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MAGAZIN :: Index: 'D' :: DIORAMA

DIORAMA
Melancholie in den Alpen und an der Nordseeküste
Nachdem das neue Album „ A Different Life“ nun schon seit einigen Monaten auf dem Markt ist, einige Festivalauftritte hinter der Band liegen ist es nun an der Zeit Bandkopf Torben Wendt um ein Resümee zu bitten.

Wie bist Du mit den Verkaufszahlen zufrieden?

>> Man kann sich alles schön rechnen. <<

Die Songs auf „A Different Life“ sind gradliniger, direkter, weisen nicht wie die älteren Alben so viele „Verschnörkelungen“ auf, teilweise vermisse ich die alte Melancholie. Wie kam es dazu, dass Ihr Euren Stil etwas verändert habt?

>> In Punkto Geradlinigkeit und Schnörkellosigkeit bin ich bei Dir. „A different life“ beinhaltet viele kritische Reflektionen und wütende Passagen, die so ungeschminkt und direkt geworden sind, als ob sie von sich aus verstanden werden wollen. Stellenweise rückt die Melancholie in den Hintergrund, ins Unterschwellige, und macht Platz für eben diese wütenden plakativen Elemente. Für meine Begriffe ist sie allerdings genauso deutlich das stilistische Leitmotiv wie auf den früheren Diorama-Alben. Wenn ich alleine „Synthesize Me“, „No Tears“ und „Sands“ herausgreife; für mich gehören diese Songs zu den traurigsten Diorama-Songs überhaupt. <<

Wie geht Ihr das Songwriting an? Komponierst Du alleine oder arbeitet Ihr als Team die Songs zusammen aus?

>> Das ist von Album zu Album verschieden. Bei „A Different Life“ stammen die Kompositionen und Texte überwiegend aus meiner Feder; an einigen Songs hat aber auch Felix ganz entscheidend mitgewirkt. <<

Wie sind die Resonanzen der Fans auf die neue Direktheit?

>> Ich denke, Diorama ist den Bands zuzuordnen, deren Alben eine gewisse Zeit beanspruchen, um beim Hörer anzukommen. „A Different Life“ ist in diesem Zusammenhang keine Ausnahme. Bei aller angestrebten Direktheit und Reduzierung darf man nicht außer Acht lassen, dass unsere Musik gemäß ihres Ursprungs vor allem Gefühle / Gedanken anspricht und Stimmungen bedient, die nicht direkt unter der Oberfläche schlummern, sondern viel tiefer. Die Fanresonanz, die wir mitbekommen haben, war überwiegend positiv. Die meisten haben mittlerweile begriffen, worum es geht, dass man uns nicht in eine bestimmte Schublade stecken oder uns eine vorhersagbare musikalische Weiterentwicklung abverlangen kann. <<

Ende letzten Jahres hat Bernard Le Sigue die Band verlassen, dafür kam Marquess hinzu. Hat er sich schon gut in die Band eingelebt?

>> Voll und ganz. Wir haben ca. fünfundzwanzig Konzerte gemeinsam durchlebt, über die die Bandkonstellation in dieser Form eng zusammengewachsen ist. <<

Konntet Ihr den Verlust des Basses als Instrument in Eurer Musik anders komprimieren?

>> Auf dem aktuellen Album ist Bernard teilweise noch zu hören, da sein Ausstieg sich erst nach den Aufnahmen abzeichnete. Von daher gab es noch keine Notwendigkeit zur Anpassung. Natürlich werden wir sein Fehlen bei den kommenden Produktionen durch elektronische Mittel auffangen müssen. <<

Wird es in Zukunft auch wieder einen Bassmann in Eurer Mitte geben?

>> Nicht in absehbarer Zukunft. <<
Ich habe gelesen, dass Ihr, bevor Ihr an dem neuen Album gearbeitet habt, Euch an verschiedenen Orten habt inspirieren lassen. Wie kam es zu dieser Idee „Bandurlaub“ zu machen?

