacht und zu fairen Preisen.

So ausgestattet zählt die Truppe vor der Bühne erst an die 50 Mann - jedoch alles, was sich zu dem Zeitpunkt noch um Bierwagen, auf Bänken und vor den Ständen in Wurfweite aufhält, oder auf der anderen Seite mit Bögen und Äxten probt usw. - nicht mitgerechnet - als Fimbulthier gegen 16:00 Uhr die Party offiziell eröffnen. Nun, an denen liegt es nicht, dass die Fans noch nicht so in Wallung kommen, die Jungs machen ihren Job prima. Als erste Band muss man erfahrungsgemäß immer etwas kämpfen, aber spätestens mit dem Rausschmeißer, dem Amon Amarth-Cover „Death In Fire“ ist die erste Scheu diesseits der Bühne vorüber. Ein guter Auftakt.

Die Stimmung ist also da, irgendwie wie Urlaub, gediegene Atmosphäre, familiär. Bands, die ihren eigenen Soundcheck machen. Die folgenden Fimbulvet können auf diesen Zug aufspringen. Neu aufgestellt mit Bassist Steffen und im Laufe auch noch durch Gastvocalist Heiko (Menhir) verstärkt, liefern die Thüringer eine prima Show. Der Menhir-Sänger hatte auch schon auf Kriegerwahn "Budskap Fra Vinden" eingefrontet, und mit dem Song machen wir ein Häkchen an ein echtes Highlight.
Ignis Fatuu haben es danach zugegebenermaßen nicht leicht, schlagen sich aber ordentlich. Im Burghof verläuft sich die Menge ein wenig, denn mit ihrem Mittelalter-Rock sind sie fast Exoten zwischen all den harten Combos, stehen aber gleichzeitig für die Bandbreite, die die Veranstalter auffahren und haben, wie sich zeigt, auch härtere Klänge im Gepäck. Am Ende des Auftritts, den manche Festivalbesucher ehrlicherweise während der Nahrungsmittelaufnahme irgendwie doch erleben, steht fest, dass auch solch eine Band ins Set-Up gehört.

Bei Northland dann ist der letzte Bissen davon inzwischen heruntergespült. Und geölte Kehlen drängen sich wieder zahlreicher vor der Bühne. Das katalanische Feuer lässt den Funken wieder über springen und generiert einiges an Vorfreude auf das kommende Album, das in diesem Moment Promotion erfährt. Wie auch immer, angesichts dieser Bühnenpräsenz ist es kaum zu glauben, dass es die Truppe erst so kurz gibt bzw. zu dem Zeitpunkt nicht einmal ein Debüt existiert. Northland erweisen sich als echte Sympathieträger, auch ohne die T-Shirts, die ins Publikum geschenkt werden. Und wer hätte es anders erwartet, abends beim Bier sollte es dann charakteristisch lauten: Barcelona is not Spain! Mit Augenzwinkern und mit einem Northland-Button als Trostpflaster für eine junge Dame, die mit den Natursteinstufen eine schmerzhafte Bekanntschaft machte. Charmant.

Zurück zum Set. Fjoergyn nehmen die Stimmung geradezu nahtlos auf. Die atmosphärische Variante metallischer Naturverbundenheit passt wie die Faust aufs Auge der Location und des Festivals überhaupt. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort, es kann kaum besser sein. Wie im Vorjahr sind die Thüringer Publikumslieblinge. Ehrlicherweise hatte ich die Band bis dahin noch nicht live gesehen, und war ein wenig skeptisch, ob Songs wie „Verklärte Welt“ vom neuen Longplayer mit den vielen Stimmen im Dialog, Klargesang etc. live die gleiche Qualität haben, wie aus dem Studio. Und sollte überrascht werden, denn sie haben sie nicht nur, sie sind besser! Genannter Song, in direkter Folge auf den Opener von Jahreszeiten, „Auf Bald“, bildet mit DAS Muster musikalischer Versiertheit dieser zwei Tage. Vom Solo am Ende der Kadenz in dem Titel ganz - und zwar ehrfürchtig - zu schweigen.

Wikingerhaft gehen XIV Dark Centuries zu Werke. Die Band aus Sachsen-Anhalt hat im Vergleich zu manchen jungen Kollegen, die wir heute gesehen haben, schon eine ganze Weile Erfahrung auf den Schultern. So kommt es auch, dass ein technisches Problem zwischen Song drei und vier ohne Stimmungsverlust souverän gepackt wird. Und kraft der Jahre greifen die Mannen auf ein breites Repertoire zurück und bieten eine Best-Of-Show, die sich gewaschen hat. Es ist fast ein Wunschkonzert, das in „Falsche Propheten“ gipfeln mag, was die Menge erheblich zu schätzen weiß.
Prominent geht es im letzten Lichte der versinkenden Sonne weiter mit Wolfchant. Letztere gehören unbestritten zur Speerspitze deutscher Heidenkunst und überhaupt ist inzwischen fast vergessen, dass Adorned Brood unglücklicherweise absagen mussten. Auch die Niederbayern haben einen Gastsänger mitgebracht, in diesem Fall Michael Seifert (Rebellion), der des Öfteren über die Spieldauer die Bühne mit bevölkert. Mit seinem Sound hat man es etwas würziger gemeint als bei der Pseudonym-tragenden Stammbesetzung, die Unstimmigkeit ist aber letztlich von untergeordneter Bedeutung, spätestens beim Grave Digger-Cover „The Clans Are Marching“.

