Obliveon - Metal und Gothic Webzine
 :: Suchen 

 :: Obliveon.de
· Home
· MySpace
· Links

  Info...
· FAQ
· Kontakt
· Impressum
 

 :: Magazin
· GESAMT
· News
· Interviews
· Konzert/Festivals
· Specials
· Foto Galerie

 :: Reviews
· GESAMT
· CD Reviews
· CD Import
· Eigenpressungen
· White Metal
· DVD/Video
· Bücher/Magazine

MAGAZIN :: Index: 'A' :: ARBEIT

ARBEIT
Wider das Vergessen
Arbeits Debüt „Zum einen neuen Licht“ ist ganz sicher kein leicht zu konsumierendes Album und wer rein auf Äusserlichkeiten setzt, wird dieses allein aufgrund des kontroversen Artworks und der Fotos von Auschwitz verdammen, anstatt ihm die Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die ihm aufgrund des zugrunde liegenden Konzeptes eigentlich gebührt. Eine Annäherung an WKII-Themen mit Hilfe von Samples haben bereits viele Projekte zuvor thematisiert, nicht aber aus der Perspektive von Menschen, die zu jener Zeit als ganz normale Bürger unter der NS-Herrschaft gelebt haben und für die Reden von Goebbels, Hitler oder Petain an der Tagesordnung waren. Der musikalische und künstlerische Reiz des Albums liegt, entgegen vieler anderer gleich gearteter musikalischer Projekte, dabei nicht in einem verklärten Heroismus jener Zeit, sondern in dem Gegensatz der harschen Realität des Alltags und der inneren, düster melancholischen Verweigerungshaltung diesem aufgezwungenem Regime gegenüber. Die ist dermassen eindringlich und intensiv dargestellt, dass ein Interview mit Greg L., dem kreativen Kopf von Arbeit, hier folgerichtig war.
>> Ich habe im Juni 2006 begonnen an Arbeit zu arbeiten. Ich habe das Projekt Arbeit genannt, da ich mich mit dem Zweiten Weltkrieg auseinander setzen wollte. Daher war es naheliegend Bezug auf den wahrscheinlich bekanntesten zynischsten Satz „Arbeit macht frei“ zu nehmen. Der Hauptgrund aber war, dass man heutzutage so viele Leute gibt, die berühmt sein oder viel Geld verdienen wollen, ohne etwas dafür zu tun. Schau dir beispielsweise nur das Fernsehen an. Ausserdem war ich einfach das faule Wesen vieler Musiker leid und wollte klar machen, dass man hart dafür arbeiten muss, wenn man etwas erreichen will. Und Musik ist, wenn man etwas Vernünftiges abliefern will, ein wirklich harter Job. <<

Was war für dich der ausschlaggebende Grund ein Projekt wie Arbeit zu starten? Betrachtest du Arbeit als übergeordnetes Konzept oder wirst du dich mit jeder neuen Veröffentlichung einem anderen Thema zuwenden?

>> Ich wollte etwas anderes machen, etwas ohne Gitarren. Ausserdem wollte ich die melancholische und martialische Seite meiner Persönlichkeit für mich entdecken. Was den zweiten Teil deiner Frage angeht, so werde ich mit jeder neuen Veröffentlichung andere Themen erforschen. Ich habe auch schon eine Idee für das kommende Album. <<

Wie ich von dir weiss, warst du mal Gitarrist der französischen Death Metal-Band Misanthrope, die einigen unserer Leser durchaus ein Begriff sein dürfte. Mit Arbeit verfolgst du musikalisch nun eine ganz andere Richtung. Wie ist dazu gekommen, etwas musikalisch so konträres zu beginnen?

>> Zunächst wollte ich einfach mal meine Gewohnheiten ändern. Als Gitarrist habe ich sechzehn Jahre lang Songs geschrieben, die auf Gitarrenriffs beruhen. Ich wollte andere Musik machen, die wirklich das zum Ausdruck bringt, was ich in meinem Inneren empfinde. Hinzu kam, dass ich müde geworden bin Metal zu spielen, auch wenn ich immer noch gerne Gitarre spiele, nur jetzt auf andere Art und Weise und ohne immer alle Regler bis über den Anschlag hinaus zu haben. <<

Wie würdest du die Musik von Arbeit und das Debütalbum beschreiben und definieren?

