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MAGAZIN :: Index: 'C' :: CIRRHA NIVA

CIRRHA NIVA
Progressiv im Sinne des Wortes
"Liaison de la Morte" ist nicht einfach nur das dritte Album der holländischen Progger Cirrha Niva, sondern vielmehr ein umfassendes Kunstwerk, welches die Vertonung einer von Gitarrist Rob Willemse erdachten konzeptionellen Story, eine ansprechende Visualisierung in Form eines überlangen Video-Clips sowie eine Rock-Musical kompatible Live-Darbietung impliziert. Darüber galt es Näheres zu erfahren und so sprach ich zunächst mit jenem Six-Stringer Rob, welcher sich jedoch mitten im Interview verabschiedete, um den Rest meines Fragenschwalls von Bassistin Liselotte Hegt beantworten zu lassen.
Cirrha Niva dürften für viele noch ein unbeschriebenes Blatt sein. Rob, kannst Du uns den Werdegang der Band näher erläutern?
>> Die Geschichte Cirrha Niva´s geht auf die Band Requiem zurück, die Peter Vennema (guitar) und ich 1989 gründeten. Im Februar 1993 folgte der Namenswechsel und kurz darauf unser erstes Demo "Alighieri´s Roots". Diesen Titel wählten wir ganz bewusst, da unser Bandname auf den italienischen Dichter Dante Alighieri zurückzuführen ist. Wir tendierten immer mehr in eine progressive Richtung und 1995 kam Liselotte Hegt, unsere ´bazzcraziness´, mit frischen Ideen hinzu. Im November 1996 nahmen wir unsere erste CD "The Mirror World Dimension" auf und traten hiermit regelmäßig live auf. Dann ging es Schlag auf Schlag: Arnold Kloek wurde neuer Cirrha Niva-Sänger und im Januar 1998 folgten Tommy White als Drummer sowie Wilbert van den Broek an den Keyboards. In dieser definitiven Besetzung produzierten wir das "No More Psychosis"-Demo und nach Gigs mit Skyclad und Lacuna Coil unsere zweite Scheibe "Enter The Future Exit". Anschließend gingen wir mit Planet X auf Tour und vor zwei Jahren hatten wir die verrückte Idee ein Konzeptalbum zu erschaffen. Ich schätze mal, der Rest Deiner Fragen wird sich hiermit beschäftigen, oder? <<
Bingo, im Prinzip schon. Wie würdet Ihr eigentlich Eure neue CD "Liaison de la Morte" musikalisch beschreiben? Das dürfte auch für Euch gar nicht einfach sein...
>> Wir haben lange überlegt als wir uns Gedanken über eine stilistische Beschreibung machen mussten und wir haben uns darauf geeinigt, dass die Musik auf "Liaison de la Morte" eine Vielzahl von Stilen und Stimmungen beinhaltet. Wir kombinieren Rock und Metal mit bombastischen, symphonischen Arrangements, Jazz, groovigen Rhythmen, cineastischen Aspekten und klassisch angehauchten Parts. Als wir dies niederschrieben fühlten wir uns ein wenig verwirrt, aber zum Glück teilen die Leute anscheinend unsere Einschätzung. <<
Habt Ihr aber keine Angst davor, Euch zwischen allen musikalischen Lagern zu bewegen und die Fans mit Eurer Stilvielfalt zu verschrecken?
>> Wir sind uns dessen bewusst, aber wir fürchten es nicht. Natürlich könnten wir mit einer massentauglicheren Musik wesentlich mehr Leute ansprechen, aber wir haben die Entscheidung getroffen unseren eigenen Gedanken, Ideen und Interessen zu folgen anstatt die Erfolgsformel von anderen Musikern zu kopieren. Wenn wir deswegen auf bestimmte Fans verzichten müssen, dann soll es so sein. <<
Welche musikalischen Vorbilder liegen Eurem bunten Cocktail denn zugrunde?
