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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CASTLEFEST – ....

CASTLEFEST – LISSE (NL), Keukenhof, 01. – 03.08.2008
LISSE (NL), Keukenhof

01. – 03.08.2008
Zum vierten Male fand in diesem Jahr auf dem Gelände des Keukenhofs in Lisse, unweit von Amsterdam, drei Tage lang das „Castlefest“ statt. An seiner Faszination hat dieses in dieser Form einmalige Festival nichts verloren. Die Kombination aus Mittelalter-, Fantasy-, Heiden- und Gothic-Markt, kombiniert mit einem LARP-Treffen, ergänzt mit einem vielfältigen Angebot an Darbietungen, Workshops, Gauklern, Walking Acts und Artisten, Handwerkern und Künstlern sowie diversen musikalischen Gästen, von denen FAUN, die leider nur am Freitag auftraten, und OMNIA schon fast zum Inventar des Festivals zählen, hat sich im Laufe der Jahre zu einem absoluten Publikumsmagneten entwickelt. So war der Samstag ausverkauft und bereits lange vorher wurde von Seiten der Veranstalter darauf hingewiesen, dass man Samstags entsprechend früh anreisen sollte, um noch eine der wenigen Restkarten an der Tageskasse zu ergattern. Dementsprechend früh machten wir uns also auf den Weg, um die rund zweistündige Anfahrt vom Ruhrgebiet aus ohne grossen Stress zu bewältigen.
Als wir gegen 11 Uhr das weitläufige Parkgelände unweit des Keukenhofs betraten, war das Areal schon prall gefüllt und Besucher aus den Beneluxstaaten, und vereinzelt auch aus Deutschland, bevölkerten die zahlreichen Verkaufsstände, deren Anzahl sich im Laufe der vier Jahre wohl verdoppelt hat. Zunächst einmal galt es allerdings „Munten“ zu kaufen, die „Castlefest“ eigene Währung, ohne die es an keinem der Stände etwas zu trinken oder zu essen gibt. Sind vergleichbare deutsche Festivals mit Nahrungsmittelständen vergleichsweise üppig gesegnet und jeder Geschmack wird bedient, so hält sich das kulinarische Angebot des „Castlefestes“ in überschaubaren Grenzen, wartet dafür aber mit Qualität und mit Preisen auf, die angesichts der Portionen durchaus angemessen sind. Auch die Getränkepreise sind im Rahmen und sämtlichen Vorurteilen holländischem Bier gegenüber erweist sich der Lieferant des „Castlefestes“ schon seit Jahren als immun. Ungewöhnlich sicher auch, dass sämtliche Speisen und Getränke auf „Castlefest“ eigenem Geschirr und besonderen Tonkrügen gereicht werden, für die man einen Pfand hinterlegen muss, was man beim Kauf der „Munten“ mit einkalkulieren sollte.
Diese „Klasse statt Masse“-Einstellung zieht sich dann auch durch sämtliche Verkaufsstände des „Castlefestes“, denn wo man in Deutschland mit Dutzendware und „X-Tra-X“-Klamotten von der Stange überschüttet wird, sind es hier vor allem hochwertige Einzelstücke, die immer wieder für ungläubiges Staunen sorgen. Da kann ein selbstgeschneidertes Kleid im Renaissance-Stil durchaus schon mal 1.600 € kosten. Utensilien für heidnische Rituale, Schmuck, Perlen, Elfen, Malerei, Töpferei, Waffen, Literatur, Spiele, Kerzen, Miniaturfiguren, S/M-Utensilien, Gothic-Kleidung, CDs, mittelalterliche Naschereien und Gewandungen, das Angebot auf den verschiedenen, thematisch abgegrenzten Märkten des „Castlefestes“ ist in jeder Hinsicht schier unglaublich und wer nach dekorativen Einzelstücken sucht, wähnt sich hier zweifelsohne im Paradies. So gibt es neben dem Gothic-Markt noch einen Fantasy-, einen Pagan-, einen Mittelalter- und einen Gothic-Markt. Faszinierend dabei ist auch, dass man den traditionellen Handwerkern bei ihrer Tätigkeit über die Schulter schauen kann und so traditionelles Silberhandwerk ebenso begutachten kann, wie Zimmermänner bei der Arbeit, Schmiede oder Gerber. Einem Geschichtenerzähler kann man darüber hinaus ebenso lauschen, wie einer der Modenschauen beizuwohnen, wo mittelalterliche Kleidung präsentiert wurde und die über die drei Tage immer wieder regelmässig stattfinden.
Das „Castlefest“ bietet darüber hinaus auch eine Vielzahl an Möglichkeiten selbst aktiv zu werden, sei es nun im Rahmen eines LARPs, durch Bogenschiessen, Malerei oder bei Tanzworkshops, die an den drei Tagen ebenfalls immer wieder angeboten und stark frequentiert werden. Auch ein eigenes Kinderreich wirdeFamilien mit Kindern geboten. Überhaupt fällt auf, dass die Holländer, über wirklich alle Altersgrenzen hinweg, in fantasievollen und häufig selbstgeschneiderten Verkleidungen das „Castlefest“ besuchen und man als Besucher aufgrund der Lockerheit und des offenen Wesens der Holländer leicht und problemlos Kontakte knüpfen kann.
