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MAGAZIN :: Index: 'A' :: ATTRITION

ATTRITION
Kommunikation macht den Erfolg
Muss man über Attrition eigentlich noch grosse Worte verlieren? Martin Bowes zählt seit über zwanzig Jahren zu den Pionieren in Sachen elektronischer Klangerzeugung, gegründet und inspiriert durch die Punkszene, in der musikalische Konventionen über den Haufen geworfen wurden und sich die Künstler auf häufig experimentellen und abenteuerlichen Pfaden bewegten. So umfasst auch die künstlerische Entwicklung Attritions von geisterhaften Ambient-Tracks bis hin zu neoklassischen Einflüssen und tanzbaren, elektronischen Songs eine solch umfassende Bandbreite, wie sie heutzutage Bands aus dem Electro-Sektor kaum noch aufweisen können. Die Konstanz, mit der Attrition hier über die Jahre zu Werke gingen wie auch der Vorbildcharakter für viele Electro-Bands sind unbestritten. Daher wurde es Zeit, dass wir Attrition auch bei uns entsprechend würdigen. Martin Bowes gab bereitwillig Auskunft.
Kannst du uns einen kurzen Überblick über Attrition und die künstlerische Entwicklung der Band geben? Ist die Motivation Musik zu machen und aufzutreten nach all den langen Jahren eurer Bandgeschichte immer noch vorhanden?

>> Ich habe Attrition 1980 als Postpunk-Band gegründet und habe im Laufe der Jahre viele Line Up-Wechsel erlebt. Aktuell besteht Attrition aus Sin D’rella und mir. Wir schreiben die ganze Musik und die Texte, vornehmlich mit Hilfe der Elektronik. Ich wurde durch die ganze Punk-Bewegung von 1977 dazu inspiriert selbst Musik zu machen, und auch, wenn die Musik sich im Laufe der Jahre entwickelt hat, so ist meine Motivation, Musik zu machen, die gleiche geblieben. <<

Habt ihr mit Attrition immer ein festes Konzept verfolgt, oder nur von Album zu Album geschaut?

>> Für mich haben Attrition immer für die Dinge gestanden, die in einer anderen Form für mich immer nur schwer einen Sinn ergeben haben. Konzepte über das Leben und den Tod, über Spiritualität, über Philosophie und über Religion. All die Dinge, die über unsere Vorstellungskraft hinaus reichen und ausserhalb unserer Reichweite liegen. <<.

Wann habt ihr eure erste Show mit Attrition gespielt?

>> Wir haben unsere erste Show am 8. Dezember 1980 in Coventry, England, gespielt. Das war der Tag, an dem John Lennon erschossen wurde. <<

Warum habt ihr die Band seinerzeit eigentlich Attrition genannt? Gibt es einen besonderen Hintergrund für diese Namenswahl?

>> Das ist so lange her, dass ich mich kaum noch erinnern kann. Der Ausdruck „Attrition“ steht für die kontinuierliche Abnutzung von Objekten, von Menschen oder von Idealen. Der Erste Weltkrieg war ein Abnutzungskrieg. Mein Grossvater hat in diesem Krieg gekämpft und seine Geschichten darüber haben einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen, als ich noch jung war. Ich denke, deswegen habe ich ihn damals auch gewählt. <<

Wie entstehen eure Songs? In einem gemeinsamen Songwritingprozess, oder arbeitet jeder alleine für sich an den Songs?

>> Als Attrition begannen war es vor allem eine Kombination von Talenten in Bezug auf das Songwriting. Verschiedene Leute stiegen ein und wieder aus, bis ich jahrelang alleine für Attrition verantwortlich war. Ich hab mit anderen Musikern zusammen gearbeitet, aber das war alles sehr kontrolliert. Als Sin D’rella dann letztes Jahr einstieg habe ich das ganze wieder freier laufen lassen und nun arbeiten wir gemeinsam. <<

Wie haben sich die musikalischen Einflüsse im Laufe der Jahre für euch verändert? Gibt es musikalische Grenzen für euch, Stilrichtungen und Einflüsse, die ihr mit Attrition niemals aufgreifen würdet?

>> Das erste Album, “The Attrition Of Reason”, erschien 1984, Seitdem folgten viele nach, wo wir viele unterschiedliche Themen und auch Grenzen musikalisch erkundet haben. Es gibt aber noch so viel zu erkunden, so wenig, was wirklich erreicht wurde. Ich fühle einen inneren Trieb immer weiter zu machen. <<

Wie sind eure Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Plattenfirmen?

>> Wir haben mit so vielen unterschiedlichen Firmen zusammengearbeitet, und jede war anders. Sie können einem wirklich sehr viel an Arbeit abnehmen, denn in einer Band gibt es immer sehr viel zu tun. Es gibt aber natürlich auch sehr viele negative Erfahrungen, viele davon nicht besonders ehrenhaft. <<

Wie viele Alben habt ihr im Laufe eurer Karriere bis zum heutigen Tage veröffentlicht?

