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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DOOM SHALL RI ....

DOOM SHALL RISE, 10.04.2010 (TAG 2), Göppingen – Chapel
Göppingen – Chapel

10.04.2010
Wohl gestärkt mit mehr oder minder leckeren italienischen Speisen bewegte man sich am Samstag vor die Bühne der geheiligten Halle des Doom, nicht ohne in unterschiedlicher Intensität Kämpfe mit jenen Nachwirkungen übermäßigen Alkoholkonsum auszutragen, die gemeinhin mit männlichen Haustieren assoziiert werden.

Als erstes traten die Leipziger CALLIOPHIS (kurzfristig für die krankheitsbedingt verhinderten Saudi-Arabier Grieving Age eingesprungen) in den Ring und mühten sich redlich, die verkaterten Seelen zu wärmen. Dies gelang aber nur bedingt. Zum einen merkte man den jungen Musikern die Nervosität an, zum anderen wissen die teilweise noch etwas holprigen Kompositionen der Doom Deather noch nicht wirklich zu überzeugen. Mühe gab man sich jedoch allemal, und man muss gerade Fronter Thomas attestieren, dass er das Grunzhandwerk tatsächlich ausgezeichnet versteht. In der ersten Reihe gingen auch einige französische Herrschaften zu Songs wie „Balanced On A Knife Edge“ (mjam!) steil, also war die Mission für die Sachsen wohl accomplished.

SHEVER hatten im letzten Jahr ihren Auftritt absagen müssen, und so bat man in diesem Jahr quasi verspätet zum Tanz. Und die vier Schweizerinnen gaben dem immer nach kauzigen Klängen dürstenden Publikum in Göppingen, wonach es verlangte. shEver schreiben keine Songs im eigentlichen Sinne, sie spinnen aus einem simplen Thema Spannungsbögen, die sich dann meist orgiastisch auftürmen, um schließlich wie Kartenhäuser zusammen zu fallen. Mit solchen Eruptionen kam man bei weiten Teilen der Doomster blendend an, was nicht zuletzt an den putzigen Ansagen von Frontfrau Alexandra (woher nimmt die Dame eigentlich diese infernalische vokale Geräuschkulisse?) gelegen haben dürfte, die authentisch betonte, wie froh Frau doch sei, dass sie und der Rest der „Hühner“ beim DSR auf der Bühne stehen dürften. Der Vortrag war insgesamt engagiert und bewegt, Gitarristin Jessica und Basserin Nadine boten einige schön anzuhörende Gesangsharmonien, sodass die Damen nach dem Ringkampf zum Abschluss von „Hagazussa“ sicher einige CDs sowie Teile des reichlichen Merch-Angebots unters Volk bringen konnten.

Der folgende Auftritt von UNSILENCE, auf den ich mich wirklich gefreut hatte, war eine zwiespältige Angelegenheit, was insbesondere am mitunter reichlich untighten Zusammenspiel der Herrschaften lag. Auch Sänger James Kilmurray, eigentlich mit einer durchaus schönen Stimme gesegnet, traf beileibe nicht jeden Ton; vielleicht sollte er in Zukunft etwas weniger anspruchsvolle Gesangslinien komponieren oder darüber nachdenken, diese von einer ausgebildeten Sängerin vortragen zu lassen. Aber genug gemeckert, denn Lichtblicke gab es im Verlauf der tollen Kompositionen der Briten durchaus auch: „The Burning Midnight“ und „The Last Day“ vom noch recht frischen „Under A Torn Sky“-Album oder „Still“ von der 2002er-EP „A Walk Through Oceans“ sind einfach zu stark, um vollkommen abzustinken. Schön auch die unorthodoxe Spieltechnik sowie der verquere Bewegungsapparat von Gitarrist Kieron Tuohey, die in unheiliger Allianz bei den Anwesenden für einige unvermittelte Schmunzler sorgten. Unsilence dürfen gerne wiederkommen, dann aber ein wenig besser aufeinander eingespielt und mit etwas mehr Engagement auf der Bühne. (PM)
KODIAK verpasste die Obliveon-Belegschaft vollends. Da extremer Instrumental-Stoff (vom Vorjahres-Kaliber Black Shape Of Nexus oder Omega Massif) nicht unbedingt meine Baustelle ist, nutzte ich die Zeit für eine Pause in den spärlichen Sonnenstrahlen des Tages. Nahrung und Bierchen fassen inklusive. Und da man sich vor der Chapel herrlich im Szeneplausch betätigen und verlieren kann, inszenierten sich Kodiak somit leider ohne uns. (CL)

