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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CHRIS WITCHHU ....

CHRIS WITCHHUNTER TRIBUTE KONZERT, 11.04.09, Oberhausen Turbinenhalle
Turbinenhalle Oberhausen

11.04.2009
Chris Witchhunter. Dieser Name ist wohl für alle Zeit mit dem deutschen Thrash-Metal fest verbunden und für jeden der die Geschichte der Band Sodom seit den Anfangstagen verfolgt hat, wird Chris wohl auch immer „der“ Sodom-Drummer bleiben, welchen sie mit der Band aus ihren Jugendtagen verbinden. Unvergessen, wie Chris Witchhunter auf „Mortal Way of Live“ mit seinem Drum-Solo die Menge anheizte. Obwohl Chris ja schon seit längerem nicht mehr bei Sodom aktiv war, wird sein Name immer eine feste Größe in der Geschichte des Thrash-Metal sein. Nach seinem für alle Fans überraschenden Tod im Herbst 2008, sollte ihm an diesem Abend sozusagen die letzte Ehre erwiesen werden und so versammelten sich noch einmal die Größen des deutschen Thrash sowie ehemalige Weggefährten mit ihren alten wie neuen Bands in der Oberhausener Turbinenhalle. Zum einen war es wohl eine Party die nach Aussage seiner Bekannten in Chris Sinne gewesen wäre, zum anderen sollte hier die Gelegenheit genutzt werden die Familie von Chris finanziell zu unterstützen, warum auch alle Bands selbstverständlich auf jede Art von Gage verzichteten. Was soll ich sagen? Ja, es war eine großartige Party. (JE)
Schon bei meiner Ankunft am Oberhausener Hauptbahnhof hatte ich das Gefühl eine Zeitreise in die 80’er gemacht zu haben. Eine wirklich erstaunliche Anzahl Thrasher hatte sich am Busbahnhof versammelt. Es wimmelte tatsächlich von speckigen Kutten, schwarzen Stretchjeans in weißen Basketballschuhen. Witzig war zu dem, dass die meisten Aufnäher deutlich älter schienen als ihre Träger, was wieder einmal der Beweis dafür ist, dass es sich beim Thrash-Metal um eine zeitlose Musikrichtung handelt, die alle Höhen und Tiefen überstanden hat und zum Glück generationstechnisch in die nächste Runde geht. Nachdem die Fans bereits im Bus lautstark gefeiert hatten, erreichten wir begleitet von lautstark gegrölten Tankard-Songs den Parkplatz vor der Halle. Hier herrschte bereits wahre Festivalstimmung und anhand der Nummernschilder konnte man erkennen, dass hier auch sehr viele Fans aus den Nachbarländern Belgien, den Niederlanden, Frankreich und sogar Italien und Spanien angereist waren. (JE)
Der leider einzige Tiefpunkt des Tages war dann allerdings die viel zu lange und viel zu langsam voranschreitende Schlange am Eingang. Tja, als wir endlich nach gefühlten neun Stunden Wartezeit in der Halle ankamen, hatten Blackfire die Bühne schon wieder verlassen. Sehr schade, denn eigentlich hatte der Auftritt des ehemaligen Witchhunter Weggefährten einen Weg in dieses Review finden sollen. Aber was soll’s, mit „Wortmord“ machte sich die Band um ein weiteres ehemaliges Sodom-Mitglied für den Auftritt bereit und zumindest ich hatte keinen Schimmer davon, wie die Band von Grave Violator klingen würde. (JE)
Leider waren Wortmord aus meiner Sicht eine einzige Enttäuschung. Die Band war leider so schlecht abgemischt, dass bei uns nur eine undefinierbare Lärmwand ankam, aus der man mit viel Wohlwollen so etwas wie Musik erahnen konnte. Auch von den deutschen Texten konnte man kaum etwas verstehen. Ein verstärkender Faktor mag vielleicht auch die Tatsache gewesen sein, dass die Musik von Wortmord nicht unbedingt als besonders eingängig beschrieben werden kann. Das Ganze tat der Stimmung der Fans allerdings keinen Abbruch und Wortmord wurden vor allem beim Gastauftritt von Tom Angelripper entsprechend abgefeiert. (JE)
