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MAGAZIN :: Index: 'A' :: AYREON

AYREON
Mit Terry Gilliam im lebenswichtigen Kopffilm
Lange hat es gedauert… Gut 3 ½ Jahre nach dem von Kritik und Fans gleichermaßen gefeierten Meisterwerk „The Human Equation“ meldet sich Visionär Arjen Lucassen mit einer wenn überhaupt nur geringfügig weniger inspirierten tour de force namens „01011001“ zurück. Erneut überzeugt der 102minütige Doppeldecker mit gipfelstürmender Musikalität; dabei vereinte Lucassen die Tugenden der bisherigen fünf Alben Ayreons und erschuf so eine Zeitreise durch die letzten 12 Jahre ayreonautischer Abenteuer. Obliveon kontaktierte den überaus höflichen, sympathischen und gut aufgelegten Holländer, der sich schon für den Verweis auf die Klasse von „Human Equation“ gentleman-like bedankte, und erfuhr so allerlei Wissenswertes über „01011001“.
Hi Arjen, erstmal Danke für Deine kostbare Zeit…

>> Ist doch selbstverständlich, kein Problem! <>

Wenn ein Künstler mehr als drei Jahre benötigt, um ein Album einzuspielen, dann stellt sich eigentlich zunächst die erste Frage nach den Gründen. Angesichts der vielfältigen privaten Talfahrten, die Du in den letzten Jahren durchstehen musstest, möchte ich allerdings vielmehr meinem Erstaunen Ausdruck verleihen, dass Du BLOß gut drei Jahre benötigt hast, wobei Du in der Zwischenzeit noch mit Stream Of Passion beschäftigt warst. Wann hast Du denn wieder die Energie gefunden, Deine ganze Aufmerksamkeit auf Ayreon zu richten?

>> Nach „Human Equation” startete ich sofort mit Stream Of Passion durch; zuerst nahmen wir das Album auf, dann folgten noch die Tour und die DVD-Produktion. Meine Depressionen nahmen mich im Laufe der Tour, nach der Scheidung von meiner Frau, in Beschlag. Nach einigen Monaten in der Hölle kletterte ich jedoch aus diesem schwarzen Loch heraus, und es ist wirklich keine Übertreibung, wenn ich sage, dass „01011001“ mein Leben gerettet hat… Es half mir über 1 ½ Jahre, mich neuen Ufern zuzuwenden. <>

Ein Ayreon-Album muss ein organisatorischer Alptraum sein. Mit all diesen talentierten Musikern und ihren engmaschig gestrickten Zeitplänen können Veröffentlichungspläne schon einmal zur Zwangsjacke werden, oder?

>> Allerdings! Das ist der wohl nervenaufreibendste Teil des ganzen Prozesses. Aber meine Managerin kümmert sich glücklicherweise um derlei Unerfreuliches… <>

Wie schaffst Du es dennoch, all die unterschiedlichen, einzeln aufgenommenen Parts zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen? Du musst von Beginn an eine sehr deutliche Vorstellung davon haben, wie das Endprodukt klingen soll.

>> Überhaupt nicht! Ich fange jeweils klein an. Ursprünglich sollte „01011001“ eine einzelne CD mit vielleicht drei oder vier Sängern werden. Aber sobald ich mein Studio betrete, nimmt mich meine Inspiration gefangen und die Dinge geraten außer Kontrolle; unterm Strich steht dann dieses Monster namens Ayreon. Ich gehe also schrittweise vor. Zunächst steht die Musik, die wiederum die Storyline beeinflusst, am Ende der Kette dann die Sänger, die die Texte interpretieren und so zum Leben erwecken. Schlussendlich kommt dann immer alles irgendwie zusammen, aber frag` mich jetzt bitte nicht, wie… <>

Ich weiß, es wird Dir schwer fallen, Deine Wahl zu treffen, aber gab es diesmal einige Sänger, mit deren Darbietungen Du besonders zufrieden bist? Ich für meinen Teil schnalze immer wieder bei Jonas Renkses schwebenden Melodien, Jorns Phil Lynott-Hommage in „Newborn Race“ und Steve Lees mächtigem Organ in „Age Of Shadows“ mit der Zunge.