>> Unsere Idee war, entspannte Atmosphäre mit ungewohnter Umgebung zu kombinieren und darin bzw. daraus gemeinsam Musik entstehen zu lassen. Letztendlich haben wir uns für die Alpen und die Nordseeküste als Aufnahme-Locations entschieden, um verschiedene Natureindrücke auf uns wirken zu lassen. Das Stichwort „Urlaub“ hat auch eine Rolle gespielt; klar ging es auch darum, gemeinsam abzuhängen und zu feiern. <<

Hat diese Vorgehensweise für Euch alle den gewünschten Erfolg gebracht?

>> Fest steht, dass es eine intensive Zeit war, in der wir uns in langen Gesprächen über die Dinge des Lebens ausgetauscht haben. Viele Gedanken, die auf „A Different Life“ verarbeitet werden, haben dadurch Gestalt und Farbe angenommen. <<

Schon auf „Her Liquid Arms“ hat Dich die Natur zu einigen Songs inspiriert, gerade das Meer scheint es Dir angetan zu haben. Damals jedoch in sanfter Art und Weise. Wie kamst Du auf die Idee zum Song „1000 Waves“, wo das Meer nun doch eher bedrohlich erscheint?

>> Das Bild von 10.000 Meter hohen Wellen ist für mich unvorstellbar, ich kann nicht einmal sagen, dass ich es als bedrohlich empfinde. Es geht um die alte Metapher von der Natur, die sich gegen uns wehren und uns letztendlich keine Chance lassen wird. Ich gehe fest davon aus, dass unsere Tage gezählt sind und dass wir Menschen uns bald von hier verabschieden werden. Wenn ich mir unsere degenerierte, grausame, dumme Lebensweise vor Augen führe, finde ich den Gedanken an unsere Auslöschung auch ganz beruhigend. Daher ist der Song, der eigentlich ein schreckliches Sintflut-Szenario beschreibt auch so lethargisch und meditativ ausgefallen. <<

Was hat den Wandel der Sichtweise verursacht?

>> Wie gesagt, mir geht es nicht um die Bedrohlichkeit, sondern um die unendliche Ruhe, die vom Meer ausgeht. Die Bedrohung geht von uns aus, wir sind der Aggressor. <<

Wie ernst nimmst Du die Problematik des Klimawandels und was hältst Du von der politischen Vorgehensweise in Deutschland, Europa bzw. der gesamten Welt?

>> Ich lebe nicht in der Dominikanischen Republik, auf Weihnachten bei 30 Grad habe ich absolut keine Lust. Ich möchte auch nicht irgendwann zu meinen Kindern sagen müssen „wisst ihr, früher, da gab es einmal Schnee. Und Erdöl. Und Köln.“ Es ist schlimm mit anzusehen, wie drastisch die Welt verändert wird und dabei das Gefühl purer Machtlosigkeit zu haben. Die unerträglich desolate Rolle, die Politik und Medien in diesem Prozess abgeben, aber auch die Allgemeinheit, denn wir sollten alle auf der Straße sein und randalieren, sind wir aber nicht, ist für mich jedoch ein Grund mehr zu sagen: wenn es mit uns zu Ende geht, haben wir es nicht anders verdient. <<

Um das neue Album zu promoten habt Ihr nur wenige Shows, einige in Holland, gespielt. Weiterhin habt Ihr auf einige Festivals, u. a. beim Amphi und auch M’era Luna das neue Album präsentiert. Wann können die Fans in Deutschland mal wieder mit einer Diorama-Tour rechnen?

>> Wir wollen in Bezug auf eine Deutschlandtour keinen Schnellschuss wagen oder zu viele Kompromisse eingehen. Es muss einfach alles passen. Ich hoffe, wir werden bald in der Lage sein, die Termine bekannt zu geben. Zum jetzigen Stand befindet sich das Vorhaben noch immer in der Schwebe. <<

In einer Werbung habe ich gelesen, dass Du das neue Album im Rahmen eines Accustic-Sets vorgestellt hast. Wie darf ich mir das vorstellen? War es wie in alten Zeiten im Vorprogramm von Diary Of Dreams nur vom Klavier begleitet?

>> Ganz genau. Die Moritzbastei in Leipzig ist für solche Vorhaben natürlich ein ideales Pflaster. <<

Können die Fans darauf hoffen, öfter mal wieder Gelegenheit zu bekommen einen Accustic-Sets zu sehen?