Besonders gespannt zeigte man sich in Göppingen auf die Qualitäten der Australier RITUALS OF THE OAK, wissen diese auf ihrem 2009 erschienenen Debüt „Hour Of Judgement“ doch durchaus zu überzeugen. Dementsprechend voll wurde es kurz vor dem Gig auch vor der Bühne, und insbesondere beim Kollegen Mohr kamen die Hormone erstmals so richtig in Wallung (später sollte es noch doller werden…), als die Band zum Abschluss des Soundchecks kurz den Fates Warning-Klassiker „Fata Morgana“ anstimmte – danach wurde es jedoch deutlich gemächlicher. Sängerin Sabine Hamad führte die Band mit ihrer starken Stimme zunächst souverän durch einen Set, in dessen Verlauf zunächst eingängiger Bangerstoff wie „Drown The Wood In Blood“ und „Childhood’s End“ zum Zuge kam, dessen knackige Riffs und melodiöse Gesangslinien das Auditorium flugs in den Bann der Eichbaumrituale geraten ließ. Anschließend verlor man sich jedoch während zähflüssigerer Stücke wie etwa „Spell Of Doom“ in etwas zum Selbstzweck verkommenden Riff-Endlosschleifen, die auf Kosten der Abwechslung und so auch der Stimmung gingen. Dies ändert zwar nichts am durchaus positiven Gesamteindruck, aber gerade angesichts der wirklich starken Performance von Sabine wäre hier (noch) viel mehr drin gewesen.

Danach wehte ein Hauch von Stadionrock durch die Chapel: die wahnsinnigen Malteser Sabbath-Doomer NOMAD SON um Forsaken-Basser Albert Bell (dessen Forsaken-Sänger Leo Stivala in der ersten Reihe aber auch so was von steil ging…) brachten die Bretter von der ersten Sekunde an zum Glühen und gingen nicht nur mal eben so „aus sich heraus:“ sie explodierten förmlich. Spielfreude und Enthusiasmus pur, gepaart mit einer gehörigen Portion technischer Klasse, ließen den Eindruck entstehen, dass diese Band für noch höhere Aufgaben geboren ist. Jeder einzelne Musiker ging in der Musik auf, zelebrierte jeden einzelnen Ton, poste ausgiebig aber immer ehrlich und nicht ins Peinliche abdriftend. Insbesondere Frontmann Jordan Cutajar verdient diese Bezeichnung auch wirklich: seine Performance, wie wir nachher einhellig feststellten geschult an den Meistern Dio und Coverdale, gepaart mit dem Sex-Appeal eines Costa Cordalis (wobei wir das Copyright der „Dio, Coverdale, Cordalis“ Assoziation neidlos an den Kollegen Stefan aus dem beschaulichen Wickede weiterreichen müssen…;-) – CL), steht seiner kraftvollen Stimme in nichts nach und brachte ihm zusammen mit Madame Jex Thoth den Titel „Charismabolzen des Festivals“ ein. Und dann sind da ja auch noch die Kompositionen von „First Light“, die im livehaftigen Gewand noch an Strahlkraft gewannen. „Forever Twilight“, „Shallow Grave“, das grandiose „Empyrean Fade“ – egal, welche Hymne man nun herauspickt: stets kochte der Mob vor der Bühne, flogen tausende Läuse aus den Matten, reckten sich hunderte Fäuste in die Luft, stimmten die dazu gehörenden Kehlen laute Gesänge an. Nicht erst nach der Zugabe, einer grandiosen Version des Trouble-Knallers „At The End Of My Daze“, stand fest: definitiv einer, wenn nicht DER Abräumer des Festivals.
Dagegen konnten die Lokalmatadoren DOOMSHINE nicht wirklich anstinken, was auch damit zusammenhing, dass Stimmungskanone Timmy seine Ansagen in englischer Sprache tätigte, anstatt einfach frei Schnauze loszuplaudern – ein Umstand, der ihn hörbar hemmte. Einerlei, auch ohne derlei stimmungstechnische Unterstützung lässt sich zu feisten Songs wie „Creation“ oder „Shine On Sad Angel“ einfach nicht still stehen. Beim neben letzterem Song anderen Bandhit „Where Nothing Hurts But Solitude“ stiefelte Leo Stivala auf die Bühne und zeigte mal wieder, was für ein total bekloppter Obersympathikus er doch ist – gäbe es die Bezeichnung „Derwisch“ noch nicht, so müsste sie für den maltesischen Zwockel of Doom erfunden werden. Insgesamt aber ein bloß durchschnittlicher Gig von Doomshine, der zudem an der viel zu kurzen Spielzeit krankte. Und eine Frage muss natürlich in Endlosschleife erlaubt sein: wann, wann bitte kommt „The Piper At The Gates Of Doom“ nun endlich?

