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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DAS ICH

DAS ICH
Von Touren, Vaterfreuden und dem Leben mit der Piraterie
Anlässlich des Live-Auftritts zusammen mit Gothminister in der Lagerhalle Osnabrück hatte ich die Gelegenheit mit Bruno und Stefan in sehr entspannter Atmosphäre, im Biergarten der Lagerhalle, zu sprechen. Trotz eines körperlich sichtlich angeschlagenen Stefan Ackermann waren beide sehr guter Laune und der Spaßfaktor bei diesem Treffen war enorm. Wer es nicht glaubt, kann ja mal die Lacher im folgenden Text zählen.
Wie habt ihr euch damals eigentlich kennen gelernt, vor 20 Jahren?

Bruno:>>(lachend) In einer Disco in Bayreuth. Das war mehr oder weniger zufällig. Wir habe uns damals über ein Mädel kennen gelernt mit dem wir beide mal irgendwie zusammen waren und so hat sich das dann ergeben.<<

Wo wir gerade bei Bayreuth sind, habt ihr einen Bezug zu Wagner oder generell zu Klassik?

Bruno:>>Ich habe natürlich schon sehr viel Bezug zur Klassik, alleine durch meinen Papa, der halt klassischer Tenor und Pianist war und ich natürlich dadurch sehr sehr früh, auch durch das Klavier, herangeführt wurde. Speziell zu Wagner jetzt nicht, obwohl Wagner natürlich ein sehr wichtiger Komponist in der Schnittstelle zwischen Romantik und Moderne ist. Er hat sehr sehr viele neue Techniken in die klassische Komposition eingebracht, aber er wäre jetzt nicht bei den klassischen Komponisten mein absoluter Favorit. Dennoch ist er sehr wichtig, wenn du dir heute Filmmusik anhörst, ohne Wagner würde sowas nicht existieren.<<

Stefan:>>Ich höre sehr gern Klassik, bin jetzt aber nicht so bewandert, da ich ja kein Instrument spiele. Dennoch höre ich es sehr gerne, es beruhigt mich sehr und lässt mich ein wenig in träumerische Gefilde absinken. Auch moderne Sachen wie z. B. Zwölf-Ton-Musik, da werde ich sehr ruhig. Mich fasziniert dieses Klangspiel und die Möglichkeiten.<<

Wie sieht’s denn aus, wann kommt jetzt das neue Album “Ritual”?

(beide lachen sich fast weg) Bruno:>>Ach, das ihr uns immer auf die Nerven gehen müsst mit dem neuen Album.<<

Ja, wir sind doch neugierig und wollen die neuen Stücke hören.

Bruno:>>Kann ich leider noch nicht sagen, wir müssen es erst fertig machen. Ich habe leider viel zu viel Arbeit mit dem Label und komme zur Zeit kaum dazu was für die Band zu machen.<<

Wie sieht es denn mit der Thematik des neuen Albums aus?

Bruno:>>Das möchte ich auch noch nicht verraten um die Spannung nicht zu sehr raus zu nehmen. Wenn es fertig ist können wir uns ja nochmal drüber unterhalten.<<

Werdet ihr denn heute noch neue Stücke spielen außer “Kannibale” und “Sing mir ein Lied”, die ihr ja schon öfter gespielt habt?

Bruno:>>Nee, das werden die Neuen bleiben. Ich meine, du musst es ja auch mal so sehen. Es sind heute zwei Bands, wo jeder für sich eigentlich ein Head-Liner ist und dadurch müssen natürlich die Programme generell etwas gekürzt werden. Da bleibt dann nicht mehr ganz so viel Raum für neue Sachen, wenn man die Stücke spielen will wegen denen die Leute hier sind.<<

Wer spielt denn nachher als erstes, ihr oder Gothminister.

Bruno:>>Ich denke Gothminister werden heute als erstes spielen. Wir haben zwar noch nicht drüber gesprochen, aber es wäre uns doch sehr lieb.<<

Stefan, die Ideen für Texte, wie ist da der Ablauf? Sprecht ihr vorher über die Thematik vom Album und dann fängst du an dir Gedanken zu machen, oder wie muss man sich den Ablauf vorstellen?

