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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CAPUTT

CAPUTT
Wer ist hier Caputt?
Oh Mann, was heute nicht alles schief läuft: da hauen sich zwei Länder wieder die Köpfe ein, da jagt ein Gammelfleischskandal den nächsten (nein, mittlerweile sind wir schon bei chinesischer Milch!), und in Amerika zerfleischen sich die Präsidentschaftswahl-Kandidaten, um als Gewinner dann Versprechen zu machen, die sie eh nicht halten. Und das aus Geldgier, aus mangelnder Solidarität und aus fehlender Nächstenliebe. Okay, das wissen wir doch alle irgendwo. Und in Worte und Melodien gepresst hat das wahrscheinlich auch schon jede zweite Band einmal. So überzeugend wie Caputt aber tun das nicht viele! Wer verpackt denn einen saftigen Brocken Kritik schon in ein nettes Märchen, fügt dem Ganzen geniale Musik dazu und würzt mit einem netten Booklet und einem erklärenden Text (für diejenigen, die schon in der Schule das tiefergehende Interpretieren nicht mochten) auch noch kräftig nach? Das machen solche Leute wie Mattes, der im folgenden Interview geduldig Erklärungen und Antworten gab.
Erst mal: Ich muss auch ´ne Rezi zu „Djindustrie“ und „Feuergeist“ schreiben... Wie würdet ihr selber eure Musik umschreiben, welcher Begriff passt da am besten, eurer Meinung nach?

Mattes: >> Oh! Dass du das MUSST war mir nicht klar, ich hoffe es hat trotzdem Spaß gemacht (grinst). Wir selbst haben augenzwinkernd die Bezeichnung „Epic Postapocalyptic Elecro Goth Metal“ eingeführt. In der Hoffnung, dass das jedem potentiellen Beschreiber zu lang ist und er darauf ausweicht zu beschreiben, statt uns in eine Schublade zu packen. Außerdem fasst es einen Großteil unserer Elemente zusammen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit, dazu mögen wir zu viele unterschiedliche Stile, die dann natürlich hier und da ihre Spuren hinterlassen. <<

Cooles Design! Nein, echt! So was findet man ja nicht oft, euer Feuergeist schaut echt genial aus! Wer ist denn dafür verantwortlich? Wer ist auf das Artwork gekommen?

Mattes: >> Die ursprüngliche Bilderwelt und alle Ideen die Geschichte und Konzept angehen sind auf meinen Mist gewachsen. Unser hochgeschätzter Illustrator Pit und unser gemeinsamer Freund Asp haben aber hier und da an meinen „Rohdiamanten“ gefeilt. <<

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, gleich zwei CD´s zu veröffentlichen? Bzw., was war der Anlass dafür, „Djindustrie“ komplett remixen zu lassen?

Mattes: >> Ich mag jede Form von Neuinterpretation sehr gerne. Sei es ein Remix oder ein Cover. So ein Song aus der Perspektive einer völlig anderen Band, die völlig andere Atmosphären erzeugt, wie etwa bei der Charlett-Schwarz-Fassung von „Geboren aus Feuer“, begeistern mich als ganz eigene Kunstform seit ich Manson´s „Sweet Dreams“ gehört habe. Der Rest ist schnell und unspektakulär erzählt. Wir haben GANZ viele Remixe angefragt und es sind tatsächlich auch sehr viele geworden. Alle Songs bis auf zwei wurden fremdinterpretiert. Da lag der Schluss nicht mehr fern, einfach ein komplettes Remix-Album zu machen, da wir ohnehin über eine Bonus-Disc nachgedacht hatten und die zweifelhafte und fanfeindliche Politik Remix-Alben nochmal zum Vollpreis zu veröffentlichen für mich nicht in Frage kam ist dann alles also gekommen, wie es gekommen ist. <<

Nach welchen Kriterien habt ihr die Remixes verteilt? Also, ihr habt ja da – glaub ich – acht andere Bands „zu Wort“ kommen lassen, die dann die „Djindustrie“-Songs remixt haben. Warum ausgerechnet die acht? Oder war das rein zufällig, wer sich halt angeboten hat?

Mattes: >> Die Remixer mussten zwei Kriterien erfüllen. Sie mussten irgendwie originell und eigen sein, so dass wir auf sie aufmerksam wurden und ihren Kram mochten. Dann mussten sie nur noch Zeit und Lust haben. Das war unser Auswahlverfahren. Ganz einfach. <<

„Djindustrie“ ist ja mehr oder weniger ein Konzeptalbum, oder? Würdet ihr eine kurze Inhaltszusammenfassung für die Leser geben?