Mit MAGMA RISE betraten echte Szeneveteranen die Bühne – Mood, Wall Of Sleep oder Stereochrist heißen einige der Vorgängerbands, bei denen die Herren um den sympathischen Fronter/Basser Gàbor Holdampf sich über lange Jahre ihre Doomsporen verdiente. Und für den Auftritt der ungarischen Pioniere gibt es denn auch nur eine Umschreibung: souverän. Hier ruht eine Band in sich, macht genau den Sound, der ihr vorschwebt. Von den ersten Tönen des Openers „Time’s Been Given“ an zelebrierte man die edelsten Gitarrenharmonien des Festivals, würzte so traditionellen Doom mit durch den Down-Wolf gedrehten Lynyrd Skynyrd-artigen Southern-Sounds und sorgte im Verbund mit Holdampfs angenehmem Organ für verstärkte Glücksgefühle beim Rezensenten. Zwar hätte ich mir noch den einen oder anderen Wall of Sleep-Gourmethappen gewünscht (etwa „Sun Faced Apostles“ oder „Signs“), aber natürlich beschränkte man sich angesichts der begrenzten Spielzeit darauf, das Material des just erschienenen Debüts „Lazy Streams Of Steel“ anzupreisen. Und das besitzt wahrlich genügend Klasse – „For Those…“ oder „Church Of Pigs“ sorgten für erhöhte Aktivität im Nackenwirbelbereich, bevor am Ende mit dem neu eingespielten „Glow, Burn, Scream“ dann doch noch ein Mood-Klassiker die Old School-Fraktion zufrieden stellte. Und: ist Leo Stivala der „Derwisch of Doom“, so handelt es sich bei Magma Rise-Klampfer Mihàly Janò sicher um den „Waldschrat of Doom“. (PM)
Die Occult Acid Doomer JEX THOTH scheinen ja mächtig angesagt zu sein, jedenfalls wurde es schon während der Umbaupause merklich eng im vorderen Bereich der Chapel. So gestaltete es sich tatsächlich schwierig, ein Plätzchen mit passabler Sicht aufs Geschehen zu erhaschen, wenn man sich nicht wie einige weniger rücksichtsvolle Besucher ungehemmt nach vorn drängen wollte. Mit Kapuzen getarnte Gestalten wandelten derweil auf der Bühne umher, was nur die für ihren Hang zum Versteckspiel bekannten Musiker sein konnten. Als es losging, erblickte man aber unverschleierte Akteure, auch wenn die Frontlady und Namensgeberin zunächst einen stylishen Poncho übergeworfen hatte. Nachdem sie noch ein paar Kerzen entzündet hatte, schickte sie sich nun an, den Großteil der Anwesenden völlig zu vereinnahmen und mit auf ihren Trip in andere Gefilde zu nehmen. Welch eine Bühnenpräsenz! Mrs. Thoth zelebrierte ihre Weisen mit imposanter Extravaganz und blieb dabei auf entrückter Distanz. Aus solchem Auftreten werden Legenden geboren. Von den anderen Musikern bekam man kaum etwas mit, was zum einen an der eingeschränkten Sicht aber natürlich auch an der alle Aufmerksamkeit auf sich ziehenden Gräfin in Schwarz lag. Zumindest der düstere Orgelmann spielte sich hin und wieder durch markante Sounds und viel Einsatzbereitschaft kurzzeitig in den Vordergrund. Ansonsten fraßen aber wir Jünger ausschließlich unserer neuen Gottheit aus der Hand. War das schön! Und so unglaublich entspannend... Erschreckend nur, dass man anschließend tatsächlich ein paar nüchterne Gesellen traf, die mit dem Gig nicht allzu viel anfangen konnten (oder aber rein gar nix für den aufgeblähten Psychedelic Kraut Doom mit pseudo-extravaganter Möchtegern-Frontdiva übrig hatten, gell? ;-)… - CL, einer der ernüchterten Gesellen). (CB, Doompapst und Gastautor)

