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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DOOM SHALL RI ....

DOOM SHALL RISE, 09.04.2010 (TAG 1), Göppingen – Chapel


Göppingen – Chapel

09.04.2010
Nachdem man in der Vergangenheit die Anreise zum Doom Shall Rise meist zusammen gestalten und schon auf der Reise in doomigen Anekdoten schwelgen konnte, verschlägt es uns inzwischen aus verschiedenen Teilen Deutschlands ins Szenemekka im mal mehr, mal minder idyllischen Schwabenländle. Nachdem wir alle also Bekanntschaft mit der Bauweise schwäbischer Dorfarchitekten geschlossen hatten, tauschten wir zunächst einmal Erfahrungsberichte über deren Künste sowie die abenteuerliche Straßenführung in und um Göppingen herum aus. Dann jedoch bahnte sich ungezügelte Vorfreude ihren Weg, lockte das DSR-Festival diesmal doch auch die Nörgler des letzten Jahres (also auch die werten Verfasser dieser Konzertchronik) mit einem ungetrübte (Power) Doom-Freuden verheißenden Billing, und auch die last minute-Absage der offensichtlich reichlich verstrahlten Organisationstalente von Iron Man konnte diese nicht trüben.

Und wie sich herausstellen sollte, wurden sie auch trotz der stärker ins Gewicht fallenden, jedoch bereits zeitig verkündeten Ausfälle von Orodruin und Argus nicht enttäuscht... Here goes:

Zunächst stand die fränkisch-amerikanische Kreuzung SEAMOUNT auf den Brettern der altehrwürdigen Chapel und eröffnete den zähflüssigen Reigen in durchaus überzeugender Manier. Ihr traditioneller, vom auf der Bühne introvertierten Bewegungsverweigerer Phil Swanson (u.a. Hour Of 13) gesanglich endveredelter, mit viel Retropower ausgestatteter Doom war genau das Richtige, um das Volk in Stimmung zu bringen. Entertainer wird man aus den fünf Herrschaften nicht mehr machen, nichtsdestotrotz kann man sich herrlich in die tiefgründigen Kompositionen der beiden Alben Seamounts verlieren und glücksselig ein je nach Gusto gut gehopftes, gemalztes, gezuckertes oder isotonisches Getränk verhaften. Jedenfalls brachten tight vorgetragene Kleinode wie „Together Wear The Cross“ oder „Stormchaser“ schon mal reichlich Groove und Stimmung ins Auditorium. Ein guter Start. (PM)

GARDEN OF WORM waren mir bis dato nur über die Split-Vinyl Veröffentlichung mit Schwabistans finest (sprich: Mirror Of Deception) bekannt. Was per Tonträger schon nicht überzeugte, verkam live vollends zur Farce. Der vertrackte Obskur-Doom der drei Finnen erinnerte mich frappierend an eine nicht gekonnte Mixtur aus Revelation (für Arme) und Reverend Bizarre. Holprige Tempowechsel und wackelige, extrem biedere Gesangslinien inklusive. Da das Trio zudem noch null Flair on stage versprühte, kann man hier durchaus vom Tiefpunkt des Tages reden. Da dies aber die einzige Nullrunde eines ansonsten begeisternden Doom-Freitags darstellte, ließen sich Garden Of Worm noch verschmerzen. (CL)

Nach dem durchwachsenen, reichlich Schülerbandflair versprühenden Vortrag der Finnen folgte dann der erste qualitative Quantensprung des Festivals. Ed Warbys THE 11TH HOUR zauberten bei hervorragendem Sound eine tiefgründige Atmosphäre in die Halle (auch unterstützt von der erstmals Akzente setzenden Lichtanlage) und wussten zudem mit einem technisch einwandfreien Vortrag zu überzeugen. Verstärkt von Officium Triste-Fronter und Extrem-Bierwampenträger Pim (der die auf dem Album von Rogga Johansson intonierten Grunts übernahm) sowie diversen Sessionmusikern (insgesamt brachte man es auf drei Gitarristen) verließ sich der selbst an der Sechssaitigen und mit cleanem Gesang auftrumpfende Monsterdrummer Warby (u.a. Gorefest, Ayreon) ganz auf die hypnotische Wirkung seiner Songs. Übermäßige Aktion auf der Bühne wäre den lava-artigen Doom Death-Strömen 11th Hours auch nicht gerecht geworden, und so konzentrierte man sich darauf Perlen wie „One Last Smoke“ vom Debüt „Burden Of Grief“ präzise ins Publikum zu streicheln. Wo andere Doom Death-Combos aus Mangel an Substanz nach dem Motto „immer fies und feste druff“ verfahren, leistet sich Warby den Luxus, seine Songs mit einem verschmitzten Lächeln vorzutragen und büßt dennoch nichts an Authentizität ein. Im Gegenteil: diese entspannte Attitüde steht Sahnehäubchen wie „Longing For Oblivion“ weit besser zu Gesicht als übertriebenes tough guy-Gehabe. Und so konnten The 11th Hour im Verlauf dieser schönen 40 Minuten auch nicht nur bei bereits Eingeweihten punkten, sondern auch bei solchen, die der Band bisher aufgrund des für Doomverhältnisse ungewöhnlich großen Promoaufwands skeptisch gegenüber standen. Mehr davon!
Auf ISOLE hatte ich mich, wie immer, wahnsinnig gefreut. Bisher hatten es die vier Schweden, die beim DSR 2005 zum ersten Mal meine Gehörgänge mit ihren traumhaften Kompositionen umschmeichelt hatten, noch immer geschafft mich live in ihren Bann zu ziehen. Allerdings wollte an diesem Tag der Funke nicht so recht überspringen. Angefangen beim inzwischen etwas übertriebenen Posing von Gitarrist Crister (der mir im Rahmen des Festivals übrigens steckte, dass nächstes Jahr ein Black Metal-Album seiner Bathory-Hommage Ereb Altor ansteht) über Soundprobleme bis hin zur meines Erachtens etwas verunglückten Setlist lief hier einiges schief. Offensichtlich hoffte man, ein eingefleischtes Doompublikum insbesondere mit Songs älteren Datums (vom Debüt gab’s „Age Of Darkness“ und „Deceiver“, von „Throne Of Void“ den Titelsong sowie das göttliche „Autumn Leaves“ zu bestaunen) zum Kochen bringen zu können. Jedoch: gelingen wollte dies nie so recht, und ein weiterer Song vom großartigen letzten Album „Silent Ruins“ hätte dem Set, wie der Opener „Hollow Shrine“ zeigte, durchaus gut zu Gesicht gestanden. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Isole waren sehr weit davon entfernt, ein versalzenes Doom-Menü zu servieren – vielmehr muss man wohl von Stagnation auf verdammt hohem Niveau sprechen. Daumen zur Seite. (PM)

