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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DEMENTI

DEMENTI
Niemand hat gesagt, es würde einfach ...
"WER BETTELT WIRD NICHT GEFÜTTERT" - Mit diesem Titeltrack des neuen Albums melden sich die vier Jungs von Dementi zurück. Was es mit dem Betteln auf sich hat, wie alles begann und vor allem, wie alles enden wird, erfahrt ihr im folgenden Interview mit Sänger Nico.
Hallo Jungs, schön, dass ihr heute Zeit findet, um mit uns dieses Interview zu führen. Stellt euch und eure Aufgaben doch bitte einmal kurz vor.

Nico: >> Nico am Gesang und Gitarre, Jens am Bass, Silvio Gitarre und Steffen am Schlagzeug. <<

Gehen wir doch gleich mal in die Vollen: Eure Texte sind teilweise sehr schwere Kost. Gab es da schon einmal Ärger?

>> Nein bisher noch nicht, wobei ich persönlich unsere Texte nicht wirklich hart oder eben destruktiv empfinde, lediglich machen wir keine Party Musik, aber auch viele englischsprachige Künstler haben gute, nachdenkliche Texte, jedoch verstehen die meisten die Texte nicht und wenn es sich so schön dahin reimt, hören sie nicht wirklich hin. <<

Wie kommt ihr eigentlich auf die Texte und was beeinflusst euch beim Schreiben dieser?

>> Meist steht am Anfang eine Aussage oder eine Textzeile, die eine gewisse Situation beschreibt. Um die herum entwickle ich den Text. Mich beschäftigen die Bilder des täglichen Lebens. Zwischenmenschliche Gefühle und Gedanken, die man immer um sich herum in den Beziehungen zwischen den Menschen sieht und sich seinen Reim drauf macht. <<

Das Vorgängeralbum „Für heute reicht’s“ war in einem sehr provokativem Stil, sei es textlich und auch musikalisch gesehen. Führt ihr diesen provokanten Stil auf „Wer bettelt wird nicht gefüttert“ fort?

>> Das Album ist, denke ich, eine Weiterführung und Weiterentwicklung unseres Sounds vom Vorgänger „Für Heute Reichts“. Die anderen Impulse von unserem neuen Schlagzeuger und die neu gemachten Erfahrungen mit der Produktionstechnik spiegeln sich positiv in den Songs wider. Textlich sind auf dem Album derbe Stücke wie „Dein zweites ich“ und „Je schneller du rennst“, aber der Tiefgang und die wichtigen Inhalte zwischen den Zeilen haben wir fortgeführt, damit im Kopf des Hörers die nachdenklichen Bilder entstehen um auch sein eigenes Leben und den Standpunkt dazu zu reflektieren. <<

Bereits 1997 gegründet, ist ja schon einiges an Zeit vergangen. Welche positiven und auch negativen Erfahrungen konntet ihr in diesem Zeitraum sammeln?

>> Positiv sind auf jeden Fall die Freunde und Fans, die wir über all die Jahre für uns gewinnen konnten. Sicherlich haben wir viel gearbeitet und jede Menge Geld verbrannt und auch „Falschen Freunden“ vertraut. Einige sehr feine Konzerte gespielt und mit anderen coolen Bands abgehangen. Das Geschäft selbst ist mit „BuyOn“-Pauschalen für Auftritte und die immer schwieriger werdende Live-Konzert Situation ziemlich am Boden. Wer nicht auftritt wird nicht bekannt und wer nicht bekannt ist bekommt keine Auftritte, so beißt sich die Katze selbst in den Schwanz. Die kleinen Kämpfer-Plattenfirmen lösen sich in Selbstgefallen auf. Die großen Label sind an Newcomern prinzipiell nicht interessiert und schrumpfen sich gesund. Die vier, fünf kleinen haben auch mit jeden Euro zu knuspern und konzentrieren sich auf ihre laufenden Akts und deren Platzierung im Markt. Durch meine Arbeit im eigenen Studio und mit anderen Bands bemerke ich leider immer noch genügend schwarze Schafe in dem Biz, die junge Bands mit Idealen das sauer verdiente Geld aus der Tasche ziehen. Da wird mit der Hoffnung und den Träumen der Jungs gespielt und Verträge
ausgehandelt, die in dem Status der jeweiligen Band eigentlich nur einem Geld bringen und
das ist nicht die Band. Auch Booking-Firmen, die deutschlandweit immer wieder die gleichen
Bands auf die Festivals drücken und wenn ihr Künstler A und B wollt nehmt ihr noch C und D im Paket. Sicher, es gibt kleine Festivals, die sich dem Trend entgegen stemmen, aber der finanzielle Hintergrund, die Resonanz der Fans und der Atem an sich reichen nicht lang genug aus. <<