Stefan:>>Meistens ist es so das wir vorher drüber sprechen was für eine Thematik wir angehen wollen, also was wir in einem gewissen Rahmen angehen wollen. Dann ist meistens die Musik zuerst da und darauf schreibe ich dann den Text.<<

Als wir letztes Jahr auf dem WGT miteinander gesprochen haben hast du angedeutet, dass ihr auf dem Mera Luna nicht mehr spielen werdet. Wollt ihr dazu was sagen?

(allgemeines Gelächter) Stefan:>>Also von uns aus kommt das nicht. Es ist halt so, dass der Veranstalter uns irgendwie für Satanisten hält und er ist wohl sehr christlich. Ich denke mal da ist nichts persönliches dabei. Er hat sich auch mit uns noch nicht großartig drüber unterhalten. So ist es halt.<<

Ihr werdet also einfach nicht mehr eingeladen.

Stefan:>>Genau so ist es.<<

Ihr seit letztens in Russland auf Tour gewesen, wie war die Tour?

Stefan:>>Schön... Schön russisch... (lacht)<<

Ihr wart ja auch nicht das erste Mal da.

Stefan:>>Nee, es war die dritte Tour.<<

Bruno:>>Die fünfte insgesamt.<<

Stefan:>>Mein Gott wie die Zeit vergeht. Ja, es ist halt immer wieder ein Abenteuer durch die ganzen Zugreisen, und du weißt auch nie genau was dir da vor Ort so begegnet an Technik. Teilweise sind wir da auch schon mal fünf Stunden beschäftigt gewesen um die PA zum Laufen zu bekommen und ähnliche Dinge. Die russische Mentalität ist auch schon etwas anders als man es gewohnt ist. So nach dem Motto “Yeah yeah, alles cool, mach dir mal keine Sorgen, das wird schon.” Da kommt irgendwie fünf Mal ja, bevor ein Nein kommt, ach nee können wir doch nicht machen.<<
Bruno:>>Was sehr faszinierend ist an Russland, wir haben hier im Westen ein ziemlich eindimensionales Bild von Russland, was oft auch noch politisch gefärbt ist. Kein Wunder, wenn man sieht was Putin und sein Nachfolger Medwedew so anrichten, macht das schon manchmal Angst. Aber generell ist das russische Volk einmal kein Volk das nur aus einem Volksstamm besteht. Was die Russen verbindet ist letztendlich die Sprache, aber ansonsten gibt es unglaublich viele Völker in Russland, die alle eben auch ihre eigene, kulturelle Identität haben. Was so faszinierend ist an diesem Land ist natürlich die unermessliche Größe. Du fährst tageland, wochenlang mit dem Zug durch das Land und es findet kein Ende. Früher in meiner Schulzeit war Novosibirsk irgendwie für mich das Ende der Welt, dabei ist es gerade mal die geographische Mitte des Landes. Es geht noch viel weiter. Bei der letzten Tournee sind wir dann auch noch viel weiter nach Osten gereist, bis nach Irkutsk, was schon an der mongolischen Grenze liegt. Es ist schon interessant diese kulturelle Vielschichtigkeit zu sehen. Was die Russen gemein haben ist, dass sie ein sehr angenehmes und friedvolles Wesen haben, zumindest uns gegenüber.<<

Ich könnte mir vorstellen, dass es auch landschaftlich sehr beeindruckend sein kann.

(Allgemeines Gelächter) Bruno:>>Nee, das schaut immer gleich aus. Wir hatten schon die Vermutung man hätte uns eine Foto-Tapete vor das Abteilfenster geklebt.<<

Martin:>>Was du jetzt gar nicht thematisiert hast ist die Frage woraus eigentlich die meiste Zeit auf so einer Tour besteht. Willst du wissen woraus? Aus warten.<<

Stefan:>>Stimmt!<<

Martin:>>Warten auf’s Auto, warten auf den Fahrer, warten auf den Sound-Check, warten auf den Auftritt, warten auf den Zug, warten auf’s Ankommen, warten, warten warten.<<

Gibt es noch Länder von denen ihr sagt, da würden wir gerne mal spielen, da sind wir noch nicht gewesen?

Bruno:>>China, Australien<<

Stefan:>>Afrika fände ich mal sehr cool.<<

Woher nimmt man nach 20 Jahren noch die Energie und die Motivation zu sagen: Komm, wir stellen uns immer noch jeden Tag auf die Bühne und machen unser Ding?