Ein Highlight des Abends waren, vor allem für mich als alter Fan der Urbesetzung, „The Protectors“. Die Revival-Truppe um Protector-Sänger Martin Missy verbreitet von Anfang an eine sehr gute Stimmung und ich glaube, dass es gerade für die älteren Semester in der Halle eine wahre Freude war, die alten Hits von Protector noch einmal live sehen und hören zu können. Auch Martin Missy nutzte die Gelegenheit um an den verstorbenen Protector-Drummer Michael Hasse zu erinnern. Die Band beschränkt sich so auch überwiegend auf Songs aus der Frühphase und eben den 80ern. Knallersongs wie das legendäre „Golem“, „Kain and Abel“ oder „Urm the Mad“ brachten die Stimmung bei alten und neuen Fans zum kochen und so nutzte auch ich die Gelegenheit, nach mittlerweile nicht mehr meinem ersten Bier, dass Haarband in die Tasche wandern zu lassen und mal ordentlich die Matte zu schwingen. Bei einem solchen Billing darf man sich auch mal gehen lassen, oder? (JE)
Als nächstes stand dann erst einmal filigraner Thrash aus dem Schwabenländle an. Paradox hatten ersichtlich Spaß an ihrem Gig. Mastermind Charly Steinhauer und seine Combo feuerten Klassiker wie „Heresy“ oder „Collision Course“ in die Menge und diese feierten die Songs ordentlich ab. Immerhin waren Paradox seit zwanzig Jahren nicht mehr in NRW zu Gast und die Ankündigung auf ein neues Album, das im Herbst erscheinen soll, lässt darauf hoffen, dass vielleicht eine Tour der sympathischen Unterfranken auf Clubebene stattfinden könnte. Ich würde mich auf jeden Fall darauf freuen. Der Gig des Quartetts war für mich definitiv eines der Highlights auf dem Witchhunter-Festival. (HF)
Leider muss auch der ausdauerndste Metalhead irgendwann mal seinen Elektrolytehaushalt aufbessern und eine nahrhafte Portion Pressfleisch mit Kartoffelsalat aus dem Eimer zu sich nehmen, um den weiteren Abend unbeschadet zu überstehen. Leider ist der Auftritt der Ruhrpott-Thrasher von Darkness diesen lebenserhaltenden Maßnahmen zum Opfer gefallen. Na ja, gut zum einen gab es feste Nahrung zum anderen das belgische Starkbier, welches uns beim Luftschnappen auf dem Parkplatz angeboten wurde. Aber auch dies unterstreicht mal wieder nur die allgemein gute Grundstimmung des Tages. (JE)
Auf die Düsseldorfer haben sich viele der anwesenden Thrasher gefreut. Immerhin haben die beiden in den Achtzigern erschienenen Alben „The Upcoming Terror“ und „Interstellar Experience“ einen gewissen Kultstatus in der Fangemeinde. Die Band um Sänger Robert Gonnella war extrem spielfreudig und die Stimmung im Publikum steigerte sich von Song zu Song. Bei der Bandhymne „Assassin“ gab es schließlich kein Halten mehr, fast jeder schrie und gröhlte den Refrain des Songs mit. Leider war dann auch Schluss mit dem Gig, aber Assassin konnten mit erhobener Brust die brodelnde Halle verlassen. (HF)
Pünktlich zum Auftritt von Holy Moses hieß aber dann wieder, Arschbacken zusammenkneifen und rein in die Halle. Auch Holy Moses widmeten ihren Auftritt weitestgehend den Hits aus den 80ern. Im Vordergrund standen somit vor allem Songs der „Finished with the Dogs“- und „The New Machine of Lichtenstein“-Alben wie zum Beispiel das zeitlose „Live-Destroyer“. Aber auch Songs neueren Datums wie „End of Time“ wurden zum Besten gegeben und Shouterin Sabina Classen versteht es nach wie vor, die Menge in Wallung zu bringen. Kaum zu glauben, dass die Gute auch schon seit 1984 mit Holy Moses aktiv ist. Trotz manchmal gegenteiliger Aussagen der Fachpresse, liefern Holy Moses eigentlich immer gute und stimmungsgeladene Gigs ab und zu den Ur-Gesteinen des deutschen Thrash-Metal gehören sie sowieso und hätten an diesem Abend auch nicht fehlen dürfen. (JE)
Mit den Dänischen Urgesteinen Artillery stand nun die einzige nicht aus Deutschland stammende Band des Festivals auf der Bühne. Im Vorfeld war mir schon klar das in Punkto Stageacting, einzige Ausnahme Sänger Sören Adamsen, nicht all zu viel auf der Bühne passieren würde. Doch die Band um die Gebrüder Stützer prügelte sich ordentlich durch das starke Set und spielten sich dabei durch sämtliche Alben ihrer immerhin über zwanzigjährigen Karriere. Über „Time Has Come“ vom Debütalbum bis hin zu „ Cybermind“ vom famosen Reunion Album „B.A.C.K.“ wurde ein absolut geiler Querschnitt des bisherigen Schaffens der Band geboten. Einfach, Thrash, as it’s Best!! Nach diesem granatenstarken Auftritt bin ich sicher nicht der einzige, der sich auf neues Material aus dem Hause Artillery freut, denn ein neues Album ist in der Mache und soll dieses Jahr noch erscheinen. (HF)