Matthes: >> Das Konzept von „Djindustrie“ knapp auf den Punkt zu bringen ist nicht so einfach. Ganz grob würde ich sagen – Es ist ein Sinnbild dafür, wie maßlose Gier und Egoismus sich letzten Endes gegen ihren Besitzer wenden. Wie man die Geister, die man ruft, nun nicht wieder los wird. Inspiriert auch vom großartigen „Wes Craven´s Wishmaster“, durch den ich erstmals auf die Märchenfremde, tatsächlich-religöse Auslegung der Djinn aufmerksam geworden bin – Dass der Geist nämlich aus Rache versucht die Wünsche seines Meisters so zu verdrehen und so zu interpetieren, dass er ihm damit schaden kann. Eine altertümlich-orientalische Interpretation der GEZ, im Grunde (lacht). Ausführlicher kann man das ganze aber gern auch noch mal auf http://www.djindustrie.de nachschlagen! <<

Mattes, was waren für dich Anlässe von außen, also aus Politik, Wirtschaft, etc., die dich beim Songwriting beeinflusst haben?

Mattes: >> Puh. Da kann ich nicht den Finger drauflegen. Ich grüble gern. Und je länger ich grüble, umso mehr Dinge finde ich, die mich ankotzen. Was mich ankotzt, macht mich wütend. Und diese Wut, manchmal auch Verzweiflung über die Ausweglosigkeit der damit verbundenen Situation, ist dann im Grunde die Triebfeder für meine Geschichten und Texte. Daraus wiederum formen Daniel und ich die Songs. Die Idee, die Atmosphäre, die Geschichte stehen meist und wir erfassen sie dann musikalisch. Selten mal anders herum. <<
Was soll die Gesellschaft deiner Meinung nach tun, um diesem „schöner, besser, reicher“, diesem „Mehr“ zu entkommen und wieder zu mehr sozialem Bewusstsein zurückzufinden? Rein theoretisch, wir würden morgen damit anfangen, was meinst du, wie lange würde es dauern, bis wir uns einigermaßen gebessert haben? Immerhin läuft ja zur Zeit doch einiges ganz schön schief...

Mattes: >> Ich denke nahezu alle Probleme lassen sich auf mangelnde Solidarität und guten Willen der Menschen untereinander reduzieren. Würde jeder mal seine im Laufe der letzten zehn bis fünfzehn Jahre, ich denke, da ist es sehr akut geworden, angeeigneten Zynismus und Raubtierattitüden ablegen und sich mal wieder ganz klassisch für „seine Nächsten“ interessieren, seine eigenen Interessen einmal unterordnen, damit es jemand anderem besser geht – es ginge VIELEN besser. Da ist viel verklärte Romantik mit dabei, das weiß ich. Das lässt sich nicht unmittelbar umsetzen, das weiß ich auch. Die Probleme sind zahllos. Aber eine Orientierung weg von wirtschaftlicher Begünstigung für große Konzerne und hin zur Zuwendung für Bedürftige, sowie absoluter, herkunftsungebundener Chancengleichheit in Sachen schulischer Ausbildung – das wäre ein Fortschritt – aber auch nur wenn sie GLOBAL passieren würde. Ich versuche einfach bei meinen Hörern anzusetzen und an ihren Gerechtigkeitssinn zu appellieren. <<

Wie siehst du dich selbst? Ich mein, du kritisierst ja doch recht offensichtlich die Makel unserer heutigen Gesellschaft, aber wirklich perfekt ist keiner. Für welche deiner Eigenschaften würdest du am liebsten aus der Haut fahren? (Bei mir steht zum Beispiel Schokosucht ganz oben auf der Liste!)

Mattes: >> Es sind einfach zu viele. Ich bin weiter von perfekt entfernt als man mit Zahlen noch ausdrücken könnte. Wichtig ist ja aber auch nicht perfekt, edelmütig und moralisch unantastbar zu sein – nicht, dass ich so fehlinterpretiert werde! Wichtig ist es, diesem unerreichbaren Ziel entgegenzustreben. In starken Momenten mehr, in schwachen halt weniger. <<

Welches Verhältnis hast du eigentlich zu Gott, Kirche, Religion und so? „Djindustrie“ fasst ja auch einige religiöse Aspekte auf. Könntest du die noch mal genauer darlegen?