Stefan:>>(lachend) Weil uns niemand sonst einen Job geben würde.<<

Bruno:<<Na das würde ich mal so jetzt nicht sagen.<<

Stefan:<<Nee, das war auch nur ein Scherz. Wo nimmt man die Motivation her? Keine Ahnung, wir sind halt ein eingespieltes Team, wir wissen was wir wollen und wir haben auch immer noch Ideen. Er ist zwar mittlerweile nicht mehr ganz so wichtig, dieser Faktor Band, weil es ja auch immer schwieriger wird als Musiker von Musik zu leben. Dank der ganzen Downloads und so ist es natürlich schwierig. Sich dann zusammen zu finden und zu sagen wir gehen es nochmal an, dass braucht dann auch schon Phasen dazwischen wo weniger passiert. Aber ich denke wir machen es beide noch sehr gerne, bis auf so ein paar Schlächter die man so dabei hat. (Blickt rüber zu Martin und wieder macht sich Gelächter breit)<<

Bruno:<<Na ja, ich sag’ mal so, es ist ja auch nicht wirklich jeden Tag, das hast du natürlich jetzt etwas überspitzt dargestellt. Wenn man es mal hochrechnet, dann sind wir vielleicht drei oder vier Tage im Monat unterwegs. Es gibt natürlich immer Zeiten wo es etwas gebündelt ist, wie jetzt auch mit so einer Tour. Es kommen aber auch wieder ganz lange Zeiten wo gar nichts ist. Wir hatten jetzt vor der Tour wie viele Monate wo gar nichts war? (blickt zu Stefan rüber)<<

Stefan:>>Drei, oder vier? Ich glaube vier.<<

Bruno:>>Vier Monate.<<

Was macht ihr in der Zeit dazwischen? Um den Akku wieder aufzuladen, sage ich mal.

Bruno:>>Na ja, also eigentlich in erster Linie arbeiten. Da bleibt wenig Zeit. Ich habe mit dem Label einen Full-Time-Job, da bin ich am Tag durchschnittlich zwischen 14, manchmal 16 Stunden beschäftigt. Da bleibt nicht mehr so wahnsinnig viel Zeit.<<

Muss man also in gewisser Weise schon ein Workaholic sein in deinem Fall, oder?

Bruno:>>Ich weiß nicht. Es macht natürlich auch Spaß, die Arbeit, so ist es ja nicht. Wenn du viele Künstler hast und vor allem, wenn du viele junge Künstler hast, die sind halt noch nicht so erfahren und da sind halt permanent irgendwelche Fragen über Dieses und Jenes und viele Reibungsverluste. Ich sage mal so, würde man einiges noch ein wenig straffer organisieren, dann käme man vielleicht auch mit einem normalen Arbeitstag hin. Ich bin wahrscheinlich auch selbst viel zu “messi”. (lacht)<<

So nach 20 Jahren, kommt euch da manchmal der Gedanke ans Alt werden?

Stefan:>>So im alltäglichen kommt das schon vor, die Knochen tun weh, das frühe Aufstehen wird immer schwieriger. Mal auf Tour zu sein und wirklich Nächte durch zu feiern geht schon gar nicht mehr, aber sonst geht’s schon.<<

Bruno:>>Ja, Familie gründen zum Beispiel. Das ist was ganz Neues. Das hätte ich früher nie gedacht, aber genau das mache ich jetzt gerade.<<

Na dann meinen Glückwunsch!

Bruno:>>Danke.<<

Martin:>>Ja, Bruno wird Papa und ich bin der Patenonkel. (Gelächter)<<

Oh ha, ein Metzger als Patenonkel, da wird das Kind dann erstmal mit Blut getauft anstatt mit Wasser, oder wie?

Bruno:>>(blickt zu Martin) Ich glaube wir müssen uns nachher nochmal unterhalten wir zwei! (allgemeines Gelächter) Es sind Vegetarier hier.<<
Martin:>>Na wir können ja auch mit Salatdressing...<<

Bruno:>>(immer noch lachend) Ja genau, mit Salatdressing!<<

Wenn man sich euren Bühnenauftritt anschaut, dann war der in den frühen Jahren ja schon etwas extremer, war das eine bewusste Entscheidung das etwas zurück zu schrauben, da ihr ja damals in den Anfangstagen ja auch nicht immer einverstanden mit den Reaktionen des Publikums wart, die sich dann mehr auf das Äußere beschränkten als auf die Inhalte?