Mindestens ebenso faszinierend wie all die kunsthandwerklichen Stände sind aber auch die „Walking Acts“, die das „Castlefest“ bereichern. Sei es in Form der Darstellung der Vier Elemente, als „Queen of Bats“, beide in fantasievollen Kostümen als Stelzenläufer oder als mittelalterlicher Narr, der seine neckischen Spielchen mit den Besuchern treibt.
Unbedingt sehenswert sind auch die Schaukämpfe der Highländerclans und der Ritterorden oder das Treiben des Henkers, dem man bei seinem schauerlichen (Folter)Handwerk zuschauen konnte. Sogar der Hinrichtung einer Hexe, die am Galgen gehängt wurde, konnte man beiwohnen, was in dieser Form bei ähnlichen Veranstaltungen in Deutschland, vor allem vor Kindern, wohl undenkbar wäre.
Kelvin Kalvus, Alchemist aus Dresden, vielen vielleicht bekannt vom WGT, der bereits das zweite Mal auf dem „Castlefest“ zu Gast war, bot um die Mittagszeit auf der kleineren der beiden Bühnen eine Kostprobe seiner atemberaubenden Kontaktjonglage. Seine unglaubliche Körperbeherrschung und das Jonglieren mit bis zu sieben Glaskugeln oder das scheinbar spielerische Gleiten der Kugeln über seinen Körper liess die Zuschauer mit offenen Mündern staunend vor der Bühne verharren und am Ende des rund halbstündigen Vortrags nicht an Applaus sparen. Kelvin Kalvus ist mit seiner Form der Akrobatik und der Körperbeherrschung auf dem europäischen Festland sicherlich einmalig und ohne Frage eine Bereicherung für diese Veranstaltung.
Das musikalische Rahmenprogramm war, im Gegensatz zu den vorangegangnen Jahren und von OMNIA, FAUN und den Bulgaren IRFAN einmal abgesehen, nicht ganz so attraktiv wie die Jahre zuvor, als beispielsweise ROSA CRUX hier eine ihrer beeindruckenden Shows samt Installationen gespielt oder RAPALJE mit ihrem keltischen Folk die Zuschauer scharenweise mitgerissen haben. Während FAUN leider nur am Freitagabend auftraten und wir OMNIA, deren Sänger Sic durch das musikalischen Rahmenprogramm führte, und die Dänen VALRAVN aufgrund des am Nachmittag einsetzenden, durchdringenden und immer heftiger werden Regens leider den Laufpass geben mussten, begeisterten die BulgarenInnen IRFAN dafür umso mehr. Ihre häufig an Dead Can Dance erinnernden Stücke und Arrangements waren eine musikalische Offenbarung. Neben ihren ethnischen Wurzeln, die musikalisch natürlich auf dem Balkan zu suchen sind, aber auch den Mittelmeerraum und das musikalische Erbe des mittelalterlichen Spanien umfassen, war es vor allem der gefühlvolle und ausdrucksstarke Gesang von Sängerin Vladislava Todorova, der Leidenschaft und Intensität vermittelte und das Sextett zu immer neuen musikalischen Höchstleistungen anspornte. IRFAN sind musikalisch ohne Frage eine Klasse für sich und rechtfertigten die hohen Bewertungen ihrer beiden veröffentlichten CDs auch live wirklich eindrucksvoll. Wer die Band noch nicht kennt und beim „M’era Luna“ am frühen Sonntag morgen noch nichts vorhat, der lenke seine Schritte in den Hangar, wo die Bulgaren um 11.20 Uhr zu Gast sein werden. Dieser Band gehört die Zukunft. Brillant!!! Die Berliner THE TRANSSYLVANIANS, die zuvor um 15 Uhr auf der Hauptbühne auftraten, boten mit ihrer musikalischen Mischung aus Polka, Post-Punk und Folklore Lieder, die sicher gute Laune verbreiteten und viele der zuhörenden Besucher zum Tanzen animierten, mich aber nicht wirklich mitreissen konnten. Definitiv kein gleichwertiger Ersatz für RAPALJE. LEBOCHA und MALBROOK, die Samstags den musikalischen Reigen eröffneten, blieben relativ blass und schafften es nicht, mehr als einen Höflichkeitsapplaus für sich verbuchen zu können.
Fazit: Das „Castlefest“ war auch in diesem Jahr ein wirklich grossartiges Festival, das neben seinem verhältnismässig geringen Eintrittspreis von 15 € deutlich mehr bietet als das, was man von deutschen Mittelaltermärkten so gewohnt ist. Die Vielfalt des Gebotenen ist unerreicht und der weitläufige Park mit seinem beeindruckenden Herrenhaus, um das sich die einzelnen Stände und Marktsegmente gruppieren, lohnen den Anfahrtsweg aus dem Ruhrgebiet in jedem Fall. Selbst bei der Grösse, die das „Castlefest“ im Laufe der letzten vier Jahre erreicht hat, lässt sich hier noch kein kommerzielles Kalkül oder ein kommerzieller Ausverkauf feststellen. Zu viele Details, zuviel Authenzität und vor allem das liebevolle Engagement der Veranstalter sorgen für das einzigartige Flair dieser wundervollen Veranstaltung.
Vom 31.07.2009 bis zum 02.08.2009 gilt es das fünfjährige Jubiläum des „Castlefests“ zu feiern. Vielleicht sieht man sich ja?

Weitere Infos zum „Castlefest“ findet Ihr unter: http://www.castlefest.nl

Mehr Fotos findet Ihr in der Fotogalerie.
Michael Kuhlen - Pics: Michael Kuhlen


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