Mattes: >> Ich persönlich bin Atheist und halte Religion in den allermeisten Fällen für eine Ausrede, sich das eigene Handeln schön zu reden. Gott verzeiht deine Fehler immer wieder. Das ist viel einfacher als sie zu ändern... Aber ich verurteile religiöse Menschen nicht – solange sie nicht mich und andere versuchen zu missionieren und ihre Absichten gute sind. Aber in unseren Breitengraden, finde ich persönlich sind Religion und Kirche lediglich Anlässe die Sonntagsgarderobe spazieren zu tragen und sich mit anderen zu vergleichen. Alles kompetitiv, selbst an der Kollekte. <<

Du kommst aus dem Ruhrgebiet. Im Booklet schreibst du, dass dein „Blick aus dem Schlafzimmerfenster auf eines der größten Chemiewerke des Ruhrgebiets fällt“. Kannst du den Lesern erklären, was diese Tatsache letztendlich mit dem Thema des Albums zu tun hat?

Mattes: > Die Industrielandschaften des Ruhrgebiets sind einfach ein wundervolles Sinnbild für meine Geschichte: riesige, ehrfurchtgebietende, qualmende Schlote, die irgendwie faszinieren und beeindrucken, gleichzeitig aber auch ein Mahnmal für die Maßlosigkeit unserer Zeit sind, denn wofür braucht man Fabriken? Richtig! Um GANZ VIEL von irgendeiner Sache herzustellen, gern auch mal auf dem Rücken des kleinen Arbeiters. Für ein Produkt, das wir vermutlich entweder gar nicht brauchen, oder das uns krank macht. Oder beides. <<
Ich gebe mal ein Zitat aus dem Booklet wieder: „...Oftmals werden auf dem Arbeitsmarkt, vor allem aber in Schulen, Autoritäten und Führungskräfte nur noch nach fachlicher, nicht jedoch nach menschlicher Qualifikation ausgewählt...“ Hast du konkrete Beispiele dafür, wo das noch überall so ist? Hattest du selbst schon mal so ein Erlebnis (z.B. in der Schule), das den Anlass zu diesem Text gegeben hat?

Mattes: >> Ööhhm... die Liste möglicher Beispiele ist endlos. In der Schule, auf der Arbeit, in der Familie, in Vereinen, Clubs – überall wo Menschen zusammenkommen, gibt es jemanden, der extern zum „Anführer“ ernannt wird oder sich selbst ernennt. Oder, wie im Falle des Lehrers, erstmal durch die Natur der Sache zurecht und unverfänglich im Mittelpunkt steht. Ich finde auch nichts schlimmes daran, wenn sich eine Person im Zentrum zwischen anderen befindet, oder diese anleitet. Problematisch wird es, wenn dieser Jemand sich selbst oder der Sache mehr dient als den Menschen unter ihm. Wenn er keine Sorge für sie trägt, wenn er sich nicht für sie interessiert. Und das ist mir natürlich auch schon selbst passiert. Vereinzelt im Berufsleben, sehr viel in der Schule. Da kann man an regelrechte Sadisten geraten und ist diesen dann schutzlos ausgeliefert. Eine der schlimmsten Situationen, in die man in der modernen Welt geraten kann. Vor allem als sensibler Mensch. <<

Ach, mal so nebenbei: was war eigentlich der schlimmste Streich, den du deinen Lehrern in der Schule aufgetischt hast? Übrigens: in Bayern fängt jetzt dann die Schule wieder an.Du kannst mir doch bestimmt ein paar tolle Tipps und Ausreden geben, um die Autorität meiner Lehrer etwas zu untergraben?

Mattes: >> Also, konkrete Streiche wüsste ich gar nicht. Was meine Lehrer immer wahnsinnig auf die Palme gebracht hat, ist, wenn ich mal etwas besser wusste als sie. Das untergräbt auch hervorragend ihre Autorität. Und zu allem Überfluss lernst du auch noch was, denn die „Munition“ zum Klugscheißen musst du dir ja erst mal anlesen (lacht). Allerdings sollte man dann auch aufpassen, dass man nicht blindlings in alle Hände um sich herum beißt. Das passiert dann vor lauter Rebellion schon mal ganz gern. Und da habe ich, glaube ich, dem einen oder anderen Lehrer auch Unrecht getan, der es nur gut gemeint hat. Aber nur einem oder zwei (grinst). <<

Ich muss deinem Zitat dann doch mal etwas entgegen setzen: ich finde es unter aller Sau, dass manche Politiker ein Amt bekommen, für das sie gar nicht qualifiziert sind. Zum Beispiel Landwirtschaftsministerin Fräulein K. hatte keine Ahnung vom Bewirtschaften eines Bauernhofes, vom Ein- und Auskommen, von der Arbeit dort. Ihr Wissen über Landwirtschaft bezog sich auf den kleinen Streichelzoo ihrer Oma, mit einem Schaf, einer Katze und einem Hund!!! Das darf doch nicht sein!!!!!!!!!! Was sagst du dazu?