>> Fragen dieser Art beantworte ich immer gerne und ich könnte nicht nur ein paar Acts aufzählen, sondern dreißig Jahre Musikgeschichte, die mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin. Aber ich sollte es wohl besser auf einige Namen beschränken: Psychotic Waltz, Anacrusis, Marillion, Pink Floyd, Danny Elfman, Cirque du Soleil, Nevermore, Van Halen, Kiss, Iron Maiden und Cirrha Niva. <<
Die eigene Combo ist immer ein gutes Vorbild.:) Kommen wir zum umfassenden lyrischen Konzept des aktuellen Albums.
>> OK, lass uns mit dem Kern der Geschichte beginnen. Ein alter Mann sehnt sich nach Wiedervereinigung und dem Frieden, den ihm der Tod bringen soll. Am 31. Oktober zur mitternächtlichen Geisterstunde, wenn die Grenze der beiden Welten zerbrechlich ist, spürt er das Verlangen seine verstorbene Frau zu umarmen. Während er dahinscheidet sieht er eine Parade von sterbenden Menschen, die sich in Richtung Unterwelt aufmachen. Der Mann findet sich in einer Art Zwischensphäre wieder, einem Raum zwischen dem sterblichen Leben und dem Tod. Hier trifft er seine tote Angetraute, die allerdings niedere, bösartige Motive in Bezug auf das Zusammentreffen mit ihrem Mann hegt. Der Herr der Unterwelt ist der einzige Triumphator, er ist eine zynische und sarkastische Person und beherrscht die ignorant lebenden und sterbenden Menschen. Das Tor zum Tod ist sein Besitz und niemand entkommt ihm. Die Idee hierzu kam mir als ich den Text zum Track "Nightwish" schrieb, welcher auf einem unserer früheren Songs ("Vacuum" vom "Enter The Future Exit"-Album) basiert bzw. am Ende von "Vacuum" ansetzt. Der Track war sehr stimulierend, er beinhaltete viel Energie, verschiedene Atmosphären und verrückte Ideen, so dass wir der Meinung waren, dass könne nach acht Minuten einfach noch nicht beendet sein. Also arbeitete ich weiter daran und mit der Hilfe von Liselotte und Arnold hörte ich erst nach dem siebten Part wieder auf. Im weiteren Prozess trug jeder seine Ideen zum musikalischen Rahmen bei und das Werk entwickelte seine jetzige Form. <<
Wie seid Ihr hierbei vorbeigegangen? Habt Ihr zuerst das textliche Konzept entworfen und anschließend die Musik in der Art eines Soundtracks komponiert?
>> Ja, genau. Das Konzept und die Lyrics standen zuerst, danach folgte die Musik. Wir arbeiten immer nach dieser Art und Weise, denn so kannst Du die Musik mit den lyrischen Anforderungen und den entsprechenden Gegebenheiten in Einklang bringen. <<
Wie lange habt ihr denn insgesamt an "Liaison de la Morte" gearbeitet, bei all´ diesen Details und der langen Liste an Gastmusikern dürfte es nicht eben wenig gewesen sein?
>> Oh, wir haben beinahe zwei Jahre gebraucht um "Liaison de la Morte" zu vollenden und wenn man bedenkt, dass wir normalerweise zwei bis drei ´normale´ Songs pro Jahr schreiben, ist das gar nicht schlecht. Wir hatten zunächst auch nicht die Absicht, dies so zu veröffentlichen. Wir buchten etwas Studiozeit um eine Mini-CD aufzunehmen und kündigten dies auch in einigen Magazinen an. "Nightwish" sollte hierauf enthalten sein, aber im Zuge der Vorbereitungen verwarfen wir die Idee wieder. Die Arbeit an unserem Konzeptalbum lief nämlich auf einmal auf Hochtouren und mit jedem Tag und jedem Akkord, der uns dem Ende dieses Prozesses näherbrachte, tauchten neue Ideen auf, die wir nicht abweisen konnten: der Chor, der Erzähler, der CD-Rom-Part, und vor allem eine ganz spezielle Live-Show. Wir mussten also vieles in kurzer Zeit arrangieren und vorbereiten, aber zum Glück halfen uns hierbei viele Freunde aus. <<
Um mal näher auf die Gastmusiker einzugehen, wie seid Ihr eigentlich an die Pain Of Salvation-Jungs geraten?