Headliner des ersten Abends auf der Schweinsburg sind Thrudvangar. Bis zu diesem Schluss-Act hin ist die Meute vor der Bühne stetig und wesentlich über den harten Kern hinausgewachsen, der einige Stunden früher noch die Vorhut bildete. Die Stimmung ist derzeit auf dem Höhepunkt, genau der richtige Moment, um vor allem neueres Material zu präsentieren. Doch auch Titel wie „Piraten Des Nordens“ dürfen nicht fehlen, es wird gefeiert und die Köpfe fliegen.

Erst gegen halb zwei schließt sich der offizielle Part des Festivals, die Temperaturen haben sich nun etwas abgekühlt, die Laune jedoch nicht. Beschaulich soll es noch auf dem Campingplatz weitergehen, der in diesem Jahr um die 200 Zelte zählt.

Bandmitglieder, nicht alle so auffällig, wie Filmbuthiers Yves mit seinem weißen Schlachterhemd, bevölkern den Innenhof seit geraumer Zeit ebenso, wie Fans. Offizielle Autogrammstunden hatten sich schon lange inoffiziell erledigt. Denn wer Unterschriften wollte, hatte die Bands schnell zusammen, die bereitwillig alles unterzeichneten, was es da geben mag, unter anderem auch den vor Ort erhältlichen Merch, der sich mustergültig am Gebot der Erschwinglichkeit orientiert. Mit dem guten Gewissen, ein Festivalshirt gesichert zu haben, geht es in die Nacht.
Thormesis erhalten am Folgetag um 13:00 Uhr prompt die Quittung, denn wer alles bis in die frühen Morgenstunden allem gefrönt hat, was zu einem Festival gehört, der sitzt gerade noch beim Frühstück. Wenn überhaupt. Und es gibt auch nicht die Hitze, die einen sonst aus den Zelten treibt, da der Wettergott es heute weniger gut meint, auch im Hinblick auf Regen. Wie auch immer, die Rothenburger bauen gerade noch am ersten Album, zeigen aber schon sämtliche Qualitäten, die ein Tages-Opener braucht.

Die folgenden Den Nordiske Sjel sind mehr oder weniger für Adorned Brood in die Bresche gesprungen, doch ein Vergleich ist aus verständlichen Gründen kaum möglich. Wenn dem so ist, dann fehlen die Grevenbroicher jetzt doch spürbar. Noch dazu meint es der Sound nicht gut mit den Erfurtern. Sicherlich kommt nicht alles so zum Einsatz, wie es geplant war, vor allem die Leistung des Fronters leidet darunter, während die Instrumente noch eine solide Performance bieten.

Dyrathor machen ihre Sache erheblich besser. Das neue Album ist erst am Vortag erschienen, und diese Tatsache gibt beachtlichen Auftrieb. Dabei hatten die Jungs auf dem Weg plötzlich festgestellt, dass es zwei Bornstedts gibt, weshalb man mit zeitlichen Verzögerungen zu kämpfen hatte und der Auftritt etwas kurz geriet. Wesentlich unerfreulicher ist der kräftige Regen, der während der Show einsetzte. Nun, die Hartgesottenen sollten sich auch davon nicht vor der Bühne vertreiben lassen, jedoch verlagern sich die meisten in die von hohen Bäumen überdeckten Bereiche etwas abseits, oder zum überdachten Tankstopp, während Dyrathor mit „Im Auge des Sturms“ und „Ariovist“ dem Wetter trotzen.

Die ersten Tarabas-Rufe gab es schon während des Auftritts von Dyrathor, denn die Magdeburger haben eine feste Fanschar mitgebracht, die sich zum großen Teil aus Mitgliedern der Magdeburger Metal Elite zusammensetzt. Deren mitgebrachtes Ork-Banner weht dann munter vor der Bühne, doch aller Support kann nicht verhindern, dass die Technik den Jungs einen gehörigen Strich durch die Rechnung macht. Tarabas konnten einem schon Leid tun. Es ist einfach nicht genug Saft da, vielleicht ist der Widerstand in der Anlage auch durch die Luftfeuchtigkeit und die inzwischen wirklich merkliche Kühle gestiegen. Doch nach einer längeren Unterbrechung nimmt die Band die Show wieder mit neuer Energie auf und zeigt sich trotz allem als weiteres Highlight des Billings.
Cumulo Nimbus schaffen es mit ihrer Art Mittelalter-Rock etwas besser als die gestrigen Genrekollegen, das Publikum vor der Stage zu binden. Die Stimmung ist auffallend gelöst, was nicht zuletzt der unterhaltsamen Bühnenshow zu verdanken ist, denn die Musik an sich trifft nicht unbedingt den Kern aller Anwesenden. Nichtsdestotrotz ziehen die Renaissance-Metaller eine Menge Leute in ihren Bann.