Stefan:>>Das hat sich eigentlich immer von Album zu Album ergeben. Es gab zwar mal Phasen wo es für zwei Alben das Gleiche war, aber ansonsten hat sich das eigentlich immer ergeben und es wird sich jetzt mit dem neuen Album mit Sicherheit auch wieder was ändern.<<

War also der Auftritt an die Thematik des jeweiligen Albums angepasst.

Stefan:>>Ja genau, so in etwa kann man das sehen.<<

Martin:>>Na schau mich Metzger doch mal, was ich so an Kunstblut verbrauche für einen Auftritt.<<

Na ja gut, aber wenn ich da so an Stefan in den frühen Neunzigern denke, da hat man sich in der ersten Reihe richtig erschrocken wenn der auf die Bühne kam.

Bruno:>>Das liegt aber auch ein stückweit daran, dass ihr alle viel zu viele Horror-Filme schaut und gar nicht mehr sensibel genug seit.<<

Wo seht ihr die Vor- und wo die Nachteile vom Musikerleben?

Bruno:>>Es gibt mehrere Nachteile bevor man ein Loblied auf die Vorteile singt. Ein Nachteil ist, das du mehr oder weniger immer in einem Zeitstillstand lebst. Letztendlich, das Publikum was nachkommt, die sind immer in einer ähnlichen Altersgruppe. Klar gibt es da eine gewisse Spanne, aber du bleibst dadurch ein Stückchen weit immer so ein Berufsjugendlicher. Du wirst dadurch auch immer ein wenig gehindert dich als Mensch, ich sage es jetzt mal in Anführungsstrichen, “normal zu entwickeln”. Ich meine, was ist schon normal. Letztendlich gibt es aber doch so gewisse Phasen im Leben die man ganz bewusst durchleben muss, von Pubertät über wirkliches erwachsen sein bis hin zum alt werden. Auf der anderen Seite stehen natürlich diese unglaublichen Erfahrungen. Du bist auf der ganzen Welt unterwegs, siehst so viele Dinge, du hast Kontakt zu vielen Menschen, du bekommst so viel Wärme durch das Publikum, sodass du regelrecht davon auch süchtig werden kannst. Es gibt auch Leute die davon regelrecht abhängig werden, die dann wirklich darunter leiden wenn ihnen das entzogen wird.<<

Gibt es Sachen, von denen man rückblickend denkt, die bereuen wir. In der ganzen Zeit die ihr jetzt im Geschäft seit. Also Dinge von denen man wirklich sagt, oh Mann, das würde ich gerne rückgängig machen?

Stefan:>>Wenn ich da bei mir persönlich an die ganzen Frauengeschichten denke, dann ja. (Gelächter) Aber der Rest ist eigentlich im Großen und Ganzen ok.<<

Bruno:>>Letztendlich ist ja alles was man macht mit dem Aufbau von Erfahrung verbunden. Solange es jetzt nicht Dinge sind für die man sich unendlich schämt. Das sind dann sicher Dinge die man gerne rückgängig machen würde, aber die kann man ja auch verdrängen.<<

Wenn man die Szene betrachtet. Zu euren Anfangszeiten war es ja doch ein recht kleiner Haufen. Heute ist es ja schon doch ein bisschen kommerzieller. Hat man da manchmal Gedanken wie “Früher war es schöner” oder so?

Bruno:>>Jede Zeit hat ihren eigenen Reiz, denke ich mal. Du kannst einfach nicht sagen irgendwas ist schöner gewesen. Ich kenne auch genug “Alt-Grufties” die dann rumrennen und jammern früher war alles besser. Letztendlich erinnert mich das auch an viele Leute die wir in unserer Anfangszeit kennen gelernt haben die dir dann vorgeschwärmt haben wie cool doch alles in den 70ern war und wie scheiße doch heute alles ist. Da habe ich mir damals schon gedacht, wann die eigentlich merken das sich alles permanent weiterentwickelt. Die Szene hat heute auch ihren ganz eigenen Reiz, sie ist extrem vielschichtig, hat ganz ganz viel zu bieten, sie hat natürlich auch Schwachpunkte. Hatte sie damals aber auch schon. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, gerade ich der reinen Gothic Bewegung, ich meine jetzt nicht diese Punk-Wave-Bewegung, die ja immer mit Fun verbunden war, aber diese wirkliche Ur-Gothic-Bewegung damals, das war schon ein ganz schön blutleerer, frustrierter Haufen, der keinen Spaß verstand, der in erster Linie dem asketischen Existentialismus angehangen hat. Da habe ich mich persönlich auch schon sehr zurücknehmen müssen und habe mir gedacht, lass die ihr Ding machen, aber so viel hat das mit meinem Weltbild nicht zu tun.<<

Das Schöne war aber damals, wenn du in deine Stamm-Diskothek gefahren bist, da kannte jeder jeden und es war doch irgendwie eine andere Zeit damals.

