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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DIGITAL FACTO ....

DIGITAL FACTOR
Zurück zu den Wurzeln
Digital Factor zählt zu den dienstältesten Elektro-Bands aus dem Osten unseres Landes. Seit nunmehr 16 Jahren treiben die Jungs ihr Unwesen auf den Bühnen dieses Landes und haben unlängst mit "Look Back To Go Forward" ihr neuntes Studio-Album veroffentlicht. Grund genug sich einmal eingehender mit Torsten, Mike und Guido zu befassen. Heraus gekommen ist dabei ein sehr interessantes, lustiges und abwechslungsreiches Gesprächsprotokoll. Also viel Spaß beim lesen.
Als Erstes für die Leser die euch nicht kennen sollten, erzählt doch einfach mal ein bisschen wer ihr seit und wie ihr euch zu Digital Factor zusammengefunden habt. Außerdem würde mich sehr interessieren wie ihr euch gegenseitig seht, da es ja doch immer recht schwer ist sich selbst zu beurteilen.

Torsten: >>Gemessen an der Lebenszeit von Künstlern im Musikbusiness sind wir vermutlich schon fast alte Herren. Die Band wurde 1993 gegründet und ist damit seit 16 Jahren aktiv. 1994 erhielten wir unseren ersten Plattenvertrag beim dänischen Label Hard Records, welche uns dann nach Deutschland zu Hyperium/Hypnobeat lizenzierten. 1996 unterschrieben wir dann einen Vertrag direkt bei dem Nürnberger Label. Gefunden haben wir uns 1993 über eine Anzeige in einem Musikgeschäft in Altenburg. Tino Schmidt und ich hatten damals ein elektronisches Studioprojekt und Mike kam aus einer eher rockigeren Waveband. 2000 verließ Tino die Band und 2002 kam Guido hinzu. Damit sind wir seit unserem 2006er Release wieder zu dritt am Start. „Look Back To Go Forward“ ist unsere mittlerweile neunte Veröffentlichung.<<

Guido: >>Mike ist der Geschäftsmann in der Band. Er managet alle geschäftlichen Dinge und kümmert sich außerdem um das Marketing.<<

Mike: >>Torsten ist unser Studio-Mann. In Dresden entstehen die Endproduktionen, für die Torsten verantwortlich ist. Außerdem kennt er sich in allen technischen Belangen aus.<<

Torsten: >>Guido bastelt permanent an Ideen für die Bühnenpräsenz und entwickelt Ideen für Konzerte. Außerdem organisiert er die gesamten technischen Belange und die Infrastruktur für die Liveaktivitäten. An den Songs für die Band arbeiten wir alle Drei.<<

Man kann euch ja nach 16 Jahren Bandgeschichte schon als Urgesteine bezeichnen. Seht oder habt ihr euch irgendwann mal als “Vorreiter” für den düsteren Elektro gerade im Osten der Republik gesehen?

Torsten: >>Wir haben darüber eigentlich nie groß nachgedacht. Aber so manches Mitglied von bedeutenden Bands aus dem Osten kennen wir noch als Besucher unserer Konzerte. Ob wir deshalb nun Vorreiter waren, wissen wir nicht. Aber wir haben zumindest gezeigt, dass man mit Electro/EBM erfolgreich sein kann. Übrigens handelt der Song „East German Attitude“ auf „Look Back To Go Forward“ ein wenig davon.<<

Nach dem letzten Album “One More Piece” ist die aktuelle Scheibe “Look Back To Go Forward” wieder deutlich schneller ausgefallen. Wo lagen die Gründe sich von den ruhigen Tönen wieder zu verabschieden?

Mike: >>Beide Alben haben einen komplett unterschiedlichen Entstehungshintergrund. „One More Piece“ war nach knapp sieben Jahren Veröffentlichungspause der Band so etwas wie ein Neuanfang. Vorher haben Torsten und ich hauptsächlich für andere Künstler mit teilweise auch anderer Stilistik gearbeitet. In dieser Zeit haben wir musikalisch sehr viel experimentiert. Diese Zeit haben wir ein Stück mit der „One More Piece“ aufgearbeitet. Während den Arbeiten kam Guido hinzu und wir mussten hier auch unsere neue Arbeitsweise finden. „Look Back To Go Forward“ hatte insofern ganz andere Startbedingungen. Es ist das erste Album, an welchem wir von Beginn an, zu dritt gearbeitet haben. Auch hatten wir die Livekonzerte zu „One More Piece“ noch frisch in Erinnerung.<<