Kommen wir zum aktuellen Album „Wer bettelt wird nicht gefüttert“. Wie lange haben die Arbeiten daran gedauert?

>> So gesehen vier Jahre, jedoch nicht wirklich, da wir nach Abschluss von „Für Heute Reichts…“ schon einige Anfänge für das neue Werk hatten. Durch unser eignes Studio hatten wir die Möglichkeit, nach der Arbeit und am Wochenende in aller Ruhe daran zu drehen. Durch den Besetzungswechsel an den Drums haben wir auch viel Zeit verloren, da wir alle Songs mit unserem neuen Schlagzeuger noch mal aufgenommen haben. Dies bedeutete doppelte Arbeit aber das Resultat entschädigt für all die Mühe. <<

Und wofür steht der Albumtitel?

>> Es ist einfach die Metapher für den Menschen an sich und auch in einer gewissen Weise der Standpunkt unserer Band. Wir haben uns nicht verbogen oder darum gekümmert, was andere von uns halten oder hören wollen, sondern immer unsere Musik durchgezogen. Das Ganze grenzt an Selbstbefriedigung und Egoismus, aber wenn wir uns danach richten würden, was Trend ist oder gerade so gerne läuft, wäre jede Stunde im Studio Zeitverschwendung gewesen. Mit dieser Haltung erntet man oft Unverständnis, jedoch ist genau dies was die Band ausmacht. Es gibt keinen Manager der uns zu Stefan Raab führt oder auf die Titelseite der Magazine. Wir biegen die Texte und Musik nicht in ein Radio taugliches Korsett. Dementi ist und bleibt wie es ist. Keiner hat gesagt, dass es leicht werden würde, dieses Leben, aber wir nutzen die Zeit hier für unsere Träume nicht für die Geldbörsen eines Labels. <<

Auf „Wer bettelt wird nicht gefüttert“ befinden sich ausschließlich deutsche Texte. Habt ihr auch schon einmal englische Texte geschrieben oder ist es eure Philosophie, rein deutsche Texte umzusetzen?

>> Immer wenn ich deutsche Bands höre, die versuchen es auf Englisch so richtig hart rüber zu bringen, fallen mir schlagartig zwei bis drei „Originale“ ein, deren Muttersprache Englisch ist und die nicht die üblichen Phrasen rauf und runter reiten. In so fern bleiben wir bei der deutschen Sprache. Sicher ist es auch hier nicht immer leicht die richtigen Worte für seine Gefühle zu finden, ohne gleich Schlager- oder „Ichreimdich“- Genre zu landen. Aber die aktuelle Entwicklung zeigt, dass es auch den Fans nach Texten in ihrer Muttersprache dürstet. Das Fahrwasser war immer sehr dünn zwischen Rammstein, Onkelz, den Ärzten und den Hosen aber mittlerweile erkennen auch die Fans und Journalisten, dass man nicht alles über diesen vierzackigen Kamm scheren kann und das auch hier, wie im Englischen, viel Nuancen, Spielarten und Zwischentöne sind, die eine individuelle Betrachtung verdient haben. Mir persönlich fällt immer wieder auf, dass die Leute mit mir darüber diskutieren, warum ich dies oder jenes so ausdrücke, warum unsere Texte so negativ sind oder melancholisch. Dann frage ich, was sie für Musik gut finden und höre dann die englischen Bands und wenn man die Texte übersetzt sind dort die gleichen Themen wie bei uns am Start, aber da sie sich so schön „hinenglischen“ lassen bemerken sie gar nicht, dass sie mehr „Böse Schwarzkittel Musik“ hören als wie sie in unserer Musik empfinden. <<
Textlich und auch musikalisch wollt ihr mit euren „Schuldnern“ abrechnen. Wem sind die Songs gewidmet?