Bruno:>>Das ist in der Matrix-Bochum nicht ganz so easy, da jeden zu kennen heutzutage.<<

Es war schon ein bisschen familiärer und das ist doch etwas verloren gegangen.

Bruno:>>Ja sicher, aber ich meine man trifft ja doch irgendwie immer seine Spezies an der Bar.<<

Stefan:>>Erstens das und Zweitens, das Familiäre war früher auch das, dass die alle in deiner Altersklasse waren, mit dir kommuniziert haben und da ein Austausch stattgefunden hat. Heute in der Matrix-Bochum da sind natürlich viele junge Leute. Da bekommst du überhaupt keinen Kontakt mehr, die gucken dich an und denken was will denn der alte Sack von uns. Also das Familiäre geht nicht nur von der Größe aus, sondern auch von der Tatsache des mehr oder weniger gleichen Alters.<<

Wie seht ihr die ganze Piraterie-Geschichte, wo geht die Zukunft der Musik-Industrie hin?
Bruno:>>Klar geht einem dadurch viel verloren, aber man muss es ja auch so sehen, dass nicht unbedingt die Leute die dir das antun letztendlich deine Musik auch kaufen würden, im Normalfall. Letztendlich hat die Piraterie auch erst möglich gemacht, dass wir in Südamerika oder auch Russland spielen können. Ohne die Internet-Tauschbörsen wäre das nie möglich gewesen. So gesehen hat das alles zwei Seiten. Wir empfinden das als nicht so problematisch. Klar, die Verkaufszahlen sind zurück gegangen, das liegt aber auch an anderen Dingen. Meiner Meinung nach liegt das auch daran, das Jugendliche heutzutage mit dem Budget was sie zur Verfügung haben, was auch nicht sehr viel gewachsen ist, viel mehr verschiedene Dinge abdecken müssen. Da muss ne Internet-Flatrate bezahlt werden, ne teure Handyrechnung, es sind Videospiele da, man will die neue wii haben, man will ein neues Nintendo-Sonstwas haben. Klamotten sind heute auch nicht unbedingt billiger. Da kommen so viele Sachen zusammen. Sind wir mal ehrlich, Musik hat auch in der heutigen Zeit so ein bisschen ihre Wichtigkeit verloren.<<

Denkt man da manchmal, dass die Major-Labels ein wenig selbst dran Schuld sind, weil sie den Verbrauchern anerzogen haben Musik als Produkt zu sehen und weniger als Kunst?

Bruno:>>Nee, ich sehe es sogar ein bisschen anders. So wie jedes Kulturgut irgendwann einmal den Höhepunkt seiner Epoche hatte, so fängt es irgendwann an ein gewisses Nischendasein zugunsten neuer kultureller Identifikations-Tools zu entwickeln. Gutes Beispiel dafür, wenn du mal zurückblickst in die Zeit der Aufklärung. Da war das Buch das Medium der Stunde, des Jahrhunderts. Über das Buch haben Menschen ihre Identifikation und ihre Persönlichkeitsentwicklung nach vorne getrieben und sich die Welt quasi begrifflich erarbeitet. In unserer Zeit, das Ganze passierte schon in den 50er und 60er Jahren, war genau in diesem Zeitraum der Individualisierung die Musik das Medium schlechthin, um als junger Mensch dir dein persönliches Universum aufzubauen und deine Identität zu finden und auszubauen. Das ist heute nicht mehr so. Liegt auch ein bisschen daran, das Musik ein Prozess ist, der in erster Linie eines erfordert, einen Rezipienten, einen Zuhörer und sonst nichts. Leute in dieser heutigen Welt haben einen ganz neuen Erfahrungshorizont, der sich mehr darauf bezieht zu interagieren. Darum sind solche Plattformen wie MySpace so unglaublich erfolgreich, weil sich Menschen selbst darstellen können. Da ist Musik letztendlich nur noch ein Vehicle, was jeder vielleicht gerne selber machen möchte. Darum gibt es auch so viele junge Bands mittlerweile. Jeder macht selbst Musik und es ist kaum Zeit da um Musik anzuhören. Genau deshalb hat Musik diesen Stellenwert den sie mal hatte ein bisschen verloren. Darum glaube ich nicht so sehr, dass es an der Kopiererei liegt, sondern einfach, dass Musik so ein Nischendasein führen wird, in der Zukunft, wie es heute der Buchmarkt tut, der auch gewaltig geschrumpft ist. Er ist nach wie vor existent, aber er ist gewaltig geschrumpft, wenn du es vergleichst mit vor 60 oder 70 Jahren.<<