Guido: >>Ich kenne Torsten und Mike schon länger, stand beim Thema Digital Factor früher aber vor und nicht auf der Bühne. Letztlich mochte ich die Härte der Musik von DF. Für mich war es großartig, als wir uns entschieden hatten, mit der „Look Back To Go Forward“ wieder an die großartigen Alben wie „On Demand“ oder „Relationships“ anzuknüpfen.<<
Der Titel des Albums sagt es ja eigentlich schon, die Frage die sich jedoch stellt, ist der Titel auch genauso gemeint wie man vermutet. Also, wolltet ihr mit Absicht Songs schreiben die sich anhören als wären sie schon was älter. Also “Back to the roots” sozusagen?

Torsten: >>Im Vorfeld der Produktionen haben wir unsere eigenen Alben aus den frühen Tagen intensiv angehört. Nachdem diese damals veröffentlicht waren, hat man als Künstler so seine Probleme, die eigene Produktion, mit einem entsprechenden Abstand, zu hören. Jetzt war dies erstmals wieder möglich. Zwischen dem Start der Arbeit an „Look Back To Go Forward“ und der „On Demand“ lagen immerhin zwölf Jahre. Irgendwie hat uns dies an die Wurzeln der Band zurückgeführt.<<

Guido: >>In einer Musikzeitschrift war kürzlich zu lesen, dass „Look Back To Go Forward“ die Unbeschwertheit der 90er zurück bringen würde. Wenn ich Torsten und Mike so beobachtet habe, als wir uns die alten Songs angehört haben, so scheint das zu stimmen.<<

Mike: >>Das ist richtig, wir sind damals unverkrampft an die Produktion gegangen. Das wollten wir bei „Look Back To Go Forward“ ebenfalls machen, und es ist uns gelungen. Wir wollten definitiv nicht etwas Neues kreieren, wir wollten unseren damaligen Sound mit unseren Möglichkeiten von heute machen.<<

Was haltet ihr im Allgemeinen von der Entwicklung im Elektro-Bereich, wo ja doch Vieles zur Zeit einfach gleich und einfallslos klingt. Glaubt ihr, dass mit zu viel Masse an Veröffentlichungen in den letzten Jahren die Qualität ein wenig auf der Strecke geblieben ist? Ist es heutzutage Dank der Technik einfach zu leicht für quasi jeden elektronische Musik zu produzieren?

Mike: >>Das Problem liegt ja eher weniger, an den einfacheren Möglichkeiten Musik zu machen. Es ist richtig, dass die technische Entwicklung hier vieles vereinfacht. Jeder hat aber das Recht kreativ tätig zu sein. Eher grenzwertig ist, dass viele Labels auf Masse setzen und alles veröffentlichen, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist.<<

Torsten: >>Irgendwann haben Labels auch begonnen, jedes Tape, so wie es kam, zu Veröffentlichen. Sowohl Hard Records als auch Hyperium/Hypnobeat haben in den Anfangstagen für Miete und Tonmeister in einem renommierten Studio viel Geld ausgegeben. In dieser Zeit haben wir gelernt, was es heißt, ein Album zu produzieren. Dies sind Erfahrungen, die wir noch heute nutzen. Da es bei den meisten Labels diese finanziellen Mittel nicht gibt, haben jüngere Bands keine Chance dies zu lernen.<<

Würdet ihr euch selbst eher als Studio-Band oder als Live-Band bezeichnen?

Guido: >>Digital Factor hat schon immer veröffentlicht, um einen Grund zu haben live zu spielen. Allerdings macht uns auch die Studioarbeit sehr viel Spaß, so dass wohl beides stimmen könnte.<<

Wo wir schon beim Thema live sind. Wie weit sind bei euch Pläne gediehen das Album live zu präsentieren? Gibt es bereits Konzert bzw. Festival-Termine?