>> Ja. Das wird ein wichtiger Bestandteil unserer nächsten Konzertplanungen sein. <<

Ihr habt immer tolle Artworks für Eure Cover. Momentan besteht ja der Trend zu MP3 Downloadportalen und E-Text anstatt einer CD mit Booklet. Wie wichtig ist Dir das Coverartwork in der heutigen Zeit noch?

>> Die Wichtigkeit des Coverartworks hat für mich nichts mit den Marktbedingungen zu tun. Die grafische Umsetzung muss zur Musik passen und einen erweiterten Zugang zu den Aussagen des Albums eröffnen. Wenn sich niemand mehr für den Erwerb von Tonträgern interessiert, dann hat man möglicherweise nicht mehr die Mittel, grafisch in die Vollen zu gehen, was ich persönlich sehr schade finde. <<

Wie siehst Du die Entwicklung der Musikbranche im Hinblick auf die Downloadportale?

>> Die Welt der Downloadportale hat sich mir noch nicht erschlossen. Nicht weil ich etwas dagegen habe, sondern weil ich anders denke. Wenn ich eine bestimmte Musik haben möchte, dann kaufe ich die CD. Punkt. Wie sich die Branche entwickeln wird, ist mir ziemlich egal. Ich habe vor langer Zeit herausgefunden, dass die Musikbranche vollkommen im Arsch ist. Die Musikindustrie hat sich strategisch an andere Industrien angelehnt und so kann man mit Kunst nicht umgehen. Dass die Verkaufszahlen heute auf einem Bruchteil früherer Zeiten herumdümpeln, hat die Musikindustrie zu 100% selbst zu verantworten. Natürlich ist es traurig, dass Musik und Kunst konstant vergewaltigt werden. Aber auf der anderen Seite ist es bedeutungslos. Es beeinflusst nicht meine Herangehensweise und meine Leidenschaft für die Musik. <<
Letztes Jahr hast Du für Painbastard den Song „Torn“ eingesungen. Wie kam es zu der Zusammenarbeit? Was war es für ein Gefühl einen Song einzusingen, den man nicht selber geschrieben hat? Steht man dann trotzdem voll dahinter?

>> Ich stehe voll hinter der freundschaftlichen Verbundenheit zwischen den beiden Bands, die auch die Grundlage war, einmal etwas Gemeinsames zu realisieren. Darüber hinaus würde ich niemals einen Song singen, der mich nicht in irgendeiner Form inspiriert. <<

Du hast während Deines Studiums u. a. in Toronto gelebt. Könntest Du Dir vorstellen irgendwann wieder im Ausland zu leben? Wenn ja, wo?

>> Auf lange Sicht bin ich mir unschlüssig, ob ich in Deutschland dauerhaft mein Glück finden werde. Ich könnte mir vorstellen, irgendwann zu meinen skandinavischen Wurzeln zurückzukehren. <<

Du hast einen Studienabschluss in Wirtschaft. Kannst Du Dir vorstellen, falls es mal mit der Musik nicht mehr läuft, einen “seriösen“ Beruf auszuüben, der auf Dein Studium aufbaut? Was würdest Du dann am liebsten machen?

>> Ich habe all die Jahre, die ich Musik mache, immer wieder Jobs nebenher gehabt, um überhaupt musikalisch aktiv bleiben und dennoch Hundefutter kaufen zu können. Das wichtigste ist mir immer, etwas zu tun, das sich richtig anfühlt. Dieses Gefühl kann man im Voraus nicht planen. Von daher weiß ich nicht, wohin es mich treiben wird, ich weiß nur, dass ich nie aufhören werde, Musik zu machen. <<

Irgendwo habe ich ein Foto von Dir mit Deinem Hund gesehen. Wie wichtig ist Dir die Beziehung zu Tieren, welche Rolle spielen sie in Deinem Leben? Ist es für Dich eine Inspiration wenn Du mit Deinem Hund in der Natur bist oder dient das dann mehr der Entspannung um mal auf andere Gedanken zu kommen und vom Alltag abzuschalten?

>> Mein Hund ist in erster Linie ein Freund, jemand mit dem ich unendlich gerne Zeit verbringe. Und er relativiert vieles, weil ihm das ganze bescheuerte Rumgetue von uns Menschen fremd ist. <<
http://www.diorama-music.com
Susanne Soer


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