Ich denke ja immer noch, dass der “Niedergang” eingesetzt hat mit der Einführung der CD, weil es ab da plötzlich möglich war Musik ohne Qualitätsverlust zu kopieren.

Bruno:>>Also, ich gebe zu bedenken, dass nicht automatisch jeder der eine CD kopiert sich diese auch unbedingt gekauft hätte. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt, darüber gibt es mittlerweile auch fundierte Studien.<<

Stefan:>>Wie zu Vinyl-Zeiten, das ist wirklich genau das gleiche wie mit den Cassetten-Tapes.<<

Bruno:>>Das hat halt nur verdammt lange gedauert.<<

Stefan:>>Zum Einen das und zum Anderen hatten die wirklich ne üble Qualität.<<

Bruno:>>Du weißt es doch selbst noch von damals, nur weil du dir ein Tape kopiert hast, hieß das doch noch lange nicht, dass du dir auch die Scheibe gekauft hast. Vielleicht wenn es wichtig war. Aber sonst, hat man doch gesagt, das höre ich mir mal nebenbei an. Die großen Schätze, die wirklich wichtig waren, wie ne neue Sisters oder was weiß ich auch, die hast du dir natürlich gekauft.<<

Wie sieht es aus mit Zukunfts-Plänen? Habt ihr den Gedanken vielleicht in fünf Jahren oder so mal aufzuhören, oder denkt man da gar nicht drüber nach.

Bruno:>>Zukunft ist ein permanenter Prozess, irgendwas wird sich immer ergeben. Ich weiß nicht, man muss einfach mal schauen. Stefan, hast du irgendwelche Zukunfts-Pläne?<<

Stefan:>>Zukunft planen ist eh immer schwierig. Zum einen machen wir das ja nicht um irgendwie Geld zu verdienen oder den Zuspruch von den Leuten zu haben, sondern wir finden einfach auch immer wieder gerne die Zeit um miteinander zu arbeiten. Das ist aber ein Aspekt der lässt sich nicht wirklich planen. Es kann natürlich sein, dass wir irgendwann in fünf oder acht Jahren mal nichts mehr miteinander zu tun haben wollen. Wo man dann sagt ok, dann macht halt jeder so seinen Kram, das wäre auch in Ordnung. Das ist aber im Moment bei uns nicht so. Außerdem Zukunft planen, lieber nicht, weil das geht doch eher nach hinten los.<<

Aber so direkte Gedanken ans Aufhören gibt es nicht?

Stefan:>>Es gibt immer mal wieder so Phasen, wo man drüber nachdenkt. Macht das alles überhaupt noch Sinn, warum machen wir den ganzen Kram eigentlich noch, aber das sind mehr so Hinterfragungen, aber so direkte Überlegungen eigentlich nicht.<<

Kann man also davon ausgehen, dass es euch noch eine Zeit geben wird.

Bruno:>>Ja, das denke ich doch.<<

Stefan:>>Ich habe eine lange Lebenslinie, ich weiß jetzt nicht wie das bei Bruno aussieht.<<

Bruno:>>Ich werde jetzt in erster Linie mal Papa und da muss man eh schauen in wie weit sich da alles verschiebt. Das ist ja auch so eine Sache für sich.<<

Auf jeden Fall ein zeitintensiver Job, Papasein.

Bruno:>>Den will ich auch auf alle Fälle extrem professionell betreiben!<<

Habt ihr noch was, dass ihr euren Fans gern mitteilen wollt?

Bruno:>>Die hören unsere Musik, dafür sind wir ihnen extrem dankbar! Mehr gibt es da eigentlich nicht denke ich.<<
http://www.dasich.de / http://www.myspace.com/dasich
Ingo Bordewick


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