>> Bislang haben wir über zwanzig Alben veröffentlicht. In den letzten drei Jahren habe ich diese alle fleissig remastered and auf unserem eigenen Label „Two Gods Recordings“ wiederveröffentlicht. Das war ein langer Weg, aber notwendig um die Kontrolle zu übernehmen und die Alben endlich wieder zugänglich zu machen. <<
Wenn du einen Song nennen müsstest, der für dich eine tiefgreifende Bedeutung besitzt, welcher wäre das?

>> Wenn ich aus dem ganzen Backkatalog nur einen einzigen Song nenne dürfte, dann würde ich „Fate Is Smiling“ von "Smiling, At The Hypogonder Club" aus dem Jahr 1985 nennen. <<

Wie und in welcher Stimmungslage entstehen eure Songs? Bedarf es einer besonderen Atmosphäre oder versetzt ihr euch in eine bestimmte Stimmung um die Songs entstehen zu lassen?

>> Ich denke, die innere Stimmung ist entscheidend. Als ungelernter Musiker schreibe ich meine Songs nicht auf herkömmliche Weise. Ich experimentiere mit Sounds, eher in der Art von Audio-Malerei, und lasse meinem Gemütszustand in eher abstrakter Form freien Lauf. Wenn sich das „richtig“ anfühlt, dann nimmt der Sound Formen an und es entsteht vielleicht ein Song daraus. Das ist ein langer, unvorhersehbarer Prozess, aber wenn alles zusammen kommt, dann hat das etwas Magisches. <<

Welche Bedeutung haben die Texte für euch? Stehen sie gleichberechtigt neben der Musik, oder sind sie eher schmückendes Beiwerk?

>> Texte sind wirklich sehr wichtig. Für mich genauso wichtig wie die Musik. Die Musik agiert meist im Abstrakten, während die Texte uns direkt ansprechen. Manchmal funktionieren Texte auch ganz für sich allein, so wie Gedichte es tun. Ich aber finde, sie sind bedeutend kraftvoller, wenn sie mit Musik verbunden sind. <<

Bist du mit dem, was ihr mit Attrition im Laufe eurer Karriere bislang erreicht habt, zufrieden? Was würdest du aus heutiger Sicht anders machen?

>> Ich bin nie zufrieden. Niemals. Auf eine gewisse Art und Weise gibt es viele Dinge, die ich ändern wollte. Aber ganz ehrlich, ich glaube nicht, dass ich das tun würde. Es ist viel besser aus diesen Unzulänglichkeiten zu lernen und diese anzunehmen, um daraus etwas besseres zu erschaffen, anstatt ständig in der Vergangenheit zu leben. Es gibt so viele neue Fehler, die man machen kann und auf die ich mich freue. <<

Welchen Stellenwert haben das visuelle Element und das Image der Band für euch?

>> Ich denke, dass das visuelle Element in der Musik enorm wichtig ist. Beim Artwork für CD’s, in den Anzeigen und so weiter. Natürlich auch auf der Bühne. Die Leute sehen dich, genau so wie sie dich hören. Die Musik steht aber immer an erster Stelle. Wir sorgen uns auch nicht um die sogenannte Gothic Mode. Wir tragen das, was uns gefällt. Natürlich ist das meiste davon schwarz, aber viel mehr vor dem Hintergrund der anarchistischen Punk-Bands unserer Jugend als dem der Gothicszene. <<

Wie stellt sich für euch das typische Attrition-Publikum dar? Gibt es so etwas überhaupt?

>> Das variiert sehr. Natürlich gibt es auch Leute aus der Gothic- und Industrialszene, aber auch aus der Punk- und experimentellen Szene. Das Alter reicht von Leuten über fünfzig bis hin zu Teenagern, die noch nicht mal geboren waren, als alles begann. Das ist sehr ermutigend und auch sehr wichtig. Ich habe immer ein wenig damit gehadert, wenn es darum ging, eine Zielgruppe zu definieren. Ich mache das einfach und wenn es Leute gibt, die etwas darin finden, dann bin ich sehr zufrieden. Ich ziele jetzt aber nicht bewusst auf eine bestimmte Zielgruppe ab, ganz einfach weil ich nicht weiss, wie diese aussieht. <<

Denkst du, es gibt Unterschiede zwischen dem Publikum in Deutschland und einem Publikum in anderen Ländern?

>> Ich glaube nicht, dass es einen Unterschied gibt. Vielleicht im Bezug auf die Popularität bestimmter Bands und das, was sie gewohnt sind. Aber ganz sicher nicht in ihrer Einstellung. Menschen sind Menschen, egal wo man auf sie trifft. <<
Gibt eine bestimmte Formel oder einen Standard, nach der Attrition ihre Songs schreiben?