>> Yeah, eine großartige Frage für unsere Bassistin, Backgroundsängerin und Schauspielerin, das sollte sie übernehmen. Bye! <<
Flugs wechselt der Interviewpartner und Bassistin Liselotte steht für den Rest des Interviews ihren ´Mann´.:)
>> Hi! Hier ist die "basscraziness", haha. Nun, als wir uns mit der Idee beschäftigten einen Chor zu engagieren, machten wir uns über die Zusammenstellung intensive Gedanken. Beide Gitarristen wollten aus nostalgischen Gründen den alten Cirrha Niva-Sänger Daan Cuppen dabei haben. Daan liebt Dramen und hat eine eher tiefe Stimme. Über unsere Managerin Inge kamen wir mit einem Kirchenchor in Kontakt und konnten hier tolle Sänger verpflichten. Aber als wir an den Chören und Gesangslinien arbeiteten, fiel uns auf, dass wir noch ein aggressiv und mächtig klingendes männliches Team gebrauchen könnten, und in einem verdrehten Moment kam mir die Eingebung Pain Of Salvation dabei haben zu wollen. Wir alle lieben ihre Vocal-Arrangements und speziell auch Daniel Gildenlöw´s charismatische Stimme. Da ich mit einem der Jungs liiert bin war es nicht schwer sie diesbezüglich zu fragen und glücklicherweise hatten sie Zeit und Lust in das Projekt einzutauchen. Daniel ließ sich von unserer Musik inspirieren und schrieb noch eine großartige Harmonie. Wir sind echt stolz sie auf unserer Platte dabei zu haben. <<
Das kann ich gut verstehen, schließlich halte ich Daniel Gildenlöw für einen der besten und genialsten Sänger im gesamten Rock-Bereich. Aber kommen wir zurück zu Cirrha Niva und dem aufwendigen Videoclip im CD-Rom-Bonus des neuen Werkes.
>> Wir konnten uns natürlich keine große Produktion leisten, aber da wir das ganze Projekt sowieso eher nach dem ´Let´s just do it ourselves´-Prinzip durchgezogen haben, gingen wir auch den Clip mit der Hilfe von Freunden an. Unser Kumpel Tom Steenhorst studiert an einer Filmhochschule und hat die komplette Produktion animiert, unsere Managerin, Designerin und künstlerisch-kreatives Gehirn Inge Steenhorst hat mit ihrem Mann Tom, unserem Sänger Arnold und mir das Skript ausgearbeitet, was gar nicht einfach war, da wir die komplette Geschichte in diesem einen Song darstellen wollten. Die Dekorationen und Kleider stellten wir zum Großteil ebenfalls selber her und während die Gitarrenaufnahmen liefen sind wir dann in den Süden Hollands gefahren, um diesen kleinen Film zu drehen. Die Szenen aus der Gegenwart wurden in einem kleinen Theater in Den Bosch, der Heimatstadt der Band, geschossen. Die Hochzeits- und Tanzszenen drehten wir in einer riesigen, alt-gotischen Kirche und die Rückblicke fingen wir mitten auf dem Land ein. Auch wenn wir drei Tage kaum schliefen und die Vorbereitungen immens waren, so war es das alles wert, denn die Arbeiten waren eine unglaubliche Erfahrung. <<
Ich habe selbst in der aktuellen Ausgabe des hiesigen Gothic-Magazins eine Story über Cirrha Niva gelesen, was mich schon etwas verwunderte, da Ihr musikalisch eigentlich keine Bezugspunkte zum Goth-Genre aufweist. Die Betonung des Konzeptes und die auffällige visuelle Präsentation dürften hierfür verantwortlich sein, oder?