Als vorletzte Band waren 40 WATT SUN gesetzt, obschon eigentlich bislang (so gut wie) niemand je einen Ton der Combo gehört hat und noch nicht einmal eine Webseite vorzufinden ist. Der Status als Co-Headliner ist somit einzig und allein der Vergangenheit Patrick Walkers geschuldet, denn jener hat sich als kreativer Motor Warnings einen fast schon legendären Ruf im Doom-Underground erarbeitet. „The Inside Room“, das Debüt des englischen Trios, soll Mitte des Jahres bei Cyclone Empire erscheinen und so bekamen die DSR-Jünger quasi einen exklusiven Vorgeschmack geboten.
Mein erster Eindruck: Walkers aktuelle Kompositionen sind im Grunde genommen Singer/Songwriter-ähnlich, versprühen ein tieftrauriges Sophia-Flair und werden lediglich in einem Doom-Korsett arrangiert. Würde man Walker statt der verzerrten Klampfe ’ne akustische in die Hand drücken und seine Rhythmuscrew an die Bar schicken, so würden die Nummern als lupenreine Trauerweiden a la Sophias „If Only“ funktionieren, zumal der Barde Frisur- und Outfit-technisch mittlerweile eher an einen „Lehrer meets Ökobauer“ (treffender O-Ton: Mohr aus Marsberg) erinnert. Offene und durchgeschlagene Akkorde statt Riff-Kaskaden und Einzelton-Offensive. Das Auditorium lauschte andächtig und spendete nach den einzelnen Darbietungen herzlichen Applaus, der Rezensent zeigte sich nach dem Opener ergriffen, vermisste im weiteren Verlauf jedoch ein wenig Abwechslung und Dynamik. Zum Abschluss sorgte Warnings „Footprints“ vom „Watching From A Distance“-Album jedoch für Gänsehaut, empor gereckte Fäuste und Slow Motion-Banging im Auditorium. Fazit: insgesamt feist und gut, und ich bin mehr als gespannt auf das kommende Album! (CL)

Nach dem Robin Proper-Shepard des Doom fiel es zu nachtschlafender Stunde bei langsam einsetzenden Rückenschmerzen (jaja, Doom schützt vor Alterswehwehchen nicht) zunächst schwer, sich auf die zentnerschweren, archaischen Doom Death-Brocken von MOURNING BELOVETH einzulassen. Der auf eine sehr subtile Weise brutale Sound der Iren (man munkelt, die Herrschaften hätten dem Ruf ihres Völkchens zur Ehre gereicht und etwa im Bandhotel für einige Unbill gesorgt) entwickelte jedoch von den ersten Tönen des Eröffnungsdonnerschlags „The Sickness“ im Minutentakt eine immer größere Sogwirkung und spuckte die Zuhörer nach 1 ¼-Stunden erschöpft, aber glücklich wieder aus. Spätestens die ausladenden Wunderwerke „The Apocalypse Machine“ und „Primeval Rush“ brachten die Körpersäfte nochmals in Wallung und sorgten für wohlige Ganzkörpermassagen. Showtechnisch zog wie immer Gitarrist Frank (übernahm wie immer auch die spärlichen cleanen Gesangseinlagen) alle Blicke auf sich (was leider auch für 80 Prozent der Gitarrenpower galt, sodass die zweite Gitarre nur in Ruhephasen zu vernehmen war), während Schnapsdrossel Darren am Mikro introvertiert seine unmenschlichen Growls aus den Tiefen seines durstigen Schlundes hervorgurgelte. Auch wenn in der Halle (außer natürlich bei den mitgereisten Iren) keine Begeisterungsstürme mehr ausbrachen, so haben Mourning Beloveth mich streckenweise doch gepackt, ein Umstand, zu dem auch ältere Kompositionen wie „The Words That Crawled“ ihr Scherflein beitrugen. Sehr schöner Abschluss eines tollen ersten Festivaltages. (PM)

Vielen Dank an Sven Mihlan von „Doom Metal Front“ (Doom, Sludge, Drone, Stoner & Ambient Stuff Zine) für die freundliche, unkomplizierte Bereitstellung seiner Fotos!!!
Patrick Müller (PM), Christoph Lücker (CL) - Pics: Sven Mihlan, http://www.Doom-Metal-Front.de


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