Mike: >>Aktuell bereitet unsere Bookingagentur Konzerte vor, deren Schwerpunkt aber eher in der zweiten Hälfte von 2009 liegen dürfte. Auch gibt es Anfragen aus den USA und aus Südamerika, welche jetzt zeitlich eingetaktet werden müssen. Allerdings konzentrieren wir uns derzeit eher auf Clubkonzerte und mittlere Festivals. Auf den größeren Events wird man uns vermutlich erst im nächsten Jahr sehen können.<<

Glaubt ihr, das das Internet auf Dauer eine Chance für die Musik oder doch eher ein Schaden ist und welche Tipps würdet ihr jüngeren Bands mit auf den Weg geben die ja bekanntlich zur Zeit große Probleme haben Labels zu finden und Geld zu verdienen?

Torsten: >>Das Internet ist für den Musiker eindeutig eine Chance. Geht man erst einmal davon aus, dass er seine Musik zu den Leuten bringen will, so wird dies durch das Internet einfacher als früher. Er ist nicht mehr nur an die CD und den damit verbundenen Plattenvertrag gebunden. Ein Stück weit wird damit die klassische Labelstruktur an Bedeutung verlieren.<<

Mike: >>Eine junge Band sollte sich erst einmal von dem Gedanken verabschieden, Geld verdienen zu wollen. Am Start eine Karriere muss der Spaß an der Musik im Mittelpunkt stehen. Nur so kann ein Künstler wachsen. Wenn er das perfekt macht, dann kommt das Verdienen des Geldes von allein. Aber auch hier kann man sich mittelfristig vom klassischen Weg verabschieden. Die Tage des Plattenvertrages mit verrechenbarem Vorschuss und Geldern aus CD-Verkäufen sind gezählt.<<

Guido: >>Damit wären wir aber wieder bei den Chancen. Als junge Band brauche ich eben nicht unbedingt ein Label, um meine Musik zu vertreiben. Auch ohne CD eröffnet der digitale Weg viele Möglichkeiten.<<

Was glaubt ihr wie wird das neue Album bei den Fans gerade denen der ersten Stunde aufgenommen werden?

Mike: >>Oh, das solltest Du die Fans fragen. Aber wir hoffen natürlich, dass sie es mögen.<<

Das Album ist in meinen Augen sehr gelungen, wie zufrieden seit ihr selbst im nachhinein. Würdet ihr gern noch was dran ändern oder findet ihr es so perfekt?

Torsten: >>Ein Musiker würde vermutlich nie eine Ende finden. Die grausamste Zeit ist die, zwischen dem Mastern des Album und dem eigentlichen Release. Dazwischen liegen mindestens drei Monate. Man stellt sich immer mal die Frage, hätte man nicht dieses oder jenes anders machen sollen. Aber man hat eben keine Chance mehr irgendetwas zu ändern.<<

Mike: >>Aus aktueller Sicht entspricht aber „Look Back To Go Forward“ genau dem, was wir uns vorgestellt hatten. Gerade bei den aktuellen Kritiken zum Album wird deutlich, dass man dies sogar heraushört. Also ist das Album so genau richtig.<<

Wie seht ihr eure Zukunft, sowohl musikalisch als auch persönlich. Könnt ihr euch vorstellen in nochmal 16 Jahren immer noch auf der Bühne zu stehen?

Guido: >>Hui, dann wäre ich ja ... na lassen wir das. Man soll ja im Alter bekanntermaßen etwas ruhiger werden. Das wiederum würde nicht so richtig mit den Liveshows der Band überein gehen. Andererseits sind wir in einem Land geboren, aus welchem die Puhdys stammen und vermutlich hat die DDR-Umweltverschmutzung so etwas wie eine menschliche Konservierung ermöglicht. Danach könnten wir also auch noch mit 65 den Club rocken.<<

Mike: >>Also derzeit ist Digital Factor wieder ein enorm wichtiges Thema, welches uns auch zukünftig noch beschäftigen wird. Gerade die aktuellen Rückmeldungen zu „Look Back To Go Forward“ geben uns einen richtigen Schwung. Durch das Internet ist man heute viel näher am Musik-Konsumenten dran, man bekommt deutlich mehr Feedback. Ich kann mich noch an einen Fanbrief 1994 aus Brasilien erinnern. Wir haben uns damals gefreut wie kleine Könige. Heute erhalten wir massenhaft Mails oder Myspace-Nachrichten aus aller Welt. So macht Digital Factor richtig Spaß.<<

Torsten: >>Erste Ideen für künftige Releases gibt es auch schon. Ohne zu viel zu verraten, noch in diesem Jahr wird es für Sammler, etwas sehr Exklusives geben.<<

Ein unschönes Ereignis aus dem Jahre 2008 verbindet man unter anderem mit euch, gemeint ist das von katholischen Fanatikern sabotierte Festival in Polen. Erzählt doch einfach mal was da aus eurer Sicht passiert ist.