Aufgrund der zwielichtigen, enorm kurzfristigen Absage Iron Mans (offiziell begründeten die Amis ihr Fernbleiben am Mittwoch vor dem DSR mit der lapidaren Begründung, dass man die finanziellen Grundlagen für den Trip nicht aufbringen könne. Da man Flugtickets für einen lange bestätigten Headliner-Gig in der Regel ja etwas im Voraus einkauft, hätte man eigentlich ein wenig früher wissen müssen, was an Reisekohle in der Geldbörse vorhanden ist…) sprangen von jetzt auf gleich MIRROR OF DECEPTION ein. Schwabens Doom-Institution um DSR-(Mit)-Veranstalter Jochen Fopp zelebrierte zu später Stunde ein regelrechtes „Best of“-Set und beglückte die zahlenmäßig leicht dezimierte, aber für den spontanen Einsatz unendlich dankbare Doomster-Gemeinde neben der Sound-Rundreise durch die eigene Diskographie gar mit dem 12-minütgen Longplay-Track „Der Student von Ulm“ (mit schwäbischer Mundart, bekannt von der bereits genannten Split-Maxi mit Garden Of Worm) und einem brandneuen Song namens „Unforeseen“, der uns Ende 2010 im Rahmen eines neuen Longplayer erneut begegnen wird. Als auffällige Verbesserung möchte ich festhalten, dass die Co-Vocals von Drummer Jochen Müller deutlich sicherer wirkten und weitaus besser klangen als bei vergangenen Shows. Und wie kann man ein Doom-Fest um halb zwei in der Frühe besser beenden als mit „Vanished“, dem sicherlich besten Mirror-Song überhaupt, welcher dem Verfasser dieser Zeilen abschließend nochmals eine feiste Gänsehaut bescherte und uns in die Kellerbar der Chapel entließ, wo der DJ eine wüste Mischung aus Slayer, Reverend Bizarre, Danzig, Kreator, Sabbath, Hendrix und Eletric Wizard feilbot und die unentwegt Feierwütigen, darunter die Konditionswunder einer französischen Fanschar nebst Helge Schneider-Double, zum Abrocken animierte. (CL)

Insgesamt war das Doom Shall Rise mal wieder jeden einzelnen investierten Cent, jeden einzelnen zurückgelegten Kilometer wert. Auf keinem anderen Festival der Welt schließlich findet man eine solche Dichte an sympathischen Freaks (wie zwei sämtliche Merch-Stände plündernde und hobbymäßig fotografische Andenken sowie Autogramme sammelnde Norweger) und derart echte Liebe zur dargebotenen Musik. Auf diesem Wege möchten wir natürlich auch (Mit-)Veranstalter Frank und seiner Frau weiter alles Gute und eine tolle Zeit mit den „upcoming twins of Doom“ (O-Ton Timmy von Doomshine) wünschen. Und dann auf ein Neues in 2012! See ya there, doomers! (PM)

Vielen Dank an Sven Mihlan von „Doom Metal Front“ (Doom, Sludge, Drone, Stoner & Ambient Stuff Zine) für die freundliche, unkomplizierte Bereitstellung seiner Fotos!!!
Patrick Müller (PM), Christoph Lücker (CL) (+ CB, Doompapst und Gastautor Jex Thoth) - Pics: Sven Mihlan, http://www.Doom-Metal-Front.de


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