>> Das wäre auch meine Wahl gewesen! Aber wenn Du andere Passagen von anderen Sängern genannt hättest, wäre es genauso gewesen… ;-) <>
Haha. Grmpf. Fühlst Du eigentlich nach all den Jahren den Druck auf Deine Person wachsen? Den Druck, immer perfektere Alben zu kreieren, immer beeindruckendere Gästelisten zu präsentieren etc.?

>> Nein, Druck kenne ich nicht. Ich liebe und brauche die Herausforderung. Ich versuche nicht so sehr besser, sondern vielmehr andersartig zu klingen. Zudem befinde ich mich in der luxuriösen Position, dass es mir immer leichter fällt, die von mir gewünschten Musiker auch tatsächlich zu einer Zusammenarbeit bewegen zu können. Allerdings bin ich mir durchaus bewusst, dass die Erwartungen der Fans heutzutage immens sein müssen… <>

Was nicht zuletzt an der eigentümlichen Mixtur aus durchdachten Stories und der jeweiligen, komplexen musikalischen Untermalung liegt. Ein Kraftakt, der mir nicht immer leicht zu bewältigen scheint, zumal Du ja auch noch in andere Projekte involviert bist.

>> Und genau DAS ist es, was mich antreibt! Es ist ein großartiges Gefühl, dass so viele Fans förmlich nach der Musik lechzen. Es inspiriert mich mehr als dass es mich ängstigen würde. Und auch hier befinde ich mich in der komfortablen Lage, nicht über mein Tun nachdenken zu müssen, denn die Fans scheinen meinen abgedrehten Musikgeschmack zu teilen. <>

Du bist sehr sparsam was Deine Präsenz im Netz anbetrifft. Persönliche Details erfährt man so gut wie nie, womit Du Dich in einer Zeit, in der diverse Musiker uns mit penetranten Blogs über den Bau ihrer neuen Gitarre oder ihren neuen Haarschnitt, in welcher Körperregion auch immer, …

>> Uah, Kopffilm, verflüchtige Dich…<>

… nerven, wohltuend abhebst. Geht es Dir darum, dass die Musik im Fokus steht oder bist Du Dir schlicht Deiner Angreifbarkeit bewusst, wenn Du intime Details im „Web Of Lies“ preisgibst?

>> Nö, ich bin bloß faul. Vielleicht ist das alles aber auch einfach nur stinklangweilig ;-) Aber nein, ich habe keine Geheimnisse. Außerdem würden Schlagzeilen über mich nur Gähnen auslösen. „Web Of Lies“ widmet sich übrigens der Tatsache, dass immer mehr Menschen immer oberflächlicher werden. Ich werde zwar nicht oberflächlich, aber verdammt abhängig von der Technik. <>

Auf den beiden letzten Alben widmest Du Dich allgemein dem Verlust menschlicher Gefühle, was nun in der ultimativen Dystopie endet: am Ende von „01011001“ steht die Ausrottung der Menschheit unmittelbar bevor. Ist dies bloß eine Fiktion oder Deine Überzeugung?

>> Ich denke tatsächlich, dass wir auf die sechste Auslöschung zusteuern – die fünfte war die der Saurier… Nun wird es also die Menschheit treffen. Allerdings glaube ich, dass wir es über das Jahr 2084 hinaus schaffen werden, zu überleben. Im Ayreon-Universum ist dieses Datum seit dem Erstling „The Final Experiment” in Stein gemeißelt, also kann ich`s nicht mehr ändern, sorry ;-). Ich habe einfach hundert Jahre auf Orwells „1984” draufgeschlagen. <>
Siehst Du Dich eigentlich auch als eine Art Schriftsteller, zumindest aber als Geschichtenerzähler?