>> Ich bin wahrscheinlich in diesem Punkt der schlechteste Ansprechpartner. Nachdem ich schon so lange Musik mache gab es so viele unterschiedliche Einflüsse in meiner Arbeit. Angefangen beim Punk und beim Gothic bis hin zu Industrial, Dark Ambient und Neoklassik. <<

Wie wichtig ist musikalischer Erfolg für dich persönlich?

>> Für mich ist es unglaublich wichtig Musik zu machen, dass Leute diese Musik auch wahrnehmen. Es dreht sich alles um Kommunikation und ich glaube, in diesem Bereich erfolgreich zu sein, ist für mich sehr wichtig. Sonst aber nichts. <<

Wie sieht es mit Konzerten von euch aus? Seid ihr häufig live unterwegs?

>> Wir spielen sehr häufig live und haben im Laufe der Jahre in ganz Europa, den USA, Mexiko und letztes Jahr sogar in Sibirien gespielt. Live werden wir beide noch durch einen Keyboarder ergänzt, der uns bei den Parts unterstützt, wo wir beide singen. Wir haben einen grossen Backkatalog, aus dem wir wählen können, aber wir tendieren meist dazu eine Menge des neuen Materials und einige ältere Tracks zu spielen und diese mit langsameren und schnelleren Songs zu durchmischen. Es gibt sicher auch tanzbare Elemente, aber die Atmosphäre ist uns bei einer Attrition-Show sehr wichtig. Und Weihrauch. Das ist uns ebenfalls sehr wichtig. Früher haben wir auch viel Wein getrunken, aber mittlerweile stehen wir beide eher auf Tee. <<.

Welche Bedeutung hat die Präsenz im Internet für euch und was hat sich dadurch für euch als Band verändert?

>> Die ist sehr wichtig. Schon sehr früh in den neunziger Jahren habe ich realisiert, wie wichtig das Internet für Bands sein würde. Wir waren online mit unserer Homepage und unserer MySpace-Seite immer sehr aktiv. Das Internet hat es uns als Musiker und als Band sehr erleichtert unabhängig zu sein, unsere Arbeit selbst zu promoten und selbst Shows zu buchen. Das ist zwar sehr viel Arbeit, aber in jedem Fall die Mühe wert. <<

Was sind die nächsten Ziele, die ihr mit Attrition in Angriff nehmen werdet?

>> In der letzten Zeit waren wir live sehr aktiv und mit der Fertigstellung von Sin’s Imprint-Album beschäftigt. Ausserdem habe ich, neben meinen Produktionen und Mastering-Jobs, die Attrition-Wiederveröffentlichungen fertig gestellt. Jetzt haben wir die Zeit an unserem ersten gemeinsamen Attrition-Album zu arbeiten, worauf ich mich schon sehr freue. Ausserdem erscheint in Kürze ein Attrition Tribut-Album mit dem Titel "Wrapped In The Guise Of My Friend", auf dem Bands wie Murder happens...mit En Esch von KMFDM, Stromkern, Imprint, Machine in the Garden, Unwoman, Stoa, High Blue Star, Chiasm, My Silent Wake, Remora und viele andere vertreten sind. Das wird im Spätsommer erscheinen. Dann sind weitere Shows in Europa und den USA für den Rest des Jahres in Planung. Es gibt also viel zu tun. <<

Gibt es noch ein Land, dass ihr gerne mal bereisen und wo ihr gerne mal auftreten würdet?

>> Wir würden gerne im Fernen Osten und in Südamerika spielen. Da waren wir noch nicht. Und auch in Deutschland. In den achtziger und neunziger Jahren haben wir häufig dort gespielt, leider aber nicht mehr in den letzten Jahren. <<

Welches Land hat euch bislang am meisten beeindruckt?

>> Jedes Land ist auf seine Art und Weise beeindruckend. Ich liebe es ohnehin zu reisen, auch ohne die Band. Zuletzt war es wirklich aufregend nach Sibirien zu reisen, wobei wir die Möglichkeit hatten mit dem Transsibirien-Express zu reisen. Das war mitten im russischen Winter und demzufolge wirklich einmalig für uns. <<

Sin D’rella: >> Ich war am liebsten in Polen. Die Atmosphäre war wirklich perfekt dort, ohne dass ich konkret benennen könnte, was es im einzelnen nun gewesen ist. Im Dezember sind wir wieder in Polen und ich kann es kaum erwarten. Bislang hat es uns aber in jedem Land Spass gemacht, jedes mit seiner einzigartigen Schönheit, seinen Herausforderungen und Erfahrungen. Zudem haben wir das Glück gehabt, dass wir überall, wo wir aufgetreten sind, gut aufgenommen und behandelt wurden. <<
http://www.attrition.co.uk / http://www.myspace.com/danteskitchen
Claudia Wagner / Übersetzung/Bearbeitung: Michael Kuhlen


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