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MAGAZIN :: Index: 'A' :: Amok: Er ....

Amok: Erfurt und eine Folge
Der Fall ist bekannt, jeder hat es mitbekommen und jeder dürfte angesichts des völlig wahnsinnig scheinenden Amoklaufes eines Thüringer Schülers, der insgesamt siebzehn Tote forderte, schockiert und entsetzt sein. Nach der ersten Sprachlosigkeit und sicher ehrlich gemeinten Beileidsbekundungen, drängt sich überall die Frage nach dem „Warum“ auf: Eine Nachahmungstat? schlicht psychologische Defekte? soziale Vereinsamung? Was auch immer den neunzehnjährigen ehemaligen Schüler des Erfurter Gymnasiums zu dieser Wahnsinnstat getrieben hat, die Gründe werden wir nie genau ermitteln können, denn der Täter ist tot. Er hat sich schließlich, als es keinen Ausweg mehr gab, da die SEKs der Polizei längst die Situation unter ihre Kontrolle gebracht, selbst gerichtet. Da es nun keine überzeugende Begründung mehr geben kann fragt sich die Öffentlichkeit, was tun. Der ein oder andere Politiker, wie CSU Kanzlerkandidat Stoiber hat bereits am nächsten Tag eine einfache Antwort parat, eine allzu einfache. Schuld an solchen Taten und der gesamtgesellschaftlichen „Verrohung“ sei die „Gewalt als Vorbild“. Gewalt als Vorbild für Jugendliche? Gemeint sind explizit Computerspiele und einschlägige Filme, die quasi „Anleitungen für Amokläufer seien“ und deren Produzenten nun geächtet werden müssten. „Wir brauchen diesen Schund nicht.“ und Bild titelt „Er hörte Satansmusik“ das ist die klare öffentliche Reaktion auf ein in seiner Grausamkeit sicher singuläres Ereignis. Klar Herr Stoiber, verbietet man diesen „Schund“ wird sicher Friede auf Erden herrschen. Mein lieber Herr Kanzlerkandidat, bei aller Hilflosigkeit angesichts einer solchen Situation: Zensur ist keine Lösung. Weder Computerspiele, noch Filme, noch Bücher und Gemälde, noch Death und Black Metal, Goth oder was weiß denn ich für CDs, die wieder mal in der Liste der unerwünschten kulturellen Ausfallerscheinungen aufgenommen wurden, dürften ausreichendes Potenzial besitzen, um einen immerhin als Erwachsen geltenden Menschen zu derartig gestörten Verhalten aufstacheln zu können. Sind also folglich keine geeigneten Maßnahmen, um dieses psychologische Phänomen zu erklären, geschweige denn es zu lösen. Zensur macht Dinge nur interessant, ganz abgesehen vom anscheinend unwesentlichen Beiwerk: der unveräußerlichen Menschenrechte, also der persönlichen Meinungsfreiheit. Diese bedeutet auch unbequeme und vielleicht auch verstörende Aussagen (in all seinen Formen) wenn schon nicht zu akzeptieren, dann doch wenigstens hinzunehmen. Grenzen derselben gibt es natürlich, diese müssen aber nicht erneut gezogen werden, sondern sind bereits klar im Grundgesetz verankert. Aber dieses Verfassungsdokument kann man ja entsprechend der eigenen politischen Couleur ändern, oder wie stellen sie sich das vor, Herr Stoiber?
Geeigneter scheint da schon der andererorts immerhin angedachte aber nur schwer umzusetzende Versuch illegale und auch vielleicht auch legale Waffen möglichst aus der Gesellschaft zu entfernen. Leider wird dieses an den Realtitäten der sogenannten „zivilisiertren Welt“ scheitern. was tun? ich weiß es nicht, vielleicht hilft der Versuch mehr Menschlichkeit im Umgang miteinander zu üben, vielleicht hilft es auch Gewalt als Lösung von Problemen weiterhin und verstärkt als inakzeptabel zu brandmarken aber die Zensur zu bemühen halte ich für sinnlos, denn durch diese Bayrischen Vorschläge wird kein Schmerz gelindert und keine neue Tat verhindert. Das einzige was sicher ist, die verfassungsmäßige Meinungsfreiheit würde mal wieder beschnitten.
Auch von hier aus, unser aller tiefes Mitgefühl für all die Opfer, die Freunde und Familien der Schüler und Lehrer, die unvermittelt zu Hinterbliebenen geworden sind.
Sven Bernhardt


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