Guido: >>Wir waren, neben Diary of Dreams, für ein größeres Festival im Polnischen Klodzko gebucht. Schon als wir ankamen, erzählte uns der Veranstalter, dass katholische Fanatiker die Stromzufuhr zum Festivalgelände gekappt hatten. Aber der Schaden konnte repariert werden. Als wir dann, verspätet, unseren Soundcheck hatten, waren ca. 1000 Besucher bei dem Festival und tanzten dazu. Mit entsprechender Vorfreude fuhren wir dann natürlich ins Hotel. Als wir von dort zurück kamen, hatte es einen erneuten Anschlag auf die Stromzufuhr gegeben. Diesmal konnte der Schaden nicht, auf die Schnelle, repariert werden.<<

Torsten: >>Obwohl es mittlerweile sogar Polizeischutz für das Festival gegeben hatte, fand an diesem Abend kein Konzert statt. Aus Angst vor Übergriffen sind wir und auch Diary of Dreams noch am selben Abend abgereist.<<

Mike: >>Damit war die „Weltpolitik“ auch im Mikrokosmos der Musikszene angekommen, naja und religiöse Fundamentalisten haben nicht immer nur Vollbart und Turban.<<

Wie seht ihr im allgemeinen die Entwicklung in der Musikindustrie und was würdet ihr, wenn ihr könntet am liebsten ändern?

Mike: >>Wenn man etwas ändern könnte, dann sollte der Künstler mehr im Mittelpunkt der Musikindustrie stehen. Obwohl der Preis der CD in den letzten Jahren gestiegen ist, erhält der Künstler (also der Grund, weswegen es diese CD gibt) den geringsten Anteil davon. Den Rest verschlingen die teilweise absurden Strukturen der Industrie. Auch sollte manch ein Musikmanager zumindest einen Volkshochschulkurs in Betriebswirtschaft belegen. Schon dort würde man lernen, dass man bei sinkender Verkaufsmenge, den Preis senken und nicht erhöhen muss.<<

Torsten: >>Wir werden uns von der bisherigen Struktur der Musikindustrie verabschieden müssen. Bei vielen großen Bands sieht man schon einen eindeutigen Trend: sie unterschreiben keine Plattenverträge mehr. Das ist ja auch kein Wunder, Madonna verdient 400 Millionen mit Konzerten und im Verhältnis 400.000 mit CD-Verkäufen. Und bei den Labels sitzen dann gelernte Industriekaufleute und erklären, wie Musik funktioniert. Das ist eine Struktur, die man nicht wirklich braucht.<<

Guido: >>Das trifft vor allem die großen Labels. Aber auch die kleinen müssen sich umstellen, um künftig überleben zu können. Blickt man jetzt mal auf die Szene, so haben sich hier teilweise so etwas wie Dark-Businessleute breit gemacht. Man versuchte in den letzten Jahren Majorstrukturen zu schaffen. Wenn man hier nicht auch umschwenkt, wird man diese Mitspieler irgendwann auch nicht mehr brauchen. Aber das muss nicht das Schlechteste sein.<<

Könntet ihr euch ein Leben ohne Digital Factor noch vorstellen?

Mike: >>Nach 16 Jahren ist dies schwer. Aber unser Vorteil ist, dass wir auch Digital Factor mit einem entsprechenden Abstand sehen können. Da wir alle noch einem Leben neben der Band nachgehen, welches uns sehr erfüllt, müssen wir mit Digital Factor nur das machen, was uns Spaß macht. Dadurch hat keiner von uns DF über.<<

Als letztes bleiben euch natürlich die letzten Worte an eure Fans...

Torsten: >>Schaut immer mal nach hinten, dann geht das nach vorn gehen viel einfacher.<<
http://www.digitalfactor.de / http://www.myspace.com/digitalfactor
Ingo Bordewick


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