|
|
SPOCK’S BEARD
SAME (77:11 min.)
INSIDE OUT / SPV
|
|
Gute 21 Monate ist es her, als uns die Bärte mit „Octane“ beglückten und sich uns, wie in Bandkreisen klar und wiederholt kommuniziert wurde, als eine neuen Band mit bekanntem Namen präsentierten, die sich mit diesem Album endgültig aus dem Schatten ihres ehemaligen Bandgründer, Songschreiber und Sänger Neal Morse lösten und mit eigener, neuer Identität auftraten. Es hatte sich damals bereits einiges geändert, was nicht nur den Gesang, sondern auch die Definition ihrer Musik betraf. Somit ist es für mich auch nicht verwunderlich, dass sich dieser Weg mit dem neuen Album konsequent fortsetzt. Eher verwundert zu dieser Zeit der Schaffensphase (immerhin sprechen wir bereits vom neunten Studioalbum) die Tatsache, dass wir es mit einem selbstbetitelten Album zu tun haben, was die Band aber damit begründet, dass es für einen Wendepunkt stehen könnte. Musikalisch würde ich den angesprochenen Wendepunkt insoweit sehen, dass man sich anscheinend nicht mehr so stark in konzeptionellen Strukturen bewegt, die musikalischen Einflüsse, seit jeher sicherlich in vielschichtiger Form immer vorhanden gewesen, endlich mehr Raum bietet und insoweit ein ungewohntes Hörbild abliefert. Ungewohnt, weil man sich an Deep Purple, Led Zeppelin, Lenny Kravitz bis hin zu Genesis oder Spock’s Beard alter Prägung erinnert fühlt und ein Wechselbad der Gefühle durchlebt. Facettenreich? Auf jeden Fall! Gewöhnungsbedürftig? Unbedingt. Spock’s Beard? Diese Antwort kann hier keiner von mir erwarten, sie würde wahrscheinlich Diskussionsstoff in Hülle und Fülle liefern, sofern ich mich klar für eine Richtung entscheiden würde. Was kann ich als Fazit festhalten? „Spock’s Beard“ wird die Fangemeinde polarisieren, weil einige die Vielschichtigkeit begrüßen werden und für sich feststellen, dass sich die Band weiterentwickelt hat. Andere wiederum werden ihr Ziellosigkeit vorwerfen, weil sie zu sehr in bekannte Gewässer geschielt haben, zu soft auftreten und ihre Stücke thematisch zu wild auf dem Album verteilt haben. Womit wir wieder beim Wechselbad der Gefühle wären, dem ich mich nicht entziehen kann. Nein, „Spock’s Beard“ ist kein schlechtes Album geworden, mitnichten. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen und die Bärte werden es definitiv nicht jedem recht machen können. Ich werde mich zumindest mit dem Album noch weiter beschäftigen müssen und falls ich mal gefragt werden sollte, wo genau ich die neuen Bärte einsortiere, dann können wir uns darüber gerne mal unterhalten, aber bitte erst nach dem Jahreswechsel, denn so viel Zeit muss sein. Und daraus ziehe ich letztendlich ein positives Fazit, denn es liegt eine leicht ordnende Hand dergestalt über dem Album, weil es Zeit benötigt. Zeit, erschlossen zu werden, Zeit sich zu setzen und nochmals Zeit, um seine Wirkung auf den Hörer zu entfalten, bis man sich in der Lage fühlt, sich klar zu positionieren. Ziel erreicht, oder? Die Kunst liegt doch darin ein Album zu kreieren, das in erster Linie eins beinhaltet: Nachhaltigkeit.
|
|
8/10 - RB
|
[ Zurück zum Index ] |
|
|