>> Ich würde sagen, dass es Musik ist, die sehr paradox sein kann. Man kann schöne und leichte Melodien haben, während gleichzeitig kraftvolles militärisches Getrommel zu hören ist. <<

Welche musikalischen Einflüsse haben dich und die Musik von Arbeit geprägt?

>> Death in June und Der Blutharsch sind offensichtlich. Das waren die ersten Bands dieser Szene, die ich überhaupt gehört habe. „Take Care And Control“ ist immer noch eins meiner absoluten Lieblingsalben. Es gibt aber natürlich noch andere Einflüsse: Erik Satie,
klassische russische Komponisten wie Tchaikivsky oder Moussorgski, Beethoven, Soundtrack-Komponisten wie Danny Elfman, Hans Zimmer, John Williams, aber auch Dead Can Dance und Lisa Gerrards Solo-Arbeiten. Alles in allem höre ich aber viel unterschiedliche Musik, von Holdsworth bis Morbid Angel. Die grössten Einflüsse sind nicht unbedingt die, die offensichtlich sind. <<


Das Debüt-Album nennt sich “Zum einen neuen Licht”. Neben der ungewöhnlichen Tatsache, dass du einen deutschen Titel für das Album gewählt hast, würde mich die grundlegende Idee hinter diesem Titel interessieren? Was ist diese „Neue Licht“, dem du dich zuzuwenden suchst? Beinhaltet das Album ein komplettes Konzept?

>> Ich wollte einen Albumtitel, der offen ist in seiner Aussage. Ich denke, jeder hat eine eigene Meinung dazu. Der Titel hat natürlich für mich auch eine Bedeutung, aber die ist sehr persönlicher Natur und ich ziehe es vor, dass die Hörer eine eigene Version für sich finden. Was das Konzept des Albums angeht, gibt es zwei verschieden Lesarten: zum einen wollte ich einen Rahmen setzen um darzustellen, wie ganz normale Menschen den Zweiten Weltkrieg erlebt haben. Das ist etwas sehr Persönliches, denn ich stamme aus dem Osten Frankreichs, der sehr unter dem Krieg gelitten hat. Ein Teil meiner Familie hat dies miterleben müssen. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie das tägliche Leben ablief. Was haben die Menschen damals gedacht? Zum anderen kann dies auch als Metapher für mein Leben verstanden werden, denn ich hatte eine sehr schwere Zeit zu überstehen und mein Leben war fast wie ein Krieg. <<

Im Gegensatz zu vielen anderen Projekten des Martial Genres finde ich in der Musik von Arbeit keinen Heroismus, sondern vielmehr einen tiefen, traurig melancholischen Unterton. War dies der Ausgangspunkt als du mit Arbeit begonnen hast?

>> Ja. Wie ich schon angedeutet habe, habe ich bewusst die Sichtweise eines ganz normalen Menschen jener Zeit gewählt. Meine Musik hat nicht mit grossen Kriegern oder Heldentum zu tun, sie handelt vom Überlebenskampf ganz normaler Menschen während des Zweiten Weltkrieges und wie schwer es für die Menschen damals gewesen ist. Die Gefühle, die du erwähnst, sind in meiner Persönlichkeit sehr präsent und ich habe während dieser Zeit Bezug auf mein persönliches Leben genommen. Die Atmosphäre musste so sein. <<

Du weist ausdrücklich darauf hin, dass Arbeit kein politisches Projekt ist und keinerlei Sympathien für politische Extreme hegst, weder rechts- noch linksgerichtetem Extremismus. Auf der anderen Seite verwendest du Symbole und Photos mit einem deutlichen Bezug zum NS-Regime, wie auch Samples von Goebbels und Hitler. Warum verwendest du gerade diese Symbole für deine Arbeit?