Französisch-keltisch wird es im Anschluss mit Bran Barr. Die Gallier haben sich mit ihrem Celtic War Metal inzwischen einiges an Status erarbeitet, und sie können auch heute wieder einmal live punkten. Manch einer mag sich gewundert haben, dass die schiere Vielfalt der Instrumente für die Folklore-Parts, die Tarabas auf den Studioalben auszeichnen hier nicht in dem Maße präsent waren, grundsätzlich stimmt das Setup mit einer Geigerin vor Ort jedoch optimal und mach vergessen, dass die Nacht angesichts der Witterung heute früher kommt und schnell den Zwiebellook mit sich bringt. Ein wirklich schöner Auftritt.

Auf Negura Bunget haben sich sicherlich die meisten Metalheads gefreut. Die Rumänen gelten als einer der, wenn nicht sogar als DER unbestrittene Headliner. In direkter Folge auf Bran Barr erleben die Fans folkloristisch angehauchter Metallkunst noch einmal eine Steigerung in allen möglichen Belangen. Die Combo legt also einen Auftritt von solcher Qualität hin, dass kaum Wünsche offen geblieben sein dürften, und schaffen es, eine derart dichte Atmosphäre zu weben, wie keine zweite Band bislang. Unterstützt durch eine prima Lightshow entstehen traumhafte Momente von bemerkenswerter Zeitlosigkeit. Ein Fest für die Sinne.

Wo es gerade so besinnlich war, da wird es punktuell noch einmal bitter böse. Mit Eminenz bringt nun ein waschechter Black Metal Act einen Kontrast auf die Bretter, der sich andererseits gut in das Gesamtkonzept integriert. Irgendwie passt die unverhohlene Härte an diese Stelle, und so ist es kein Wunder, dass der Innenraum weiterhin gut gefüllt bleibt. Ein guter Teil der Fans dürfte nicht einmal geboren gewesen sein, als Eminenz ihre ersten Songs schmiedeten, und so aufgestellt bieten die Kämpfer aus dem Erzgebirge einen weiteren Best-Of-Gig, zu dem die Masse abfeiert, als wäre der Leibhaftige selbst auf der Bühne. Und angesichts der Feuerkunst, die der Fronter als Bonbon abliefert, ist der Vergleich vielleicht gar nicht so entfernt.
Den krönenden Abschluss des Black Troll Festivals 2010, auch wörtlich verstanden, bilden Arkona. Zu Beginn des Konzerts sind wohl die meisten der Anwesenden noch einmal mobilisiert worden, denn, zumindest gefühlt, war es zu keiner Zeit voller vor der Stage als jetzt. Die Russen erweisen sich erwartungsgemäß als ein würdiger Rausschmeißer, als Epilog der gesamten Zeit hier, wenn man so möchte. Gestartet wird mit „Pokrovy Nebesnogo Starca“, und Songs vom letzten Album. Sängerin Masha und Band haben die Fans im Griff, die bereitwillig hüpfen, bangen und überhaupt ziemlich in Bewegung geraten. Dankbar werden Stücke wie „Yarilo“ und „Maslenita“ belohnt, nebst dem obligatorischen „Rus“ und Zugabe. Als sich Arkona verabschieden, liegt kein Gedanke ferner, als dass das 2. Black Troll Festival nun vorbei sein muss.

Einige werden wieder die Nacht zum Tag machen, auf dem Zeltplatz versteht sich. Oder am offiziellen Lagerfeuer, bei dem – sofern man im zweiten Jahr davon sprechen kann – traditionsgemäß auch der Bornstedter Bürgermeister mit von der Partie ist. Und das Black troll Festival war wieder vor allem eines: friedlich und in vielen Aspekten wirklich absolut vorbildlich, etwa in Bezug auf Müll, Miteinander der 600 Besucher etc. Großes Lob gibt es hier im Nachhinein aus Sicht der Veranstalter und nicht zuletzt auch von den Dorfbewohnern.

Und wie sollte es auch anders sein, aktuell steht fest, dass das Festival nächstes Jahr in die dritte Runde gehen wird. Gleiche Location, gleicher Zeitraum. Wir freuen uns schon. See ya!
Michael Gorray - Pics: Christina Gorray


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