Nach einer kurzen aber nicht weniger bewegenden Ansprache von Chris‘ Mutter, welche von „Witchhunter, Witchhunter“-Chören begleitet wurde, erklommen dann nun aller Zweifel zum Trotz Destruction die Bühne. Um den Auftritt der Band gab es ja im Vorfeld einige Diskussionen und zuerst ein Zu- dann eine Absage und am Ende dann doch die Bestätigung, dass Destruction trotz aller Streitigkeiten doch spielen. Eine sehr gute Entscheidung kann ich da nur sagen. Nebst Totenschädel-Microständer und den gewohnt, na ja sagen wir mal extravaganten Outfits, wurde auch bei diesem Auftritt hauptsächlich den Hits der frühen Jahre gefrönt. Neben Hits wie „Nailed to the Cross““ und „Mad Butcher“ wurden dann aber auch ein paar Songs des neuen Album „D.E.V.O.L.U.T.I.O.N.“ dargeboten, welche bei der Menge allerdings nicht ganz so gut ankamen. Zwischen den Songs gab es dann auch die eine oder andere Anekdote aus der gemeinsamen Zeit mit Chris zu berichten. Abschließen kann ich nur sagen, dass Destruction bei diesem Event auf keinem Fall hätten fehlen dürfen. Die Fans habe es ihnen an diesem Abend mit einem kochenden Saal entsprechend gedankt. (JE)
Als vorletzte Band des Abends standen nun die selbsternannten „Kings Of Beer“ Tankard auf der Bühne. Die immer mächtig Spaß machenden Frankfurter eröffneten ihren Set mit „The Morning After“, gefolgt von „Zombie Attack“ und schnell war klar das nichts mehr anbrennen kann. Sänger Gerre, der natürlich mehrmals seinen eigenen Biercontainer von seinem T-Shirt befreite, sowie Bassist Frank Thorwarth lieferten sich einen regelrechten Kampf in dem es wohl darum ging wer mehr gute Laune verbreiten konnte. Immer in Bewegung düsten die Beiden permanent über die Bühne und Songs wie „Beermuda“ oder „Chemical Invasion“ sorgten beim Publikum für rotierende Köpfe. Nach etwa einer Stunde stand dann mit „Empty Tankard“ schon der letzte Song an und ein Auftritt, der in Punkto Unterhaltungswert kaum zu überbieten ist, ging viel zu schnell zu Ende. (HF)
So, was kann man an so einem Abend eigentlich noch über einen Sodom-Auftritt schreiben? Der Moment auf den wohl der Großteil der angereisten Fans gewartet hatte war nun endlich da und Sodom betraten die Bühne, um mit dem finalen Thrash-Inferno über die Meute herein zu brechen. Ein Inferno war es allerdings nur aus musikalischer Sicht, denn das Trio um Tom Angelripper machte ordentlich Stimmung. Zur Songauswahl muss man eigentlich auch nicht viel sagen, denn mit Krachern und Klassikern wie „Ausgebombt“, „Der Wachturm“ oder „The Saw is the Law“ griffen Sodom an diesem Abend auf Altbewährtes zurück. Besonders für Stimmung sorgte dann das mittlerweile obligatorische „Aber bitte mit Sahne“ wodurch die allgemeine Stimmung noch etwas mehr an Qualität gewann. Auch diverse Gastauftritte ehemaliger Bandmitglieder wie z.B. Andy Brings rundeten das gesamte Event gebühren ab. Dazu soll noch gesagt werden, dass selbst ich mich, nach gehörigem Genuss des kühlen Gerstensafts, dazu habe hinreißen lassen, Sodom aus einer der vordersten Reihen zu beobachten. Was angesichts der Tatsache, dass für mich irgendwann mal “Obsessed by Cruelty“ das „aktuelle Album“ war, ganz schön an die Substanz ging. (JE)
Abschließend ist zu sagen, dass ein würdiger Nachruf auf Chris Witchhunter kaum gelungener hätte ausfallen können. Viele gute Bands, sehr geile, teils festivalartige Stimmung und eine passende Location werden diesen Abend noch lange in Erinnerung bleiben lassen. (JE)
Jan Edel / Holger Fey - Pics: Holger Fey


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