>> Auf eine gewisse Art eine Abrechnung mit falschen Freunden die uns auf dem bisherigen Weg Knüppel in die Beine geworfen haben oder auf ihre ganz spezielle Art, dass Geld aus unseren Taschen. Dementi ist für uns nicht irgendeine Bierlaune, sondern ein ernsthaftes Projekt, bei dem jeder versucht soviel zu geben wie er kann. <<

„Was hält mich hier“, „Lügen“ und „Mit einem Engel“ könnten auch gut einer Frau gewidmet sein?

>> Ja, die zwischenmenschlichen Abgründe einer Beziehung… jeden Tag und immer wieder. Man braucht sich nur mal mit den Menschen um sich herum näher zu beschäftigen als das übliche „Hallo wie geht’s?“. Überall frierende Stacheltiere. Je näher die Menschen sich kommen, je mehr bohren sich die Stachel in das Fleisch, aber sie brauchen die Wärme. <<

Der Track „Die Finger deiner Hand“ ist etwas ruhiger, jedoch nicht minder intensiv. Wem ist dieser Text gewidmet?

>> Dies ist der letzte Song, den wir für dieses Album fertig gestellt haben, und er spiegelt den Weg wieder, den Dementi in Zukunft gehen könnten, denn er zeigt eine neue Richtung und Spielweise unserer Musik auf. Es ist ein Track voller Selbstzweifel an der Beziehung, den eigenen Platz im Leben und die Zukunft, die vielleicht da noch kommt. Man bittet um ein Stück weit mehr Gefühl und hofft, dass man den Moment spürt wenn es sich richtig anfühlt und ihn festhält. <<

Auch „Der große Regen“ und „Schweigen“ sind eher auf Melodie und Nachdruck bedacht als auf Härte. Was könnt ihr uns zu diesen Songs erzählen?

>> Schweigen ist einer der ersten Songs von Dementi, den wir schon eine ganze Weile mit uns herum tragen und endlich den Weg auf dieses Album gefunden hat. Er behandelt den größten Fehler einer jeden Beziehung. Der Tag, an dem man aufhört über seine Gefühle und Gedanken auch zueinander zu sprechen, ist der Anfang vom Ende einer Beziehung. <<

„Wer bettelt wird nicht gefüttert“ ist der Titeltrack. Warum wurde das Album ausgerechnet nach diesem Song benannt?

>> Wir haben lange überlegt ob das Album einen eigenen Namen bekommen soll, oder ob wir es nach einem Titel benennen. Schlussendlich ist die Wahl auf diesen Song gefallen, der viel Energie mit sich trägt und den Weg von Dementi und die Gefühle in uns zurzeit gut beschreibt. Gleichzeitig fassen die Bilder in diesem Song auch den roten Faden im Album zusammen. <<

Der Regen an sich scheint euch sehr zu beschäftigen, denn auch „ Warten Im Regen“ beschäftigt sich mit dieser Wettererscheinung. Hat das irgendwelche Gründe?

>> Viele mögen den Regen nicht. Ich könnte bei Regen stundenlang zusehen wie die Tropfen nieder platzen auf die Welt. Auf der eigenen Haut erscheinen die Tropfen fast wie Tränen. Der Regen ist aber auch immer eine Reinigung der Natur und wenn man sich darauf einlässt, kann es euch wie eine Reinigung der Seele sein. <<

Ebenso wurde „Der große Regen“ auch von Painbastard geremixed. Welche Bindung besteht zwischen Dementi und Painbastard?

>> Painbastard hat unser Album „Für Heute Reichts“ gehört und einen Sänger für einen seiner Songs „Hope Dies Last“ gesucht. Da meine Stimme ihm gut gefallen hat sind wir über Myspace in Kontakt getreten und haben uns übers Internet die Files zugeschickt und ich habe auf einem seiner Songs mitgewirkt. Beim Planen unseres Albums haben wir ihm dann die Rohtracks zugesendet und er hat sich einen für einen Remix rausgesucht. <<

Und wie ist es für euch, den eigenen Track im Remix zu hören?