Mattes: >> Ich sage dazu, dass ich nie gesagt habe, dass fachliche Kompetenz UNWICHTIG ist. Ich habe nur gesagt, dass menschliche Kompetenz wichtiger ist, wenn es darum geht, Menschen zu leiten, mit ihnen zu arbeiten. Dein Einwand ist also gar kein Einwand, das sehen wir schon ganz ähnlich. <<

ASP hat ja auch mit in die Arbeiten gefunkt. In welchen Tracks können die Fans ihn hören? Wie ist es überhaupt zu der Zusammenarbeit gekommen?

Mattes: >> Der liebe Asp spricht unser Intro „Tausendundeinenacht“ und tanzt mit uns den „Tanz der Djin“, beide zu finden auf „Djindustrie“. Irgendwann habe ich Asp einmal ein paar Hörproben von Caputt geschickt. Einfach, da ich großer Fan seiner Arbeit war und bin und mir sein Urteil oder vielleicht ein guter Rat viel Freude bereitet hätten. „Man kann es ja mal versuchen“, habe ich mir gedacht, und habe ihm einfach mal eine lange, ehrliche, freundliche, aber ungeschleimte e-Mail geschickt. Im Laufe der Monate und Jahre hat sich unser Kontakt dann irgendwie intensiviert, wir haben uns angefreundet und finden gegenseitig großen Gefallen an dem, was wir tun. Dass da der eine oder andere konspirative Zusammenschluss nicht ausbleibt, das ist ja klar. <<

Im Booklet habe ich vom Abschied von Stephan gelesen. Für alle, die die Scheibe und somit das Booklet nicht haben: würdet ihr kurz erklären, warum Stephan nicht mehr mit im Boot sitzt?

Mattes: >> Kurz gesagt – weil der Aufwand mit Caputt und die zu investierende Freizeit immer mehr wurden und Stephan einfach mehr Zeit für sich brauchte. Das Leben als Vollzeit-Arbeitnehmer, Vollzeit-Beziehungsführer und Vollzeit-Musikanten und daraus resultierendem Vollzeit-Bürokraten ist oft und gern rau. Da muss man Entscheidungen treffen. Stephan hat seine getroffen, das ist schade, aber ich wünsche ihm alles Gute. Daniel und Metty sind allerdings mehr als einfach nur Ersatz für Stephan, und ich bin sehr glücklich, Caputt nun mit ihnen machen zu dürfen. <<

Das frag ich eigentlich jede Band, also müsst ihr das jetzt auch über euch ergehen lassen... Wieso habt ihr euch ausgerechnet „Caputt“ getauft? Seid ihr so caputte Typen??? ;-)

Mattes: „Caputt“ ist ein Wortspiel. Zum einen sind wir tatsächlich sehr kaputte Typen und verdammt stolz darauf. Wer möchte schon voll integrer Arschkriecher sein (lacht)? Zum anderen sind wir nicht einfach kopflose Anarchisten, sondern rebellieren mit Herz und Köpfchen. Und das lateinische Wort für „Kopf“ ist „caput“. <<

War es von Anfang an geplant, Caputt einen sozialkritischen Touch zu geben? Oder hat sich das eher nebenher entwickelt?

Mattes: >> Es war zwar nicht von Anfang an geplant, hat sich aber beim Herumspielen schnell als elementarer Bestandteil herausgestellt. <<

Übrigens, Mattes, hast du mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt! Du hast unter „Das Konzept“ so ziemlich alles schön beschrieben, da hab ich mir gedacht: „Toll, und was sollst du jetzt noch fragen???“ Aber da die Leser das Booklet ja nicht haben, kann es schon sein, dass du Fragen beantworten musst, die du eigentlich schon beantwortet hast...

Mattes: > Stimmt. Macht aber nichts. Das Booklet lohnt sich trotzdem. Es liegen zwei tolle CDs bei. Außerdem hat der Pit noch schöne Bilder reingemalt. Das kann er! http://www.pithammann.de <<

Dann wünsch ich euch beiden noch weiterhin viel Erfolg mit Caputt!!!

Mattes: >> Wir wünschen euch viel Erfolg mit Obliveon! Vielen Dank für den Platz, den ihr uns einräumt! <<
http://www.caputt.de
Kathi Bauer


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