>> Nicht wirklich. Dafür fehlt mir meines Erachtens die Klasse; es gibt sicher sehr viele Menschen, die um einiges besser schreiben können als ich. Aber ich finde Gefallen an dem Gedanken, dass nicht Viele bessere Rockopern als ich komponieren können, ha! Aber im Ernst: ich erachte die Musik immer als wichtiger, aber gleichzeitig: ja, die Geschichte sollte ihr eine Dimension hinzufügen. <>
Tatsächlich gibst Du vielen Menschen das, was sie ansonsten nur noch schwer finden können: Musik mit Hingabe, die die Sinne für einige Zeit komplett in Beschlag nimmt. Deine Alben gleichen fantastischen Wälzern, die dem Leser die Möglichkeit geben, in eine andere Welt abzutauchen. Gleichzeitig achtest Du darauf, dass Deine Hörer einen Bezug zu ihrem eigenen Leben herstellen können: “the meaning of life is to give life meaning” heißt es auf “01011001.” Wird Deine Musik so mehr als bloß unterhaltsam, indem Du Deine Sicht auf die Dinge offen legst und Deinen Fans somit auch “food for thought” bietest?

>> Hmmm… Ich versuche jedenfalls NIE, jemandem meine Sicht der Dinge aufzudrängen. Meine Mission ist es, Menschen zu unterhalten, Eskapismus zu ermöglichen, aber dann schleichen sich doch auch immer wieder meine persönlichen Ansichten ein, diesmal unter anderem auch in Form der von dir genannten Textzeile, die ich in ihrer Einfachheit doch ungeheuer effektiv finde. Im Vergleich zu „Human Equation,“ dessen Story sehr simpel gestrickt und durchkomponiert war, suchte ich diesmal die Herausforderung. Dafür verband ich sämtliche bisherigen Alben in einer recht kryptischen Art und Weise. <>

Now for something completely different:

>> Die mächtige schottische Lärche, hehe! <>

Ha, ein Kenner! Du hast ein recht aufwändiges, komplett animiertes Video zu “Beneath The Waves” produzieren lassen, das aber sicher nirgends gespielt werden wird. Warum also?

>> Der ursprüngliche Plan war, das Album zur Gänze zu verfilmen! Aber ein solches Projekt hätte viel zu viel Zeit verschlungen. Aber im Gegenzug wollte ich keinen jener oberflächlichen Clips, wie wir sie bisher produziert haben. Mir schwebte etwas über-lebensgroßes vor, etwas Surreales. Das Team arbeitete schließlich 1 ½ Jahre an dem Clip – so lange wie ich an dem Album… Er ist wohl tatsächlich zu lang für MTV und Konsorten, aber dann stellt sich mir die rhetorische Frage: will ich zusammen mit dem ganzen Scheißdreck, der dort läuft, gespielt werden? Daran werde ich mich sicherlich nicht anbiedern und so meine Integrität verlieren. Zum Glück habe ich ja sehr loyale Fans, also habe ich das auch nicht nötig... <>

Hättest ja mal Terry Gilliam fragen können, in der Zeit hätte der sicher was Brauchbares auf die Beine gestellt… Aber auch so wird`s sicher nicht langweilig: was sind Deine Pläne für`s noch junge Jahr?

>> Nun… Ich plane nichts mehr im Voraus. Das liegt daran, dass eh nichts so wird, wie ich es mir vorgestellt habe. Ambeon waren ursprünglich als Instrumental-Projekt geplant, am Ende stand eine Scheibe, die ich der Stimme eines Vierzehnjährigen auf den Leib schneiderte. Star One startete als Soloalbum für Bruce Dickinson und wurde zur veritablen Liveband mit Russell Allen, Damien Wilson oder Floor Jansen. Und Stream Of Passion hatte ich als Soloalbum für Marcela Bovio angedacht. Ob Du`s jetzt glaubst oder nicht: „01011001“ sollte eigentlich auch ein Solo-Projekt werden, aber das ging ja letztlich tüchtig in die Hose. Nichtsdestotrotz ist ein Soloalbum noch immer mein Traum, auch wenn dessen stilistische Ausrichtung noch in den Sternen steht. Ich werde mich einfach wie immer von meiner Inspiration lenken lassen und schauen, was dabei herauskommt. <>

Ein gutes Schlusswort, Arjen. Ich danke Dir vielmals und wünsche Dir alles Gute für die Zukunft.

>> Es war mir ein Vergnügen, mit Dir zu sprechen! Alles Gute! <>
http://www.ayreon.com
Patrick Müller


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