>> Auf der einen Seite zeigt der Song eine ganz neue Seite und auf der anderen Seite macht es uns stolz zu hören, dass die Texte und Melodien von Dementi auch in anderen Musikrichtungen sehr gut funktionieren. <<
Bei „Das Buch“ und bei „Ein Atemzug“ habt ihr die Gastmusiker Rig (Janus) und die Band Amber geladen. Wie kam es dazu und welche Unterschiede ergeben sich demzufolge bei diesen Tracks?

>> Mir persönlich gefallen die Songs von Janus und deren kreative Arbeit sehr. Zwischen den vielen deutschen Bands haben Janus in der Szene meiner Meinung nach einen ganz eigenen Stil und eine Ausnahmestellung. Durch die Aufnahmen zum Album „Zweigefühl“ haben wir uns kennen gelernt und ich habe für sie zwei Live DVDs bearbeitet. Daher haben wir sie bei den Planungen für das Album angesprochen und gefragt ob sie etwas dazu beisteuern können. Amber haben wir auch über das Internet kennen gelernt, sind über die Webseite in Kontakt getreten und haben Amber um eine Mitarbeit gebeten. Der Song „Ein Atemzug“ wird durch seine elektronischen Sounds und die Stimme von Amber in eine komplett andere Richtung gezogen und erweitert das Spektrum des Albums so, wie wir es uns auch vorgestellt haben. Der Song „Das Buch“, den sich Janus ausgesucht haben für ihre Zusammenarbeit, ist eine Wiederveröffentlichung unserer ersten Maxi CD und hat über all die Jahre eine Neubearbeitung und eine neue Tiefe durch die Stimme von Janus erhalten. Wir sind allen Bands, die uns auf diesem Album geholfen haben, sehr dankbar für ihre unkomplizierte und kreative Zusammenarbeit. <<

Seid ihr eher eine Studio- oder eine Live-Band?

>> In letzter Zeit haben wir sehr viel Zeit im Studio verbracht, aber wir wollen wieder raus auf die Bühne, denn dort ist unser eigentliches Zuhause. Wir hoffen durch das neue Album auch wieder bei einigen Veranstaltern den Fuß in die Tür zu bekommen und mehr Live-Aktivitäten zu zeigen. <<

Ihr ward ja auch schon mit In Extremo, Janus, Das Ich, Unheilig und auch Umbra et Imago auf Tour. Welche Impressionen habt ihr mit nach Hause genommen?

>> Die Tour mit Umbra et Imago war damals für uns eine große Chance und ein guter Schritt nach vorne. Auch die Support Möglichkeiten haben uns geholfen, Dementi einem neuen Publikum vorzustellen. Auch einige neue Fans konnten wir dadurch gewinnen und es hat uns Stück für Stück voran gebracht. <<

Wie schaut es 2009 mit Live-Gigs aus?

>> Wir sind am Bewerben für 2010 und den Herbst 2009, aber die meisten Sachen sind für dieses Jahr durch. Also versuchen wir im nächsten Jahr mit dem neuen Album auf Festivals eine Chance zu bekommen. <<

Und wie schaut es allgemein in eurer Zukunft aus?

>> ZurZeit liegt dies im Nebel und hängt schlussendlich von der Entwicklung mit dem neuen Album und in der Branche allgemein ab, ob es die Arbeit, Zeit und Geld noch wert sind, für die Musikwelt, die keinen tieferen Wert für Musik mehr empfindet. Wir werden sicher immer weiter unsere Musik machen, da es für uns ein Ventil ist um uns kreativ auszudrücken und die Dinge des Alltags zu vergessen und zu verarbeiten. Jedoch werden wir immer wieder neu entscheiden müssen, wie viel wir in die Werbung und Vermarktung investieren, vor allem in Zeiten vom Download und Konzerteinbahnstrassen. <<

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen euch viel Erfolg mit dem neuen Album. Um das Interview zu beenden, kann ich euch doch bestimmt noch ein paar letzte Worte entlocken?

>> Wer bettelt wird nicht gefüttert – keiner hat am Anfang des Lebens gesagt es würde leicht werden – Ein Dank an unsere Fans und Freunde für die Unterstützung über all die Jahre und ganz am Ende klatscht die Welt in die Hände. <<
http://www.dementi-band.de
Lucy von Leibnitz (www.promofabrik.de)


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