>> In Zeiten der “Political Correctness” ist es sehr wichtig nicht zu vergessen, was damals geschehen ist. Und noch einmal, das Album handelt vom täglichen Leben. Die Menschen jener Zeit haben all diese Reden gehört, und die Musik folgt dem, von dem ich glaube, was damals den Rahmen für ihr Bewusstsein gebildet hat. Nimm beispielsweise den Song “Le Destin de La Patrie”. Man hört Petain über den verlorenen Krieg in 1940 sprechen. Die Musik ist sehr melancholisch und traurig und kann als französische Sichtweise der damaligen Zeit betrachtet werden. Menschen, die Verzweiflung in der Niederlage empfinden und sich fragen, was nun passieren wird. <<
Läufst du, trotz dieser klaren Aussage, nicht aber doch Gefahr als politische Band gebrandmarkt zu werden? Eben weil du diese Symbole und diese Photos verwendest?

>> Das glaube ich nicht. Das mag für den Moment richtig sein, denn einige Leute wollen einfach nicht verstehen, dass Arbeit keine politischen Inhalte vermittelt, sondern soziologische. Zukünftig werde ich auch andere Themen ansprechen, so dass sich dieser politische Aspekt verlieren wird. <<

Empfindest du eine gewisse Faszination und Sympathie für dieses NS-Regime und seine Politik, oder empfindest du ein viel weiter reichendes Interesse für die Deutsche Kultur? Erstreckt sich dieses Interesse gar auf Europa und seine verschiedenen Kulturen?

>> Nein, Faszination in keiner Art und Weise, um das hier noch mal ganz klar zu machen. Ich bin wohl an der Organisation und dem ganzen Ablauf interessiert. Mehr noch, es ist interessant herauszufinden, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Um eine bessere Zukunft zu haben, müssen wir aus der Vergangenheit lernen. Was das Interesse für die Kultur angeht, so bin ich natürlich an Deutschland und Frankreich interessiert, mehr aber noch an Europa in seiner Gesamtheit. <<

Es gibt im Martial und Miltary Pop-Genre eine klare Abgrenzung gegenüber der USA und ihrer Politik der USA, der schon in einen Anti-Amerikanismus mündet, während ein starker Bezug zur europäischen Kultur hergestellt wird. Wie stehst du zu diesem Anti-Amerikanismus und dem Hegemonialstreben der USA?

>> Es gibt nur eins, wovor ich Angst habe, und das ist der Tag, an dem Europa zum 51. Staat der USA wird. <<

Dein Profil ist fast immer dabei, wenn auf Myspace die selbsternannten Wächter von Sitte und Moral veranlassen, dass Profile gelöscht und zensiert werden. Wahrscheinlich aufgrund der kontroversen Fotos, die du verwendest, was gleichzeitig aber deutlich macht, dass sich kaum jemand die Mühe macht, Arbeit und das zugrunde liegende Konzept zu hinterfragen. Neben der Tatsache, dass es wahrscheinlich nicht wirklich lustig ist, dieses Profil ständig neu aufbauen zu müssen, frage ich mich, ob es andererseits aber nicht irgendwann auch langweilig wird, sich immer und immer wieder für Arbeit rechtfertigen und das Konzept erläutern zu müssen? Es scheint aber beinahe so, als ob hier massiver Erklärungsbedarf besteht, damit man die künstlerische Arbeit wirklich versteht.

>> Es ist schon manchmal lästig, immer wieder die selben Dinge erklären zu müssen, aber ich bin mir natürlich der Tatsache bewusst, dass ich starke Symbole verwende. Wenn ich mich also mit jemandem unterhalte, der auch bereit ist mir zuzuhören, ist es für mich kein Problem, das erneut zu erklären. Langweilig wird es, wenn man sich mit jemandem unterhält der fest davon überzeugt ist, dass man ein Nazi bin, dass man politisch ist, ein schlechter Mensch und bösartig ist. Was immer man dann sagt, dein Gegenüber kennt dich in dem Moment besser, als man sich selbst. Und solche Menschen wollen einen dann darüber belehren, was Freiheit ist? Darüber kann ich nur lachen. <<

Du verwendest für das Artwork des Albums wie auch dein Profil auf Myspace Bilder des KZ Auschwitz. Kannst du nachvollziehen, dass manch einer die Verwendung dieser Bilder als zynisch empfindet?