>> Nun, wir sind echt glücklich darüber, dass speziell die deutsche Gothic-Szene unserem neuen Album ein echtes Interesse entgegenbringt. Und der von Dir genannte Artikel kann natürlich Türen und Augen öffnen, die Leute können besonders an Hand der visuellen Präsentation sehen, worum es hier geht. Das ist toll, denn es ist wirklich schwer ein großes Projekt in Worten zu beschreiben und die Leute werden durch Bilder angezogen. Da die visuelle Komponente beim aktuellen Album recht stark vertreten ist, sollte dies halt auch in den Berichten herüberkommen. Um ehrlich zu sein waren wir am Anfang aber auch etwas erstaunt über die überschwänglichen Reaktionen der schwarzen Szene, da wir uns ebenfalls eher als Metal-Act sehen. Aber auch wenn es keine offensichtlichen Goth-Elemente in unserem Sound gibt, so denke ich doch, dass man auf unserer neuen CD einige Bezugspunkte zu diesem Genre findet, denke nur mal an Devil Doll oder Lacrimosa, die uns in mancherlei Hinsicht ähnlich sind. <<
Allerdings sehe ich auch keine musikalischen Schnittpunkte mit diesen Acts, wenn überhaupt nur hinsichtlich der theatralischen Aspekte. Aber lass uns über die Bühnenumsetzung des neuen Werkes sprechen, können die Fans denn auch eine entsprechende Aufführung des Konzeptes ´on stage´ erwarten? Mit Schauspielern, Requisiten und dem ganzen anderen Rest?:)
>> Ja, absolut! Wir spielen das Album an einem Stück und die Zuhörer werden in eine unheimliche, surrealistische Welt hineingezogen. Auf der Bühne befinden sich Skulpturen, brennende und greifenden Arme, Masken welche die Leiden der Menschen verdeutlichen und verschiedene Backdrops. Während der Performance zeigen wir eine noch längere Version des "Nostalgia"-Clips und unser Sänger und ich repräsentieren die Hauptcharaktere der Story, natürlich in voller Montur und mit theatralischem Make-up. Während ich die verstorbene Frau spiele wechselt Arnold sein Outfit ständig und stellt sowohl den alten Mann als auch den Fürsten der Unterwelt dar. Tanzende Geister und den Einsatz von Feuer gibt es ebenfalls zu erleben. Dazu gesellt sich eine atmosphärische Lichtshow und eine Art Steg, der es uns erlaubt in das Publikum hineinzugehen. Ich glaube, man kann es wirklich ein "Rock-Musical" nennen. Die Räumlichkeiten des Clubs werden in eine wirklich dunkle Unterwelt transformiert, mit Kerzen, surrealistischen Plastiken, Fotografien und dem Hochzeitskleid der verstorbenen Frau. Eine Aufführung benötigt die vierundzwanzigstündige Arbeit und Vorbereitung von dreißig Menschen. Danach legen wir einfach die Kostüme ab und präsentieren noch ein ´normales´, einstündiges Rock-Set, welches die etwas härtere Seite von Cirrha Niva präsentiert: headbangende und Spaß habende Musiker. Im April werden wir in Holland und Belgien einige Shows mit Evergrey spielen, allerdings keine kompletten "Liaison de la Morte"-Shows, aber dennoch freuen wir uns sehr darauf. Außerdem gebührt uns die Ehre am 17.Mai das elfte Wave-Gotik -Treffen in Leipzig zu eröffnen. Dies ist unser erstes Konzert in Deutschland und wir können es kaum abwarten, ein Teil dieses berühmten Events zu sein und werden dort neben der ganzen Theater-Show noch einige Extras auffahren, die wir noch nie zuvor präsentiert haben. Ich hoffe Du wirst auch mal zu einer unserer Shows kommen!? <<
Worauf Du Dich verlassen kannst!:) Wenn Euch das Interview noch nicht neugierig auf meinen - nach "Remedy Lane" - derzeitigen Progressive-Tipp gemacht hat, dann ist Euch wohl nicht mehr zu helfen! Gönnt Euch "Liaison de la Morte" oder versauert beim Konsum der siebenunddreißigsten Dream Theater-Kopie!
http://www.cirrhaniva.nl
Christoph Lücker


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