>> Ja, natürlich verstehe ich das, aber das Leben dreht sich halt nicht immer nur um Blumen und Teddybären. All die, die sich heute darüber beschweren, wie hart das Leben doch ist, sollen sich mal Gedanken darüber machen, wie schwer es wohl vor vierundsechzig Jahren gewesen ist. Es ist halt nicht wirklich wichtig, dass man sich nicht das neueste Handy oder was auch immer leisten kann. <<

Hast du eine Erklärung dafür, warum gerade französische Bands so von diesem Thema fasziniert sind? Projekte wie Die Macht oder Les Affres de la Mort sind stilistisch ja sehr ähnlich angelegt wie Arbeit.

>> Da ich diese Bands nicht persönlich kenne, kann ich natürlich auch nicht für sie sprechen. Vielleicht ist es einfach das Interesse an der Geschichte ihres Landes. <<

Betrachtest du Arbeit als reines Studioprojekt oder gibt es Pläne auch live aufzutreten? Wie könnte solch eine Show aussehen?

>> Anfänglich war es ein reines Studioprojekt und ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich überhaupt ein Album machen würde. Ich habe halt einfach für mich ganz alleine versucht, etwas neues zu machen. Als ich drei Stücke hatte, habe ich sie einfach bei Myspace veröffentlicht und gehofft, dass zwei oder drei Leute diese vielleicht mögen würden. Das hätte ich schon klasse gefunden. Ich habe aber schnell gutes Feedback und Angebote diverser Labels bekommen, so dass ich dann bei AWP gelandet bin. Mittlerweile denke ich auch bereits über Live Shows nach, weiss aber noch nicht, wie das aussehen könnte. Ein paar Ideen habe ich bereits du ich denke, es wird sehr visuell und einige Überraschungen geben. Aber konkret ist noch nichts geplant. <<

Soviel ich weiss, ist Arbeit ganz alleine dein Projekt, Kannst du dir vorstellen zukünftig auch mit anderen Künstlern zusammen zu arbeiten?

>> Das ist richtig, ich bin Arbeit. Was Kollaborationen angeht, so habe ich bereits ein Stück mit Heiliges Licht für den „Friendship Is Everything“-Sampler gemacht. Ich habe auch noch ein paar Anfragen anderer Bands bekommen mit ihnen zu arbeiten, also mal abwarten was daraus wird. Momentan arbeite ich an einem kompletten Album mit Kenji Siratori und Snoww Wwhite und ich unterhalten uns gerade darüber etwas gemeinsam zu machen. Man wird also immer und immer wieder von mir hören (lacht). <<

Was sind die weiteren Zukunftspläne mit Arbeit? Hast du bereits damit begonnen an neuem Material zu arbeiten oder Live Shows vorzubereiten?

>> Wie bereits erwähnt, arbeite ich derzeit an einem kompletten Album mit Kenji Siratori. Ich habe ein Stück geschrieben, das auf einem limitierten Tribut-Sampler für den italienischen Dichter Marinetti erscheinen wird. Ich denke über Live Shows nach und wie diese aussehen könnten, und wenn ich dann noch Zeit habe, arbeite ich an einem Nebenprojekt, aber nicht weiter sagen (lacht erneut). <<
http://www.myspace.com/ichtotemich
Michael Kuhlen


[ Zurück zum Index: 'A' ]
 

[ Unsere Webseite weiterempfehlen ] [ Impressum ] [ Seitenanfang ]

© Oblivion 1998-2002 Alle Rechte vorbehalten

Haftungsausschluss/Disclaimer

technisches Konzept, Programmierung & Webdesign by M. Koschinski / C. Fessler